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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 4 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
4 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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SSdisch | V* 1892« H»r,,»qrtz«br» von Dr. M. üifeWT ln SKaflbtfm.-j. *;iir Jfntrrtiltai nl Krtehrivfmr die israelitische |a»ilif. * fl®k «rltbrille. Stlhiiurtt«.»jim »,thau Sa»»»!,. lvchlnß.) —Slttah. Roman au» der Zelt der letzten Masfknaubwelsimg« ,u« Otetfirtft* R«W«nb unb ^Iwufcn San H. Berger. tFortsetzung) — Orsini nnd Dem oder: RellglSse Verfolgung. Drama ln tritt Afttn von Heinrich Bett. (Lchlntz.) — Mthstl-tzttlfaaben. — SUthsel-Äsungen. (Unbefngtrr »achbrnck «X dirsc« Blalie «st «uerfngt). Die «eltdrUle. Silhouette den Rathan Gamuelq. (Schluß.) Ganz anders zeigte ljch in diesem Augenblicke die Welt meinem Freunde durch seine Brille, auch hörte er aus jener Antwort etwa» ganz anderes heran». »Nun, schau her", begann er mit gedämpftem Tone. „Welch' eine traurige Komödie ist doch dieses Leben! Hier legt man einen in'» Grab, weinen arme Menschen, daß drob die «Steine schmelzen könnt:n, und dort braust daS Ungeheuer der Zeit mit Sturm und Flammen in die Welt hinaus. Wie sie sich zu den Fenstern drängten, alle jene geschnörkelten Zierpüppchen, die doch früher oder später ebenfalls in den Gräften modern werden! Wie sie mit den Batisttüchelchen schwenkten, Kußhändchen l,inwarfen und wie sie so ftühlich in die Welt hiaeinlachten, als ob Alles in dieser Welt so schön und gut bestellt wäre! Und heucheln sie denn nicht, alle diele putzigen Figürchn? Birgt sich nicht unter dem lachenden Lärvchen eine »Zelt von Jammer und Schmerzen? verblutet nicht so manch« von ihnen in Jammer da» Herz, «ährend da« Gesicht sich zu einem Lächeln zwängt. — O, diese Heuchelei, diese Lüge und Verstellung!" .Wie kommt e» nur, Freund", fragte ich ihn „daß Du 'nur «och Tod und Modei suchst, und wo Du sie nicht in der Wirklichkeit findest, da riechst Du sie heraus au» allem was blüht, lebet und lacht l Du siehst in den Blumen nur Verwesung, während eS doch viel schöner ist, in der Verwesung die daraus hervorkeimende Blume zu sehen!" »Ja, Freund, da muz man die Begabung haben, Alles zu sehär wa» man will!«' .Was man sieht" kirrigirte ich. I» diesem Augenblick wurde unser Gespräch unterbrochen Hinter einem Leicheastein grinste uns ein unheimliches Gesicht entgegen: ein Mann in den Vierzigern, mit einem verwilderten, ganz verwachsenem «Gesichte und sonderbar ausstafsirt: in einem breitkrempigen, halb roch und halb grün Örbten Hute, mit einem Kaftan, der au» lauter bunten »en zusammengeslickt war, und mit einem Kranz au« kleinen Papicrschnitzeln um den Hals. In der Hand hielt er eine schmierige, zerrissene Geldtasche, die er wie eine Siegesfahne hoch über seri Haupt schwengte. „Hi, hi, hi!" lachte er, daß alle Gräber mitzulachen schienen. »Ich habe die Geldtasche . . . Au» dem Grabe habe ich sie herausbekomm:n. — Aber da ist mir ein Stück Gchirn aus dem Kopfe in die «Grub« gefallen ... Hi, hi, hi, «in große», warmes Stück Gahirn ... Sie aber drehte mir den Rücken zu . . . Ich wollte mein Gehirn zurück, und da habe ich sie umgedreht — Hui! Da hat sie mich mit zwei Äugen angesehen, das: sich mir da« Herz hinaufgerückt »hoch bis in den Kopf und noch höher hinauf. Ich aber r zu ihr: „Weib gieb mir wein Gehirn zurück!" Hi, hi, hi! Da spie sie mir zwei Fing» ittS Gesicht, daß mir die Augen pflogen sind — hrrn, und Hab«!Zch hak-e meine durch die zweite Seite des KopfeS Und so habe ich keine Augen und kein dafür meine Geldtasche ... Hi, hi, hi! Geldtasche!" „Ja, er hat die Geldtasche!" ergänzte wein Freund, und hier unten hat er sie vor etwa zwölf Jahren gefunden" „Hier unten?" fragte ich befremdet. „Ja, im Grabe seiner Frau, welches man zwei Tag« nachdem es sich über sie geschlossen, wieder geöffnet hat". „Und weshalb wieder geöffnet?" .Dieser Tasche wegen!" .Wieso das?" .Er vermißte dieselbe mit einer Summe van 5000 Gulden, als er von dem Begräbniß seiner Frau zurückg-tchrt war. Man vermuthcte sie im Grabe, über welches er sich, bevor es geschlossen wurde, wiederholt hinuntergekxugt hatte". .Run?" .Die Bermuthung traf zu — die Tasche befand sich im Grabe". „Und das ist die Ursache seines Wahnsinns?" „Ja, — al» man das Grab öffnete, fand man die Leiche mit dem Gesichte nach unten, die Todtenkleider zerschunden und in der rechten Hand fehlten ihr zwei Finger, die sie sich abgebissen!" .Also, rin Scheintod!" „Ja, ein Scheintod — Nickt wahr, auch ein interessante» Kapitelchen in jenem Werke, von dem Du so entzückt bist?" „Hi, hi, hi, ich habe die Geldtasche!" «wtünte es abermals hohl und wüst aus der Mitte der Gräber. Es überlies mich ein kalter Schauer. — Jnzwischefl zog sich die Sonne vom Horizonte zurück. Die Abendschatten wuchsen und dehnten sich wie Riesengest>enstec, und die Dämmerung wob immer dichter ihren Eichlricr um die Gräber. Im weiten Friedhof« war es still und düster. Ich drängte meinen Freund, mit mir endlich die Stätte der Tobten zu verlassen. Die Nacht war bereits herangebrochen, als wir un» auf dem Wege nach Hause befanden. Vom tufblauen Himmel hingen miriadenweise die ewigen Lämpchen herunter. Die Berge, die Thäler und die Straßen waren von einem silbernen Lichte überfluthet. Mit den Himmelslichtern wetteiferten auf Erden die GaSlaternen, die heute zu Hunderten in den Straßen flackerten und von welchen viele in das Laubengebüsch der Bäume hineinragten, so daß die rosenrottn, vom Herbste angerissenen Blätter mit einem märchen» haften Lichte angemalt werden und wie räthliche Rubinen im Winde sich bewegen, flimmernd und glijernd. Aus den der Sttaße zu weitgeöffneten Finstern drangen sich blühend« Mädchenköpfe hervor. Alle Ballone sind nit Menschen gefüllt, alle Sttaßen wimmeln von Lustwand«.udrn. Neberall flottes Leben, überall Licht und Klang. Ein tausendstimmiger Hurraruf durchbraust auf einmal die Luft. Siehe von der dreittn HeereSjtrnhk bewegt sich

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