Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 52 (23.12.1892)
- Article
- Beilage zu Nᵒ 52.
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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t Wet-»«ch1sß«brme und KY«»>llagesißo ke. Al« Weihnachtsgeschenk empfrhlenSwerth: ״Zwei berühmt, Novellen mm -laron David Bernstein, Bügel« der Maggid und Mendel Aibbor', — so lasen wir kürzlich in dem ,Berliner Tageblatt*. Für die bekannte T Hatsache, daß die gesellschaftliclie Sitte de« Schenken und Beschenktwerden« um dir Zeit ter Jahreswende ihren religiösen Charakter zum großer Thkil abgestrrift hat, lassen sich viele Beispiele von grüßerer Tragweite als ob'׳geS zufällige Euriosum anführen. In vnlen jüdischen Familien wird ein WeihnachtSbäum angezündet, selbst in solchen die entrüstet jeden Hinweis auf einen darin lr.'genden Abfall vom Glauben der . Sätet zurückweisen wurden; man sagt einfach, wir feiern weder den 26. KiSlew noch den 25. Dezember, sondern wir huldigen einer konventionelen Sitte ״auSGeschäftSrücksjchten*, weil wildem andersgläubigen Personal nicht die gewohnte Art der Feier entziehe, willen. Andere wieder sprechen mit einem seltsamen Au-flug auf da« Gebiet der Kulturgeschichte von der alten germanischen Feier der Wintersonnenwende und führen die Sitte des Beschenken« in der Familie am «ikburtStage de< Stifters der christl. Religion bis auf das nordische ״Julklapp' zurück.!Ran legt sich eben eine,konventionelle Lüge* hier so und dor> so zurecht, und der bekannte Verfasser des geistreichen Buch,« ,Konventionelle Lügenhat ja an einer großen Reihe vin Punkten die Zersetzung unseres geseüschastlichen und religiösen Lebens beleuchtet. Schlimmer wäi« eS, wenn dir tkligiüse Erziehung jüdischer Kinder, denen bisher daS Ehinukafest als ein heilige» Glaubensfest «*Herz gepflanzt wr rde, unter dieser religiösen Verflachung und Vermischung leiden sollte. E; gicbt neben dem Religionsunterricht, der dieses Fest mit Recht ganz besonders einaehend behänden, — am Besten ist es, wenn die älteren Schüler durch eine sildstständige geschichtliche Ausarbeitung »ihr Berständniß für da* Makkabäerfrst bekunden, — noch <t» ganz zeitgemäße», weil au« dem Charakter unserer zeitgenüssischcn Sitte, dir nun einmal unser Aller Tyrann ist. nicht terauStretende* Miltel dafür, es ist das die Auswahl eine» Buche« der jüd. Litteratur als Lhanukagrschenk für unsere erwachsenen Knoten und Mädchen.*) Gegen GesinnunrSroiheik und Lharakterlosigkeit würden allerdings auch die für die Geschichte unseres Stammes und Glauben« begeisternden Gedichte in Frankl'« ,Libanon* und ähnlichen Werken, die schönen Austätze in ״Chsnuka* von Emil Lehmann u. a. wenig nachhaltigen Eindruck machen, da aber, wo noch kindlich! Gemüthrr für die Reinheit und Hoheit unsere« Glauben« zu ervärmen sind, da spende man als Aequivaient für das ,Wrihnachtrgeschenl* eine Chanukagabe, wie sie unserem geschichtlichen Eharater entspricht in Gestalt eine« guten Buche«, d,1S auch dann noch Licht ausstrahlt, wenn die Leuchten »er ChanukaLampe längst wieder erloschen sind.**) Zeiten, in dener Israel sich Nichtigem und Eitlem hingab, waren stetauch Perioden de« sittlichen Berfalls in dem sonst makellosen Familienleben innerhalb unsere« Stamme«; schon mancher Vater hat e« später bitter bedauert, daß er *) Ein junge« Käbchen, dl« vermühnte Haustochter. «ineS guten jüdischen Hau,««, sühn«, w>>« un» besonder» charakterliiisch «rschelni, ibren der streng oNbo»!«n Richtung aagehörenden RrligioaSiehrer «»mal direkt, »r Beginn »e» Unierriq»«, unter de» von l,r«n Sliern dem ״Personal' ausgeda uen WeihnachtSdau«. 1ko«meni,r überflüssig, **) Die RuSamhl faldrer Bücher ijt nicht groß, die guien sin» «»a» «hrur,; Vach»' ״vi««e« vom Jordan und Eushrat-, da» zu den empsehleutwerihtslen g«h»n, kostet — allerdings «leaant gebuttden »»» mit »mdsqnin — 6 Mt. (bei I Lauffmaa», Anmtsun 0׳. M ). Dt« «btafo > teueren .Ztou»har1«-, da« jüngst erschienen« ^He»«tische Melodie,' IW» Heller, eignen sich nicht süt dir Jugend, sie ««halte» »eist Uebecsstzruaen der Ptjuit«, uu» «au«. die lieber- , jchmi« NAH so gkvmger, Her Inhal« ist monoton. seine Kinder ganz in dem invellirenden Stroine einer mater ialistrschen Zeitbildung aufgehen ließ und so für sein eigene» Fleisch und Blut eine Entfremdung vorbereitete, die sich schließlich auch auf -die betagten Eltern mit erstreckte. Mögen die Lichtstrahlen vom Chanukaleuchter eine Mahnung sein für Alt und Jung zum Feschalten an der Lehr«, die unsere Bäter durch ein Meer von Leiden zu un« getragen. — das wäre das beste Chanukagcschenk für die ganze Gemeinde Israel« und die beste Rüstung für die lin« bevorstehenden Kämpfe. — M. Frieveberg. Berichte und Correspondenzen. Oefterr-tch.U»««r>. Ml««, 17. Der. Im israelitischen Tempel in der Seitenstettengaffe fand der gestrige AbendgotteSdienst in besonders feierlicher Weise statt. Mit Rücksicht daraus, daß zahlreich« Mitglieder der Kultusgemeinde verhindert sind, Samstag Vormittags dem Gottesdienste beizuwohnen, hat der Vorstand vor einiger Zeit den Beschluß gefaßt, den Sabdath»Eingang Freitag Abends mit einer kurzer Predigt zu begehen. Gestern fand nun der AbendgotteSdienst zum ersten Male »ach dieser neuen Ordnung statt. Derselbe gab zugleich die Veranlassung zu einer BersassungSseicr. Ausgel«,id von dem eben jetzt einfallenden Tempelweibseste, besprach Prediger Dr. Jeilinek die Verfolgungen, »men daS Judenthum durch Jahrtausende ansgesetzt gewesen und denen eS siegreichen Widerstand geleistet. In Oesterreich sei e« Kaiser Franz Josef gewesen, der vor einem Vierteljahr- Hunden in den StaatSgrundgesetzen die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze, ohne Unterschied de« BekennMisse«, auSgesprocheu und dafür gebühre ihm vor Allen der Dank seiner jüdischen Unterthanrn. Mit eine« wahr- Haft begeisterten und ergreifend vorgettagenen Dank- und Srgensspruch auf den gnädigen Monarchen schloß Dr. Jellinek seine überaus wirkungsvolle Rede. Der Thor rxekutiNe hierauf einen eigens für diesen Tag komponirlen Lobgesang, dessen gedruckter Text auch vertheilt wurde. Der Gotte*- dienst war sehr stark besucht und waren als Ehrengäste der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Baron Chlnmecky, Abgeordneter Professor Sueß, die Herrenhausmitglieder Nikolaus Dumba und Baron Leitenberger, Prof. GänSvacher, Direktor Ritter von Taussig, Hosrath von Doczi, Herr Alfred Lenz 1c. erschienen. Es versteht sich von selbst, daß auch der Vorstand der KultuSgrmeinde fast vollzählig vertreten war. Nr«§, 12. Dec. In dem vereiu zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums hielt gestern der Obmann de« Vereines Herr Rabbiner Dr. GelbhauS einen Vortrag: ״Utfa: das zweite Targum zum Buche EstherAm Eingange desselbenhielt er dem dahi,,geschiedenen Ebrenpräsij dentrn dieses Vereines Herrn RegierungSrath Pros. Kaempf! ri,:cn Nachruf, in welchem er dessen Verdienste um den I Verein würdigte. Tie Zuhörerschaft bezeigte durch Erheben! von den Sitzen ihr Beileid. Nachdem ter Vortragende da«! Berhältniß teS zweiten Targum ter einschlägig«» rabbinischen Littrratur teieuchtttr, stellte er die Hypothese auf, daß da« zweite Targum einst ein viel größeres Werk war al« da«- jenige, welches jetzt unter diesem Namen besteht. E» faßte in sich alle exegetischen und agadischen Element« zum Buche Esther und hieß Targum Rabbah, daß gr»ßr Targum. Ja? dem großem Eommentar zu diesen Buche Meaot Helevi von Saiamon Alkatez (152t») wird dazweite Targum tv mal unter dem Name« Targum Rabbah angeführt. Nach dem Niedergang bi* AramäiSmuS ׳;n Palästina grrieth da«»׳ selbe in Vergessenheit, zersplitterte sich »u vielt Theil«, wdi*^’ verschiedene Benennungen annahme». Manckje terselbM '