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Israelitische Wochenschrift · 1892-11-25 · 48 (25.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
48 (25.11.1892)
Date
1892-11-25
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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!vnirrnthischeu^ die .PreußischErandenburgische« Miszellen", 1804 .=7^י.׳, TBK, 1. und 2. Quartal, S 10-1—107, den 3£&3ifdjen Provinzialblättern entnehmen: In den ersten Tag« Ixt Monats März im venrichenen Jahre (1803) wurde im ke> l;2dter Kreise des Fürste» ihn mS.Bairruth ein zweijährige» ährtfienkiud vermißt. Es wurde nach einigen Tagen auf rmem Berge, wohin es sich verirrt haben mochte, zwar todt, ohne Merkmal einer Gewaltthätigkeit, sondern, wie die xrrchtliche Sektion ergab, «froren aufgefunden. Jndessm Latte entweder Rachsucht gegen die in dortiger Gegend wohnenden Men Juden oder irgend eine andere Leidenschaft, auf mehrere Meilen «eit das Gerücht verbreitet und unterhalten: Die Juden, denen man in älteren Zeiten, ohne alle dkranlassung. bloß um die Christen gegen sie zu erbittern, Schuld gegeben haue, sie müßten an ihrem Osterfeste ein Christrokind opfern, hätten jenes vermißte Lind dazu gemordet, es wurden Briefe, Lieder und rifrig<hristlich gesinnte Apostel ausgeschickt, um ab fromme« Christen jener Gegend auszuhetzen, drese» ge. träumte Berbrechen an allen Juden fürchterlich zu rächen und ule Israelin n zu vertilgen. Diese Mittel wirkten so gut, daß jeder Jude, der sich auf der Straße blicken ließ, gestein gt wurde und in vielen Ortschaften die Juden, um M ißhandlungen zu entgehen, sich mehrere Tage, viele ohne Lebensmittel, in chrrn Wohnungen verstecken, und dabei noch Furcht ausstehen Mußten, daß »ach den laut ausgestoßeneu Drohungen ihre Wohnungen in Brand gestcckt werden würden. Da» Kreis» dirritorium Neustadt au der Lisch als Landpolizeibehürde forderte die Geistlichkeit in seinem Kreise auf, gegen diese Uusschweifungen zu predigen und den Gemeinden ihren Irrchum zu ber ehmrn. Auch di« Ermahnungen der Geistlicken waren vergeblich. Bietmedr erschienen nun die niedrigswn Pasquille und Aufwiegelungen auch gegen die Pfarrer und Polizeibehörden. Ta alle gütlichen Borstellun^n und Bor- Ehrungen der Unterbehörden fruchtlos waren, so erließ di« Königl. Krieg»- und Tomänenkammer zu Baireuth eine sehr scharfe Beifügung, der sie durch Husarrnpatrouillen Nachdruck gab. Da hatten die Unruhen ein Ende. ve-erretch-UtSg«»«. dl. IsudaPtst, 21. November. (Or.-Cor.) Die Gesetzentwürfe über die Rerrption der Israelitischen Religionsgemeinschaft, die freie Religionsübung und die Einführung allgemeiner Civilstandsregrster», welche der demissionirrndc Ministerpräsident Szapary bei der Krone eingebracht hatte, fanden die allerhöchste Genehmigung. Der neue bisherige Fiuanzminister Ministerpräsident Dr. Wekerl« gab heute im Abgeordnetenhaus« eine Darlegung der Regier»ngsprogramml 8ab erklärte, daß dies« Gesetzentwürfe dem Parlamente in der Lintersession vorgelegt werden würden. Was die Reform des Eherrcht» anbelang«, so habe das Labinet die allerhöchst« Ermächtlgrrug zur Abgabe der Prinzipiellen Erklärung erlangt, daß das Eherecht allgemein für alle Staatsbürger verbindlich sein, und die obligatorische Civilehe und die civilgerichtliche Jurisdiktion in Ehesachen eingeführt werden falle. Mit Eia» führung dieses Gesetzes tritt da» Mischehegrsetz von 1868, welches die frei»!Verfügung der Eltern über die Religion der Kinder regelt, außer Kraft. Für die Civilehe giedt sich in allen Poteien des Kirchentags eine große Bewegung kund. Für die Israelitische Glaubensgemeinschaft unseres Landes feien im Hinblick aus die Civilehe folgende Sätze angeführh »«»che von dem sel, durch Gelehrsamkeft und Patriotismus ausgczeichaeten Oberrabbiner Leopold Löw in dem so«den erschienenen dritten Bande der von Dr. Immanuel Löw. dem würdigen Sohne und Amtsnachfolger desselben, herausgegebenen ,Gesammelten Schriften-" enthalten sind. Der S. Band umfaßt die ,Ehrrechtlichen Studien", auf S. 100 heißt es: ״Vtnltnbtn )»teil tun« «5 unmöglich eaiget«», Nij Mejenig» fatm Par Ui, •«!dp Mt Liiisührang #tr Lioürtie uni Mt #4זו0ס *KjcratMtfttt iaiaffamg Mt Mschtht in ihr pragramn» anstmmnl, ogle-ch Mr .^ükomwtmsttn lStrmfftnsfttihtit »«d dtr »ndtM»§tr» IoMn-Emanestxtti»« da» Wort rtdtt, währt«» Mt Stpmjnm thtrtchllicht« »«wrMum-en in dtr StG»« a»ch riü-sichttich der Ml^rrücht, StcLnndtr )»dt« -tnti-ttr lind, dt« F«dtr»«§tn-W» Mlttrlalttr». at» dt nt» dtr «t-tnwart RtcbnMNg z» iraqt»-" , Aus diese» markigen Worten mögen äagftl iche Gemüther Beruhigung gewinnen, schon au» der Erfahrung heraus, daß in den Staaten, in welchen, wie beispielsweise im deutschen Reiche die obligatorische Civilehe gesrtzlich eiugeführt ist, das religiöse Leben in allen Eonfessiouen gewonnen hat. (!) Unter der Sonne der inueru und äußern Freihcft allein können Familien und Staaten gedeihen. — In der Pester Religions-Gemeinde wurden 118 Repräsentanten und zum Vorsitzen den des Borstandes der Reichstagsabgeordnete M. Wahrmann uenerdiaA gewählt. ^r»ser, im Oktober. (Orig -Cor.) Ein Mechaniker, Herr Josef Jwanicki, veröffeatticht in hiesigen Zeitschriften e,ne Annonce, au« welcher hier folgende charakteristischen Stellen in deutscher llebersetzung wiese cgeg-ben zu werden verdienen: Hunderte belockte (psjvnt^od) Agenten und Bermittler gehen von Hau« »u Hau«, verschleppen verschiedene Krankheiten, und verkaufen solche Maschinen die bei mir 30 Gulden kosten, um c»0 bis 70 Gulden. Ich bitte solche Agenten zur Thür hinauSzuwc-rsea »nd sich sodann die Hände mit Cardol zu wasche». — Herr Jwanicki scheint sich seinen Berufsgenosien Herrn Mechaniker Schneider in Wien zum Borbild genommen zu haben. Zu bemerken sei uechl daß rin großer Theil der Kundschafteu de» Herrn Jwauizki sich aus der jüdischen Bevölkerung rekrutiert. — Die in Be r l i n eingegangene national-jüdische hebr. Wochenschrift ,HawagiS" soll nun in K r a k a u wieder auslebeu; der hebr. Schriftsteller Gustav Bader, will ebenfalls daselbst eine hebräische Monatsschrift ,zur Berbreitung und Wiederbelebuug der hebräischen Sprache" unter dem Titel ״S,1drij»d" herausgeten. Jad*0u. Aremßrr, 22. November. sOr-Cor.) Folgende» Schreiben erhielt der hiesige Rabbiner Dr. Frankl-Grün vom neue« Olmützer Fürsterzbischof: »Empfangen Ew. W. meinen verbindlichsten Donk für die herzlichen Glückwünsche, die Sie mir aus Anlaß meiner Berufung auf den fürsterzbischöstichen Stuhl von Ottnütz darbrachten mit der Versicherung, daß ich den Traditioaen meiner großen Vorgänger allstet« treu bleiben werde.. Ew. Wohlgeb. ergebenst Dr. Theodor Sohn." ׳ FrL»krei«h. Hkari». Im ,Univers israelite״ bespricht Herr Dr. Klein ׳ der Sohn de» verstorbenen Oberrabbiners in Colmar, die Orgelfrage. Er begründet seine Abneigung gegen die Orgel durch Gründe, die schon längst als widerlegt gelten. -Musik im Tempel zu Jerusalem hätte nur am E n o « des Dienste« statt» gefunden und nicht während deffelben, und nur Leviten dursten dieselbe ausüben. Außerdem sei die Orgel eia chri stliches Instrument, dessen Nichtgebrauch audein Verbote ,Gebräuche der Böller nicht nachzuahmen" abzuleiten sei. abgegeben wurden. Die Orgelftage hat heute bei dem besonnenen Theil« der Juden aufgehört, eine Streitfrage zu sein, wir'haben Anderes und WichugereSinderJetztzeit zuthu«."> Herr Wogue, der Resactenr de» ,Uaivers israäite", spricht in einem Leitartikel über ,Kolnidre und einige Eigenthümlichkeitrn de« Jomkippur-Gottesdienstes-" Er findet eS sonderbar, daß von unschuldigen Ktnaerlippew ein Sündenbekennt niß über Sünden der Sinnlichkeit und Uustttlichkeit. abgelegt iverde." — Ja vielen Gebetbüchern wird tfe liebersetzung dieser ״»I oirm." entsprechend umsch'ieden, den» wie will man sonst eia »allgemeines Sündenbrkenatniß". in welcher *> I« dem folgende» Heft de» ״Unto. i*t.■ kommt der gelehrte Herr Stedatte»r stldsi t« einem LeitanUrl atf M« Orgufrage »nd de» faktische it »edraach der Orgel««« der Parts»:Sy»tj«e 1«ra(f; aach tc wlterieg» Me seichte« »ezeagriind« «ltt»'s. (Hted.)

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