Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 46 (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959828--1321-5375229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- scaxbin. Ab« verzeihen Sie die Feme: Fürchtetcn Sie nicht» daß sich schmntziG, Beist«» tot ISfr Mm nicht werden abschüstel» können» an Ihre Fers« heften «erden, weit fir oenten. Eie schlafen auf die ,altjüdischen Rationalhach«*, mein« ab« die moderne« Juden — also rin verschiknte* »Inten rau«' bei Ihn« vvrauSsetzen könnten? Auch dstfts fetzt Sie in Gegmsatz z« Herrn v. Egidh, , der die Zeitstrümnng berechnend, viel vorsichtig« war» um :iban verdachte za entgehen, dem Sie sich ausfttzea, und den Sie x, alt« Wahrung Ihres Standpunkte« hätten vermei- ~ In Uno«. Trotzdem ich zu dm von Ihnen so hart Auge- > ftfeten gehöre, will ich doch zu Ihr« Bertheidigung annehme»» daß der in Ihn« gähr«d« Math und da« Verlangen »ach einer groß« That eine« Opfer« bedurfte; da nun die veng, .ach ein destruktive« Staatselement bezeichnet, solokralisch« Umtriebe verdächtigt, für ein« Feind de» onr» angesehen zn wer dm', Sie davon zurückhielt. gegen ZiePriester ver Staattreligio» Front zu machen, da «inn«- Mnllüe sich d« von eb« dies« Priest»« zum geschichtlich»» Pchgrtknabeu gestempelt« Iu den. die ja auch oewiffermaß« P r, r st e r find — gemäß der in der hl. Schrift ihn« üb«» tnp»n Mission — zu deren Schutz die staatlnhe Macht -sich nicht regt und ihre «ig«t nicht ausgiebig genug ist. Lass« Sie un« non auf den Inhalt Ihrer höchst int«- 'יי ' essantr» Schrift etwa« eiugehen. Soweit sie da« Judenthum angeht, so stuten sich darin zwei wringende Punk«:!. daß der Manschest »u« de« Judenthum« ein Heidenthu« fei und Sir ei» göttliche« Besetz herbeischneu, welche« nicht für alle M«schen, sondern selbst für alle sonstig« im um «isti-enden vmnünftig« Wesen bindend ist. — dies« Sehnsucht lehnen Sie sich an La« von Ihnen h»r A. T. u. zwar an Jesaia« Lap 11, wo dieselbe ung in Form einer Propyezeikuag ausgesproch« ist. wäre e« auch ander« denkbar! Herr Oberst, unter thatsächliche« Heid« girbt r« auch sehr tapfere Krieg«, welch« --die Vorahnung einer solchen mesfianisch« Zeit vollstänvig «chgehk, ebm weil sie die Bibel nicht kennen. Sie ab« find ^Hwch sie erragm, Ihr ganze« Wes« und Wissen ist von durchglühh vielleicht ohne daß Sie e« merken, und w«n We sich noch so sehr dagegen sträuben, fir — die Bibel — _־ץי Hchtrmwt alle Ihre Handlungen, sie hat Ihn« sogar die '?* nlf!u1 geschmiedet, mit denen Sie jetzt nach ihr schlagen. - Me können fit verstoßen, verjage» und verfolg«, sie bleibt ' Harn» doch Ihre Mutt« Ihre geistige Mmter, an der« ' Herzen Sie gelegen, au« deren Nährquellm Sie Lebm«kraft Md wahre« Interesse für da« Butt und Heilige gesogm Hab«. Ihr Ausfall geg« de« Monotheismus de« Judenchum« Md M Chripmchum« ist ab« auch, nicht originell, und Merkwürdigerweise copirm Sie hierin Heine, — also wiederum einen geborene» Judm — beweis« aber dies« Ihren Au«- Hmich ebensowenig, wie Heine selbst. Oder nennen Sie e« tvoa eine Begründung, nxnn Sie behaupten, daß die Juden -sich ein« Ratioualgott .hielten', der die schenßlichst« Vn« drrrtzm verzieh, sein Volt zum Bestehlen, Berauben und Mo» dm d« Ruhtjudm anleitete, ja sogar es »och ob«drei» de- Duste, nxnn es derartige Befehle nicht gründlich gmog K AuHstchrvng brachte? Al- Aequivalmt dafür verlangt« ser Jndengott nur, daß man ihm allein und keinem an» deren Botte opferte und zwar v-cht zahlreiche Thiere, denn ya muß auch eine brsoodeie Borliebe fttt Bintdnnst gehabt Sb«' — so argummtirrn Sie. Herr Oberst, der König wld war «in Krieg«Held und «in fromm« Mann, der den Pentateuch mit feinen Lpftrvorschristea kannte und d« Quell», an» den» dies: Vorschrift« zeschöpst waren, näh« stand, ak« Sie. Kmn« 15« seinen »I. Psalm? Ist au« dem darin enthaltenen Snze: .Die Opfer Botte» find ei» grd rochen« Beist: rin gebrechen«« und zerknirschte« Herz, o verschmähst D« nicht' — nicht zn ersehe», «e z«nG Skdch Tchrervpftoi injgeteK ««rde, dermMnordanag -brr pWWW W ' aller Veit übliche» Thierja Meuschrnapftr"!, genngst« verständniß begegnet wäre, wie übechl BeisteSniveau de« damalig« jüdisch« volles in Beve, Rechnung getragm wurde, so in der Zulassung der Mel- Weiberei. welche nicht ge« gesehen wurde, aber znuächst nur bra ftftwiflftr uft Botin war. Viel früher schon hat der Prophet Samuel Inn König Saal getadelt, welcher sein« Ungehorsam dnrch THieropftr gut ««hm wollte, indem « ihm die Worte zurief: »Siah«. Gehorsam ist besftr al« Opfer, aufmertrn besser, al« da« Fett der Widder . . Auch Ihre sonstig« Behauptung« über diese» aageblichen .Ratioualgott' find wett« nicht«, al« eine Verquickung politisch« Maßregeln mit religiösen Vorschrift«. Ihre Kämpft gegen ihre Bega« — und zu diese, zählte» all« Böller, welche im Heidenthnme versank« war«: nennt doch Tacitn« »och da« Judeathum ein« Uu- und Alxrglanbqn, weil in seinem Tempel eia unsichtbarer Bott ««ehrt und augebet« wurde — ihre Kriege waren vom Trstde der Se!dstrrhaltung ihn« zndiktirt. Und auch bei dies« w»rd« sie dl«h hnmanitüre Brnodsäj« eingemgh so »- B. mußten sie; bevor sie eine Stadt belagert« vorher zur friedlichen Untrrwersang auffordern. Nenn« Sie eine solche Handlungsweise, d« ftlbst in modern« Krim«» ihre« Blei» chm sucht, .zur Versühnung ihre« Botte« Hunxrttaaftnde hrnschlachteu?' Und selbst wenn Ihre Behauptungen den Lhatkacheu entspräche», hättm die Juden ander« gehandelt, al* tl de» Lharakter ba damaligen Zeit entsprach? Hat die Böller- Wanderung nicht zahlreichere Opftr gefordert? Schließlich, würde eine falsche Anffafsuug der dem einzigen, nnstchtÄlv« Botte darznvringmden Huldigung ftlbst irgend etwa» gegen dm Monotheismus beweis«? .•ü 3 & War diese Ihre Anffaffung der damalig« politischst^'^ Lage schon eine unglückliche so haben Sie bei der Bern» chnlung der religiösen Vorschrift« de« «. T. geradezu da« Pferd de« Geju« bestieg« und geritten. Sollt« Ihnen wirtlich die Besetze d« Liebe gegen alle Nebenmenschen (lmoiüon, XIX, 18 u. a. a StX d>e tkr• bote d« Kriegführimg «gm Moab. Ammon' und Boom, ja ftlbst die zartt Rücksicht gegen die Eghpter, in der« Lande sie Gastfreundschaft — Sie wiffta, Dal für eine — genossm Hab«, unbckannt sein? Und eia »ehr al« dreilauftudjährige« Bach, für dessen Büttlichkett schon die zehn , Gebote allein, den« Sir doch nicht« Gleicbwerchige« stitnir« könnten, sprechen, scheint Ihn« nicht würdig daß au« ihm unserrn Kinde« der SottrSdegriff beigelwacht werde? Wo, um himmettwille», find« Sx auch nur hie geringste Andeutung i» A. L. über Inquisition und Ketzerverkolgno- ׳ gen? Wollen Sie die Bibel verantwortlich mach« für alle Geschmacklosigkeiten, welche in ihrem Ramm von d« Kruuel »ud de» Katheder herab gelehrt ward«? Da* küna« Sie ׳ ebensowmig, aU wollt« Sie Jesu« von Nazcreth — d». Sie in Ihre» Eifer sogar zum Arier. stempeln —. daiür beschuldigen, daß ei» .geistreicher' Prediger «m» der Äst «tt der mau ihn angeblich nach Jerusalem lockte» die Sitte de« .Avrllschicken»' herleite» wollte. Lesm Sie doch gefälligst die zahlreich» woklthttigen Anordnung« zu Banst« der. Sklaverei — ({tcimalw «vc Jnststntion, die zu dm ,berechtigt« Eigenthüwlichftilen' der damaligen Zeitperiode zählte —, die soweit giwstn, daß selbst eine i» Kriege erbeutete — wohlverstanden nrcksttüdischü — SÜavin nur zur Ehe begehrt werd« durfte: sie dikrste bei späterer Abneigung durchann nicht verkauft nnrora. Solches galt für Kriegsgefangene. Der Sklaverei i» eigen« Lande wnr-e noch vxl nachdrücllicher der Riegel vorgrschoü« :ste» hellt daran«, nicht, wie mißliebig die Sklwmmiittzpn tzpMMst» Jndmrhnm«, drffen lktwicktmg »mH crst lchWUWtzMn'Isl'k"^ «Ja höre Mt» zu»»«» der Brb-l '