Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Er eityftingt feine Lebenssäfte auS denselben AaitAfen, an* denen die längst todt;geglaubten und ebenfalls wieder auf» gelebte» Zunft- und ,?«mmgSbestrebungen, Überhaupt die ganze Rückwärtsbewegung unserer Zeit auf swlitifchrm, wirthschaftlichem, socialem und kirchlichem Gebiete getränkt und genährt werden. Er steht und fällt daher nicht mit diesem oder jenem Führer der Bewegung, mag dieser nun Sticker. Förster, Bückel. Bachlrr, v. Hammerstein oder Ahlwardt heißen, auch nicht mit dem Sturze all dieser und noch vieler ihrer Mitstreiter zusammengenommen, ebensowenig wie die Lentrumspartei mit dem Tode Ludwig Windthorst'S oder der Aushebung der Maigeietze wieder verschwunden ist. Er steht und fällt auch nicht durch die Patronisirung oder die öffentliche Berurtheilung dieses oder jenes Großen dieser Erde — wie sehr auch immerhin das machwolle Wort derer, die über Biele gesetzt sind, fördernd oder hemmend sein Wachschum beeinflußen mögen. Der Antisemitismus — wie die ganzen Rückwärtsbestrebungen unserer Zeit überhaupt — wie sie Jahre und Jahrzehnte günstigen Windes und von langer Hcnd vorbere'teten Bodens bedurft haben, um Fuß zu fassen und zu ihrer jetzigen Jntensivität zu gelangen — so auch werden Jahre andauernsten Fleißes und nnaus» gesetztester ehrlichster Arbeit dazu nöthig sein, ihnen den gewmnenen Boden wieder zu entziehen und für Menschenwürdigere bessere Saat wieder frei und zugängig zu machen. Klaffen-, Raffen» und Bölkerhaß, Reactton, Obskurantismus und Antisemitismus, sie gehören alle einem und demselben volksfeindlichen Boden an und nie sind sie, wenn sie in der <Yeschichte auftraten, unversehens, über Älcht und wie durch ein Wunder wieder verschwunden, sie mußten allemal Faser nach Faser und Schritt für Schritt auSgerottet und durch ehrliche andauernde Arbeit und befferes edleres Thun wieder getilgt werden Sie werden erblaffen und verblassen in demselben Verhältnis, in dem wir in diesem!Sinne an die Arbeit gehen und den breitesten Schichten des arbeitenden deutschen Volkes darüber die Augen öffnen, wohin denn diese Bewegung eigentlich steuert, welche» ihre Hinter^danken und Endziele sind; wie der üppig wuchernde Antisemitismus nur d« bequeme, gut maskirte Hintertreppe ist, um den seit Wiedererwachen des deutschen Reiche» erlangten Rechten und Freiheiten des eigentlichen Volkes sich auf den Racken zu setzen, und die alten finsteren Zeiten feudaler Allgewalt wieder zur Herrschaft zu bringen. Wir aber, die wir neben den allgemeinen Conseq uenzen der Reaktion auch noch an dem schweren Odium de» Antisemitismus zu trage« und den' ersten Anprall abzuhalten haben, gegen welchen die »ereirügten Streitkräfte der Reaktion in ihrem Kampfe gegen die junge Freiheit, ihre verderbenspeienden Geschütze richten, wir wollen und sollen uns unserer Mssion inmitten der Bülkersamilieu de*Erdenrundes ganz besonders bewußt bleiben, ei« Priesterl-che» heilige» Volk zu sein, voranleuchtend in allen Menschen- und Bürgertugeuden, unter jedweder Fernhaltung von Lug und Trug, von Unrecht und Fehl, auf daß auch da» Uelxl des Antisemitismus in seinen Folgen uns zum Besten gereiche. Das wird dann zwar nicht nach den Wünschen und dem Wollen der Herren Antisemiten sem, wohl aber nach dem in diesem Falle rathsamen Recept jenes Weisen,*) der auf die Frage Eine«: Sie kann ich «ich wohl recht an «ein«« Feind« rächen? antwortete: »«nun an Oefitmng zu, and ab an Kehl und Schwächen.' - Oder wie ein anderer unserer Aeffen in einem ähülichen Falle - entschied: ,Erziehe deine Kinder gut.' W. *)שארו לחכם, במה יתנכסו ארס משמאי ואמר שיוסיף י•,; x uMbchar Penini»)מעלה יתירה ב«מו tyr««G^ Kstt«itLßerU», Mae itth. voll Bernhard Ksntasberaer. (S«ttub.) Indem nir cS nunmehr aufgeben, mit unseren TuS andersetzungeu weiterhin den verkehrten und mithin rechtigten Anschauungen des sZreidenkerts zu folgen, versu wir eS in mözlichst anschaulicher Kürze, dem geehrten i die Gefühle der Ehrfurcht zu schildern, von denen sich Mensch der E ottheit gegenüber bewegt fühlt und in Aeußmung er -eine Gottesverehrung zum Ausdruck! Da man da» jüdische. Empfindungsleven als ein deson reiches und lebhaftes mit Recht zu bezeichnen pflegt, so glau wir, richtig )1: handeln, wenn wir zur Lösung unsrer " gäbe die hebräische Sprache belauschen und erwägen, sie diese Gefühle ausdrückt. Der König de» LobgesangeS, der Meister der hebräistz Sprache, der s iisttiche Psalmendichter mag unsere Betracht! leiten! So lesen wir den in dem allbekannten 146. Psä der auch in m sere tägliche Gelntordnung Auftahme gesund Folgendes: »Ich will!)ich erheben, mein Gott, den lfSnig, und Deinen men preisen imnerdar. Allezeit will ich Dich preisen nah Deinem ' men huldigen errigiich.' Es. bleibt außer Frage, daß Diejeuigen menschl« Wesen, deren geistiges Bermlfgen sich auf einer ui Stufe der Entwickelung befindet, unbedingt oraewaltiger Rat erschein»»-« ixbQrfcn, um sich die Lorstellung von allmächtigen, ehrfurchtgebietenden Wesen zu verschaffen, sich diesem unsichtbaren Siefen in vollster Demuth und zuordnen. Man »rzählt sich noch heut, wie ei» Weißer, ' von den kriegerischen, uncivilisirten Prairiebewohnern gefa worden, dadurch seine Freihett wiedererlangte, daß er vr unter dem besonderen Schutze des ״Großen Geistes" zu-f und als Beweis hierfür genau die Zeit des Eintritt» Sonnenfinsterriß aazugeoen wußte, ein Ereigniß, daß vermöge der Gesetze der Astronomie als ordnungSge» auffaffen, das aber den unwissenden Wilden alt ei« 3m«־ barer, d. h. ausergewöhnlicher Fingerzeig der Gottheit ersö — I« entwickelter nun da» falsche Selbftbewußtsein der BI ist, desto ungelseuerlicher müffrn jene Wunder sei«, ihr Sinn zur Anerkennt ng der Gottheit und zum (Bel gegen dieselbe veranlaßt werden kann. Ei» recht drastif Beispiel hierfür liefert uns die Bibel in ihrer ausführlv Erzählung vor der Befreiung unserer Ahnen aus ägyptischen St averei. Okoohl sich in ihn« durch Famil traditionen die Erinnerung an die göttliche Verheißung so kalten hatte, vnclangtm sie doch— und chr Bruder Mo kannte ihr Gemüt sehr wohl — nach einem Zeichen, ' von der außergewöhnlichen Macht ihres Befreier» und se Sendboten überzeug« und dazu veranlass«» sollte, die ~ ' mchrhundertjätiüger Knechffchakt gewaltsam zu Aegyptens König Pharao? An ihm gingen jene Pb י au» Gotte» Houd eindruckslos vorüber, welche er durch s« Zauberer und Gaukler mit gleichem Eifolge ausfüham ' und die ihm abgerungene Anerkennung Gottes mhm Bedeutung zu, je stärk« ihm die wunderbare» Straf« BewuUseul!aneu. — Also, geehrter Leser, geht es ar*־ * btmjeniflen M«schenschlaae unserer «Zeit und Landes, welcher in geistiger UnthättAest der Erkmut diese» er ha beulten Wesens verharrt. Wie tresfmd schilde« also der künigliche Sänger u« Geistesleben, :««« er erkennt, daß der Gottesvereh niedrigste Art diejenige ist, welche dem Estwußtsei» enrsprii daß Gott vermöge seiner Allrracht. die sich ,« wunderbs Wirk« zeigt, höher steht, als alle ander« West«, da sie 1 durch deu bezwingende» Einfluß der alitüich« Maj, "־ steht! Wie ritjtig bringt er solche E wenn er zuerst ausrust: ,Ich will