Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 32 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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3nt1pfrsj VIIIv «it Hilft brt latjtU, »die ®tbatte ier SBr^er, dir Jungen der Thier«, die Früchte der <bbt die Trauben der Weinberge, da« Obst der Bäume, ja Menschen, tau»« und andere Tbiere» Weinberg«, Baumgärttn, Wichen, v^en, 9ämtt, Getreide und andere Trzeuguifsr der Erde durch räuberische Mittel vernichtet hotten." Wenn unsere Milchsrau Recht Hit mit der Behauptung, daß «- wohl Hexen geben müsse, weil man ja. sonst keine verbrannt hätte, so hat auch der Professor Rohling Recht, wenn er die in früheren Zeiten erfolgte Hinrichtung von Juden als vollwichtig« »historische Zeugnisse" für den Ritual« mord anführt, und e< ist dann auch wahr, daß st« Hostien haben (eine Schandthat übrigen», die man von jcher Seite ja auch den Lutheranern und anderen Ketzern nachsagte), denn wie wäre sonst z. B. ter brave Joachim von Brandenburg dazu gekommen, im Jahre 1510 »n Berlin 30 Juden wegen sothaner Schandthat» und zur größeren Ehre Gotte» und zur herzinnigen Erbauung einer frommen Christenheit verbrennen zu lassen? WaS unserer Milchfrau recht ist, ist dem Herrn Roh« ling billig. Sehen wir uns einmal ein solchehistorische- Zeugniß näher an und blättern wir zu diesem Zwecke in dem Buche , der Geschichte zurück. * * Wir betreten einen düsteren, unheimlichen Rium, in dem sich allerlei seltsame Geräthschaften befinden, -in einem großen, mit schwarzen! Tuche behangevem Tische sisen mehrrre Männer mit langen Talaren. Ein junge- Weib ist angeklagt, mit Hilf« deleibbuftigen Teufel« die Kuh eine« Rachsherrn derart verzaubert zu haben, das: sie ein Kalb mit zwei Köpfen zur Welt brach!«. Man hatte bereitdie Hrxrnvrobe bei ihr vocgenomrren und sie kreuzweise gebvnden und in» Wasser geworfen. Die Prott ergab ihre Schuld; da sie trotzdem nicht gestand, werde der erste Grad der Folter gegen sie angewandt. Luch jetzt wollte sie noch nicht gesteben. Der ihr bestellte Anwalt hotte da« rauf hingewiesen, daß di« Beschuldigte nach seinem Dafürhalten da- Böse, defien man sie byichtige, nicht gethun Hab7, da er genau wiffe, daß sie zu allen Zeiten gottr-Archtia. züchtig, ehrbar und fromm, dem Bösen aber jederzeit abhold und feind gewesen sei. Ganz sicherlich habe sie «!«malen mit dem Bösen «in Bünduiß gehabt. Die »arme Bertheidiguna erregte da» Entsetzen d«r Rick!« ter. Banz sicher steht auch der Anwalt mit dem Teisel im Bunde, me könnte er sich sonst dieser Hexe annehmen? Al» hochverdächtig wird auch er in den Thurm geworfen, und an der Beschuldigten wendet der Henker den zweiten (Ära d der Tortur an. Sie gesteht schreiend, daß sie in Wahrheit die Kuh de« Rath-berrn derart verhext habe, daß diese ei» Kalb mit zwei Köpfen zur Welt bringen mußte. Jetzt wird Lukas Isaak vorgeführt, eia« Jude, da: unter der Beschuldigung steht, einem Ehristenknaben Blut abzezapft zu haben. »Sprüh, Jude, hast Du egethan? wendet sih der Richter au den Jnkulpateu. »Bei dem Gott meiner Väter, ich habe eS nicht gethan." »Henker, legt dem Beschuldigten da» Tapistrum in de» Mund", befiehlt der Richter. Isaak erbebt. Er kennt da- Eapistrum, er miß, daß e- «ine Vorrichtung ist, mlche die der Folter Unterworfenen am Schreien verhindern soll. »Habt Ähr dem Jnkulpateu die Haare abgeschoren?' Der Henker bejahte die Frage. »So verfahrt nach Eurer Instruktion.' De: Henker kennt sein Amt. Er gießt dem Beschuldig« len Branntwein auf den Kopf und zündet ihn au. Ei wird alsdann an den Händen gebunden, auswirtnach da Decke gezogen so daß a frei in da Luft sc^vebt, und dann hält der Henker ihm brennenden Schweselfaden unter die Arme Eapistrum aude« LKned genomiie», mehr seine Schuld gesteh» wolle. »Bei dem gerechten Gott, ich habe nicht-Bösegrthan.' »Henker, s, waltet writa Lkir- Amtes.' Isaak wirt׳ auf ein Bett mit eiserne« Stacheln gelegt und wiedn mtt de« Hiniiea bian die Decke gezogen. Dre beide« großen Z'«dz«her1 «ad di« bet»« Daumen mrd» ihm zusammen geschraubt, und da a itof. da fürchterlichen Qualen noch fei« Cchnldbelenntniß ablezt, werde» feine Lenden mit eina ledernen Peitsche' biaust Blut gehauen. Auch da- >var fruchtlos. E< wurden nun dem Beschuldigten spanische Stiefel angelegt, aber oliwohl sei« Gesicht sih vor Schuren bizur linkenntlichkeit verzerrte, blieb a dabn, daß tr unschuldig sei. Rach einigen Tagen wurde die Tortur bei Isaak wleda ausgenommen. >kr wurde rückwärts aufgezogen, beide Schultcrkuochen au» ihrer Berbindung gedieht und alsdann wurde a abamal» m׳t da ledanen Peitsck« gehauen. Der Beschu'diäte ertrug alle Qualen und blieb dabei, daß a unschuldig sei. Lin scharfsinniger Beisitzer de- Gericht-Hosekam auf dir Bermuthung» daß, mnn Jnkulpat die ihm zur Last ge» legte Thal nicht verübt habe, dieselbe wohl von dessen Tochta Sarah ausgesührt worden sein ki-nne. Sarah wurde gefänglich eingezofen und oor den Aug» de» Bat«» gefoltert. Auch sie bestritt ihre Schuld.;'T Man wandte: einen höheren Grob der Tortur bei ihr an. und wieda s üßte da Batn Zee ge sein ihr« fürchta-! licken Qualen. Sie blieb standhaft, alt aba da Nicht« besakl, dem Mädchen kechende- Pech auf den geschoren»' Alps zu gießen, schrie der Vater herzzerreißend auf und sagte: »Laßt da- Llägdlein gehen —. ich bekmne mich schul» ' big, ich lege jede- Geständnis ab, dat Ihr Hab» wollt.' -י Damit war inan nicht einverstan xn; « solle nur ge» . stehen, daß « dem christlichen Knaben Blut abgezapft -habe. Und a gestand «-. Er wurde zu!« Feuatode verurtheilt und sei« Bamvgm D wurde eingezogen und die Hab« sein«:: ganzen Sippschaft zur>5 Gunsttu de- Gaühtt- und der Richttr ... Und man hatte ein »historische« Zeugniß" ein aericht» lichc» Dokument, to» auf die Nachwelt ühakommen.ist und -M laut und vernehmlich spricht für die Blatschuld da Jude« ... . R * - :1 Wer nach sobhen Beweisen noch nicht daran glaubt, daß di« acht Million» Juden, welch« üba dtt ganze Erde zastreut sind, Lhrisienblut gebrauchen und deshalb alljähr- . H lich zu ihrem Paffcibfeste viele Tausende von Ehristtukindern : hinschlachttn, dem ist nicht zu helfen. pgj: Und wenn bet Buschhoff von Lutten nicht vaurthnlt, £י£ sondern freigesprochen worden ist, so log es nur daran, daß da heutig» Justiz dafürttefflichstt Mittel, dtt Wahrheit zu erfahr», die Folter, nicht mehr zur Bafügung steht. Dtt menscheafteundlichea Herren, Ine ihn so gerne auf da- Schaffst gebracht hätten) werden dasicherlich sehr be» dauaa. _ Kur vierte« Mkularfeier ’gpatteüiMtg der K«de« cm* Zpa«ie». 1Schl«b> Nicht rauschende Festmusit und ihre gleißende Pracht- «ntsaltung. nicht Heller Jubeklang und üirermüthige Fröhlichkeil mit ihr» im Gegensatz zu« glänzend» Trubel steh»- den lümmalichea Erträgnissen können würdig bekunden, Mi dtt ganze Juden heit angesichts ein« solch« geschichtlichen Trauer, wegen der du Humanität wemech» ihrHai^N