Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1892-07-15 · 29 (15.7.1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
29 (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/6492344-5935084-5959802--1172-5375097
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mr׳, er Wie t>Kf^WBI|BBte tß itodfäKtfen Dom ÜRncgen bi» zur» Ab«d 0» mwfy, «: färrer als rät Jahr hinter ihm liegt? SRtm&He doch Zeugen ju bemfdtxn Nachweise heranziehm; welcher vom ftueu würde bestehen? Die lZelastmrgSzengen habe» Über. Haupt merkwürdige Begriffe von der Tragweite Heer Au»- sagen. Wenn es nach ihnen ginge, müßteBuschhoff!»Folge ihrer Belastung zum Tode verurtheilt werden. Sie wurden sich muthmaßlich kein Gewissen daraus macht», trotzdem so oiele Maschen in ihrem Netze fehlen, und man hier öfter als bei zehn anderen Verhandlungen, in denen es sich um geringfügigere Angelegenheiten handelt, dastereotype ״dahabe ich vergessen", oder ,dahatte ich vergessen" — hört. Wie? unter demEtndrück der frischen, grausigen Thal haben sie Biele» angeblich vergessen nad würfeln um das Leben eine» Menschen mit Worten und widersprechenden Aussagen? Buschhoff aber darf nichts vergessen, denn wehe ihr», wenn in der Lette seine» Alibibeioeise» auch nur ein einziger Ring fehlt — wehe ihm. י־*' wenn er auch nur über 10 Miauten an dem verhängnih» vollen Tage keine Rechenschaft oblegen kann — er wird vernrtheilt und wenn vielleicht nicht von dem Richter, so doch von der vocurtheilSvolle«, blutgierigen Clique, die vor!- giedt, Ser Mann habe am Hellen, lnhte« Tage, an welchem " anläßlich des Festtagedie Straßen belebter waren ÄS sonst, ,ordet und um seine lichtscheue That -n verbergen, die Leiche über die Straße aetrager, oder tragen laffen — und Alles dies, aus religiösen Motiven! Jeder Unbefangene würde daran», daß der" Mord am Hellen Tage geschah, schließen müssen: 1. was die Sachverständigen bi» zur Cvidenz bekundeten, daß der Fundort auch der Thalort gewesen sei, und 2. daß entweder ein u׳cht so weü geplanter Racheoft oder eine That des Jähzornes, oder endlich eia anderer unvorhergesehener unglücklicher Zufall vorliegt. Einen Ritualmord refp. einen Blntmord — wie der wackere Herr v. Wackerbart ihn so muthig nannte — hier anzunehmen, da» kann nur blinder Eifer, oder verbohrter Haß thcn. Unsere deutschen Antisemiten haben entschieden weniger Methode, wie ihre gleichgesinnten griechischen Cumpane Rls diese bei der Ermordung eine» jüdischen Mädchens blinden Xärm schlugen, thattn sie e» doch vor Ostern — in Deutschlund glaubt man seltsamer Weise dem Volk Alle» und zu jeder Zeit ausbiulien zu können, uni jeder Mörder kann bin um ok Aufmerksamkeit von sich ablenken, lveuu er einen Juden beschuldigt. Wohin gerathen wir? ES dürfte übrigens keinem aufmerksamen Leser der BerhandlunxIberichtt entgangen sein, daß die meisten Zeugen unter einem Drucke arbeite», daß sie gemeinsam an dem Strick sür Bnschboff drehen. Eie stelle« aber ihrer eigenen Intelligenz ein sehr ungünstiger Zeugniß au». Betrachte» wir nur einen Moment in ihren Aussagen: Trotzdem die Sachverständigen u. A. au» dem Umstande, daß deck arme fimb in seinen vom Todeskampfe kampftast geballten Hälft- U&» etwa» von dem in der Fruchtscheune umherliegenden Spreu ^-Mve, zu dem Resultate gelangten, daß der Fundort zugleich der Thatort sei — fehlt es den Zeugen an Berständd-lsür, einzuschen, daß chre Anssage, Hermine Buschhoff 'Hude am Hellen Tage etwa» über die Straße getragen, be- M-Mäglo: sei; denn angenommen selbst, diese Thatsache sei Hshr, dann kann diese» Etwas alle» Andere eher al» die Leiche de» ermordeten SindeS gewesen sein, und doch legen sw ob? diesen Umstand solch großen Werth und tteteu chu breit ins zur Lächert ich kert, da eS sich um ein schwache» Mädchen handelt, welches dir Trägerin gewesen sein soll. Offenbar stammt auch diese Aussage von ein und derselben Person, Hinz hat'» dem Kunz erzählt, dieser dem Peter u. s. w.: sie haben sich in diese Idee so verrannt, daß sie nicht wissen, wie au» dieser Sackgasie herauSzutonunen, e» fehlt eine neue Pirole, und so gerathen sie immer tiefer hinein in dir Behauptung der eigenen Wahrnehmung. Die Ikt —, .nffe der vorhbi^tSvähate» herunter nach dem Mlde, melihe» und überlassen e» l»m SeriWftok, That achen szuscu»me»zurei»un. llftk ihre» «ltestnu»»gSge» voffeir wwd ihneu dir» nicht» schale«, denn jr verworrener, zusammenhangloser nid mystischer ite Zeugniß nusfällt, desto mehr werde» sie vertcrrlicht «erber, denn desto mehr Sapitoi liißt sich daraus Ar Pacteizwecke schlagen. Zum Schluß unserer heutige 1 Betrachtung noch ein Wort über die Herren medizinische a SachwrstLndigen und ihr Slutachten: Die Herren standen zweifellos auf der HÜtze - der roiffenschastlicheu Erkmntniß. der Austlär»ng und der, reinen Beraunft. Sie sagttn aus, sie es von diesen welche Aatontätea in der von ihnn vertretene» Wissenschaft^ sind, nicht ufters zu erwarten staut, und es mag die He selbst augewidert habe», daß sie gezwmge» waren, di« Wif schastlichkett ihrer Au »sage beeiutrüäjtfteu zu müssen Bekämpfung von Bor irtheilen und c lbernen Märchen, web sie durch ihr SutacPca enttrüsten mußten. Welche verhäo uißvolleu Folge» kam dieses Verfahren aber haben! Rftnttn wir au. die Mörder dft Suade» Hegemam» hätte« den ' etwa» am Zeuge flick»n wollen, indem sie dem Junge» mit ungeübte« Hände« «inen rituellen Schächtschnitt beizuociugen beabsichtigten. Es ist ihnen diesmal nicht gelungen; kau«: aber ine rlmständtichltit. mit welch«: dieser Punkt de Handeft wurde, nicht ein unbenbsichtigter Wuck für tendenziöse Mürder werden, den Schäcklfchnitt in Zuk tnst sich vorher etwas ge» nauer amasehen, wozu doch überall Gelegen hei: genug vor» Handei» ist? Wird in ^Zukunft die BweiSkmft späterer Sache ■ verständigen nicht dalmrch l«intrühtigt und abgeschwächt werden, wenn — wir müffen ja leiser auf Alles gesoßt sei« — der .Schächtschnitt* einmal zweifellos vorliegen wird? Auch dafür, daß in i*r Folge weiiiger Blut vorgefunoeu werde, als zur Entziebung des Lebens nothwendig ist, kann leicht Sorge getragen werden. Unseres Erachtens gehörte dies« Frage gar nicht vor da« Forum de« Gerichtshofs und׳ wir fürchten, daß btefcr Fehler sich eiast schwer rächen kau», denn den Schächtschnrt kann Jedermann uachrhme«, und wenn auch wirklich Blut fehlte, konnte es jü recht gut z« irgend welche» anderen abergläubisch!« Zwecken entzog« und verwert het worden feil, deren Borlmndenfeiu Prof. Strack in fest,er trefflichen Schrift .Der Blutaberglaube bä Jude« und Christen* in zahlieichea Fällen nachweist. Die Sache ist nur einmal geschehen: an uns aber ist es, dieser für uns gegenstandlosen hjeweisführuag keinen allzugroßeu Werft beizulegeu. Bei vornrfteilsfmeu Menscheu bedürfen wir kriie» Beweises für die Verwerflichkeit der tt-tdeuziösen Anschuldigung, zumul e» überhaupt Sache de« Aallägers ist, sei«« Behaupt« nseu Beweiskraft zu verschaffen — die ,Germinia* soll uns Mittheilung machen,' wo und wann dks geschehen »st, wenn sie sich nicht de» fwc*1 a wmf der bewußte» Betlenmdnng «ul Fälschung gleich ihre» ,; Heilig!« ״Rohling* gefallen laffen will — und wi bat mäßig,m Schreiern und Hetzer» Hilst uns Alles nichts, dam׳ diese vschuldigen uns nicht traft ihrer wirkliche» Ueba«euaunE und drS ftuen innewohmnden Gerechtigkeitsgefühls, sonder», wie auch Renan jüngst arSführte, ans — GeschäftSrücksichten, und tuet wolltt der Hirkules sein, allen Schmutz aus de« anttselnitischen Augiasstall wegzuräumen, welchen diese Leut«; die von der Verhetzung dcrBolkSmaffen leben, zusammentragen? * tiachdem uu» ab« durch di« Lapliwpreff« dt« ansgereg» 06• »Bltenug gerade auf diesen U»sta»d ganz brsoaders ats et» Jeiaftirm ersten Itange» t» hetzerischer und. wie sick heran» stetlt, verlogrnsur Weise lingewiesr» ward«, »ar, da»» tonn»! weder der UiUersnchungg» richeer noch »ec »ertchrahos sich dies«» Puuttei nicht entziehe», dam»» der gar ze Sachversttndtgen-apparar iS «en egnog gesitzl »ea Me Äl«r •d •bsanhun und dar btindßt tndigkn «rn-e «« Uch va, di« Auge» zu ftlhr>», wie schlndtiq .fie detogr«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.