Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 28 (8.7.1892)
- Date
- 1892-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959801--1165-5375091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kofi am Vormittag« M 89. Juni dt» ffeinrn fxgnuxu in Mc Busch- Hoffsche Wodnung gezrg« hat«». Ich lud sosoit de» MSlder» vor. und dieser, der MmlMg• betrunken war, zeigte mit in drastischer Weis«, wie Frau vuschhoff und Tochter dea »naben in datVuschhoffsche ׳ Hau« gezogen habe» Der Poltzetftkretär, de» ich »ach dem Leumund de« Mblder» fragte, sagte mir. der Mail« sei etwa» zweiseihast, ater wen» er 01» Zeug« vereidigt werde, sei er wohl glaubhaft Vas »eitere« Befragen bemerkt der Zeuge, daß er »ar einige Tropft» Blut am Thatorte gesunden, so daß er die Ueberzengung erlangt habe, der Word sei nicht am Fundort« ausgefühtt worden. S» meldete sich attdan» der Zeuge Jnnkerman» und bemerkt: Er erinnere flch nun, daß, ol» er sein Gr.lachte» im .Lanteaer Bo-en" gelesen, er in die Retaction gegangen sei und dem Redakteur gesagt bade, da« Gutachten fti nicht ganz richtig Herr Laplan Brest« Hain ihn in Folge deffen ausgefordert, da» Gutacht« zu ändern E» wird alädann Kreltlphyfiku» Dt. Bauer (Mür») al» Sachverständiger und Zeug« vernommen. — Klertheidiger Fleischhauer: Ich stelle zunächst an den Herr» Kreiäphvsiku» di« Frag«: Ob er »ach seinem legten Gutachten mit dem Herr» Srimirialcvaimiffar Wolff au» Berlin in Berblndung aeweteo ist? — KrriSpbpsiku» Dr. B: Herr Erimlnal» rommifiar Wolff au« Berlin kam zu mir nach Wir» und theUt« mir mit, daß «r mir einige Rinheilungen über de» xantener Raabenmord machen wollt«. Er rrzlhlft mir: Er Haie dl« Ueberzeuguag, daß Busch- Kofi den kleinen Heg mann au« Rach« ermordet, weit der ermordet« »nab« ihm sein« Grabsteine beschädigt habe. Auch sei er der lieber» zeugung, daß der Mord in der Wohnung de« Buschhdf autgesühn und der Leichnam al»dann in di« Scheune geschafft worden sei. Ich macht« sofort eia große» Fragezeichen und «rß bemerke», »aß ich zunächst der Meinung war, daß «in Lustmord geschehe» ft>. Ich »ahm eine dahingehend« Untersuchung vor, fand diese Bermuthnug aber in keiner Weise bestätigt. Im Weiteren bemerkt Kreiäphysiku» Dr B: Er Hab« «in« beträchtlich« Mast« Blut am Thatorte gefnnde-t und zwar so» viel, al» der Ermordet« »ach der Lag« der Verwundung nur verliere» konnte. Die Sachen de» Ermordeten waren über und über deblntet. Er habe die Ueberzeugung, daß di« Thar am Fundort auägeführt worden sei. E» müssen zwei tieft Flachschuitle mit großer Gewalt gemacht worden lein, so daß der Hai» sofort vollständig bi» an den Rücken abgeschnltten wurde. Der Tod, der in Folge der Berblatung erfolgt sei, müsse etwa zwei Minuten nach geschehener Thal eingetreten sei». b. Juli. (8. Berhaudlungdtag.) Heute kamen nun di« .neuen Belastunaämomrnt«" zn Tag«, welche, ml« Iustlzminifter v. Schelltng am 10. Februar im preußischen Abgeordnetenhaus« erklärt«, den Anlaß zur Weitersührutm der bereit» beendeten Voruntersuchung und zur Wiederverhoftung Buschhoff» am 8. Februar gaben. Diese beruhe» aus einem bei B. gefundene» Schlächtermeffer Ein« ganz« Reihe Messer de» B, theil» einfach« Megger,- theil» Schlächtermeffer, lüge* aus dem Gerichtätisch, darunter «» lanae«, schwere« Schächtermesser, mit de« maa dem grüßten Ochse» den Hol» durchichneide» könnt«. Diese» Schächtermesser trägt kn dea Akten die ,nniaöft Zahl iS; di« Zahl ist in der Thal eine Ünglückäpthl für Buschhoff. Dies«« Messer, da» er al» sein Eig^r.lhum heute anerkannt,, war der Grund der lange» Uatersuchnng»haft und der legt« Anstoß zur Berhandlung vor den Geschworenen Rach den heutigen Verhandlungen schickt« am S. gebrb. I die Staatäaawaltschast dem Kreiäphystkn» Dr. Bauer eine Anzahl Messer zur Begutachtung. Dr. Bauer glaubte in einer kleinen Schart« am End« der Elina« de» Schächtermesser» Nr. iS und in de« aafraazten Schnitt am Kfttochen der Seich« einen Zusammenhang gefnnbeo z» haben. Er telegraphirte am 8. Frbr. an de» Staatsanwalt: Jttmvt um 8 Uhr 18 Whr mit einem entscheidende» Fnnd" Um ö. Februar wurde Buschhoff wieder verhaftet. Heute erklätte Dr. Bauer, er Hab« mit .eutscheidend«« Fund' soviel wie wichtigem Fund gemeint und Hab« e» al» seine Pflicht erachtet, feine Wahrnehmungen de» Be» Hürden mitzutheilen Wenn man an» tem Messer Rr. iS ihm impntk«, daß er B für den Mörder halte, so bitte er, durch dirft Meinung «ine» .dicken Strich" zu mache». Dr. Bauer bekuuxte heute, daß diese» Messer .speziell geeignet sei zur Aueführuug de» an der Leiche vorgesundene« Schnttto»", grrade di« Beschaffenheit am untere» End« de» Messer« sei geeignet, de» Schnitt in dem Kittel ix* Knaben hervorznruft» Rächte» Buschhaff da» Messer besichtigt «ad al» sei» Elgenthum anerkannt hatte, weint« er r>ach ftincr Rückkeh: ans die Anklageltank heftig. (Maa gegen Buschhoff da« Unheil lalle«, wir e» will, oll« psycholtmisch« »muttNisft »tu» Erfahrungen — ich führ, hier dft Sorte zweier hochangesehen« Män» «r an, di« aepern nad hmue Vnschhoff zum erste» Ml« sahen — müßt» zu schände» »erden, wen« dieser harmla» und bieder aulscheut« Man» den Mord begangen hobst sollt«. Sagt« ja einmal, «de gestern riu Zeug« betnadetr, der fttholische Stadtverordnete Lüpper» von Kant«: .Ter Bnschhchf ist zu brav und ehrlich, »er nird nicht reich" Wer Heu!« Buschhoff weinen sch, de» mußte tiefe« _1it» lei» für eine» Man» erfassen, der jtgt eine Tortur sondergleichen zn bestehe« hat.) «ed.-Rath Dr üirchgäsjer au« Koblenz gab in große» Zügen den Inhalt de» umsargrnichen. bei de» Akten lftaende» Gutachten» «d Medizinalkolleginm» in Koblenz wie»«. Dft Art, wie der Schnitt anilgqühtt ist, piat, ich der Lhäter mi« Hast gearbeitet hat. Ich «- inner» mich eine» Mgste» Falle», daß «ine wchnfinnige Mutter ihre« Kinde mir einrm BrodSesftr in chßntncher WeW-de» Hat» bi» durch di« Wirbelsäule knrchschaitten hat. Van einem «iftttdet« Aktfier kann: kein, Rebe fti». Dir Behauptung, daß der gchgnzft Schnitt am «leidche» mir mit solche« Mesftr hervor»:bracht taetden k»nntr, ist narich- - ttg. FH habe Lkperimeun ntt schärft» Nastrmtssern gemocht »nd kleselben Fnmzenrüche.׳ hervorgtbrocht. Jene Brhauptnng lau« Dr. Bauer . ~" ״ ״ ‘ ־ ' ' Dr. Küster, Professor der pathologischen ünatomie an der Univerfität Bonn, tritt den Au fführungen de» Dr. Kirchgässer bti. G» spricht absolut nicht» dafür, daß de« Körper tztlut entzogen worden ׳ ist Rach «eine« Ermitteln«gen ist der Schnitt am Halft de» Knabe« kein Schifthterschnitt. E» kann hier ein ganz ktrzr» Messer »der sonst «in scharfer Gegenstand genaset, fti». Mit stchächtermoss« Rr. iS hätte man dem Kinde den ganze» Kopf abgeschr itchn. Ab würbe an»- nehmen, saß der vorliegend« Schnitt eher gegtn einen Metzger und Schächter, spräche al« sur «iueti solche», »eil er pngeschi-kt oemeutzt ist. Geh. Medftinalrath Dr. Trendienburg (Bonn), Mtglftb de» Medicinaleollegium« der Rhr »Provinz schließt 'ich de« Gtueqft» de« Medici« alratht Dr. Kirchgässer, beziehnng»«ei« d-m Gutachten Ge» M tdftin alrollegium« der Hel «Provinz, gollinhalklich an; «Sens» der Geh.Med.-RatgProf.Dr. Peilmann (Bonn). Die Frag« de»PrSfideuten: Hie find ja V «stehe!: einer Irrenanstalt. lftgr di« M»gltchfttt vor, daß »er Mord von eins» verrückten an»g> führt ist? bejaht er. In der Rachwittagfitzung werde« dft Eltern de» ermordeten Knabe» vernommen, ihr« Au»sag« ergeben gar keine :teutn verdacht »gründe gegen Bnschhofs. Di« Mutter fand ihn uur, al» er Abend» herüberta« um sie zu trösten und z» beruhigen, etwa» z» ausdriaglich und allzu tbeU«ab«»»oll; de« Later, nn B b i einem OhnmochtOsalle crfafctt, - fd «» so vorgekommeo, al« ob er von einer b> bluteten Hand bersch« worden wäre, obwohl er nicht» Blutige» an v.'» Hände» bemerkt«, und er «stehen mußte, daß B. ei» sehr gntmüthiger Mensch fti, der bei Jedermann» Unglück sich iheilnehmend bewi!ft Der hieraus vernommen« Professor der fttni tische» Sprachen an der Straßburger Urrlvmfität, Dr Rüldek«, bezeugt all» Sachverständiger, e« lass« üch ««der im Talmud »rch in irgend einem andere« jüdische» Geftgbuehe eine Stelle finde«, welch« ans ben Ritnalmor» hindenft; rü sei frivol, immer wieder zit behaupten, daß Ift Jade» Lhriftenblnt brauchlett, ptmal dft jüdische!steligio» überhaupt den Genuß von Thkvblnt auf da» Strengste verdbck« Derselbe» Anficht fti« «ll« christliche» «elehürn. tk den Talmud lese» körnten (katholische und rvangellsche), ftlbst judeaftiadliche. »ft Eiseamettgrr .und 2agarte, habe« kein« Stelle i» Talmud find«» können, dft de» Juden de» Ritualmord vorschrftb«. AI» im Jahre 1714 dft theologische Facultüt der Universität Leipzig von de« Herzog Karl August ausgesordert Word« fti, sich zu iußer»: ob den Jub» der Ritualmord vorgeschriebert ft'!, Hab« vftftlk! geantwortet, daß dft . jüdische» Reliaion»sag«ge» absolut nicht»!»tr atnem Ritualmord enthalte», —׳(spätere NittheUnngen s. unter .tieve".) Berichte und Correspo ideuze«. a Dents«dUu»d. 5. Juli. Der Gchriftstkller I. Sch rattenbolz Izat eio Buch unter dem Namen ,Lntise»itxnüammer^ vollendet, in welchem er über zweitausend Geisteüwerke nicht jüdisher Autoren der clasftschen und modernen Litteratur aller Bülttr zur Verthetdigtiny de» Judcntttum» auftreten läßt. ,E» ist eine publizistische Herkuleiarbeit — faqt Hlrof. Uli Schanz von dem Werre — etn zur unparthei.scher Beurtkeilang der JudentbumL uoerläßlicheS wissenschaftliches Arsenal, »>ie es in gleiche» Umfange und in gleicher Bedeutung bis jetzt noch nicht «xiftirt.^ De» Buch wird ca. 30 Drucktogrn (480 Seiten), umfaffea und ü Ml. kosten. Bestell tagen darauf sind direkt an Herrn Schratttnholz in Düfsel>orf zu richten. Statt jeder besondexa «mpfeblnug geben wir hftr die Schlußsätze de- Geleitt rieftwieder, den der berühmt» Physiologe, der in Rom lebeitde Senitor Pros. Dr. I. Moleschott^ dem Wetke mit auf den Wetz giesst. Sie lauten: _ * . . Der rlrtttftwitiamna ist Undanb, ist Ueik^ ist bar r»ho Anabroch einer irregeleitet« -kommnnistischett t^estnnuttg, bi« sich «tt Stanunrahao», mit Glanbenoeifte, mit lbttlrlandaüeb« bamGttott. Seine lvuthauabrüeh« Hab« ihn geächtet und zarichtet. Aber man «nß anaharrea im llampft, denn dft VntnmlpM'.st dft Hydea. »er neue «ögft enmachftn, wenn na« dft alten zerschlägt. Und wenn man anadauert, st wird der Gedaetk! siegen, wft er hat über dft weitttche «acht »er «kche and »we bftj M וי׳