Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 26 (24.6.1892)
- Date
- 1892-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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.; teftüRtMHxrn aewiffer. 1 die fteKc vonProvifloäs-Uuteragexftn ffltftt »ßkloria״ -mnuthet, wofür diese chti||e Prozente ix die Großkog« §u prahle« sich verpflichtet. So wäre den« der ganze Orden von der Liwe de« Idealismus mit einem Stofe in den Sumpf des krassesten BeschästsnalismuS hftiabgesunkenl Man begreift die tieft Entrüstung von der dir nur einigermaßen ideal veranlagten Brüder ol> solchen Borgehen* erfüllt sind, r «an begreift im Zusammenhang damit auch die jüngst geplante Losreißung von Amerika, und um Allem auch die ' rührige Thätigkeit de« »zweiten Bicepräsidmten der Grogloge" am Ausbreitung des Orden« in Deutschland; der Tonttact, , den er milder .Victoria' geschtoffrn, maöft ihn. wie er selbst schreibt, zum General-Agenlen »für ganz tSeutschland". Man -«blickt in diesem fait aeoompli bnt Nagel zum Large des ״ seit einiger Zeit schon hinsiechenden Orden« iu Deutschland. Auch saus anoern Orten gehen uns Entrüstunzsschreiven zu, wir ^kommen in nüchster Nr. darauf zurück. Red.) Werkln, 20. Juni. (Or.^lorr.) Die Freilafiuua de« Ahlwardt׳ giebt den Antisemiten neuen Muth — zur Skieder» trächtigkrit. So werten die allergemeinstm Broschüren unter dem Titel .Juden-Bordelle" auf der Hauptsttaßi! von Eolporteurs den Borübergchenden feilgeboten und 1u«geschneen. — Run las ich auf einem öffentlichen Platze mit Stampigliendruck an die Mauer in vielfachen Abtaücken eingeprügt folgenden Bers: ^»ch di, Jude»! vier Meter au deudsalaeu, , I«tz Raben und Krüh« »m ihre Knochen sich balgen.' Der elende Autor hat nicht weit davon seinen Skamen beigedruckt und das ist seit 14 Tagen nicht abgelöscht.- ' Ich frage, wie kommt da«, laß die Polizei derartige die öffentliche Sittlichkeit und Ordnung verletzende Handlungen duldet? — — Sollte man sich wundern, wenn dieß dann die traurigsten Folgen nach sich zieht —? Die .BolkSzeitung" ertäelt darüber folgende Zuschrift: Wenn iu eiuem »nr Uuffühnucg kommend« Schauspiel da» Wart -Bordell' Vorkommen sollte, würde dann di« jlensnr nicht sosort di« Strrichang diese« Worte» oder eine bez. Aeuderung berlauge»? Muß «tu junge« «»ständige» Müdche» nicht errötheu, «enu sie da« Wort -Bordell' immerfort ruf» bärtl (i ist mit unbegreiflich, das, eiu fttcher himmelschrrteuder Unftg i» Lerliu, .und im belebtest« Theilc von Berlin «ednldet wird! Geste« >bend ging ich mit meiner jün- Her« Schwester in der Krirdrtchst ratze, <Ut Velnmistratze, und wurde von eine» der Verkäufer der Broichür« ^udenberbelle' nicht mir augernien, soaderu thatfilchlich am tirme fest ge Hallen »Hab« Die schon -Auteubordelle?' Go fragt mich der betreff«»; Man». »RiON? — b«,u müff« Sie ein Buch nehmen!' Ich ritz mich io». — .Sie sind «tu Hubel' brüllte mir der M«u» nach, »Wrr tri» Buch kanit — iff ei« gut«! — Ru» frag« ich Sie. sehr geehrte Redaktion, warum Weidet die Volizei solche» Unfug? Ich brmerde hierbei autdrllrNich, datz ich kein Jude bin. Ader meine CatrSfhntg über solche «Ham- »sigkeit« ist doch gewiß berechtig», da ich in Gegenwart meiner jü». p«n Schwester «gerempelt uud beleidigt ward,. Karl Richter. Auch die ,National-Zeitong' sprickst ihre Entrüstung über dieft von der Polizet geübte Duldung solches roider- , wärtigen Unfug« ans. Wa» nützt alle ReligwnS- und Sitten- \ lehre nt der Schule, wenn auf der Stras!e die ärgste Zucht- ' und Sitten! osigleit uugehindett gepredigt resp. gebrüllt wird! Z>r«»b«M, 20. Juni. Dkit Bismarck waren die Mcnnen .Antisemitischen Bolkspart« i", d.h.dies-epppvirtuosen Bdckel'scher!Kichtuug, hi>rr eiozezogen, um -»-« »dritten Parteitag" zu »eranstalten. Auf Twoü nahm Mr Parteitag seinen Anfang mit einer vou vem Abgeord!«teu! Zimmermann auf Bismarck gehaltenen jftstrede. Bei de» rhoxdlxngeu ftlbst führte Herr Bückel das große Wort, ־ '!ft um seine eigenen Brrhienste um die hehre Esache iftmitismus m -Hessen -mit edler Bescheideahnt inszuftrrichen. Dabei erzählte er: »Um dem jung« Großherzig dt« »ugen über di« Etinrluuug :Volk« z» ifstwu, habe er zwei »ratze volkk>dem»nftratt»»eu »iatztj den» .a»chLooarchen lonnkn noch lernen', und ,»wäre wen« Monarch« 'Miedet etnuwl nnter da» Volk >t»o» nNd sich damit wgnügi«, bei ihren Reis« sich »m »» «eamuju tu -:"iw.i,י .׳ x. ... AiX-fM«» «tpsaw» Man kann es den Monarchen nicht.verdenken, wem» sie das antisemitisch verhetzte .Volk" unter sich liffcit, ba sie rechtlich und morelach wohl dazu verpflichtet sind, die jüdische« Staatsbürger in den ihnen gewährleisteten poli» tische» Rechten zu schützen, nicht aber dazu ihre Hand lneten können uud dürfen, dieselben auf den Wunsch einiger saxatischer Agitatoren stieb״ und!achtlos zu machen. — Herr Bückel beklagte im Uedrigrn di« geringe Unterstützung die er bei seiner ,Arbeit" au« de« .übrigen Deutschland' gefunden, wo man für andere D^nge, z. B.!Kautionen, Geld im Uebecfiuß habe. Herr Bückel ärgert sich offrnbar über die 10 0VO Mark, die man behufs Freilassung des ,Rektors aller Deutschen' zusam«: ׳gkbracht hat. Go sind nun einmal die Antisemiten i In Geldangelegenheiten hört auch bei ihnen di« Grmüthlichkeit auf, u.1d für die »große, heilige Sache", um die es sich bei der Haftentlassung Ahlwarbt'» lvndelte, haben sie außerhalb oes Berliner Antisemitrnringe« kin Berstäudniß! — Bei den lärmvollen Kundgebungen gelegentlich des anwesenden Bismarck hatten die Herren Antisemiten ihre Hand hervorragend im Spiel. Der von Bismarck im Hotel Bellevue empfangenen Deputation gehörte u. A. der antisemitische Reichstagsabgeordnete Zimmer mann an. In Wien kam es durch die antisemitischen Ausdringlichkeiteu zu sehr unliebsamen Skandalen, wobei die Polizei blank ziehen mußte. Die Deputation der Antisemiten empfing Bismark nicht; der Bater des Antisemitismus verleugnete öffentlich seine Kinder. Hletchlmsm-. (Schluß von Nr. 23.) Aber auch gesetzt der Zwang zur T heil nähme am jüd. Religionsunterricht wäre nicht gegeben, wir müßten erst die Künigl, Regicrnug darum ersuchen, so ist denncxh der Kauf nicht zu theuer bezahlt. Alle», wa« bis jetzt dagegen geltend gemaH wurde, hält einer genauen Prüfung nicht stand, wie zu« Theil Hr. Traubenberg in dies. Bl. treffend nachgewieftn. Zunächst wurde von vielen Seiten hervorgehoben, daß bezüglich der religiösen Nnterweisuug nie iu Israel eiu Zwang geherrscht habe; dies sei einfach zu alle» Zeiten Pflicht der Ellern gewesen. Dieser Einwand allerdings klingt sehr bestechend, wenn er nur eben so wahr wäre. Gewiß w«!r die religiöse Unterweisung Obliegenheu des Baters, ade, der Bater konnte dazu von der Religionsbehörd« gezwungen werden. (Man vergleiche hierüber Jon deah § 245, 4 und 7 und Magen Abr. zu Orach Ehaim § 341.) Bon anderer Seile wurde besonders die Unausführbar׳׳ feit dieser Maßregel betont. Es gebe fthr viele höhere Lehr-' austalten uud nur wenige geschulte jüd Lehrer: der Scharf könne nicht gedeckt werden. Merkwürdig! Wie steht es baut in de« süddeutschen Staaten? Don gicbt es auch fthr viele höhere Schulen und an jeder wird obligatorisch jüd. Religionsuntcrricht «rtheilt, giebt es dort etwa m»r geschulte Lehrer? Nun desto belastender für die betresstnden jüd. Gemeinden in Preußen, die nicht für eiu besftrr« Lrhrrr- Material Sorge tragen. Gerade umgekehrt, die iu!Zrage stehende Maßregel würde manche Gememde aus der Lrüsargc wecken, den bis fttzt wenig beneidenSwerthen Lultnsbeaotenstand heben, und damit doppelt heilsam wirken. Mit besonderem Nachdruck wurde auf die Gewissensfreiheit hingewiesen; ohne Gewiffensskrupel — so Wirt» von de« Extreme« beider Richtungen argumentirt — könnten orthodoxe und religiös Freisinnig« ihre Kinder nicht vv« einem und demselben Lchrer unterrichten laste». Ja man verstieg sich sogar soweit, die Kluft »vffchen beiden Parteien.. für breiter als die zwischen Katholiken und Protestanten bezeichnen. Nun golüov so schlimm steht es noch Noch haben wir alle eine Thora, die Spaltung tstl ans dem bewegten Markte des Lebens — <*־•־“״" “ der äußeren For» des Gottesdienstes — *14