Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 26 (24.6.1892)
- Date
- 1892-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Nie Mit tü ^1«Lt»»-rser-Sett»«g". «an sich Herumsü8agq1! Wir haben. Sott weih e». den Antisemiten nie ein Quentchen mehr Seist zugetraut, als gerade nöthig ist, um ne noch unter die uaturgeschichtliche Kategorie ,llorao^ subsumiren zu dürfen. Auch Charakter und Ehrenl-ostigkeit!mb Austündigkeit da den wir vergebenunter der langen Reihe der Gestalten gesucht, die nacheinander al» antisemitische ordenführ« emportanchten, um bald hinter den kühlen dauern des Gefängnisie- oder in dem Sumpfe, audem sie emportztstirgen waren, wieder zu verschwinden. ״Kein Talent -nd kern Charakter", also müßte der Steckbrief lauten, der .,nt« den Commis-Voyageurs des Teutonismus zu erlaffen 'r:. Von allen — der eine dunkle Geschäfte listig vermittelnd. ־ andere mit klüftiger geinian,scher Lunge.Judenbordelle" -: ,preisend «in denen wahisc^inlich ein antisemitischer Zuhälter -ie rerchen Erfahrungen seines honetten Gewerbeniedergeleqt hat\ jener mit der Gewandtheit des Virtuosen Urkunden fälschend, wieder rin anderer hochstapelnd, ein fröhliches Lebe» führend — gilt: »Kein Talent und kein Charakter". Trotz alledem und alledem wähnten wir soviel Gehirnsubstanz. um einen in llarem, unzweideutigen deutsch geschriebenen Aufsatz zu verstehen, auch dem vom Lichte des Geistes am wenigsten durchleuchteten Arier.zuttauen zu dürfen. Wir haben eine niederschmetternde Widerlegung crfahreu, als wir, den Leitartikel der in den Kreisen der politisch minder entwickelten Droschkenkutscher viel gelesenen ,Staatsbürger- I Zeitung" vom 18. Juni durchlajen. Dieses antisemitische Elaborat bespricht unsern Leitartikel der vorigen Nummer J ^JndenmädelS". Wir schrieben darin: »Jedenfalls find mir dem christlich-germanischen Ritter für sein Wort voll monumentaler NawetSi dankbar: ist es doch geeignet, Sen ttinstlich konstroirten Unterschied zwischen pöbelhaftem and — — minder pöbelhaftem Antisemitismus gründlich za zerstören and den deutschen Jaden di« kindlich« Illusion za raaben, daß sie »»» irgend einer fremden Seite Unterstützung in ihrem verzweistongskampf gegen den Antisemitismus finden könnten. . . L» giebt rar einen Antilemitismnr, wenn auch sei»« Propheten verschiedenen Jnteresfimhihär«» a-ge hören: der Janker, für den di« Jaden Hatz die erlaubt« Form ־לי. seinen tiefen Haß wider das aufstrebende, sein« Privilegien zertrammernd« Bstrgerthnm Lust z» mache«, der von der Maschine and dem Kapital zermalmte Kleinbürger uad Uleingewerbetreibende, dem di« dampf« Last der Werkstatt and antisemitisch! Volksversammlaagsrchen da» verstüadniß für di« Roth wen-igkeit wirthschastlicher and historischer Gesetz« geraabt Hab«,; der Beamt«, welcher den k-talea Koakarrenzarid hinter dem schillernden Mantel de, Nation» l!sw and Patriotismus schlecht verbirgt — st« find sich all« einig in dem Bestreben, dies» Jaden, di« man so lang» angestraft hat treten könne», and »elch« jetzt di« Frechheit haben, Mensche« and Bürger frH z» wollen, wieder in di» Kelten drückendster Aasnahmegesetz« ,» schmieden." Der wackere Teulone der ,Staotsbürgerzeitung" inttrpretirt diese Worte dahin, daß wir »die ganze deutsche Nation m empörendster Weis« beschimpften", daß wir da» Burgerthum gegen das Junkrthum »hetzend ausspieltrn" und daß wir ^da» Kleiubürgerthum, dem wir Berläumtmng und Unverstand Vorwürfen, und dessen mühsame Thätiakeit in der dumpfen Luft der Werkstatt in echt jüdischer Weise verhöhnten" .... Wahrlich, ein« eherne Stirn gehört dazu, um Lesern, mögen sie noch so kritiklos sein, eine solche infame Interpretation vorzusetzen. Daß unser Artikel nicht» anderes c-.ttült und bezweckt, als ein« knappe Charakteristik des Antis mitismus und seiner Ursachen, die nicht, wie die Geschäftsre,senden des unverfälschten Arierchums durch laute» Brüllen beweisen suchen, auf idealem Gebiete liegen, sondern ,1 uz gemeiner und bruta ler Konkurrenzneid sind, darüber gleit« der treue «hrsiche Gmnms« HuMg. Mit solchen Gentlemen m»ß fürwahr, kein angenehmer Beruf und kein leichter für 2Mnm» von anständiger Gesinnung. Allein da»Schweigen voreehmr Berachtmig ist den Banditen der Antisemitenpreffe gqMßbir nicht angebracht; sie werden beständig-frecher. Rem. stellen muß man sich diese Wegelagerer, wo man sie antrift. und ihnen — das ist natürlich nur blldlich gemeint — dr: Hant segnend ins Antlitz schleudern, iii's Antlitz, so hold und rein, so eprlich und treu. . Und wiebezeichn« denn der Teutone der ,Staatt»' 'i bürgerzeit" dasBerhaltcnde»Ma inzerLieutenant Fsschir II.? :‘י (St sieht darin .«iaeu a» fich doch wi-Nich hornlosen «orzanz, den et» jung« k ' > Lientemwt, Vielleich!in derveinlnrae bezeugen" .... .Und », , kommt den« das Jadenthum grral« beza". — fährt er in «iaei« fl Lthe» fort — »fich über ela« solche» Vorgang t» dieser IMft |1 «rrifera? Sex» di« jüdisch» Kraw» in Deutschland, wie ükerh«N«-Ml in den Lände» mit arischer «wölke, «q. fich de« «orzua» beiwdrr,r-I^ «chwag ersre»»»^ s, habe» st« die» »och nur der »itterlichleit in de Sitten dieser 1 8Slb!er zu verdanke» am allerwenigst» aber »eia «abbUitmu«, btt di« Juden da» Lieid nicht ehren, sonder» ver»-׳, achten lehrt." Nun über diesen Punkt nüffen wir den Herrn Arier in einem besonderen Artikel eines Beffern belehren. Al׳"״ zwischen empfehlen wir ihm das Buch der Ritftjüdit Nahida Rcmy, üb« ,das jüdische Weib" zum sleitziget Selbststudium; es befinden sich darin einig« sehr dellhrendt.! Kapitel üb« die Stellung deS Weibes und d« Ehe bei den Arier» und den Semiten, die da» Gezentheil von dem ai» bet Quelle« erweisen, was d« Teitonr der»StaatSbürgnrzeit. seinen Lesern weis zu machen sucht. — Wir werden auf seine Herausforlxrung: »Als Rabbiner wird ja wojl b«F*־V.׳ Dr Rahmer nicht unbekannt sein, wa» die Rcbbinek gelehrt haben" — in einem tnsonderen Gange diene,, mi\ chm zeige», wa» « von den Rabbinern lernen kann, vor Allem aber, daß man den Talmud nicht citiren darf, weuit man darin nicht zu lesen versteh, sonst blamirt man sivs unsttrblich. A-kwardt »vd Irnmont. v >3 Laut« Jubel herrschte iu E au, tolle 'auSgelaffrue Kreudi' uutn den Judenftessern oll« Zxhattirungrn. Ahlwa:»t Üedji ,große Prophet", die »grundehrliche Haut", wie Herr Stöcke c r sagt, war frei. 1 Es hatte zwar Mühe genug gekostet, die zehnlausen!» H Mark Laution zusammenzuschn»rren, allein jetzt hatten stk-', ihn wirdec, den Rektor a. D. (11Ü« Dummen), uad srierttir.'^ nach gut>F Ariersitte in d« ,Hopsenblüthe" den Widers gekehrten, das arme, unschuldig« Schaf, da» dem Rache» tlllt Löwe(n) enttonnen. Nrffng ward nach Urteutouena« dem braunen C«stet» -W safte zugrsprixheu ... es röcheter sich allgemach die GffichbekA d« Edän und wohlgemuch stießen sie au, auf di« Zukunft ,der humansten Bewegung des IS. 3«l*r Hunderts, d«S Antisemitismus'. Doch leid« ist di: Well heutzuta« schon so sehr verjudet, daß sie den braven Annsemiten «me ungetrübtt Freude mehr gönnt. Während in V»lia, nach eia« tätigeren,Pause. bei.; ,deutschen Männern und Frauen" neue sensationelle Ent»' Hüllungen — natürlich gegen «m angemessenes Entgilt --- in sicher« Aussicht stehen, ward«: jenseits der Vogesen ,eineüZ d« wacknsten Gesinnuna-genosftn", d« berüchtigte Verfasse iz des,verjuxten Frankreich" als g mxrbsmäßig« Ehrabscdieide7 zu dreimonatlichem Tefängniß und circa SÜMO Frcs. Koste» verurcheilt. Das wohlv«dieatr Geschick das den Paris« ereilt, diente dazu» di« Freude, der Zechkumpane in der blüthe" iilerkllch heradzuAa»». Luch dem * Rektor ward rfichtganz wohl znMuch», Mps