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Israelitische Wochenschrift · 1892-06-17 · 25 (17.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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B« itrrfmngen «in klarepolitische- und wirthschastliche» Ziel 1.8'׳ findet diese rein-antisemitischen Gruppen an und für sich hig, dir ״wirthschastliche Lösung der Judenfraae auch nur vorzubereiten'. Diese erlösende That zu vollbringen ist 'nach Ansicht de- JunkerblatteS) nnr einer großen jwli- E-׳>n Partei beschiedev. (Hat denn aber Herr v. Hammerstein dir jüngsten Vorgänge innerhalb seiner eigenen Partei so rasch vergessen?) Das ist ja da- Charakttristische au dieser schmachvollen Judenhetzr, daß von. dem Hncrn v. Wackerbanh angefangen bis herunter zum Herrn v.Hammer. stein, Stöcker, Ahlwardt, Bachlrr und Liebermann v. Sonnenberg, Jeder sein eigenes Programm hat, von dessen Dvrchsührung die ״Wiedergesundvng der deutschen ״Volksseele' abhängig sein soll. — Ja schöne Seelen finden sich! Wir denken dabei an dir »schöne Seele- Ahlwardt'S, die die Stöcker-Hammerstein-Wackerbarth sich denn doch nicht so sticht Von den Rockschößen abschütteln können, wie sie gern niöchten. ״Das ist eine Krankheit der BolkSseele" — ruft dapjtonfcrv Wochenbl.' gelegentlich einer Besprechung der Lhlwardt'schcn Judcnhetze aus — di« ernste Aufmerksamkeit erfordert. Wir stehen in einer Periode des Niedergangder Achtung vor der Wahrheit; um unsere besten Tugenden schreibt ein wüster Spuk seine tollen Arabesken, die alte deutsche Treue sinkt in den Sumpf und wird zurBanditentreue, die edelsten Parolen und Begriffe diene» der Lüge vnd Bethörung als?Serkzeug: die Unehrlichkrit gilt als pslitsickv Geschicklichkeit, wenn sie nur vom Erfolg gekrönt Wird. Diese betrübende Erscheinung ist auch keineswegs bloS auf den Ahlwardt'scheu Kreis beschränkt.'- Aerktu. Die Schu.'den Ahlwardt'S sind nach einer Mitteilung der antisemitischen »N. Deutsch Ztg." in Leipzig durch eine Anleihe, zu der auch Baron v. Langen bngetragen hat, gedeckt worden. Dagegen mußte sich Ahlwardt verpflichten, zur Deckung dieser Anleihe dem Komitee, an dessen Spitze Rechtsanwalt G. steht, die Ausbeutung seiner tiSherigrn und späteren Schrift.n zu belasten. Man begreift also, daß gewisse Leute ein lebhaftes grschSftlich,Ä Jntevffse an dem Prosperiren der Ahlwardt'schen Schriften hatten. Die Kolporteure, welche in den Straßen Berlins die »Juden- Aisten" ausschrien, waren also lediglich Agenten der ״gut- «sinnten patriotischen' Männer, welch« die Anleihe gezeichnet naben. Einer der aus dem Ertrage der »Judenflintrn' befriedigten Gläubiger war bekanntlich der Hofprediger a. D. Stöcker, der seinem Freunde Ahlwardt 84V Mt. gelte!)«" hatte. — (Wie wäre es, wenn der Ahlwardt in aller Ferm in eine »Aktiengesellschaft verwandelt würde?) Bezüglich de« LHIward'sschwisdelS schreibt jetzt das »conservativr Svchenblan:׳ ״Man hat nur die Wahl an^unehmen, eoUoeder daß »an es «it einem überaus dreiste» Tre>be» de« Schwindel», oder da» «a» es «it einem llaudidate» de« J 7reaha»ses zu thmr hat, der sein« «nd sener ZnbSeer tkahnvorftellunge» mit Narrenspoffe« füttert Weifen di« An- »er SHIwardr« ,etzlere Lermuthuag, wie anzonrh««», mir Entrüstung i, so bleibt allerdings nur übrig, den wühlerische» Unfug diese» Manne«, »der da« demiche Volt vor fetten Varderben rette»' will und ih» selbst, was zehn Mal «ehr wertd ist als Selb und isnt» seinen ehrliche» gra!>r» Sin» »nd seine Wahrheitsliebe oerwüstet, als «ine der traurigsten Blüte» de» poiitischen Lebens der 1-qzrnwor» zu trzeichn««.' TeipziH. (Orig.-Eorr.) Di« wunderlichste BlLthe des Antisemitismus gedeiht zur Zeit im Königreich Sachsen. Port sind di« Juden sehr selttn. Auf zehntausend gemlithikche Sachsen kommen kaum vieruodzwanzig bö,e Juten. And dennoch sind sie eine solche Gefahr für das Sind, lraß all« Arte» die antisemitischen Blätter Vereine anffchiefun, daß es bald so viel antizüdische Zeitungen als Juden im Lande geben wird. Erstaunlich ist die große Thierfreikildlichlkit, die die sächsische Regierung veranlaßt hat, Im* Schächten zu verbieten. Dem Gewisse»-zwang, der für so manchen Juden dadvrch geschaffen fei, entziehen sich unsere findigen Glaubensgenossen dadurch daß sie sich heisch au» Pieutzru kommen laffen. Ties schmer^ich ist dl« Halttmg "'V־- - *9 . ׳ . oer ״Leipziger Zeitung', eineamtlichen Blatte«. Als die Seußerung fiel, «iß die Juden weriua buSwandern müssen» wenn da- Schächterderbot aufreöjt erhalten würde, da hatte da» Blatt knnr den Wunsch ״wenn sie «- doch umthätrn." Der Antisemitismn-, »der hsqziali-mnder ärmere« Kerle', wird hier von den Konservativen gehätschelt, um die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Drr Jude wird verbannt, ist bei vornehmem und niederem Pökel ein pupoläreSSchlagwort und dort am wirksamsten, w!> man, wie in Sachsen» den Juden nicht kennt und sich »on ihm irgend eine gefpensnsche mittelalterliche Vorsttüumz macht. Köln. Gegen die Versuche, dm AuttfemiciSmu» auch nach dem Nirderrhein hiuüb.'rzuspiestri, nimmt die »Kölnische Volks-Zeitung' in sehr entschiedene׳ Weise Stellung. Sie schreibt: ״Jedenfalls hat die Terttumspartei mit einem Organ der antisemitischen Partei nichtzu schaffen, mag es nun im katholischen oder Protestantischen Rock aas die Judenjagd gehen. Dies« »reinliche Scheidung' würde schon der Trieb der Selbsterhaltung forxrn Die sogenannte deutschsociale Partei macht Propaganda für sich selbst, and am Niederrhein giebt cs kein« ander: Haut aus der sie Riemen schneiden könnten, als die de« Centtums. Läßt man die Herren ungestört weiter virthschaften. so habe« wir bei den nächsten ReichStagSwahl-m antisemitische Eandidaturen in sicherer Aussicht; denn bis Centrum selbst stellt keine antiscmitischen Eoadidoke» ans. - Diese parteitakttsche Erwägung ist freilich nicht der einzige, nicht einmal der' Hauptgrund, weshalb wir gegen Machenschaften am Niederrhein die reinliche Sch.'idung vertan zen. Das Wesentliche ist, daß wir de« landläufigen Anttse nittSmuS für unvereinbar holten mit den Geboten unseres Slaulen« wie mit dem Programm unserer Partei. Tentruri und katholisch« Kirche wollen mit dein Evangelium, daS di« Herren Zinnnermana und Dr. Danneil in Köln und aniier-wo gepredigt haben» nicht« gemein haben." Sie schließt mit den Worten: ״DaS schlechteste Mittel 0“־ ' *״־*“ -*׳״ * ־"' ״*" ־ •■* ״ ־ * ~ '־ Wir haben daran genug gehabt." Les-sfekd» 8. Juni. Zu der am 5. und S. Juni im Saal« des Gewerbehauses zu Eisenach stattgefundeuen Konfrrenz des ״Vereins iSraelittscher Lelper Mitteldeutschland«" hatten sich riogefunden: die HH. Lavdrabblner Dr. Salzer- L««g»feld und Dr. Dessauer-Mein »gen und die HH. Lehrer: Rüthler-Gotha, Warenheim-Nordhanscn, Ellgutter- Plauen, Werthan-Bibra, Engel berg-Ascheahausen, Satz- Aschenhausen, I. Salzer-LeagSseld, I. Baumgart-LeugS» selb, Hofmann-Themar, Heiduugtfeld-Eiftnach^ Wert- Heim-Gera, Oppenheim-Coburg. Go ldschmidt-Bacha». Rach einem״Begrüßungsgesanae de« Eisenacher Synagogeachois unter der bewähnen Lrtung des Herrn Ehordirigenten Ferdinand Stiebet wurde die Sonfrreaz von dem bisherigen 2. Vorsitzenden. Herrn Dr. Salzer, eröffnet. Derselbe hieß die Versammlung herzlich willkommen unddankte der Gemeinde Eisenach und t«m Synagogenchor für die bereitwillige Aufnahme und de» Empfang der Konferenz. Herr Kultusaorstrher Srlomon Stiebet, der mit den Kult«-- deputtrte» und anderen Gemeiade«its;liedern erschienen war, ’ begrüßte die Versammlung namens seiner Gnneinde und 7 wünschte den Berathungen ftgeu^riäun Erfolg. — Hieraufwurde zur TageSordnnng geschritter. Im Geschäfts be» richt theilt« drr Vorsitzende mit, das! der bisherige 1. Barsitzende Herr Prediger Kackraheim-Mühlhauft« au« Rückficht auf ft inen Gesundheitszustand >>eu Barfitz nie Vergorst hat und au« demselben Grunde brr Konferenz nicht bnwohnen könne. Ferner, daß der Burstaud im Name» dr» Verein« de» verriu-mitasie»« Herr« klbMmer Dr. Nahtrer-- Magdeburg zu desftn rsMhrigttn ««Djubiwv»

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