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Israelitische Wochenschrift · 1892-06-17 · 25 (17.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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bluten Mantel des Nationalismus und.Patriotismnt! schlecht ^nrgt — sie sind sich alle einig in demfVrstrekm. diese Juden,'1 die man so lange iingestraft hat treten künum, und welche jetzt die^Frechheit haben, Menschen und Bürger fein zu wollen, wieder in die Setten drückendster Ausnahmegesetze zu schmieden. Der Jude ist ,echtlos, er hat kein Eigenthum und keine Ehre — da« ist zwar nicht der rechtkiche, aber Dank dem Antisemitismus, der faktische .Zustand in Deutschland. Hier die betrunkne Ballonmütze, t« von dem Branntwein aufeUt Junker und den Brandrede, zweideutiger Subjekte berauscht, muthig die kraftvolle germanische Faust in die Fensterscheiben eines jüdischen Laden schlägt,, dort der hoffnungsvolle Jüngling, der junge Mädchen anrüpeln zu dürfen glaubt w^il er sie für .Juden!,ädelS" hält, und über den beiden Typen, die Hand segnend über sie auZftreckend, der neue Armin, Arminius Ahlwardt, t»!r Reeror der Teutonen, der Vermittler dunkler Geschäfte, l«r unermüdliche Schnorrer. I Das ist da» Bild, da» den Zustand der Juden in!»eutsch. land tio de »iöale vorstellt. Manchen. den schwachen stillen Naturen, briclst das Herz über diesen sich täglich erneuenden Drmüthigungen und Leiden, und in der That. es ist nichts Leichte-, wenr: «an «in lange« Leben fleißig und ehrlich zu Gutem gearbeitet und dem Vaterland« gedient hat, und sich von -m ersten besten Lumpen ״vaterlandslos״ und ״Fremdling" schimpfen lassen muß; Andere werden verbittert oder gleichgültig und di« Charakterlosen, nun die lasten sich — taufen. Gar klein ist die Zahl der Muchigen und Stark, », die entschlossen sind, den Kampf durchzufechten bis zum letzten Akhemzuge, — deren Lebensaufgabe es ist, dem Judenthum die volle Gleichberechtigung zu erringen, nicht nur aus rechtlichem, sondern auch auf gesellschaftlichem Gebiete. Und daß die Zahl dieser Kämpfer nur klein ist, wird jedes Einzelnrn VerantwortlichkeitSgefühl erhöhen und seine Kraft anspannen bi« zum Aeußersten. Die Wahrheit muß siegen, nnd Recht wird schließlich.doch Recht bleiben! i Afißsre £oti ל*». J Durch den am Donnerstag, den 2. Schabuoth-Tag, erfolgten, in vor. Nr. bereit» kurz gemeldeten Tod deSiderrn Isidore Loeb in Paris hat nicht nur die ״Alliance JSraeltte Universelle", sondern auch die jüdische Wiffenschast einen unersetzlichen Verlust erlitten. Der Alliance hat derstlbe mehr als 20 Jahre als Bureauchef mit unermüdlichem Eiser vorgrstanden. Unter dem bescheidenen Titel eine» Secretär» derselben war er im wahren Sinne des Won es ihre ei- Muiliche Seele und sein Scheiden wird eine schwer auszufüllende Lücke in der Leitung der Alliance zurücklassen. Nicht minder verliert die jüdische Wissenschaft in dem Heimgegangenen einer ihrer besten Pioniere, ihrer tüchtigsten Förderer, ja ihm hat sie in gewistem Sinne ihre Wiederauserstehung m Frankreich zu verdanken. Als Sohn eine» frommen Rabbiner-, in Sulznmtt (Elsaß) geboren, genoß Isidore Loeb, der zun Rabbinerberufe bestimmt war, den Unterricht seines Vaters, srudirte dann unter Leitung des Rabbiner» Klein in Lolmar, besuchte später die Ravbinerschule in Metz und hierauf das Rabmnersrmiuar zu Paris, 'llach absolvirtenHStudim bekleidete er einige Jahie de» Rabl inerposten in Saint-Girnue (Loire). Gei« «üni» liches Wissen lenkte bald die Atcfmerksamkeit des PnmUnms auf ihn. er konnte dem Drang« nicht widerstehe», der Oeifrutlichkeit seine Dienste zu weihen und anfangs unter de«» Schleier der Ancuymftät dir Locnlpreste durch wissenschaftlich e Beuräge zu unterstützen. Dec Drang zu litterarische, SchüpstlNjttn war so mächtig in ihm, daß er sein« Stell«,; als Rablr ner aufgab und nach Paris zog, um sich dakt ausschließlich der Pflege jüdische Wissenschaft zu widme». Gleichzeitig übernahm er den ihm angetragenem varante!, Posten eines Secretär» der All an«, besten Obliegenheit«, im Verein mit seinen wistensck östlichen Studien nunmeht seine Lebensaufgabe «,׳.»machten von 1872 bis zu feine», allzufrühen Tode. Der Entwickelung der Alliance widmete Loeb vor Alle» sein« Geist:«- und Körperkrast und nur die wenigea Stund«,: seiner Muße den wistenschaftlichen und litterarischen Studie«. Betrachtet man seine Leistungen auf diesem Gebiete, so must mau mit Erstaunen fragen, wie et möglich gewesen, daß «in׳: Menfchentrast eine solche Riesenarl eit, wie tat Verstorbene sie in selbständig:« Werken, Zeitschristcu.1kncyclopädien,Broschüren etc. nirdergelegt hat, hat bewältigen körnen, neben seiner immense« Thätigbcit als Torrespoadent der Allianz, die chm nicht uu, einen atheinlosen Schriftwechsel mich allen Weltgegenden uns. erlegte, sondern auch vielfach zt Reisen nach den fernen Ländern veranlaßte, um ״nach bem Wöhle seiner Glaubensbrüder zu sehen." Um dem Leser eine schwache Idee von der litterarischen Schüpserkrcst des Verstorbenen zu verschaffen, feien aus der Anzahl seiner im Druck erschnuenen Schriften nur einig hier genannt: Eine Anzahl von Predigten. Machsor für Neujahr mit frauzös. Uebersetzung. Biographie des Alben Lohn. Die Lage der Juden in Rumänien und Serbien Die Juden in Rußland (1891). Jüdische Artikel in St. Martin'» geograph. Wörterbuch. Zahlr>iche Artikel in der c.roßen Encyclopädie von Eamille Dreysuß u. A. ein Artikel über die Kabbalah. Jüdischer Kalender mit der Eoncordance der jüdischen und christlichen Daten. Der Jude in der Sage uni» in der Geschichte. Jüdische und christliche lZolemike r im Mittelalter. "Baruch u. Hertzel Lev ), die Juden in Straßburg. Statuten der Juden im Lomitat Venaissin. Joseph Hakohen und die jüdischen Thronisteu. Der Talmudstreit von 1241. Das Leben derMetaphern (zum 80. Geburt«- tage DorrniourgS). Die Austreibung der Juden aus Frankreich (in Traetz' Jubelschrift). Das heilig« Kind von La Gardia. Die Engänge in den Hero dianischen Tempel. Die Traditionkkette Hierzu kommen die zahlreichen Beiträge in der ״Rtrtu iaradlite“, velche er von 1871—72 herau-gab Di« Artikel in der ^Re-rue de» Lcudea jairm" und m fast allen jübischen Zeitschriften, di« kritischen Artikel über Malerei und Bildhauerkunst in verschiedenen Kn nstjournale», di« Monats- und JahreSIrerichte der Alliance et», etc. Auch gekörte Loeb früher »ur Redaction de« ״Petit Journal", in welchem seine Leitartikel u iter dem Pseudonym Thomas Trimm eiffchtvren. Milten in dieser Schaffenskraft hat der unerbittliche Tod diesen hochbigabten und für alle« Gute begeisterten Mann i« besten Maniesalter*) der Wiffenschast und de» Tesammtjudenthum entrissen und sollte es chm nicht «ehr vergönnt •) Er M«bc 62 Jahre alt; c* ttt fea« Prophetenolter «aauwU» nie uafnt veile, |wi, שםיאל JVfB JOT 3"i der Lad »ach «lmc auftttdsade»;chvljM stk dle de» Kchtnch»»«^

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