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Israelitische Wochenschrift · 1892-06-10 · 24 (10.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
24 (10.6.1892)
Date
1892-06-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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mtrf, toa* auch der Leiter« der deutschen Politik beachte»«- Werth erscheinen dürste. Er hemmt den sozialen Assimilationsprozeß zwischen Juden und Nichtjuden, er schafft — doppelt Verhängnis-»!! in dieser Zeit der sozialen Zerklüftung — eine neue jklasse mit Souderintereffrn und säet Verbitterung und LeiPveifelung ' in die Herzen der um ihre Existenz kämpseulren Juden. Gehaßt, verfolgt n-cht wegen persönlichen Verschuldens, gesellschastlich zurückgestoßen und gekränkt, so wächst die jung« jüdische Generation heran. Sie kennt kein anderes Vaterland als Deurschland, deutsch ist ihre Muttersprache, deutsch ihre Bildung; man höhnt sie al« Fremdlinge, tüe keinen Antheil haben an der nationalen Eultur, als Vaterland-lose, die geduldet sind; wenden sie sich dem Handel zu. so spottet man über den unausrottbaren Schachergeist, studiren sie, so klagt man über dies« vordringlichen Juden, die den ״Sin« heimischen", den autochthonischen Germanen, das Fortkommen erschweren, und kaufen sie ein Gut, um rS zu bewirthschastev, so entreißen sie den alten Geschlechtern den angestammten Acker. . . . ״Dulden ist das Erbtheil unseres Stammest" Aber die Jungen, die mit moderner Bildung Erfüllten, wollen nicht blos dulden, sie wehren sich. Mit diesem unsäg» lichen Weh in der Brust, diesem unendlichen Jammer, gehaßt und geschmäht zu werden ohne Rücksicht aus persönlichen Werth oder Unwerth, muß auch der Haß in die Herzen schleichen gegen die Urheber dieses Weh'S. Und dann, wenn si׳ sehen, wie Jene, welche mst einem Wort die antisemitische Schlange zertreten könnten, schweigen und ge» währen laffen, müssen sie nicht auch diese verantwortlich machen für dieses peinigende Weh, muß nicht Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, Sehnsucht, glühendes Verlangen nach einer anderen Ordnung der Dinge, die auch de» Juden Mensch und Bürger sein läßt, in ihnen entstehen, muß da jener Schlachtruf der Revolutionäre: ״Freiheit und Gleichheit für Alles, was Menschenantlitz lägt", sie nicht mächtch locken? . . . . , Wenn die moderne jüdische Jugend revolutionär werden sollte, — was Gott verhüten wolle l — so muß man den AntisemitrSmuS dasür verantwortlich machen, der ihre Herzen vergiftet, ihr das Vaterland raubte, ihr dir Freude am Dasein zerstörte, sie mit Gift erfüllte ob der mangelnden Gerechtigkeit, ob der einzigen Freiheit, die man ihnen gewährt, die nämlich daß man sie für ״vogelfrei' erklärt, und ihr Heiligstes, ihre Religion, in den Schmutz treten läßt. — Yideant Consales. ... O. P. Aölwardl hinter Schloß mrd Htiegel. Was wir in vor. Nummer am Rüsttage unsere« heil- Schowuausfestes vorausgesagt, hat sich rasch erfüllt. Die Hand der Gerrchtigkett hat den argen Sünder, dem di« Donnerworte am Sinai nichts galten, noch am zweiten Lage unsere« GesetzgebungssrsteS erreicht; er wurde gerade in dem Momente verhaftet, da er sich zu einer neuen schandbaren BerleumdungSrede gegen da- Judenihum rüstete. Hören wir. wie dre ״Berliner Bolkszritmrg" das Ereigniß und seinen Eindruck schildert: ״In der Tonhalle ging es am Donnerstag Abend wieder «mural hoch her. ״Zweitausend deutsche Männer" waren allda versammelt, um aus dem Munde des großen Propheten .neue Enthüllungenüber die Judenstintru entaegenzunehmen. Wer aber nicht kam, war der Redner, der für dre ilügen des-Sbend« zu sorgen versprochen hatte. Er, der Abgott der vom anti׳emist,chen Veitstanz befallenen Menge, w lorb«rgekrünte Ehrabschneider, befand sich zu jener Zeit oereitunter dem sicheren Schutze zweier Krimmalkourmis. iarien, die den Befreier Germanien», de« ״dritten!Sucher',;« seiner Wohnung Schulzeudorserstraße 18, um'8 Uhr" Abends in Berwahrsiim genommen hatten, um ihn an eine^ z» führen, aMr.dgli «Sohle deMgogffch Masten nimmrr dringt. ״Ahhoordt verhaftet I" D«! dieser Mirtheilung aus die .j ««tausend deutsch« Mäurq in der Twnhalle läßt sich rächt beschreibe«.׳ Kaum der Borsijfenoe da» Wort arSgesprochea, ab» di« Elten wie von einer Tarantel gestochen So« ihren Mann für Mann auffuhren, rnd in ein Johlen aoSbrachen, gegen welches dr« lauteste Jndianergehenl Aeolsharstnmufik geklungen hätte. ״Erst nach geraum« Zeit legte sich' — so schil lert ein Blatt der Ahlwart Sippe die Scene — ״der Sturm der Entrüstung, die Meng« auf die Aufforderung de» Vorsitzenden in dreifaches Hoch ans den Saisir «instimmte ... Nichts aber ist bezeichnender für vie sittliche Verwild rung, welche durch die antisemitische Hetze allmählich ־ Publikum erzeugt worden ist. als daß eS einem Ahlwar gelungen ish sich für sein t« urigeS Gewerbe Nachfolger erziehen, die bereit sind, ״in seinem Sinne' weiter zu besten'. Denn, — so lese» wir in dem erwähnten teibericht — war auch der Hauptredner nicht erschienen/ fanden sich dafür Redner au» der BersamMurig. die ihn eintraten und der Versicherung Ausdruck gaben, man .bis zum letzten Mann' und ״zum letzte« Blut tropsen" zu dem .muthigen Vorkämpfer' stehen wer" (Stürmischer Beifall und ent lose Hochrufe auf Ahlv Welchen Grad der krankhafte Zustand oct Hochrufer mag man daraus ersehen, daß schließlich ״unter dem Jnb der Versammlung «ine Resolutioa angenommen wurde, welcher die Rede ist von den . wuthvollen ehrlos«, Angrii, Lüge» und Verleumdungen' »er ,Judenpresse' und ihrer Trabanten gegen den Antiseu itiSwu- und im Brsond gegen Ahlu-ardt; von dem ״bnilhvollen Ausharren' für. die .gerechte Sache' (der antisemistschea Ehrabschneider« näi lich) ״so Gott will bis zum endlnhe» Siege'. Der Schl! dieses KraststückS eine« bi« zur Verrücktheit gest,' Fanatismus! lautet: .90tmU wird die Bel« da» irauriae Schaaspiel sehen, Sühne eine» kraftvolle,,, ideale» Volle» de» üderzeugamzüttrU«» Vr verlaffen, der thneu uater Verzicht ras amt, dortheil «ud Ehkeat ansgernmageaen Sampf« für de« xesammtra Volle» Sotzlsahrt,•« de« Vaterland«« Glück und Kreiher «eit voranleuchtet. Treue.״ Treu«!' Einstweilen hat nun jedoch der ״überzeugunast, Bruder" Zeit, sich zu überleger , ob er die Rollo des Heldder für ״sein Volk" aus idealem Drange ״duldet", west spielen will, oder ob er «S ruckt, da sich ihm da« Berhäo niß naht, rorziehen will, den ״wilden Manu" zu mo' In seiner Broschüre ״Judeujlmteu" hat er bereitsichtigerweise als Möylichküt a Aussicht gesollt, daßwohl einmal, wenn mcht im Zuchthause, so i« Irren^ endigen werde. Selbstverständrch würde ihn — so 1 er in dem ihm eigeuthümliche» Gedauknrgauge — der! Rache dahm bringen. Wmn tnan aber die letzten d gewordenen Steden des Verhaft, tea liest, jo namentlich Zwickauer Rede,, so gewinnt man den Eindruck, als Hobe, es. je unsicherer er dm Boden unter׳ seinen Füße« w! fühlte, um so planmäßiger darauf angelegt, sich im Bed falle als geistesgestört taxirr» laffeu zu künnen. And sind die «aß- und schamlosen Lügen, die blödsinnchen Uetz trribungen, von denen jene Rede sttotzte, gar «uht kärrn. Doch^ wie dem auch sei, immerhin ist dem Amu gefährlichen- Treiben de» gewiffinlosrv Verleumders vor s Hand ei» Ende gemacht. * Wovor wir aber warne» möchten» das ist die fassung, al« würde nun auch du antisemitische giftung ein Ende finde«. Woarr auch dir U« di« den Ahlwardt auszeichnete, sich i» glei!' wiehxr bei nn«H,Jnd" ' soairere«

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