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Israelitische Wochenschrift · 1892-06-03 · 23 (3.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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lodt, und wir verstehen. wenn zarter Dichters!»!, me׳\u einem Freunde, zu einem Genossen und D üster der kZchmerze« zu ihm aufschaut LS giebr kalte Seele», die von alledem nichts wissen und keck behaupten, was ir ihrer Empfindung nicht lebe, das existire überhaupt nicht; ja es kommt vor, t«ß solche Leute umfangreiche Bücher schreiben, den Mangel an sauften Seeleuregungen vor aller Welt bloß stellen und so thun, als sei ihre Stumpfheit ein Borzug, als plagten sich die Anderen mit Werken der Einbildung. Wer kann mit ihnen rechten, wer kann mir den Blinden von den Farben reden; wir w äffen obwarten, bis die Hülle von ihren Augen genommen wird, wir aber werden darum nickt aufhören, unser Naturgrfühl zu erziehen und zu pflegen und wie die Blume ihren Kelch öffnet, daß d«S Windes belebender Hauch, daß der Sonne Strahl in ihre Tiefe tauche, io werden auch wir unsere Seelen erschließen, daß die Natur ihr göttliches Sie» gel auf die Tafeln unseres Herzens präge. Aber der Mensch ist nicht daran gebunden, daß er nur an den gegenwärtigen Bildern der Natur sich erbaue. Noch gewaltiger erregt ,ha das Schicksal des eigenen Geschlechts in Freud und Äid; ihm ist es gegeben die entfernten Zeiten ui verknüpfen mit dem gegenwärtigen Moment und was die Vergangenheit Großes geboren, das umfaßt noch heut wie ein Lebendiges unsere empfänglich« Seele; die großen Männer, die ihre Völker zur Erkenntniß, zum Recht, zum Ruhm und zur Ehre geführt haben, wir geleiten sie im tz)eiste aus chreu oft so steilen Wegen, wir zittern für sie, wenn sie auf jähen Abhängen, wenn sie durch dunkle Schluchten wandeln, wir jauchzen, wenn sie nach überwundener Gefahr auf ebener Bahn dahtnschreiteu, unser Herz wallt auf in Lust und Zorn,! in Schmerz und Wonne bei allen ihren mannigfach,« Schicksalen; wir vergessen dabcr fast, daß sie längst tobt sind, daß ihr Geschick längst beschlossen ist; spottet nicht des leiden» schaftlichea Gefühls, das in Bewund.-rung oder Abscheu aufflammt über längst hiugegangene geschichtluhr tSestalten. Die begeisterte Jugend, die das Vergangene wie eia Gegenwärtiges onsieht, verstryt die Geschichte bcffer, als chr, die ihr nur am Lebenden haftet, denn alle Geschlechter der Erde seit Urbeginn, sie hängen organisch zusammen, uni! wie der Stein, an der Quell« in den Strom geworfen, eine Bewegang erzeugt, die bis zum Meere sich fortpflanzt, so wirkt da-, was im Anfang -er Zeiten die Gemüther bewegt hat, unerkannt weiter fort in der Fluth der Jahrhunderte. Und wie in der Natur das Schöne und ^habene, wenn es auch oft unfern Blicken sich darchut, zu stets erneuter Betrachtung reizt, zu stets erneuter Bewunderung hinreißt, so sind auch di« große« geschichtlichen «gestalten, und hätten wir uns noch so eingehend mit ihnen beschäftigt, mit Reckt fort und fort ein Gegenstand unserer Ach merksam» Kit, unserer eifrigen Nachdenken«; wenn wir an einer Ruine Vorbeigehen, die von einem alten, einst mächtigen Bauwerk übrig geblieben ist; so wandelt unsere Phantasie diese Trüm» mer zu dem einst wohlgefügten und stattlichen Stau und belebt rhu mit den Personen, welche in demselven geweilt haben, und sieht, durch diesen Anlaß geweckt, di« Gebilde de« Alterthums «ieder aufstehen. Geschweige denn, wen« eia großer nicht zu übersehender lebendiger Zeug« au« der Vergangenheit durch da- Geschlecht der Lebenden schreitet, daß er ben Geist, sobaÜ» dieser nur da« Nachdenken nicht ganz verlernt hat, fast zwingt zur Rückschau in entfernte Zeiten. Solch ein Zeuge ist Israel; wie der Rigeabogea die kichtgeformte Micke ist, welche die Enden de« Horizontemir einander verknüpft, so ist die Geschichte Israel«, diese« Solle» der Erkenatniß und de« Geistes, die Brücke welche au« der Borzeit, an dunklem Gewölk vorüber, zu unseren Tagen führt. Heute feiern Jakobs Sühne auf der» gamzeu Erdball ein Fest, daß die Wahrheit herabgestiegen kt zu de« Menschentiadern, ihrer: Geist erkuchcrad, ihr Herz erivüinend, ihr Thun kitend, unk in welche Zeit führt uns d» rung zurück,'? Ipt «ÄAtzÄI^NM^^mser;י Jhntbe nur »och wenig zu un» herübergedeniigea. .י Dunkel bedeckte die Erde und Nebel hüllte die seineü Alter ker; aber über dir strahlte ein Gott, und lichkeit schien zu deinen Hiinpten.—) Im Zetten lag«, noch die großen ldflturvvlkr de« eine Wildnis, war Hella«, tmt> Rom'S Name war a! genannt, da war schon Juda hervorgetreten die F der Hand, von dem geschrieben steht: »Und Völker wandeln z« deinem Lichte un» Fürsten zu deine« Gl Schimmer." Beit ab wir die Zeit liegt auch das Land, zu Schabuot unsere Seelen lenlt: in der Wüste war ei pflanzt worden der Baum de« Lebens, fern cb vom 8, der Menschen; wer dächte dieser Einöden, der Stätten Disteln und Domen, wenn acht in ihnen der Dorn! gestanden hätte, der, von, Hamhe Gottes entflammt, jttc glüht, nie erlöscht, wenn dort nicht Israel, verarme stamm, der Dorn unter den Bulkern, wäre entzündet 11 zum Lichte der Erde. Damals glaubten die Israeliten, weit sie die und Zeichen sahen, den Blitz, den Donner, den rau, Berg, den Aufruhr der Erde; aber die Menschen von sind stumpf gegen Zeichen und Wunder; denn ein qr hat die Wel! nicht gesehen alt Israel, den Streiter Herrn, der vom Sinai sich hin Iber gerettet hat in diese da» in Sturm und Wetter bi« Fackel getragen hat, kein Sturm hat sie verweht, urd kein Regen hat sie verl Jedoch nein, da» Wort Wunder ist meist nur eine flucht der Deakträgen und wii haben ein Recht, wir eine Pflicht zu fragen, wodu:ch hat die« Bäk eine Widerstandskraft bewährt? Die Alten sagen: »Die Thorq ist gegeben in Fei in Wasser, in der Wüste׳—>, und wir glauben, in > kurzen Satz ist anzedeutet, warum Juden und Jude« die Stürme der Zeiten überdauert und überwunden hat. Israel ,st ein Boik. das mir Feuer, mit Leidens die Wahrheit umfaßt hat, da- »ie Fackel de« Sinai mit Faser seiner Kraft fest gehalten hat; wir wollen nicht g denk» von der Leidenschaft und sie nicht tadeln; wie Maschine de« Dampfe« bedarf der ihre Näder treibt,' braucht der Mensch ein glühen xs Herz,'da« seinen Arm Bewegung sitzt; die Maschine geht zu Grunde, wenn sie ' allzu heftiger Gluch getrieben wird, und so wird ei» maß von Leidenschaft der Seel« verderblich; nur wird da« Feuer deswegen auSlüsihen, well eS gestrigen Keffel sprengen kann, sondern .1 wird «» dämpfen. Der Zorn z. B. ist zuawist «ine häßliche und liche Erregung der Seele, aber wenn emer fort und seinem R«h>e gekränkt wird, >k»r er von seine«! gehühat wird, wenn ihm sein Unglück al« ei« Berl vorgeführt wird, o wie schön fte$ da die ZorneSaderZ Stirn de« «Sequäüen, wenn «r dir heißen Worte sen in« Antlitz schleudert, wenn wie ei« Lavastro« klage über d« Lippen fluchet den Feind versengendverzehrend. ES giebt ein reine« Feuer, vom Himmel stammend, auf dem Altar Gotte« die Op« entzündet, die dem gefallen; r« giebt ein irdisch»« Flamme«, da« die vertrocknet und anfzehrt. Dt> Fackel des Sinai hat Feuer in Israel entfacht; e« bffaßeu sein« Führer die Leidenschaft für da« Gute» die Begeisterung, die auf׳ indem sie sich opfert. Wenn rnr in das Antlitz der schauen, die von einem roten Streben «füllt sind; die der Jugend strahst an« chmi Augen; dagegen ist erbarmeuswerther als eia Allee, der ganz von der für die eigene gchrechliche Wftenz -in Anspruch genov wird. Nem amh ein Kolk Äebt jugendfrisch, Wvm «A

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