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Israelitische Wochenschrift · 1892-04-22 · 17 (22.4.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
17 (22.4.1892)
Date
1892-04-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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diesi» Grund« allen, sch«, mehr al» ei« blot »oritber- -chent« Aufinerksambit. Man darf die Thdtsache nirbk au» de» fia[,tn verliere«, daß diese» 80CI mochte es den Namen Harter, Jfrxliten öxr Juden geführt haben, sei« Existenz M*d)au4 nicht in Abgeschlossenheit und in träumerisch« Wisamkst verlebt Hst. Nein! Zu all״» ^seiten wurde es mit in t«n wilde« Strudel der weltgeschichtlichen Ereignisse hineiugezogen. ES Ijattr einen gar harte« Kampf zu de» stehen und viele Leixu zu erdulden, und während einer «ehr alt dreitausendjährigen Periode wnrde ihm Schlag auf Schlag »ersetzt. Spuren solcher vergangenen Leiden trägt es noch Äs zum Heuligen Tage, und doch mit der Märtyrer« krvne geschmückt, fährt e» fort zu leben und zu rMirrn. E» hat tiuch, trotz der Berneinung gewisser Pessimisten und boshafter Verleumder, gar manches nutzreiche Werk zu Tag« gefördert. Schon die einzige Thatsache, dass eS den gebildeten Theil der Menschheit von der Illusion und dem Wahn tes Götzendienstes befreit hat, welcher so viele «vrasiscke und soziale Uebel herdeisührte, berechtigt es wohl, ei« gebührende Aufmerksamkeit zu erwarten: aber es hat der Menschheit noch weit größere Dienste geleistet. Woher kam denn eigentlich die hohe Kultur, worauf die modern«, gebildeten Nationen so überaus stolz sind? Haben sie sie etwa in's Dasein ger.ifen? Nein! Letzt«« sind einfach die glücklichen Besitz« ein« uralten Erbschaft, rrovon sie guten und weiftn Gebrauch gemacht, und die sie später nach und nach ausgedehnt und drreicbert haben.' Der Verfasser ׳ährt dann fort, darauf hinzuweiseu, daß die Griechen und Juden die einzigen Nationen im Alterthum gewesen waren, die durch ihre allgemei« V«׳ brritung von Kuliur und Wissenschaft die aejammtr Menschheit von Wildheit un» Barbarei befreit haben. Doch, meint d« Verfass«, während das Andenken der erstrrn, dir zu existiren ousgehört hoben, jetzt allgemein in Ehren gehalten wird, sei man in modern« Zeit bemüht, den Eharakt« der Juden heiabzuwürdigen, und ihnen alle möglichen und unmöglichen Kchl« und Last« zuzuschreiben, die ihnei^ von jeher ganz fremd waren. Sind diese Beschuldigungen ab« wirklich begründet und wahr? Ist denn nicht vielmehr d« Jude zu allen Zeiten bestrebt gewesen, die ethischen Grundsätze seiner Religion m Leben zu befolgen, und als ein im Ldenbiide Gotte« geschaffenes Wesen in feinem Thun und Schaffen d« Gottheit imm« näher zu kommen? Wohl hat da« jüdische Volk manche gehl« und Schwäckna aufzuweisen, bi« ihm nicht zur Ehre gereichen, ab« warmn «wartet man Stabe von den Inden eine Vollkommenheit, die man bei «r andern Nation findet? Unt« Anderem wirst man ihm« auch den Mangel an Talent für Baukunst, Malerei und epische Dichtung vor, und veigißt dabei die Thatsache, daß sie statt dessen andere Vorzüge besitzen, die volle Be» achtung «rdiene». Haben sie nicht das Gebiet der Ethik »tt zahlreichen goldenen Lehren bereichert, indem sie d« Mit- und Nachwelt die poetischen Schätze d« Psalmisren und Propheten ausbeivahrten? ,Ihre Litteratm'', fährt ixr Ber,assir fort, .ist voll von dramatischem Effekt, obschon sie kein rigensiiches Drama grfchaften habe«. Wahl vermißt man in dieser Litterarur, was «an allgemein intt dem Ausdrucke ,Humor" bezeichnet, ab« sie tat eingestandenermaßen viel von beißender Ironie aosznweiseo. and von ihr« idealistischen Höhe blickt sie mit Stotz auf jeden Waim und jede Täuschung herab. Di« jüoifchäi Propheten und Psalmisten haben niemc ls di« Wahrheit lxr Gesälligkit deS tstilS wegen geopfert, obgleich sie stet» bemüht tonten, ein« chön« poetische Form beizubehalten und auszubildea. Rebstd, m haben ine Israeliten eine» eigenartigen hstorifeheu tstil cingesührt, d« die geschichtlichen Begebenheiten dn Berzeit wahiheitSgetreu schilderte, und sich nicht schevetr, dir Schwächen unk Last« der verschiedenen Heroen, Könige und Nationen zu eatschuldigen oda gar zu i>en,änre»«. Diese eigenartige Lukratur, weiche all« andne« vorhandene« Literaturen an Vortrefflichkert üdertrffft. hat viele nioralische Eroberungen g-machh und die tiefe WtWI' und Wahrheit wovon st« voll war, mußte auf alle NnsioMtz^ di« der Kultur fähig waren,- einen gewaltig-» EWG«' machen Hotte die griechische Literatur einerseits da» N>!tch der Kunst ausgedehnt und erweitert: so hat anderseits di« hebrü- , ische da» der Heiligest und d« Moralität ideallsirt. Vahr-' sich di« Sefchiche ein« Rasion, die so viel geleistet, r«die«t volle Würdigung und Berücksichtigung." -j E» würde zu weit führen, «olle ich hi« noch andere 1 Auszüge au» dem .Rückblick" bringen, zumal « i» Große» und Ganzen nur «in gedrängt«! Resums von all dem enthält, waS der Verfass« in seinem GefchchtSwerk so meist«- Haft beschrieben hat. Doch möge e» mir gestattet sein, de« Schluß desselben noch hin anzusühreu, welch« in weniger kraftvollen Sätzen «ine alte Traditio» in Betreff der Berjüngung d« jüdischen Nation bespricht und bildlich «klärt. Derselbe lautet wie folgt: . ״An den Thoren Roms liegt eine menschliche Gestalt, die krank, hinsiechcnd und'in Lumpen gehüllt, ein Gegeirstand deS Abschtu's und' des Mitleids zugleich ist. Diese abstoßend« Figur wird plötzlich mit einem Stabe berührt, worauf Sätze aus lxr Bibel geschrieben sind. Bald «hebt sie sich, ihre scheußliche Hülle sältt und schwindet, und i» Nu steht sie aufrecht da und leuchtet im schönsten Jugendglanze. Vergleiche sind oft lahm und könne» nicht imakr ein getreues Bild von einem Phänomen abgeben. da» i» Alltagsleben kaum zu finden ist. Die jüdische Nasioa ist jedenfalls ein außerordentliche» Phänomen, dessen Ursprung und Entstehen in'» grau« Alterthum hineinreicht, daS aber dessen ungeachtet noch immer jußattrtidje Kraft und Stärke I besitzt. Dasselbe hat wohl zahllose Wechsel fälle de» Schicksal» > erfahren, troydem ad« ist e» sich stets wahr und treu geblieben." Harrow (bei London), Ende März. Lhotzner. i Ate Nürtöeschuttigm»-. Zur schönen Frühlingszeit ist den jüdischen Herzen bang, ob nicht irgendwo dos n«d«trächtige Blutmärchea auftaucht uud über unsere Genosse» Angst und Elend dringt. Da» Entsetzlichste hierbei ist. daß nicht der Aberglaube, sonder» Niedertracht und Schurkerei die erste Ursache diestr Roth ist, daß Menschen, die gar nicht daran denken, dies« Blutlüge auch nur estien Hauch von Wahrheit beizumesseu, mit voürr Absichtlichkeit alle Mittel auwenden, um in ungebildeten Landen den Dämon de» Aberglauben» wachzurustn und sich dann wie Brandduben des Feuer» freue», daß sie angelegt haben. Der Schreib« dies« Zeilen war einmal durch Zufall au eine« Badeorte in dieGestllschaft eine» jüdische« istaat»- beamten und eine» voruchmen Herrn geratheu, der au d« Spitze eine» verhüllt ansisemisischen Blatte» stand. Di« .Herreu unlerhielien sich üb« den Rstualmord; der vornehm: Herr gab sich den An schein die Sache fest zu glaulun, natüäich mit d« Eiuschräukmlg, daß die anwesenden Juden »och kt» Thristeublut gekostet habe«: d« jüdische Beamte widerlegte die Meinung: ich hörte still z«; endlich wandte sich der aatisemisische Herr an mich nnd mcint^ ich müsse in diese» Sachen al» Theologe ein tief« gegründete» Urtheil al» die Laie» haben. Da war meine Gedrud »u Ende und ich sägte: ich sitze voran», daß uns« wacker« Widewart sein« Ueberzrugung Ausrruck gegeben, al» « die Blutvejchuldigung ansrecht erhielt. Da könne er es nur al» einen Beweis rechter Freuadsckast ansehen, wenn ich ihm wünsche: ,er möge so' wahr gesund sein uud bleiben, al» er dies« Blutbeschuldig« »g — glaube.' Kur Mann fahl »ich daraus sehr scharf aq, ich hiät den Blick ruft) au» und sagte: .nur ein Berltgener könne mein Wmt simdsilig deutru.' Der ksiwe Mr.ua ließ rasch da» Thema fallen und' verließ bald ׳ unfereGesillschaßh am» da» ist eia Fall für viele.

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