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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-07 · 2 (7.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
2 (7.1.1892)
Date
1892-01-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Maße als in früheien Jahren statt, eine Maßnahme. die in Anbetracht der theuien Zeitvcrhältnisse nur z>׳ billigen ist. Aus unscrm Gemcindrlcben ist »och erwähnenswerth, das, ker genannte Herr Blumenfeld am 21. v. Mts in seltener Rüstigkeit sein 70. Lebensjahr vollendete. Txrselde wies in seiner Ebannknhprcdigt aus die Bedeutung eines hier *!, Qunttctcii Littcratuivereins hin, daran die Heffnung knüpfend, das dieses ideal: Projekt »echt bald verwirklicht iverden mochte. Im Frühjahre wild mit dem Nculmn einer 3. Klasse der jud. Schule begonnen werden, nach dem die Kosiri, annähern'» 66 0«0 Mark von d r Stadtvertrctung bewilligt sind £ bschon die jüdische Schule »och nicht definitiv aus den Communalctat übernommen ist, hat man die diesige» jüd. Lehrer küizlich an einer Bvnistkation thcilnchinen lassen, welche bew.ist, das unsere Sradlvrrtrrtunq recht tolerant gesinnt ist. Als man kürzlich sämmtliclien städt. Beamten und Lehrern 5'/, des (Gehalts als Theuerungszulage. bcwilligte, ließ »nan. ohne, dos cs eines besonderen Anträge» bedurst hätte, den q1.׳. Betrag auch den Lehrer» der jüd. «Gemeinde auszahle». Möge dieses Beispiel recht viele Nachahmungcn finden, unter den heutige» Zeitvei lmltnisjeii doppelt wünjchenswerth und erfreuend! .fl *5 2i«de». Ta die Antisemiten den Bersuch >nakt)cn, auch l>ei uns Boden zu gewinnen, so dürste es nicht un> intericssant sei», aus der Kriminalstaliüik für das t«nischc Mich, welche für das Berichtsjahr 889 im Verlag: von Puttkamer und Mühlbrrcht i» Berlin 1891 erschienen ist, Nachstehendes scnzunagcln: Unter der badischen Geammtlevolkerung von l,65t»,000 befinden sich 27,000 Juden. Bon den badischen wurde» 1889 wegen Berbrecklcn und Vergehen gegen das Vermögen 5311 Personen ab geurteilt. L«o,1 d'csen gehörten 2052 der evangelisch!«», 320 der katholischer. 16 der jüdischen Konfession an, von 9 war es unbekannt, n clcher Konfession sie angrhörten. Tie Juden bilden nun in Bad,» den 61. Theil der t^esammtbevölkerung; während nach boi.i Prozentjatz der Bevölkerung 87 Vcrur theiluugen aus Inden rollen sollten, kamen thatsächlich nur 46 Pcrurtheilnngcn vor. Ticse amtliche Statistik, der anti- - semitischer Leits gewiß nicht der Vorwurf geinacht iverden kan», das sic von Semiten ausgestellt ist, widerlegt — so schreiben die von Lic Gräbner hcrausgegcbcnen .Mittheilungrn aus dem Verein zur Aöivchc des Antiscmit.smus" — die 001׳ den Antisemiten gegen die Juden vorget rächten Verdäehtigvnge.i wegen Wuchers und Betrugs ans das j glänzendste. Wären die Juden so gemeingefährlich, übten sie einen dcmoralisirtcn Einfluß aus, wie die Antisemiten in ihren Zeitungen in l>ctrügerischer Weise dem Publikum vorzumachen suchen, so müsren doch diese Thatsachen arch aus strasrechilichem (Gebiete Ausdruck erhalten. Nun ist cs ei» bekanntes '''kai növer des Herrn, Böckel und <N» offen, das, wenn ein Jude -rngrschulvigt wirEüber jede einzelne gcricl>tsseitig vorgcnvmmcnk Handlung, wie Verhaftung, Ladung von Zeugen, Zustellung der Anklageschrift, Anberaumung der Hauptt>erhandlung, Veröffentlichung des Ilrthcils rc. in einem besonderen Artikel berichtet wird, um oem Publikum, welches , weder auf den speciellen Inhalt der Artikel, noch uns die j Namen der Angeschuldigten besonders achtet, weis zu machen, } als handle es sich um r-erschiedenc Fälle und verschiedene ' Personen. Erwlgt in erster oder in höherer Jnstaiz eine ' Freifpr-Hung. so wird solche einfach — rodtgeschwiegen. Das ׳ ist kurzweg eine Seitens der Antisemiten oerübte unchrlichr Handlung. Man kommt beinahe zur Einsicht, daß Böckels Genossen für sich die zweifelhafte Ehre in Anftwuch r ehmen, daß nur unt Christen bczw. unter ihren Genossen Brrbrechen und Vergehen verübt werden dürfen, die Ju)»en dagegen lauter Engel sein müßten. Es ist allgemein lekannt, » daß dir antisemitische Presse den Offenburger Wucherprozeß 1 auszubeutrn suchte. Davon, daß scheu seit 1886 tie aus : Juden und Christen bestehend« Ossenburger Wuchncbande gerade ׳'׳׳discherseits bei der Staatsanwaltschaft aagqeigt > wurde, daß schon vor einigen Monaten der AMirt« Neftl Bande, der katholische Schmied Andrea» Roser in Otl« schwanden, wegen Betrugs, Urkundenfälschung, BerlcitvW zum falschen Zeugniß von der Strafkammer Fretdurg mehrjährigem Zuchthaus vcrurtheilt wurde, daß noch über ttn weiteren Freiburger Katholiken, welcher mit der Offen b Bande in reger Gesckästsverbindung stand, das Daiio schwert schwebt, ist bisher in der antisemitischen Press«, tneii es nicht in deren Krau! paßt, nichts erwähnt worden &, wird antisemitische Statistik getrieben. Frankreicd Vstti». Ter Corrcspondcnk des ״Globe" .Es scitein:, daß wir mit de, antisemitischen Bewegung, nutzj! lange nicht zu Ende sind. E׳ne heitere Persammlung tsWs in der jüngsten Zeit auf dein Boulevard des Eapucims, ans welcher der Marquis von Mores einmal tüchtig gegcn alsi Stämwe Israels, besonders al>er gegen die Parifer Juhht toszog. Der Marquis ist einer de׳r sonderbarsten Charallle? der l^cgenwart. Obscho» vom alten Adel, hatte er sich dA schon zu vcrsch'edrne» Zeiten de» demokratischen und syM listischea Bestrebungen angeschlossen, halte aber dabcrj da Unglück, daß keiner dieser Parteien ihn ernst nahnu»;4 sprach ülvr .die sranzösische Bank und die Rothschilds7 LH» viel man aus seine planlose״ Bemerkungen entnehmen konnA^ schien ibn die Lage der Bank, die er in den HandEMk Rothschilds glaubte, sehr zu!»euuruhige». Er fürchten lich, daß das Bankkapital nicht ungefährdet sei und toi wäre sehr schrecklich, den» tver sollte l»ei einem plöplichMW« brechenden Kric.e dem Staate die Geldmittel bescljvsf^k Er griff dcts Ministcliuui an, ivelchex׳» cs mit dech.Ä^j schilds hält, diese uiüßtrn daher ohne Verzug au» FnütoAl hinausgcjagt werden, dcnn im Falle eines Kriege« »iirdlß sie dop, ganz bestimmt zu den Preußen übergehen. Tiradeii öes Maiquiü wurden von einem Schmied, 911111 Balls«, der zu seinen Busensreundrn gehört, kräftigst unkei-id Weiter hatte das Redelournier keine Folgen. \ * ׳ Rußland. ZKosta« .Herr M. Hamburg wurde 188-9'.^ Prosestor der Mrsik an» hiesigen Conservakorium ec« nachdem er bereits 8 Jahre als Direkt« der koiftrs« Musikschule zuBarowj vorgestanden hatte. In beiden Ml, stand er in Staatsdiensten und erfreute sich der Gunst seiHI Vorgesetzten. Im Februar 1890 erhielt er durchs Shrstakovskt! die Mitthcilung, daß e, nicht lä»^ Amte bleiben könne, tvenn er sich nickt zur Staat»celts bekehren würde. Derselbe erklärte ihm gleichzeitig sich vergeblich bemüht habe, diese« absurde Gcfetz geg Juden auszuhebrn, da viele seiner besten Lehrer und 1 Juden seien Die Regierung ließ sich jedoch auf Nstlp Der Gouverneur von Moskau. Prinz Dolgorock: zudem noch dem Herrn Shestakowsch eincm strengen Wurf wegen seines Eifers sür die ״räudigen Jude»' keines Menschen Achtung verdienten und mit Bckn an* 3 Lande hinausgefegt werden müßten. Herr Hamburg in treuer Anhänglichkeit an die heilige Religion der _ sein Vaterland und seine zahlreichen Freunde und begaj nach Amerika. gflMt««. Reisende in den von der Hungersnsthgesuchten Distrikten Rußland'- erzählen, unter ds« herrsch« der feste Glaub«, daß die HungerSnoth eme.k Gottes für die an den Juden verübten üörausa«"" da die Distrikte, in »oelchen dir Juden am meisten haben, besonders schwer heimgrsucht würden, der Sk. Petersburger ^Novosti" in den wenigen die Juden nicht molesnrt werden, die Colamität derselben Stärke verspürt wird.

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