Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 50 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fieatenant txm &ic schSne Zeit nicht i» J Oi^iiHit. ton ich Tuch Herrn Prämier vorstelle.' Die Vorstellung erfolgte uud Sittah War-nicht «rzug erstaunt, als der Offizier nach einer Weile, während sie in Begleitung der Herren ihren Spaziergotzg ftrrtsetzten, sprach: .Ich denke wir find alle Bttannt«, mein Fräulein?" Erstaunt versetzte Sittah? .Ich erinnerelarch nicht." — .Doch, doch" fuhr der Offizier weiter, .sind sie nicht aus P.?' .<ra, meine Eltern wohnte» daselbst." .2chr Bat« war Rabtnner " - .Ja, aber — »Ihr Bräutigam heißt Robbiuowitsch." " , .Ja, ja, was wiflen Sic von ihm. woher kenaeu Sie mich?' »Sie erinnern sich vielleicht, daß Sie einst auf der Straße in P. gefallen und sich den Fuß verstaucht hatten." .I«, ja, uud ich wurde damals von zwei Offizieren nach Haufe gebracht." „ »Nun, der eine von den Offizier»« steht vor Ihnen.': Man hotte den Alsterpavillou erreicht und vr. Norden machte den Vorschlag, cinzutreteu 'und von beste» Altane au» dir Aussicht nach der Lombartsbrück zu genießen. Man trat ein und es fand sich bald eia leerer Tfich, an de» man sich setzt«. Sittah freute sich, etwas über ihre Bekannte zu HL reu. Sie fragte den Offizier nach diesem und jenem, aber ihre Bekannten waren «rcht dir scinigen und außerdem war er schon längere Zeit von P. nach Altona versetzt; seine Auskunft konnte sie daher nicht, befriedigen. Endlich fragte der Offizier, wie es Herrn Radbiuowitsch gehe. Thränenden Auge» erzählte Sittah, daß sie, seitdem er von P. abgereist sei, nicht» von ihm gehürt habe, uud daß. sie auch nicht wiste, ob er «och am Lebe« sei und wo er sich in diesem Falle befinde. .Aber", fuhr der Offizier fort, .Sie habe« doch die Briefe erhalten, die er Ihnen vom Gute meines Vaters au« schrieb i‘ .Vom Gute Ihres Herrn Pater» schrieb er mir?' fragte Sittah erregt, .ich habe keine« Brief erhalten. Ader wie tarn er denn auf da« Gut Ihre» Herr» Papa und wo liegt diese» Gut?' .HifK Gut heißt * * und liegt in Ostpreußen, hart an der russische» Grenze.' Uud mm erzählte der Offizier. wie sie Rabbtnowitsch im Aauwft mit den Bälftn gefunden, wie er monatelang Mische» Leben und Tod schwebend krank im Haufe seiner Ellern gelegen, wie in seinen giebrrphaatafieo ihm stets seine Sittah vorgeschwebt habe, wie er langsam genesen und, da ans all« sein« Briefe keine Antwort gekommen, fast oerzweiftlt wäre, wie «» endlich seine« Vater gelungen sei. ihn rum Auswandvc» zu überreden. Er erzählt« ferner, daß fein Vater ihn mit Empfehlungen versehen habe und ihm, so viel ihm möglich gewesen, deigestanden habe. .Sät seiner Abreise,' schloß der Offizier, .habe ich nicht» von i&s gehärt.' Athcmlos hatten Sittah und ihre Freunde den Worte» de» Offizier» gelauscht; al» er geendet fragt« da» junge Mädchen mtt bebender Stimm«: .Und wohw ist er au», gewandert?" Da» weiß ich nicht, eutgeanete der Offizier. Wir erhielte» dir letzte Nachricht von «hm au» Amsterdam, lieber lein Neiseziel ließ er nnhts verlauten. Vielleicht ging er nach Indien, melleicht »ach Palästina, ich weiß es auht." .Uud seither haben Sie nichts von ihm gchdri?' .Nichts, gar nichts." Senkend vernahm Sittah die trostlose Antwort. Wie hatte ihr Herz gejubelh als sie nach so langer Zeit etwa» von dem Getir btrn hätte. Wir hack sie doch «horcht, al» sie erfuhr, daß er ward«, sei! hatte sie bei der Erzählung de» Offizwrs gezittert um lebe nick sie war ftruer wissen, wohin ihn ha» Schicksal verschlagen! Doch \, _ ihm. tren sei« und-irr» bleiben. Und er? Ob «'N woht'noch dacht«? Gewiß hält er fest an ihr. wie ih«. — < Di« Unterhaltung an de« Leinen Tisch war plv. ins Stocke» gerochen Jeder ging sei«» «amu Qfetaä «ach. Da ertönte plötzlich di« Stimme ei »es Zeit um .Neueste Dqxsche! Saifer Wilhelm ist tot?" AÄ ob Bombe in die Versammlung gefallen wäre, so stille wurd es plvtzlich. Niemand mochte da» Unerwartet« glauben man beeilte stich. Nähere» über den Tod de» Helden« ' zu erfahre«. vr. Rdrden und seine Gäste erhoben sich un! wendeten sich dem Heimweg zu. i ' .> .! Die Abwicklung der Geschäfte de» Herrn I. na mehr Zeit in Anspruch al» er gedacht. Müde-kehrte 1 täglich vom Lomtoir in sein Zimmer zurück und verbr«, (da sinnend seia« Abende. Er hatte von seinem Freunde dH Lebeuckeschichtr Sittah« erfahren und es stritten in ih zwei Pflichten, die sich gegenseitig bekämpften. Er wußte, * mabbiuowttsch war, und «in Wort von ihm hätte Sir Cich gemacht. Aber häck er dann nicht sein rweueü seines Glücks beraubt? Liebte Mirjam ihren Bräutigam weniger al» Sittah ih» lieble?' Bas ging ihn schl«^ lich das ftemde hübsche Mädchen ad? Sie wird schon rin Mann find.-« und wenn nicht, ist es denn ein Unglück, aß verheirattzrl zn fein? Wie -aber, wen« die Neigung Sittah iw Herzen seines Schwiegersohn«» vom Neue« i »achte? Würde sein, Kind dann nicht unglücklich seias Diese und ähnliche GGante« erfüllten ihn und raubten' Schlaf »nd Ruhe. Er wußte nicht, was er thun sollte.' In in brünstigem Gebet wandte er sich zum Allmäckftigen, diP er ih« den richtigen Weg zeige. So vergingen Wochen, ohM daß er zn einem Entschluß in«. Da nm eine» Tages Brief von zu Hunse. der ihm die Beschleunigung Geschäfte als dringend uvthig erscheinen ließ unv kurz u« biiüug beendigte er seine Geschäft«, indem er in wesentlichen' Geldverlust willigte und übergab die Ordnung des Nestvß seinem Geschäftsführer. Die Hamwonia, die ihn nach Euro gebracht, wollte er auch zurück benützen und er belegte safort einen Platz auf km Dampfer. Den Abend vor se Abreise verbrachte e? in der Familie seine» Freud Sittah war auch da und ihre eigenthümliche Schönheit, ch Wese» gewannen sein Herz und machte« ihm sein« Ab noch schwerer. .Eie reisen wohl mit vieler Freude nach Hause,' im Lauft des Abend» Sittah zu ihm. ,E» muß hei sei«, nach langer AbweftnhM m das eigne Heim zn fit da» schlimmste aller Laster', entaegnete Herr I. findet kernen Einlaß in da» Her» «uw» guten Mt ' Darum glaube ich auch nicht, daß st« mir mein« neide«.' .Ich sagte ja, sa st kLuutr ich Sie beneiden. Ich Ihnen gaoiß die Freude und mvchte dabei sei», wie empsange« werden." » .Das können Sie haben,' sagte Herr I. .reift« Sie mit." . »Ich.' entgegnet« Sittah, .was sollte ich in der Welt thnn? Ich habe leine Verwandte drüben «nd i auch nicht, daß ich «ich dort glücklich sichle« künute.'^ »Glücklich kan» «au mau überall sein'/ dersetzle I. .dos GlÜa liegt nicht außerhalb, sondern i» «a*. zufrieden mit feine« Loft den Platz ausstllt, auf de»' Gott «stellt hat, der ist wahrhaft glückljch.' JUiib dft SchickftlssE dft «iu^ MßW?