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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 45 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
45 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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voN Dr. M.' Nahmer bi Maflbt&utg. z« >«trrtzflt!r»s n) -rtrtznmr str lir isrlMjfchr jiiUir Jvhalt Sitrah. Komm uf kt Heit der testen ntffnumtorifngca^nS INfclaab mb Pre»he». 8ra H. B^^>«r.^F»r^«tz>»>.» ■ 8Lader nnb TLnbea 8m S«l»an 8»«»ely. — Pr»l»g. Von tt. Hellendall-Effe».—Kleine jüdische LhornkUrrLge.- ' Richsel »AnjFnde,. — «aqsetGdsmv. (llndefn^rr «mtzden« twt diese» «atte t* «retstA.) L i t t a h. «mmm »»« »er Zeit der letzte» »chse»>»«»e«s»»^ »»< A^a»d n» Prnche» Von H. Berger. LH. Sechs Monatr sind verflossen. Ter Strom der armen Unglücklichen, die ihres Vaterlandes, ihrer Hcimach beraubt »erden, ist nicht Neiner geworden, unaufhaltsam fließt er vorwärts. Die neue Welt muß ein Obdach denen bieten, welche ihre Heimach verloren. Dir Dampfer, welche den Verkehr zwischen Europa und Amerika vermitteln, sind alle verständig besetzt und auf schwanker Planke wird manches zerrissene Herz in die neue Welt befördert. Wer es versteht, sich den Sltten und Gewohnheiten Amerika'« anzupassen, wer ztigreist bei der eisten Arbeit, die sich ihm bietet, wen, nichts zu «ring ist und wer sich nicht zu hoch für jede Arbeit vitrm, der. kann, we»n Fortuna ihm hold ist, bald sein gutes Auskommen sia, eiwerben Fleiß, rastloses Streben und eine eiserne Energie sind die Mittel zur Erreichung dieses Zweckes. Im LIl«me>nen kann man diese Eigenschaften dem Bekenner de« isr. Glaubens nicht absprechru, und so mag es denn Amnnen, daß trotz der Maffeneinwanderung armer Israeliten in Amerika das sog. Schnorrrrthnm nicht in so hoher Blüthe steht, wie in Europa. In e>nem kleinen Comptoir einer der Sttaßen in der Nähe des Hafens von Rew-Aork befand sich das Wechsel- und Bankgeschäft, AuSwanderrrvertchr, de« Herrn I, eine Filiale de« Hause« M. LI. in Hamburg. Hierher wurden die armen Ausgewiesenrn vom Hamburger Hause dirigirt /■mb fanden in Herren I. einen wohlwollenden Helfer, ilich konnten nicht alle Hoffnungen erfüllt, nicht alle iukche berücksichtigt werden, aber das ist sicher, segensvoll War da« Wirken des Herrn I. Auch heute hatten die Angestellten achtzig Polen au« Caslle-Gar>)«n «bracht, und alle waren ihren wünschen gemäß adgeftrtigt worden. Schon . sollte da« Comptoir geschloffen werden, als es anklopfte und ein junger Maor eintrat. „Staun ich Herrn I. sprechen?* rrar seine hastige Frage. „Mein M»e ist I.", entgegnete der Prinzipal, „womit inn ich Ihnen dienen?» „Ich bin von eine« hohen Freund und Sänner an Adrrffe gewiesen worden. Mein?!ame ist Rabbinowitsch mein Gänner sagte, es genüge Ihne«, wenn ich Ihnen ^vor ein Wort zum Gruß von ihm bringe.» „Und wie heißt dieses Wort?» fragte, den Kopf leicht de« Fremdling hian«i«nd, Herr?>.» Leise flüsterte der junge Mann ein Wort, nur Herrn ' leidlich. Heller Freudenschriu flog über da« Antlitz als er da« Wort vernommen. Er breitete seine im» und «»arm» den Fmmdling, indem er sagte: Lckoa..!« €5ci willkommen, junger Mann; mit diesem Worte hast Du mein Herz gewonnene steht meine Person Dir nahe.» .Danke Euch herzlich für Eure Freundlichkeit», erwiederl der junge Mann gerührt, „wo kann ich am besten heute übernachten?" „Wo ander« als bei mir? in meinem.Hause, in meiner Familie lcl'en Sie. so lange es Ihnen «fällt.» * „Wie könnte ich Ihre Güte so in Anspruch nehmen?» „Sprechen Sie nicht davon, wenn Ihnen jn«hi Haus genügt, so würden sie mich hoch ehren, wenn Sie.bei mir blieben.» „Nun, wenn Sic die Sache so auffaffe«, «rnr». er» wilderte Rabbinowitsch. Die jungen Leute de« .Herrn I hatten sich schon ent«^ fernt und Herr I. ließ sein Comptoir schließen und trat, deni^ jungen Mann den Borsprung lassend, auf die Straße. „Sind Sie müde», fragte er theilnehmend, .so wollend wir fahren.» -i „Nein», entgegnete Rabbinowitsch „lassen Sie uu« den Weg zu Fuß machen. »Da ist mir Recht», versetzte Herr 3, .es läßt sich i« Gehen bester sprechen, und ich bitte Sie mir mitzutheilen — wa« Sie für näthig halttn - Dieser Aufforderung kam Rabbinowitsch auch sogleich nach. Er erzählte, wie e« ihm in Europa ergangen, wie tc am Rande deS Grabes gestanden, vom Tode erstanden, nach Amerika ausgewandert sei, wie sein Retter ihn versorgt und ihn an I. empfohlen habe „Aber», fuhr er weiter, „ich wollte selbstständig sein und nahm meinen Weg direct nach dem Westen. Dort hatte man mir eine Stelle als Rabbiner an«boten. Die Stelle entsprach meinen Wünschen, die Be» dingungen erschienen mir günsttg und so wandte ich mich bei meiner Ankunft in Baltimore direkt nach meinem neue» Wirkungskreis. Leider mußte ich alsbald erfahren, daß ich abermals getäuscht worden und die Gemeind«, deren Seelsorger ich sein sollte, nicht da« in mir fand, was sie suchte. Auf meine Berantwortung wollte man das heili« Gesetz Gotte« übertreten.» „Ich kenne das', versetzte I, mit dem Kopf« nickend; .aus diese Weise sucht man sein Gewissen einzuschläsern.» Kurz entschloffen m ichte ich mich meiner Verpflichtung gegen die Gemeinde ledig und reiste nach Rew-Hork. Run sielen mir die Empfehlung«briese an Sie ein, und da habe ich dieseibeu sofort benützt, nicht wiffend, mit welcher Freundschaft ich empfangen würde.» „Schon gut! Schon gut!» entgegnete I. und wa« wollen Sie nun hier beginnen?» .Da« weiß ich selbst noch nicht. Vorerst muß ich ein Hotel suchen, woselbst ich übernachten kann.» „Das ist bald gesunde»», versetzt« Herr I. da« Zimmer «eipe« Sohne«, der meiner Filiale in H. vorsteht, ist zu Jhrer DiHosi'

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