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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 44 (1891) · p. Seite 171

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
44 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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y F (•- rtriftrfit Mit ihm ftn^«h v»n «edier HS»ach»nb«eiW« : ftln, beim er kennt Deutschland »nd hat manchen Be« Ktunteil, den anch ich kenne, und so verplaudeit sich manche« Halde Emtndchen. Doch genug für heute. Ich verleide mit herzlichen Grützen Deine Gittah. Esther Marx au Gittah. Endlich, nach bangem Warten euttitz un« Dein Brief einer großen Sorge, der Gorge um Dich, Du Böse, Gut«! Ich sollt« Dir Borwürsr wegen Deine« lange« Stillschweigen« machen, sollte Gleiche« mit Gleichem vergelten — aber ich vermag r« nicht. Mein Innere« zwingt mich mit Dir zu plaudern, al« ob Du noch in meiner Rühe weiltest, wir noch Hand in Hand in meinem Zimmer säßen. Ach wie leer ist unser Hau«, wie still unser Garten, da Du nicht mehr de» Mittag« bei un« einkehrst, da Dein helle« Lachen nicht mehr «tönt und Dein liebe« Gesicht nicht mehr durch da« Rebenßänd« blickt! Mein« Elten, sind tief betrübt über da« Ge. ick. welche« Dich betroffen und freuen sich daß Du zu Sten Menschen gekommen bist. E« war ja Dein Wille, m Fremde zu wandern und die Zuflucht, die unser Hau« Dir bot, nbzuweisen. Bielleicht hattest Du R cht. Wer nicht in der Fremde gelebt hat, kan » nicht sagen, daß er dir Welt kenne, daß er die Menschen verstehe. Ich habe in der Domgen Woche einen Ausspruch der mir Deinen Entschlich in einem andern Lichte zeigte, und heute mißbillige ich Viesen Entschluß weniger al« vor vier Monaten. .Die Selbstständigkeit erringt man in der Fremde", la« ich in einem Buche und ich habe sehr viel darüber nachzedacht. Wenn ich mich auch nicht mit jenen Frauen befreunden kann, dir au« dem Wirkungskreise der Frau heran« und in den de« Manne« «intretrn, also zu einer Selbstständigkeit gelungen müssen, die dem inneren Wesen der Frau fern liegt, so verlangt unser Zeitalter ein gewisse« Zelbstbewußisein will ich e« nennen, welche« sie befähigt, wenn es Noth thut, den Kampf mit dem Leben zu wagen. Da« erwirbt man uur in der Fremde und darum, meine liebe Sittah. billige ich heute Deinen Schritt, der Dich in die Fremde führte. Die Ausweisungen in Deutschland währen noch immer fort. Lausend« theile» mit Euch da« gleiche Schicksal und wissen nicht, womit sie sich ernähren sollen. Die meisten Au«gewieseuen der hiesigen G.mcind.- lenken ihre Schritte in die ne« Welt. Mäzen sic dort da« Vaterland wiederfinden, weiche« ihnen hier geraubt ist. Eine Dich interessirende Nachricht erfuhr ich vorige Woche Ein Offizier theiltc mir nämlich mit, daß auf dem Gute seine» Bater« «in Jude krank gelegen Hab«, wochenlang habe er mit dem lode gekämpft. Er wurde gerettet durch Gotte« Hilfe Die Beschreibung, welche mir der H:rr gab. paßte vollständig auf Herrn Nabbinowitsch und jetzt kannst Du Dir ja auch erklären, weshalb Du jo lange keine Nachricht von demselben erhieltest. W» der junge Mann verblieben, da« wußte der Offizier nicht, aber er versprach mir, seinem Bater darüber ui schreiben und wenn er Antwort erhalte, mir dieselbe fofort mitzutheilen. Daß ich dieselbe sehnsüchtig erwarte, kannst Du Dir denken. Doch nun lebe wohl und behalte lieb Deine treue Esther. Sittah an Esther. Wir Dein Brief mich erregt hat, das läßt sich uicht deschreiben. Ich. la« nur da« Eine: er lebt! und da« war Q mx genug. O, wie ich Deinen nächsten Brief herbeiseh«, >tat mir Nachricht von dem Heißgeliebten bringen soll! Und wäre er am andern Ende der Erd« — mein Nus würde zu dringen und ihn zurückführen. Schreibe mir ganz wa« ihm gefehlt dat, wo er lag, daß auch üb seinen ätern danken kau«. Krank zu stin in fremdem oh« die liebende Hand, di« sich der Pflege widmet — c« ift Sh elende« 8m«. Nicht« bleib» wir doch er» spart — nicht«; auch da« muß sch ertraaeu. Ich guuib« aber meine« Bleiben« in meiner jetzigen Stelle ist von keiner Dauer. Der Bruder meiner Dame, von dem ich Dir «m vorige« Briese geschrieben. zeichnet mich ersichtlich au« und seine Blicke sagen mir mehr, al« Wort« e« ttznn könnten, daß er mich liebe. Ich habe Mitleid mit ihm, da ich ihn al« braven Mann kenn«, daß gerade ich e« bin, di», ohne Wissen und Willen seinen Beifall gesunden, seine Liebe erregt hat. Wir ich höre, geht er in vierzehn Tagen auf Reisen und bleibt ein halbe« Jahr fort. Möchte er ein Mädchen finden, da« er lieben, da« er glücklich mache« kann. Ich kann Dir heute nicht mehr schreiben. Lebe wohl und halte lieb Deine Sittah. (Fortsetzung folgt.) Allerlei skr de« gsi»«tlie«ttsch. Eine Erinnern», a» Metzerbeer. Bon Alezauber SclII. Mein« Freundschaft mit Meyerbeer. welch« brelfelfl Jahre währt« unb mh Tag zu Tag inniger warbr, (wie ich die« in »Briefen Aber berühmt« Msuner" vor drei Jahren in deutscher Sprach» veröffevtiicht«) batirt Mn der en'ten Aufführung seine« .-toben der Teufel-' zu Frankfurt a. R gegen da« Ende de« Jahres IväS »der INS. Zu jener Zeit war ich der alleinig« Herausgeber «Ines kleinen Blatte« und in meiuer Rotlz über seine Oper wirs ich nach, dafe drei der Rummern aus der Synagogeumustt «ninamme» wären. Ich kann sie »eicht all« neunen, aber ich tann mich sehr gut erinnern. Ihm belesen zu haben, daß der tlhor der jungen Mädchcn an di« Königin im zweiten Alle derselbe Gesang war, wie wauuost» w’»imeh» aus dem Seiniroth, welche« die Juden am Freitag Abend nach dem Esten sin«», dev»e ge ihr Geb«» beginnen. Meyerbeer besucht« mich tu der Judengaffe i» meinem Zimiuer, welches ich sieben Jahre bewohnt« und in weiche« einst Ludwig Börne das Licht der Seit erblickt hatte. Kr sag»« mir, es könne möglich sein, das, dies« Erinnerungen Ihm au« seiner Kindheit im Gedächtnife gelegen hätten, aber in keinem Fall« wäre» sie nur Phrasen. Ich erwiderte, dafe ich weit davon entsernt bn« zu tadeln, i« Gegen theil stolz daraus sei, und das es «ein eingiaür Wunsch sei, zu seinem Ruhm beizulrageu. Bon dieser Zeit an dntir» unsere Freundschaft — Vierzehn Tage vor seinem Tod« sagt« ich ein«» Margen» nach einem Balle, den ich Ihm zu Ehren gegeben, zu ihm: Warum baden Sie nicht, wie Jyr Freund Haievy, auch syaogoaeumufik kamponirt?" Seine Antwoll ist bemrrteuswerch: »Sie berühren da eine empfindliche Seite. Sie wissen doch, dafe ich zwei Söhn« verlor. Gut. ich will Ihnen ein Geständnis« machen; wenn die Bergangenhrit zuriickoenifrn «erden könnte, würfe» da» nicht noch einmal geschehen. V4 sollte Kindern nie erlaubt sein, eine von den Elter» verschieden« Religio» zu haben. Ich fühte das »les im Hinblick auf «ein« Enkel, von meiner ältesten verheiratheien Tochter gar nicht zu spreche», der ich absolute Freiheit tu der Suhl ihres Gatte» liefe, und di« hierbei fehlgrisf. Das schmerzt mich am tiefsten Was Ihren Borwnrf, dafe ich nichts für dir Synagoge geihan Hab«, betriff», so ist keineswegs «eine llnwiffenh:it des Hebräischen daran schuld. Ich rrinner« »ich wohl der hebräischen Gebete von meiner Kindheit her. Der Grnnd ist eher in meiner Gleichgiltigkeit gegen da« Judeuthum in erblicken, welches ich in uasruchtbarem innerem Kamps« finde. Ich di» et» Deist. ' In diesem Sinne bin ich «ln Jude, un» werbe ein Jude bleiben, aber «edrr gottesdienstlich: Handlungen noch Streitigkeiten aller Reformen im Judeuthume werde» an meine Bernunst und an mein Herz apel« liren Seitdem Sie mir aber Moses und seine Thora vom rabbinischen Standpunkt aus erklärten und seit ich Helne's Artikel über Moses Io«*), fiug ich an wieder daran zu denken. Bergeffen Sie uicht, dafe «in Iheil meine» „Prophet-- für einen „Moses" bestimmt war, den ich, als ich noch sehr jung war. in meinem Grifte fertig hatte, und nur nach dem „Moses" meines Freunde» Rossini, de« ich oft von meiuer Idee sprach «nd weil ich nicht daffeld« Thema behandeln wollt«, bnt ich Serid« mir «in Libretto für einen „Prophet-' zu schrelben unb er schuf für mich den „Johann van Leyden". Der berühmte Trtumpbaesaug des Propheten am End« des zweiten Akte« war i« «einer Jugend für Mose« bestimmt. Ich verspreche Ihnen, dafe ich daran denken werde, etwnt für die Synagvg« zu schreiben". — Bierzehn Tag« später war Mryerbeer lobt *•> *) Er meint die Slrve In den .Grständniffen", wo Hein« von Mose« sagt: »Welche Riesengestalt! wie klein erscheint der Sinai, »mm der Moses darans steht.dessen Haupt in den Himmel hinetnragt. .... Er war trotz seiner Befeindung der Kunst dennoch selber «in grofeer Künstler. Er »ahm «inen armen Hirten stamm »nd schuf daraus ei» Boik, das »«» Jahrhunderten trotze» sollte, ei» ewiges, heilig«» «alt, rin Sott Gatte», da» alle» BSikern al» Muster, ja der gau^n Menschheit «1« Prototyp diene» konnte; er schuf Israel!" **} Es mtftirt M» Meyerbeer «tu« Eompofitto» de« >V Ps. für s ü Etzöre und b Saiastimmen. r

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