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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 44 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
44 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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«XU k, *891. H»rnn«g«g»ben Boa Dr. SR. A»y«er ln Magdeburg. z« J*tfr|ilta| ml $rlr|ni| flr lik irrLeiittsche -»«ilit Klttntz. Roman «ns der Zelt der lektcm SRnfftnautoelfanoen an» Rnfclank «nb Urtn&ai. von H. Berger. V«rts«tznng.1 — Allerlei für den Aamtllrnttsch: Eine Erinnerung an Meyerbeer. Heine-Denkmal. — Ein Lraumgeftchi. — tkgrftfcnngt* “ * ««dicht. — RSthsel-Ausgaben. — Rüthsel-Lbsungrn. (Unbefngler Rnchdrnck an« »iese« Blatte Ist naursagt-) Sittah. Aaman an« »er Artt »er letz«,' «affen,a«»eisnn,rn an« Ratzlan» n,» Aren Yen. I«) von H. Berger. (Fortsetzung.) Dir Stellung einer Erzieherin ist keine beneidenSwerthe. Wie oft sind Elter», die eine Erzieherin für ihre Sinder fc nehmen, selbst noch der Erziehung bedürftig, und da«, was * die Gouvernante gut macht, wird von Seiten der Eltern verdorben! Wie oft macht die Affenliebe der Eltern dieselben blind für fehler der eigenen Sinder! Doch Sittah hatte darin 2» Glück. Dre Eltern ihrer Zöglinge überließen ihr deren Erzirhung vollständig und griffen in keiner Weise selbstständig J in das Erziehungswerk ein. Dadurch erhielt Sittah» Wort dir nüchige Autorität und die Sinder unterordneten sich dem Wille» de» Fräuleins. ES war für Sittah keine leichte Arbeit, ihre Zöglinge in Zucht und Ordnung zu halten, da sie dieselben fast verwildert überliefert bekommen hatte. Mit ihrer grogrn ltzeduld und EngelSgüte entwaffnetc sie die 'trotzigen Snaben: »nt sanftem Ernst und Freundlichkeit gewann sie sich bald die Zuneigung der Mädchen, so datz alle fttttt liebten. Nur die Aeltrste, Esther, ein hübsches Sind von ^»«rizehn Jahren, konnte eS ihr nicht verzeihen, das, sie ihr »de» der Mu'ter den Rang abgrlauftn hatte, da diese nicht« unternahm, was auf die Sinder sich bezog, ohne zuvor mit : Sittah darüber zu sprechen. Esther war, obschon sie erst -«dreizehn Jahr alt war. vollständig entwickelt und so groß und stark wie Sittah, deshalb fiel e» ihr schwer, in Sittah di« Erzieherin zu sehen, obschon diese sich zu ihr stellte w-e ältere Schwester zur jüngeren. Al» die Mutter dem Nrnder die Erlaubnitz zur Wiederkehr in den Garten nicht wollte, ging Esther zu dem Papa, um sie zu erlangen, vergebens. Mitzmuchig ging sic zurück In ihren Mienen zeigte der Brrdrutz und ihre Brust bob und senkte sich im en Wechsel. Da ttat der Onkel auf einem Seitenwege »uf sie zu und bewundernd blickte er da» schöne Sind an, elche« sich vertraulich an seinen Arm schm-egie. »Sag mal, Esther", begann er, .welch hübsche» Mädchen >ift Fräulein Sittal» wir lieb und gut ist sie doch mit Euch." „Findest Du, Onkel?" engegnete sie schnippisch. »Ich habe selten ein Mädchen gesehen, welches ein so athische» Wesen hat." .Sann sein", versetzte sie, indem sie ihren Arm au» dem zu ziehen versuchte. Betroffen blicktt der junge Manu dem -Sinde in» Gr¬ und erst jetzt sah er, dag Esther nicht gut auf Sittah »oar. Er hielt ihre» Ar« fest und fragte: ist Dir denn, mnu Lieb?" die ftmgzurückgehaltrnen Thränrn au» .he« >»d rau»« über di« ge» erschütterte den ganzen Sürper, fodatz sie nicht sprechen konnte und nnr abgebrochene Laute kamen über ihre Lippen. Ganz erschrocken stand der Onkel stille, nahm de» Sopf des Mädchen» zwischen seine Hände, richttte ihn in die Höhe, so datz er in die Augen sehen konnte und sprach: »WaS ist Dir denn, liebe Esther, warum weinst Du?" .Nicht», gar nicht», laffe mich nur", versetzte sie. indem sie versuchte, sich au» seinen Händen zu befteien. .Ihr seid alle in Fräulein Sittah verliebt, sie hat die Herzen aller im Fluge gewonnen und un» au« euren Herzen verdrängt, un» selbst die Liebe von Vater und Mutter geraubt." .Aber Esther, wie kannst Du so kindisch sein; wir haben Fräulein Sittav lieb, weil sie ein liebenswürdige« Mädchen ist, dessen Unglück ihm das Mitleid aller guten Mensche« sichert. Sic kan» Euch die Liebe Eurer Eltern nicht rauben und raubt sic Euch auch nicht." .Ja. Mama hält sie mir immer als Muster vor und deshalb —' .Und de-halb?" — »Deshalb hasse ich sie.. Onkel, Du weitzt nicht, wie siedend heitz.rS mir um'S Herz wird, wenn ich da» hören mutz: »Sei wie Fiäulein Sittah. ftage Fräulein Sittah rc. sc.“ Du iveitzk nicht, wie es dann in mir kocht und brodelt und welcher Haß dann meine Gedanken erfüllt. Veranlaffe Mama, Fräulein Sittah fortzuschickeu, datz ich meine Ruhe wieder bekomme. Ich will auch Alle» thun, wa» Ihr wollt, und Dich, lieber Onkel, Dich will ich vergöttern, wie kein Mensch einen anderen vergöttert." Ehe der Onkel es sich versah, hatte Esther ihn umschlungen und *r fühlte ihre glühenden Lippen auf den stinigen, er fühlte, wie sie ihn an sich pretzte, ihn kützte und dann so rasch sie lonntt dem Hause zurilte. Da» Ganze war da» Werk einer Sekunde, und al» der junge Mann sich von seinem Staunen erholt hatte, stand er allem. Hatte er geträumt? War da» ein Sind, da» so Haffen und so lieben kann? Rein, nein, Esther war kein Sind mehr; sie war ei« Weib, eine frühreife, leidenschaftliche Natur, dir wohl gehütet werden mutzt«. Langsam schlrnderte der junge Mann durch den Garten und überdachte daS, was er soeben erlebt. Die Vögel" zwitscherten in den Hecken, der Nachtigall Schlag klang au« der Jasminlaube hervor, geschäftige Goldkäfer lieft» über den mit ftinem Sande bestreuten Weg. — Der junge Manu sah und hörte nicht». Sein ganze» Denke« war auf da» gerichtet, wa» ihm seine Richte soeben anvertraut hatte. Er wußte, datz wenn Sittah eine so leidenschaftlich« unversöhnliche Frindin an Esther hatte, deren Bleiben Km lange« sei, und Si»ah tüat ihm leid. Er hatte von dem Unglück gehört, welche« va« arme Mädchen betroffen, und sich gefreut, datz daffelbr im Häuft seiner Schwester ein zweite» Hei« gefunden hatte. 3m' fei wußte er, würde ihr der rlufeuchalt in &s$AmlkL ltzii« Schwester »erbittert, ja «» ”if flWM •jflfft |M IMf ffl if ffli n»

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