Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 40 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sr Her«»»gegebe» ton Br, 9t 14«fr in «agd^nrg. Z« Kärrtztür»- M ßrlrtzMfSr >ir j-mMsche -uMe. . r. Zwei Nachbarn. Jüdische tzilbouettk dem Natha» Samuely. — Eitlak. Rnun rat kn Zeit der letzte» IMn< Imt * ralraHra»m «» *»Vl»»d rak Preuße». Bo« tz. Berger (gntUuM.) — Ueber K.«. Benedikt u»d K.«. Sofrr. — Zun, ' * «rupchrifefie 66ÖS. - «Lthse'rchlnfgabe». — NäthstULtst»,. (-«destrtztrr «mtztrmk ras dteft» Blatte t» raterßwt.) Awet NRchO«r». Jüdische Silhouette von Natha» Samuely.! die Tltj rfrichten, .. Heuchelei verstumme, das Böse wie Dunst sich verlier kie Herrschaft der Gewalt von der Erde verschwinde!' Jahrtausend« schon senden Millionen Menschen in allen Synagogen der Welt an jedem Neujahrsfest und Bersöhnung«- dieses heiße Gebet zu Gott hinauf . . . So oft mir dieses Gebet über die Lippen kommt, beschleicht mich ein tiefe», unnennbares Weh, besonder» fett jmer Zeit, daß Ich mich in der Welt umgesehen, in der nur Leuchelei und Gewaltthütigkeit herrschen und Tugend und Rechtschaffenheit mit Füßen getreten werden . . . Schon in meiner Lindheit war es mir nicht erspart, diese traurige Wahrnehmung pi machen und wir jetzt die Worte diese» Gebetes au» mnnem Gebetbuch« gleich schwarzen Mammen zu mir emporschlagen, erwacht in mir auf einmal -au Bild meiner Kindheit und stellt sich mir lebendig vor die Seele hin . . . Zn demselben Hanse, wo einst mein« Eltern wohnten, wohnten noch zwei Nachbarn, die verschieden in ihrer Art xn und noch verschiedener in ihrem LebenS sch icksalc. Den uen de» Einen sprachen die Leute mit großer Ehrerbietung >: Leb Sender Breitstolz. Er war ein Mann von brei» großmüchtiger Gestalt, mtt einem fleischigen Racken und vollen, von Gesundheit strotzenden Gesichte, das in * «n, rochen Bart auslief, der ihm brert die Brust j. Er nahm mit seiner nicht großen Familie den Flügel de» nicht großen Hause« ein, eine Flucht von weiträumigen Zimmern, die von Ueberflutz und hum strotzten. Den zweiten Nachbarn nannten die hweg Jäkele Krämer, ein kleine», gebückte» und Männlein, dem der Kops sich tief auf die Brust eine schwer« Last seukte, denn dieser war auch immer einer Zentnerlast beladen — mit der Sorge um» täg- Brot. Er nahm mit seiner Familie, die au» seiner au und vier Kindern bestand, von denen da» jüngste, — zehnjährige» Mädchen — aneinem ne» Officinstübchea ein, da» in der Herzfchler litt, ein Nähe de» Abguffr» und daher mit üblen Dünsten immer geschwängert war, 'daß aus den dünnen Wänden immer wie sHoere Schweiß- E» war so recht eia Winkel für die M" - ~ hcrvortraten. wo sie in ihrer grüß lichstea Nacktheit sich zeigen Diese beiden Nachbarn legten einen entgegengesetzten _ zurück: der eine von der Höhe in den tiefen Abtut der zweite von de« Abgrund hoch in die Höhe Neb Sender Breitstolz kam vor viele» Jahren in die Eigenschaften, die chm große Dienste leisteten, nämlich Heuchelei und Berschmitzthett. Katzenartig schlich er sich in ein damals sehr reiche» jüdische» Hau» ein, da« er nach, und nach wie in ein Netz einzuspinnen wußte. Anfang» ließ er sich niedrigen, nur sehr untergeordneten Diensten zu verwenden, allmählich jedoch erschlich er sich durch glatte Reden derart sein Vertrauen, daß er durch ihn hin und wieder lleinere und größere Geschäfte besorgen ließ, so gelang e» ihm immer mehr, sich wie eine Motte in da» Innere de» Haufe» hineinzuwühlen, bi» der arme Verblendete sich auf einmal vor einem Abgrunde stehen sah, au» dem kein Entrinnen mehr vorhanden war. Jndeß aber sein Brotgeber immer magerer und verarmter wurde, sog Breitstolz sich wie ein Blutige! mit seinem Vermögen voll, bi« er ihm den letzten Bluttropfen erpreßte, worauf er ihn, wie eine «»»gedrückte Eitrooe von sich fortwarf. Jetzt ging er daran, sah sein eigene» Hau» zu gründen. Au» einer fremden Stadt heirathete er eine Frau, die eine sehr trübe und dunkle Vergangenheit hatte, dafür aber chm eine schöne Mitgift mtt in die Ehe brachte. Mit dem beiderseitigen Vermögen gründet« sich diese» saubere Pärchen ein Geschäft, da» ihrer würdig war, nähmlich ein Darleihen auf Wochengelder gegen hohe Wucherzinsen. Das war rentabel. Mit jedem Jahre ver- Älte sich da» Vermögen, freilich flebte jeder Kreuzer vom oder Schweiße der Armen, aber-es fehlte ihnen nicht an Mitteln der Gemeinde Sand in die Augen zu streuen.' Durch allerhand Blendwerke nähmlich gelang e» chnen, sich überall al» Wohlthäter bemerkbar zu machen. In der Synagoge glänzte ihr Namen vor der heiligen Lade auf eine» brrttea Sammworhang, den sie für da» Gotteshaus gespendet hatten. In dem jüdischen Spital« paradirten wieder ibre Namen mtt fnnkelnden Lettern auf einer Gedenktafel, für einen großen Betrog, den sie demselben zugewendet. Auch am Friedhof war ihr Name am Hauptthore zu lesen für dir Einstiedigungsmauer, die sie au» eigimen Mitteln beschaffen ließen. Kurz, überall rissen sie die Augen mtt ihren Wohl« tbaten auf. Aber auch diese Wohlthaten trugen reiche Wucherzinsen. Reb Sender nämlich wurde dafür mtt allen Ehrenämtern der Gemeinde betraut; mtt der Eintreibung der Tempelsteuern, mtt der Lerwestng der Synagogen, der Oberaufsicht über die WohlthätigkettSanstaltru und der Verwaltung de» Gemeindesond» — und ein Mann von Talent, wie Reb Sender, wußte die vielen Summen so zu verwalten, daß seine breite und unersättliche Tasche nicht leer dabei ansgiug. Reh Sender nachkonttolliren — wer wird e» wagen? da sprang freilich hin und wieder so ein Stadtscheigez heran», der mq Die großn, Lücken in der Gemeindekaffe hinwre»; aber nur ein Stadtscheigez eben kann die Stirne haben, einen^ Red Sender zu verdächtigen, einen Reb Sender, der im Spital und in dem Frichhof durch sein« stammen Werke sich verewigt hatte. Ueberdieß fütterte er jeden Sabbath zu der ' bei sich nnm großen Haufen von Klausnern \A, denen er stamme Erklärungen über terütbei »«predigte, »ach welchen sie dritten «rd n Mahlzett bei