Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 37 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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♦Wir*-#/. tenXgegttai voN Dr. M. >>H»rr in BJtfbtlratg. J*t |*trr|iiti«| ul -tlrhruß ftr lir isrulttischt fiiilif. Inhalt: Clttal. Komm «X bei Zeit bet letzte» Rafftnautoeifunatn tu* Rafclaib und Preutze». Bon H. Berger. (Fortsetzung.) — Sie Eisenbahn uach Zion. Boa H. Zirndorf. — RLthsel-Ausgaben. — RLthsel-Lisuagen. (llnbesngter «nchbnut »X tzirsr» Blatte ist xtrrsagt.) U) S t t t a h. X fert Mt »er letzte« Nafir»X»rik»«,rn aX Antztan» «,» Brrntze». Bon H. Berger. VI. Da« große Palai« in der Mille der Ricolftraße in St. Petersburg, dessen Schweizer früher nicht zur Ruhe kam von oll' den Leulin, die er anzumelten halle, stand seil drei Sogen leer. Die srühertn Benohner, die Brüder Michailow, Besitzer eine« der ersten Bankhäuser der Stadt, waren an eine« schünen Morgen mit ollen Werthpapieren verschwunden ,nd kein Mensch wußte, wohin sie sich gewendet batten. ^Niemand konnte sich da« Verschwinden derselben erklären, so «ehr, al« sie einen großen Kredit heute noch besaßen, tbenn Niemand Hütte an der Solidität derFirma »Michailow, /Gebrüdergezweifelt. Freilich war vor Wochen schon einmal da« Gerücht einer Zahlungsstockung de« erwähnten Geschäfte« ausgetaucht, aber e« hatte bch, wie e« schien, nicht bewahrheitet, und der Kredit der Michailow war unerschüttert. Bor einigen Wochen war die. Familie Karl Michailow noch Mauen «reist, begleitet von dem noch unverheiratheten Bruder -Avan Michailow, dem Theilhaber der Firma. Niemand .hatte etwa« darin gesunden, da Karl Michailow da« Geschäft 'weiter leitete. An einem Montage — Sonntag« blieb da» (Geschäft geschlositU — wartete ta« Personal vergeblich auf feinen Ehef. Al« der Dienstag und Mittwoch veistrich, ohne «aß Herr Michailow ein Lebenszeichen von sich gab. al« am Donnerstag eine große Summe füllig war, für welche keine Deckung vorhanden, «achte der Kassirer den Gerichten die Anzeige. Eine Revision der Kasse ergab gerade so viel Bestand an baarem Gelbe, daß e« hinreichte, da« Personal houoriren. Al« die Bücher revidirt wurden,, die Sache Ntchchar wurde, und sich die verschiedenen Gläubiger meldeten, strnd man eine »Passivavon drei und eine halbe Million Rubel, der eine »Aktivavon ein paar tausend Rubeln gegenüber stand. Ganz Petersburg war voll von diesem Ereignisse, er Hütte gedacht, daß da« Hau» Michailow salliren konnte, ir e» doch Sitte, daß Leute, die mcht speculiren, sondern ^ihv Geld sicher anlegen wollten, dasielle zu geringem Zinsfüße dem Bankgeschäfte »Michailow, QMr-,* überließen, solchen guten Namen hotte die Firma. lWr jetzt waren alle chrese Kapitalien verloren! Da« Palai« in der Ricolstraße —»t zuvor schon unter der Hand verkauft worden, und so eb den geiüuschten guten Leuten nicht« übrig, al« da« ^Nachsehen. Biele kleinere Bankgeschäfte und sonstige Firmen »rven mit in den Fall de« großen Bankgeschäfte« verwickelt, eine Wulb, die nicht zu schildern ist, gerieth die Peter». gute Gesellschaft-, al« e« sich herausstellte, daß außer . erwühnten Passiva von 3'/, Millionen Rudel sich noch Manko von 8 Millionen Rubel herautstellte. Alle alle Mündelgelder,' welche de» Michailow, Gebe., worden waren, fthlten, und e« fehlte jeder Nachweis über deren Verbleib. Mau fand wohl ein Buch, in welchem die Eigenthümer und die Betrüge, welche deren Papiere reprüsentirten, eingetragen waren, aber welche Papiere diese Betrüge reprüsentirten, darüber fthlte jeder Nachweis. Al« da« Gericht die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß hier eine niederträchtige Schurkrrri an Wittwen und Waisen verübt worden fei, wurde die Cache sofort der Staatsanwalt« schaft übergeben, welche alle Hebel in Bewegung senke, der Betrüger habhaft zu werden. — Bergeben« I Die Gebrüder Michailow halten lüngst dem heiligen Rußland den Rücken gekehrt und sich und ihren Raub in Sicherheit gebracht. 7 Wohin sie da« Schicksal führte und wie c« dieft Schurkerei vergalt, da« werden wir im Lause unserer Erzählung er-.L fahren. Der große Krach in Petersburg hatte seine verderbucheirfN Folgen in allen Schichten der Bevdlkerung geäußert. Bom -Ä Großfürsten bi« zum Kutscher herab hatten tne guten PebnsW!» buraer unter diesem Krach zu leiden gehabt. In »ec^Su Aristokratie bildete da« Ereigniß einige Tage den Unhaltunx-Hv stoff, dann wurde e«, da man Geldverlust in jenen Kreisen^ rasch verschmerzen kann, schnell wieder vergeben. Anders^ war e« bei dem Bürger- und Mittelstand. Hier machte dieser Krack viele Familie arm und brodlo«. Biele Wittwe», Waisen und alleinstehende allere Leute hatten ihr Einkommen .. Q verloren, war>n Bettler geworden und sahen sich auf die f Mildthütigkeit ihrer Mitmenschen angewiesen. Manche Thräne, manchen Seufzer, ja manche« Leben hatten die Gebe. Michailow auf dem Gewissen. Der letzte Zug der Nikolajew'schen Eiftnbahn hatten eine Menge Paffagiere der Hauptstadt zugesühit. Er war, da er nur von einer Maschine gezogen worden war, für \ welche 24 Wagen zu viel waren, oreiviertel Stunden zn spül eingelaufen und hatte die Geduld derer, welche ihre^A Bekannten und Bei wandten erwarteten, auf eine harte PrabL^K gestellt. Endlich war auch der letzte Paffagier dem Zuge 0* entstiegen und sah sich aus dem Perron nach Jemanden ««V -Ä den er hier wohl zu treffen erwartet hatte.. Enttäuscht ging ' 1 er, al» er Niemanden sah, dem AuSgange zu. Sollte feine Depesche nicht angekommen sein? Verdrießlich nnd misgestimmt. T*: ging er auf einen Dienstmann zu, um demselben fein Gepäck .' zu übergeben, al« er einen kleinen, verwachsenen Menschen vor sich sah, der ihn auf eigenthümliche Weise fixirte. Unangenehm berührt von diesem Blick, wollte der Reisende an dem Buckligen Vorbeigehen, al« dieser ihn anredete: »Scholaum alechem, R. Rabbinowitsch, ihr seid e«ja doch, nicht wahr?- - »Mein Name ist so, wer aber bist Du?- »Tin Meschore« (Diener), t-er Euch abholen soll, mein Balboo« (Herr) ist verreist. X »Wie heißt denn Euer Herr?- Rabdinowitsch neigte sein Ohr gegen den Kleinen, unv er nannte ihm d>n Namen seine« Fleunde«. »Schon, willst Du mein Gepäck besorgen?- »Gepäck? Hat der Herr viel?-