Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 34 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r?ps1 ir». $tt (xraul^tgcbeii Born Dr. M. Uatzmrr ln Magdeburg. ™ Jw gitrr|iltu| xxl -eietzrnftr die isrsMslhe Amlie. fl t r Eltlah. Noma» an* der Zeit der letzten Massenautwelsungen au» Rnßland und Preußen. Bon H. Berger. (Fortletzung.) — u ,*fnnnlt‘ Uebee den heiligen Rock in Trier. — «. Marlu« Benedikt und «. Mose« Böser. — Allerlei sitr den Famtlirnttsch. ' «athsel-Ausgaben. — ««thsel-Lösungen. (llnbefni^r «achdrnck an» »tele» BlMtr ist nnlrttaB) Sittah. Anman an« »er ftrit »er letzien Maste»,n«»eisUN,en »»« »ntzlan» nn» Prentzrn. Bon H. Berger. -- 10) Rabbi Eliah lag zu Bett. Die Aufregung der letzten Tage hatte seine nicht sehr starke Äesnndheit erschüttert und ein starker Husten mit Fiebererscheinungen machte sein« Angehörigen um ihn besorgt. Der Arzt kam täglich zweimal und patte die größte Ruhe verordnet und jedes Reden, jede Aufregung. untersagt. Eine heilige Stille herrschte in Folge testen im Hause des Rabbi und da die Nachbarn aus Rücksicht für Rrb Eliah ihre Linder weggeschickt hatten, störte stein Laut diese Stille, drang kein Ton in das Krankenzimmer. Bleich und angegriffen sah Rrb Eliah au». Die rothen Mecken auf den Wangen konnten nur den Unerfahrenen täuschen; sie rührten vom Fieber her, das an den geringen Kräften de» alten Mannes zehrte. Vor dem Bette stand die Frau des Rabbiner», Sittah'» Mutter, mit lächelndem Angesichte, ein GlaS kühlender Limonade in der Hand, von welcher sie ihrem Manne kleine Mengen gleichzeitig zu ttinken (ab. Rabbi Eliah wollte sprechen, doch so oft sie eS merkte, at sie ihn mit solch flehendem Blick, zu schweigen, daß er ihren Willen erfüllte. Bon Zeit zu Äcit ging sie in da» Nebenzimmer, in welchem Sittah lag. Noch konnte sie ihren Fuß nicht gebrauchen, und der Arzt meinte, daß noch Wochen »ergehen könnten» ehe der Fuß wieder brauchbar sei. In selbstlose Weise hatte Esther Marx sich bereit erklärt, der Frau de» Rabbiners in der Pflege der beiden Patienten veizustrhrn und sie wich nicht vom Bette der Freundin. Stündlich kamen Boten, Abgesandte der Gemeinde- Mitglieder, die sich nach dem Befinden der beiden Patienten erkundigten. Sittah befand sich aus dem Wege zur Besterung, aber ihr Bater war krank, sehr krank. Wie inbrünstig flehte sie zu dem Allmächtigen, wie drangen die Worte, au» tiefstem . Herzen kommend, zur Höhe empor, Genesung bei dem Ewigen für ihren Bater erflehend. Wie oft fand Esther die beiden, Mutter und Tochter, in inniger Umarmung weinend und betend i Die meiste Zeit verbrachte Rabbinowitsch jetzt im -Hause seiner Braut. Er gab denen, die nachfragten, ge- »isteohastrn Bescheid und versah, sowest es in seiner Macht! stand, die Amtsgrschäfte des Rabbi. So verging Tag auf 'Tag, die Krankheit de» Rabbi zeigte sich bald als eia Vttchische» Fieber, welche» die wenigen Kräfte de», alten Mannes bald aufzuzehnn drohte. Ter Arzt kam jetzt täglich , drei» und viermal. Sein Gesicht wurde stet» bedenklicher. I» der Synagoge hatte man schon am verflossenen Sonnabend ei« Bittgebet für den geliebten Hirten der Gemeinde vrrrichtet, und Rrb Jakos hatte sich schon zweimal einen freiwilligen Fasttag aufrrlegt. — Soeben kam der Arzt au« :1BR Krankenzimmer des Rabbi und seine Mienen waren agrndeu Blickes trat Rabbinowistch ihm entgegen, und als der Arzt ttaurig den Kopf schüttelte, fragte Rabbinowistch mit vor Thränen fast erstickter Stimme: .Gar keine Hoffnung, Herr Dr., gar keine?" .Menschliche Hülst ist hier nicht möglich, hier kann nur Einer helstn, der große Arzt dort oben, der alle Kranken heilt und ohne dessen Hülfe unsere Kunst und unser Wissen nur Stümperei und Stückwerk ist." .Sollten wir nicht noch einen Ihrer Herren College» zur Consultation herbeirufen, vielleicht giebt es noch irgend ein Mittel, an da» Sie, Herr Dr., nicht gedacht?" erwidert« gepreßt der junge Mann. H „Wenn es Sie beruhigt, schicken Sie sofort zu Dr. K., * aber er wird nicht» andereverordnen; da» hohe Firber^ da» durch nicht» zu dämpfen ist, verzehrt die wenigen de» Patienten. Lassen Sie Dr. K. in meinem Namen bitten^H zu einer Consultation um 12 Uhr hierhrrzukommen." Dieses-^.- sagend ensternte sich der Arzt und Rabbinowistch flog-WkZÄ Dr. K., den er zu Hause ttaf, und der ihm auch veistprachDW um 12 Uhr da zu sein. Ne Kunde von der Befahr, imM welcher der Rabbi schwebte, hatte sich rasch durch die ganz^H Stadt verbreitet, und die isracl. Gemeinde hatte sich sast'^ vollzählig um die Zeit, da die Aerzte zur Consultation zu» sammenkamen. in der Synagoge eingefunden, innige Gebete; um die Erhaltung des theurrn Lehrer» zum Gotte Israels!^ emporsendend. — Die Consultation währt« lange. Eine Ewigkeit dünkte e» Rabbinowitsch, der im Studirzimmer auf da» Resultat der Consultation wartete. Unruhig schritt er auf und ab; bald setzte er sich hierhin bald dorthin. Jetzt nahm er ein Buch zur Hand, aber seine Gedanken konnte er nicht sammeln; er la» leere Worte, deren Sinn er nicht verstand. Endlich kamen die Aerzte, ihre Mienen deuteten nicht» Gute» an. .Hier kann nur Einer helfen» Gott!" sagte Dr. Kzu Rabbinowitsch, .hier ist unsere Kunst zu Ende; befolgen Sst die Vorschriften meine» Herrn College» auf das Genaueste! und hoffen Sie, daß Gott sich de» Kranken erbarme." .Wie meinen Sie da», Herr Dr.?" »Daß daß Fieber Nachlasse, sonst kann er e» nicht mehr lange aushaltrn." Der Blich den die beiden Aerzte wechselten, sagte mehr al» alle Motte. Die Aerzte entstrnten sich und ließen Rabbinowistch verzweistlt zurück Er warf sich auf die Kniee und betete inbrünstig zu G»«t dem Herrn. — Fast eine halbe. Stunde brachte er im Gebete zu. Dann erhob er sich. Er hatte Trost und Kraft im Gebete gefuuden und schaute, Gott vertrauend. der nächsten Zukuust entgegen. I» Krankenzimmer hatte während dieser Zeit eine andere Scene stattgefunden. Nachdem die Aerzte den Kranken verlafleu hatten, kam da» Fieber mit solcher Wucht, daß der Kraust sich erhob und das Bttt verlasten wollt«. Nor mit größter Anstrengung konntt er durch seinen Wätter daran verhindert werden. Gräßlich« Phantasien mußten ihn quälen, denn er litt furchtbar. Treu faß stiue Gattin au seiner Seite und nur ihttr sanften Stimm« gelang es manchmal, ihn silr