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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 34 (1891) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
34 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 134 (sequence 4)
Language
German
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örtliche, Menschen, da« Eltern» und da« Krantp»«, sich auf der Gaffe zeigten, alle blank, niedlich, gleichsam frisch wie aus der Nadel, da brummte freilich mancher breit« Ham», desitzer, der mit bloßen Hemdsärmel« vor seinem Hausthore stand, vornehm in den Bort: „Da kommt die Schneidersamilie!" Aber er mußte ihnen doch nachgaffen, denn ihr Gang und ihre aufrechte Haltung verrietheu eS, daß sie viel glücklicher uud.zufrirdaier mit sich sind, als er und alle, die Ehrenämter in der Gemeinde bekleiden. Dieses Glück erreichte seinen Höhepunkt, als Mendele seinen Sohn unter den Trauhimmel führte. Als den einzigen Sohn, durfte er ihn ohne Skrupel vor dem vierundzwanzigsten Jahn verheirathen, weil ja ein solcher nach dem Gesetze militärirri ist. Leider aber sollte er sich schrecklich getäuscht haben. Eines Mitternachts wurden die Thüren seines Häuschens ansgerissen und zu seinem Schrecken gewahrte er den damals gefürchteten Biertelmeister in Begleitung von einigen bewaffneten Polizeileuten. Bis in die Lippen erblaßt stürzte ihnen das entsetzte Echneiderlein entgegen: .Was stört Ihr mir die Nachtruhe?" „Weil wir Deinen Sohn brauchen!" „Meinen Sohn — und wozu denn?" „Zum Asientplatze!" „Was? ..." ries das entsetzte Schneiderlein,' „Er ist ja als mein einziger Sohn nach dem Gesetze militärsvci!" „Wer mir Gesetz? Was mir Gesetz! Da heißt es vor allem mitspazieren!" Und der arme Ahrele, den man mitten im Schlafe aus dem Bette emporgerisscn, mußte mitspazieren! Die verzweifelten Eltern folgten ihm mit lautem Geheule nach. — „Nein!" schrien sie, „das Gesetz wird es nicht zulasien, daß Ihr uns den einzigen Sohn raubet!" „Gut, das wird sich zeigen!" lachte der Biertelmeister, der den Armen vorwärts drängte. Und wirklich zeigte es sich — daß der Arzt und die ganze Affentirungskommission ihn für tauglich erklärte, so daß er oock, an demselben Tage den Eid der Treue leistete und eingekleidct wurde. — Wie eine so schreiende Gesetzesverletzung damals möglich war? Ja, in jener Zeit der Willkür und der rohen Gcwaltthätigkeit, was war nicht alles möglich? Jede jüdische Gemeinde hatte damals die Pflicht, ein gewiffes Eontigcnt für den Asientplatz abzulicfern, die Wahl war ausschließliche Sache der Vorsteher. Tie Prozedur war die einfachste der Welt. Die Borftehcr kamen in der Gemeindestube zusammen und besprachen untereinander: Wen lassrn wir assentirrn? Dir frommen Lernjünger der Klaus? Das doch gewiß nicht: Die Söhne der Neichen? Um so weniger, die sind Männer von Einfluß! Da bleibt kein Ausweg — das Schneiderlein, das stecken wir unter die Soldaten! - Aber das Schneiderlein ist ja ein einziger Sohn? — Es machte sich wohl die eine, oder die andere stimme zu Gunsten des Schneidersohnes geltend, aber die Antwort war ein Hohngelächter: Wer hat es dem Schnciderlcin gewehrt von dieser Sorte zweie zu haben? Ein paar Hosen zu nähen, wird sich noch immer einer finden! Und so war Ahrele assentirt. Die armen Eltern lieft» init ihrem guten Recht in den Gassen herum, aber diesegalt als eine schlechte abg, riebene Münze, auf die Niemand etwas geben wollte. Sic beklagten sich bei den Behörden, aber diese hatten nur die kurze Antwort für sie: „Macht'- Euch damit Euren Vorstehern ab, uns hat das wenig zu kümmern, unftr« Sache ist es nur, da» über zu wachen, daß da» vorgeschriebene Contingent gedeckt fei!" Das arme Schneiderlein sauste wie ein Wirbelwind in der Stadt herum, es weinte, wetterte, schäumte, kurz es war schon damals halb von Sinne«. ^Hütten in dieftr unerwartet ein Blitzstrahl en nämlich, bereist jetzt da- Land einige ^age sich aufhalteu alizien und werde auch Tage sich Mit der letzten Kraft eine« Verzweifelten klammerte sich an dieft Hoffnung, er werde beim Kaiser Klage für über da« Unrecht, da« man ihm zugefügt hat; er werde ’il Alles erzählen — soll er nur erst kommen! Wie ein Betrunkener lief er nach Häuft. „ES ist un« geholftn!" schrie er schon bei der Thüre»' seinem Weib« zu, — „Unser Ahrele wird bald frei sein!" „Wieso denn?" „Der Kaiser kommt!" "4 „Und was hat da« dazu?" „Nun, ich werde zum Kaiser hingehen!" .Du zum Kaiser — wirft Du denn wiffen, wie mir dem Kaiser zu sprechen?" „Hm, ob ich's wiffen werde!" In der That, den Anfang hatte er schon fertig. Al«- ' Vorbetrr nämlich ivarcn ihm alle Gebefformen geläufig, er kannte also auch den vorgeschriebe«» Lobspruch, mit dem ei» gekröntes Haupt begrüßt wird. Ist das nicht ein guter Anfangs und ließe sich nicht trefflich seine Bitte daran anknüsffe»?7 In nebligen Umriffen schwamm es ihm in dem Kopfe her»«. Er würde chm sagen: „Sichst Du, großer Kaiser^ ich habe hier in unserer alten heiligen Sprache Gott dafür gelobt,, daß er von ftinem Glanze Dir mitgetheilt hat, denn Du bist 1 das auf Erden, was Gott im Hunmel, ein guter, milder Bater, ein Beschützer der Armen und eine Säule der Gerechtigkeit; aber da Du nicht allwiffend wie er bist, hast Tu überall Deine Berttauten hingeschickt, daß sie über daS Recht wacheu^H Leider aber verdienen nicht diese Männer Dein Bertra»»» ,T denn sie treten daS Recht mit Füßen und drücken den Gebeugten in den Staub. Da haben sie mir meinen einzige» Sohn affenürt, ttotzdem daß Du in Deiner Gnade beföhle» hash der einzige Sohn müffc geschont werden!" .... (Schluß folgt.) "•*i KLtlßfel-Aufgabe. 4 I»eisp,«ußise» Ac>m«»pm. Lon 6. in R. Wenn deutsch, so chnn H meist die Frauen, Hebräisch kann am Kops de« Stier» man',- schauen: Auch Gott läßt einst zu unser« Heil Empor es wachsen, werde» un» z« Theil. LI. Keöräisches Komonym. Bon C. in R. Al» Mensch bezeichnet'« nur de» Man»; Doch wenn er nimmt Lnsfix« an, Sofort ist er «in Thier alsdann. LLL. -»gtisch-hrvrätsche* Komony«. Bon C. i« R. Darin setzt sich, wer'» enaltsch »eint, Darauf, wenn e» hebräisch scheint. AusiSftmg der Mittel ix »«r. Me. L Ri, Otimit, AKonnmeni. IL Heller» H«K«r. kll. p (rjV) (Affe). Tp (Kälte). 3"V3 (Etn^wetde), Berantmortlicher Redakteur: Dr HL Kahmer, Magdeburg. Druck: D. 2. Wolfs, Magdeburg. Sertag: Kobe« Friese,

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