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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 34 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
34 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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HeranS-rgeben von Dr. M. >«»«er ln Magdeburg. ZN |itrr|iltn| inl Kklttznms str lie isrntttische |nilir. t Sittah. Roman au» der Zell der letzten Maffenau»weisnngen au» Rußland und Preußen, von H. JitlDIlIt* Ta* verrückt« Schneiderlein. Bon Nathan Samuely. — RSthsel-Aufgaben. — RLihfel-Lssunaen. o v (Untzefttztrr «ach»rnck,n« Mrfni Berger. (Fortsetzung.) - »lese» vierte ift »ntrrsag«.) S1 t t a h. »«man an» der Zeit »er letzten «nfienauOrisnngrn «»« Rutzlnnd >»d Prrntzr». Bon H. Berger. «I (Fonsetzung) Rcb Jakos war heute verdrießlich; das merkten die Linder bald, denn kein Bonmot und kein Scheltwort empfing den, der zu spät kam. Stille setzten sich alle auf ihre Plätze. Red Jakos inarschirte nachdenklich vor ihnen auf und ab, ohne ein Wort zu sagen. Da trieb der Schalk einen der IKiaben aufzustehen und ebenso gravitätisch hinter R. Jakos herzugehrn, wie dieser selbst ging. Schallendes Gelächter von allen Seiten begleitete diesen Streich. Reb Jakos hielt erschrocken inne: .Ra, waS giebt's zu lachen?" donnerte er die Kinder an. Der Missethäter trat, die Finger hebend, demüthig vor R. Jakos hin und bat: »Darf ich rin bischen Wasser trinken?" .Trink, aber vergiß die Brache (Segensspruch) net-, entgegnete mürrisch R. Jakos, indem er weiter marschirte. .Rebbe", rief da ein kleiner Junge, ..ich Hab' heut' nicht lernen können." Warum nicht?" brummte R. Jakos, sollst drei Maktos (Schläge) dafür haben; komm heraus.' An dem Gesichte de» Knaben konnte man sehen, daß daS, waS er sagte, nicht sein rechter Ernst war. .Ich wills versuchen, ob ich es kann", sagte der Kleine in weinerlichem Tone; ich Hab gestern meinen! Pater Helsen müssen." .Gestern war gar nicht» zu Helsen, Du Ehammcr, hättest lernen können I Fang' an!" Der Knabe setzte sich zurecht und konnte Anfangs nicht -recht finden. ,Ra. fängst Du bald an!" donnerte Reb Jakof. .Ich kann'» nicht finden, Rcb Jakof." Ein lautes Weinen folgte. .Willst Du wohl das Heulen lassen!" rief R. Jakof erregt; .da. jetzt hast Du Ursache zu weinen!" Ein Klatschen bewies, daß der Mentor da» berühmteste Erziehung-, und Beruhigung-mittel aller Zeiten kannte und die eingetrrtene Stille bewies, daß dieses Mittel auch probat war. Nachdem jo die Ruhe hergestrllt war. begann der Unterricht. Die kleineren Knaben lastn die einzelnen Verse aus einem Kapitel de« Pentateuch, größere übersetzten da» Gelesene in'» Deutsche und die größten, am weitesten vorgeschrittenen Schüler lasen und übersetzten verschiedene Lommentarr, vor allem Raschi'S Lommentar. 'So vereinigte Reb Jakof die verschiedenen Klaffen beim Unterricht. Verstand einer der Schüler nicht gleich, so mußte er, ehe er die Erklärung zum zweiten SXa(c vernehmen konnte, stet« die verschiedenstru Ehrentitel wie Ehammer re. hören. Aber unermüdlich war R. Jakos ‘ ine« Unterrichte. Eine Menge Parabeln und Legenden und Talmud belebte seinen Unterricht und ji-tia.* . . * >. machte denselben interessant. Die von der modernen Päda- Ä»erlangte Ruhe konnte man bei dem Unterrichte Rcb nicht finden, aber dafür fand inan bei seinen Schülern da» lebhafteste Interesse für die Sache, ivelches sich in der Lebhaftigkeit der Diskussion und an dem Leuchten der Augen der Schüler während des Unterrichts zeigte. Eben war Reb Jakof damit beschäftigt, seinen Schülern eine schmierige Stelle über den Bau des Altars im Tempel zu erklären, als an die Thür geklopft wurde. Bei dem Lärm, der im Zimmer herrschte, überhörte man das Klopsen, und da aus nochmaliges Klopfen keine Antwort erfolgte, öffnete sich die Thür und ein Polizist trat ein. Als ob ein Blitzschlag mit einem Male alle Zungen gelähmt hätte, solche Still« trat ein, da so urplötzlich einer der gefürchteten Diener bei;, Helligen Hrrmandad inmitten de» Schulzimmers stand. Wahrhaft entsetzt richteten sich alle Blicke aus den Gefürchteten, der sich an dem Entsetzen, welches sein Erscheinen hier hervorrief, zu weiden schien. Endlich faßte sich Reb Jakof und ging demüthig auf den Polizisten zu und fragte: .Sie wünschen, Herr Polizei? Herr von Polizei? Womit kann ich dienen?' „Sir müssen sofort mit mir auf das Polizeiamt kommen", erwiderte dieser barsch. .Sch'ma! was soll ich dort? Bin ich doch erst gewesen dort. ES wird net so eilig sein; ich komme." .Nein, Sie müssen sofort mitgehen, der Herr Präsident erwartet Sie!" .Und meine Junge» hier, und mein Ehe der, er» will ich das aushalten!" .Verdammter Jude", entgegnete der Polizist, .Tu hast nicht» zu wollen, Du hast zu gehorchen! Sofort gehst Du mit, oder ich schließe Dich krumm". Bei diesen Worten trat er aus den erschreckten Reb Jakos zu. als ob er seine Drohung wahr machen wollte. Da erhoben die Kinder ein Zeder- Seschrci, so daß Reb Jakos sie beruhigen mußte. Er entließ ie Knaben, die alle betrübt nach -Hause gingen, um da zu erzählen, welche Unbill ihrem Lehrer widerfahren sei. Still folgte Reb Jakos dem Polizisten. Voller Angst über die neue Geseroh, die er erfahren hatte, voller Wuth über dir Behandlung, die er erfahren hatte, schritt er dahin. Da begann Jener: »Höre, Jude! daß Du Dich nicht unterstehst, etwa» von dem sagen, wa« ich soeben zu Dir gesagt habe! Du sollst e» mir sonst' büßen!" .Wir werd' ich den Spaß de« Herrn Polizei weitererzäblen," entgegnete Reb Jakof wehmüthig; .Hab' ich doch?gleich gewußt, daß der Herr Polizei nur Spaß macht. Wa« oll ich denn dort bei dem Herr» Polizeipräsidenten?" .Das werden Sie dort erfahren!" Bald hatten die Beiden da« Rathhau» erreicht. Reb Jakos wurde zu dem Polizeipräsidenten geführt, der ihn schon etwartetr. Bor dem Präsidenten lag eine Merig« Papiere; lauter Petftionrn armer AuSgewiesener, die um

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