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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 31 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
31 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hrrausgegebeu von Dr. M. Astzwer in Magdeburg. Jtr jUtrr|iltn| ul Krtrtzrufit lie isruittislhe fuülif. r Mehr Licht! Von Ott» Ltlieathal. — Littah. Bonum a»S der Zeit der letzte» Maffeaaudweisuaar» au« Ruhland und TmAftlt* Preuße». Bon H. Berger. (Fortsetzung.) — I» der Dresdner GemLldraallerte. Bon L. den Jehuda. — Das Schiff ist " 8«ur». B-nSeinrictiLorwe.—PLchsel-Aufgaben.—Bäthsel-Lssungen. (Uudefttgter Nachdruck aus diese» Blatte ist »«tersagt.) Mehr Licht! »Mehr licht' waren die Wort«, di« Altmeister Goethe gesprochen, SU» der Tod, da» stast'r« Gespenst, sein» sterblich« tsülle Luchte mit gieriger Hans zu »mfah'n und den Geist schon bedeckte Mit den Schatten der Nacht, den lichtlosen, düsteren, kalten. »Mehr licht' »xtren di« Wort«, dir brechenden Ang'a er gesprochen, Um z» «ntaehen den stnsteren Feinden de» lichtvollen Geiste», 'Mächten, di» mitleid»lo» seinen Stern zu verl-schen versuchten, ». <inen Stern, der sein licht verbreitete über di» Erd«, {■ erquicken die Menschen mit Wahrheit, Recht und Erkenntnis. - Knrz war der Kamps — der Kieper erlag — da» Gespenst ivar zufrieden. Doch der Geist, er schwang sich hina»s zu den himmlische« kdhen, La dem Thron« de» Vater», der gesandt der umdüsterten Menschheit - Ihn als Boten, al» Bringer de» Perl», al» Verbreiter de» lichte». ' Bat nicht di« Anfaad' herrlich vollbracht der Bot«? Ich denk' e»I Strahlt nicht auf Erden herrlich and lichtvoll der Stern der Erkenntnlß? Sind'» nicht di« Wahrheit, di« Duldung, da» Recht, di« di« Menschen beseelen? — wir » nur fol Doch ach, der Gram zernagt mir di« Seel«. Mensch bin ichl Um der Mensche» willen mnßich mich schimen, ‘ Daß ich e» bin. Denn schmachvoll ist'», «in Mensch noch z» heißen I . Weh«, im fernen Gsten, wa» sehen wir gramvoll aeschehen In der Zeit der Erkrnntniß, in Kelten, wo hell sollt« strahlen licht der Geiste»Heroen, da» zaudernd einst sie entstammten? Mit barbarischer Band reiß« man »nmündta« Kinder ■ von den Brüsten »er Mütter, di« klagend ihr liebste» verlieren. : Sorgsam« Franru, di« schützend sich werfen über di« wiegen , Ihrer bedrohten Kleinen — man treibt ft, von dannen z» Fremden Au» dem lande hinan», erbarmungslos achl sonder Schonung. ' Greis« mit brechendem Aug', dt« der Todesengel berührt schon, wandern müssen ft«, wandern, soweit st« dt« Füße nur tragen, Dt« doch schon jetzt erlahmt sind und längst der Ruhe bedürftig. Suchen ü» in de« lande z» bleiben, da» ihnen lieb ist, In den Kerker wirft man ft« dann, weil da» Land ihrer Väter Nicht ft« verlaßen wollen, nein, dort ihr leben beschließen. Und warum, so kragst D» entsetzt, geschieht diese» alle»? Etwa weil «in, Sünde begangen frevelnd ft« haben, Vder gar «inen Mord, oder landeeverrath dt« verinchten? Nein »ud abermal» nein l Ihr« Schuld, ft, ist noch viel größer. St«, st« find'«, dt» dt» lehr« de» Ew'aeu, Einzigen, wahren, ' Rein und »nverfälscht Jahrtausend« lang getragen, Dt» nicht «sammengebrochen sind bei dem Ansturm der Völker, welch« voll Mißgunst fnchten. sie z» vernicht«,, z» stür^n. well ft« vertrauen dem einzig«» Gott, dem einigen, mächt'grn, Darum, ja darum leiden ft« bitter« Unglück auf Unglück; Deshalb, nur deshalb verlaßen ft» dt« hmmifch« Erd«, well ft» ander» anbeten dt« Gottheit al» all« ander«. — * ,M»hr licht' »aren dt» Wort», dt« Altmeister Goethe gesprochen, L »er Tod, da» stast'r« «»«fr«*, frtn. sterbftch. Sülle, Sucht« mit gieriger Hand zu umfah n und den Geist schon bedeckt. Mit den Schatten der Sacht, den düster'n. licht losen, kalten. -Mehr licht' stehen anch wir, « Vater, send« hinunt«. Saf Mt Erd« den Menschen, duß Wahrheit, Recht und Erkrnntniß wieder wie «tust beseel« di« Herzen der edlen Menschen! -Mehr licht", bitten auch wir, verbreit» auf »uferer Erd«, Daß nicht de, Glauben» wegen der »in« den andmn veracht« , Uno ihn verfolg', sa ihn Mit* erbarmungslos »nd sonder Schonungl ^tztmmLscher Vater, .«ehr licht», .mehr licht' der Dnldnng und FrMH«. Minden. Vtto Lilienthal. S i t t a h. *»«an an« brr ftrtt lei letzten MaffeusnOeisnnge» »es Nntzlan» nn» Vrentzen. Bon H Berger. (Fortsetzung.) .Wa»", schrie sie auf, .Du beweinst auch Deinen Bruder, beweine mich, Deine Mutter, seine eigene Mutter ist schuld an seinem Tode. Rühre mich nicht an. eine Mutter, die ihr eigen Kind getödtet hat, darf sich ihrer übrigen Kinder nicht freuen —" und wie sie vorher mich mit aller Kraft an sich gepreßt hatte, so stieß sie mich jetzt mit oller Macht von sich. Weinend und schluchzend verkroch ich mich vor ihr, denn ach! ich hatte Angst vor meiner eigenen Mutter. Gegen Morgen schlief ich ein und al» ich wieder erwachte, da war der Baker schon da. Ein Arzt, der in der Rächt herbeigeholt worden war. konnte nur de» Tod des Knaben konstatiren. Ein Schädelbruch war die Ursache de» Tode» gewesen. — Trauer, tiefe Trauer herrschte im Hause. Meine Mutter war nicht zu beruhigen trotz de» Tröste» meine» Bater, der, ach! selber so sehr de» Tröste» bedurft hätte. Er hatte von unserer Mutter alle» erfahren, und da» war nicht geignet, ihn zu trösten, wa» dieselbe ihm nun mittheilte. Schon lange hatte der Gut»« nachbar und Serichtüherr meine« Bater«, dessen schöner Frau, «einer Mutter, nachgeftellt, sie mit seinen unlautereu Anträgen verfolgend. Wa» war ihm da» Weib de« Anderen! War der Andere doch ein Jude und er dessen Gericht»herr! Wie durste der Jude etwa» besitzen, allein besitzen! Mußt« er nicht ftoh sein, daß man ihm erlaubt hatte, zu leben, mit dem Gericht»herrn dieselbe List zu athmen I Wozu hätte man ihm denn die Erlaubniß, sich ein Gut zu erwerbe», ertheilt, wenn man nicht gehofft hätte, ihm von Zeit zu Zeit zur Ader lassen zu können! Und jetzt hatte dieser Jude ftch solch blldschöne» Weib erkoren, ein Weib so schön, wie der Genchtöherr noch keine» gesehen I Und diese» Weib sollte dem Juden allein zu eigen sein! Nimmermehr. Schon in der ersten Zeit ihrer Ehe hatte ihr der Gerichtöherr nachgestellt, war aber, da er au» irgend welchem Grunde nach dem Au», lande hatte reisen müssen, nicht zu seinem elenden Ziele gelangt. Mit 16 Jahren hatte meine Mutter geheirathet, fast n«h ein Kind, und heute, nach zehn Jahren, hatte sie sich in ihrer Schönheit nur noch herrlicher entfaltet. Al« der Gericht»herr vor einem Vierteljahre von seinen Reisen zurückkam, sah er zufällig unsere Mutter wieder, und jene unselige Leidenschaft, die für un» Alle, ach so verhängnifrroll werden sollte, entbrannte von Neuem in ihm. Sofort nahm er seinen Plan in Betreff meiner Mutter wieder aus und stellte derselben nach, wo er nur konnte. Um meinem Bater keinen Verdruß zu bereiten, hatte sie ihm kein Wort von den Nachstellungen de» Berichtüherrn erzählt, und all' deffen versuche, ihr nahe zu treten, energisch abgewehrt. Heute hatte der Zufall un» herbeigesührt und diese» unglückliche Zusammentreffen hatte meinem Bruder da« Leben gekostet. Mein Bater machte de»

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