Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 25 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Heran »grgebcu von Dr. M. A»tz«rr in Magdeburg. ZN Wttthtlünß ul -tletznnß fit die isnMfche ftiilif. fi . . «nkündignng. — Da» Laobaa von Nathan Samuely. — Di« verfoloten. rin Traum. Bon M. «ilberstein. — '■tnnfllt! Deutsche «udgrabungen in Syrien. — «u» der «utographensammlung. — RLthsel-Ausgaben. — «Lthsel-LLsungen. ' (linbeingtrr »achvrns an« diei»» Blatte ist »nkrriagr.) Ankündigung. In der ersten Nr. des neuen Quartals beginnen wir mit dem Abdruck des von uns erworbenen hochinteressanten, spannenden Original- RomanS aus der Zeit der letzten Mass enauSweisung der Juden aus Rußland und Preußen: „Sittah." Zeitgeschichtlicher Roman von H. Berger. D«» Eaehea ChaJU.*) von Nathan Lamuely. »Eine wackere Frau, welch' ein Fund! Mehr als die kostbarsten Schätze ist ihr Werty!" So lautet der Anfang jenes Lobliedes, das der weise Salomo zum Ruhme der Frau gedichtet hat, und diesen Hymnus eben stimmt der Jude jeden Freitag Abend an, wenn er von der Synagoge zurückgekehrt, die Schwelle seine- , Hauses Übertritt. Woher mag es nur kommen, daß der Jude just an « Abend seinem Weibe jenes Loblied anstimmt, in lchem sie nicht blos als Schutzgeist des Hauses gefeiert rd, sondern auch als Hauptstütze der Familie, als Frau, ^Ke durch Handel und Wandel da- Hau» in Ehren und ^Wohlstand erhält? Sicherlich mußte es eine Zeit bei den »Inden gegeben haben, in welcher der Mann sich ganz dem ^Studium der Thora und dem Gottesdienste weihrtt, während Frau einen Erwerb betrieb und durch ihr Mühen und alben Mann und Kind ernährte. In jedem Falle sind noch heute solche Beispiele in « kleinen ganzischen Städtchen zu finden. Da tummelt die Frau auf der breiten Straße des Berkehr» herum, der Mann in der Synagoge bei seinem Talmud zu ist. Eine solche Frau wird gemeiniglich eine »Esches tjil" genannt. Ein solches Esche» Lhajil war die Muhme Rechele. mir noch ganz vor Augen das kleine, rundliche dawie ein Wirbelwind im Zimmer herumsauste, üer, bald dort, frisch, lebendig und bewegt. Aber auch kann Reb Jäkele mit seiner kurzen, gedrängten Gestalt, breiten schwarzen Barte und den blauen, gutmüthigen der immer ei» heiteres Wörtchen auf den Lippen will mir aus dem Gedächtnisse nicht weichen. Jede» »ch war ich ihr Gast, denn da kam ich mit dem Talmud > Arm«, um mich von ihm iu dem prüfen zu lasten, was! b» Verlaufe der Woche gelernt. Während tüeses Examens ' di« rührige Rechele wie gebannt am zweiten End« des! H Dw» m/Stet Weib. Tisches mit dem Kopf auf den Arm gestützt und sah mit freudigen Blicken' ihrem Manne zu, wie «r sich fort und fort den Bart glättete, oder wie er, wenn eihm darum zu thun war, durch eine frinspitzige Auslegung eine dunkele Stell« im Talmud aufzuhellen, mit der Handkante einige Male die Lust durchsägte, um gleichsam den haarspaltenden Unterschied scharf zu markiren. Und je mehr er der Ausführung sich näherte, um so lebendiger wurden seine Bewegungen, bi» er die eigentliche Pointe durch einen solchen Lustsprung bekräftigtt, daß ihm das Sammtkäppchen vom Kopfe herunterflog. In diesem Augenblicke fuhr aber auch die bis nun zu stille dasitzend« Rechele wie ein Gummiball in die Höhe und rief dem ersten Besten, der neben ihm stand, mit hellem Tone zu: »Na, was sagt ihr zu meinem SchlimesatniN), wie er das herausgebracht hat — Bogel in den Lüften!" Sie bezeichnete mit dem letzten Satz den kühnen Schwung seiner Ideen. Dem Worte »Schlimrsalnik" legte sie immer einen neckischen Nachdruck bei und sah ihm dabei so voll in» Gesicht, daß die ganze Freude ihrer Seele sich in ihren Augen spiegelte. Aber auch er versäumte nie in einem ähnlichen, neckischen Ton ihr zuzurufen: »Gieb unserem Züngele Saobath-Obst, er hat sich'» ehrlich verdient!" turtig lief drauf Rechele, daß der Schlüffelbund an «ite ein lustiges Klingeln vernehmen ließ und erschien bald darauf mit einem großen Tiegel Konfitüren, ejnem tonigkuchen und einer großen Schüssel mit Birnen und epseln. Sie gab mir einen Theil und darauf füllte sie den Löffel mit Konfitur und reichte ihn ihrem Manne hin mit den Worten: '»Nimm nur, Schlimrsalnik Du, wenn man Dir nicht Alles so in den Mund hineinlangen sollte, da möchte r» Dir nie einfallen, daß der sündige Mensch doch einmal Etwas zu sich nehmen muß!" Solchen Tändeleien und Aeußerungen von Zärtlichkeiten aber überließ sie sich nur zwei Tage in der Woche, nämlich Freitag und Samstag, denn kaum daß ihr Mann am Sabbathabend den Schlußsegen über den Wein sprach und chr, wie e» alter stommer Brauch ist, an der Gewürzbüchse zu riechen gab, da löste r» sich auf einmal wie ein Zauberbamr und die liebevolle Gattin wandelte sich in einen trocknen, wohlberrchnenden Geschäftsmann, der nichts von Gefühlsduseleien wissen will. Der einzige Uebergaug war noch di« Uebergabe der Schlüssel an ihre Tochter Perele — einem schönen, schlanken, zartgebauten Mädchen mit sanften Sammtaugen — durch welche sie sie gleichsam in ihre Rechte als Wirchin und Hausfrau einsetzte, was sie regelmäßig mit folgenden Worten einleitete: »Trachte nur, Perele, daß mir Alles nach dem Schnürchen gehe und vor Allem sorge dafür, daß der Bater ja keine Mahlzeit auslaste, denn D» weißt ja, daß er daran gemahnt werden muß, sonst vergißt er *) Soviel Mie Schlemiel (PechvovY. iJofu-jiikats-