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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 22 (1891) · p. Seite 86

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
22 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 86 (sequence 4)
Language
German
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Dr. Erter „Hazose" ge«wat — ass der 1 schwand gespenstische wie er erschiene^ durch den Nahmen der Thüre. Da- Erschei en de» Großinquisitor« bei einem, der der Ketzerei angeklagt war, konnte gewiß nicht soviel Angst und Entsetzen Hervorrufen, wie bei mir der nächtliche Besuch meines Melamed. Mit Angstschweiß bedeckt und mit klappernden Zähnen lag ich in meinem Bette und doch wünschte ich, daß jene schrecklich« Nacht sich durch die Ewigkeit sortziche, denn der Anbruch des Tages ließ mich erst das Schrecklichste erwarten. Des nächsten Tages lies mein Melamed von stüh ■ Morgens angefangen, wie eine oergiftete Ratte in allen Ecken und Winkeln herum, überall suchend und schnüffelnd, | ja, er ließ sich sogar Licht machen und begab sich selber hinunter in den Keller und dann hinauf auf den Dach-! boden. Von dort kehrte er zurück mit jenem teuflischen Grinsen, das ich in der Nacht bei ihm gesehen, und trug aus beiden Armen eine große Holzkiste. Beim Anblick dieser Kiste legte eS sich mir wie Nacht vor den Blicken, denn jene Kiste enthielt mein Theuerstes, nämlich meine Bücher, die ich auf dem Boden versteckt hielt. Der Melamed sprach den ganzen Tag ken Wort zu mir, aber jenes teuflische Grinsen wich keinen Augenblick von seinen Lippen, so daß ich jedesmal erbleichen mußte,.so oft er mich ansah. Was er mit meinen Büchern vor hatte, wußte ich nicht, aber noch an demselben Tage verschwanden Kiste und Bücher aus dem Hause. j Erst zwei Tage später sollte ich erfahren, welches Loos | jene Bücher erwartet.; An jenem Tage nämlich trug mir mein Melamed auf, , mich mit ihm in die Klaus zu begeben. — Wozu? Und zu > welchem Zwecke? Er sagte cs mir nicht, aber das frostige; Lächeln aus seinen Lippe» ließ mich Unheil ahnen. In der Klaus fand ich mehrere Leute und darunter acht Melamdim, alle umgeben von ihren Talmidim, darunter ' waren etwa zwölf Jünglinge, die gleich mir mit tiesgcscnktcm ' taupte dastanden, verstört, bleich und z» Tode betrübt.! uch sie begingen dieselbe große Sünde wie ich — sie wagten \ es in das Licht zu blicke». Die ganze Zeit wußten wir nichts von einander, denn jeder verschloß wie ein thcurcs Bermächtniß sein Gchcimniß in sich. Diese Stunde verrieth unS gegenseitig unser gemeinsames Vergehen und wob zugleich um uns ein unsichtbares Band, das uns vereinigte. „Reb Eli", befahl mein Melamed, der schwarze Leib genannt, dem Ofenheizer, .laß de» Osenheizrr hineinkommcn." Wir, die armen Delinquenten, sahen uns ängstlich einander an — was soll denn jetzt geschehen? Inzwischen wankte der Osenheizcr, ein versoffener Bauer, in die KlauS hinein. „Hamielle", befahl mein Melamed, der die unheimliche Ruhe eines Gloßinquisitors die ganze Zeit bewahrte, „Hawrrllc, mach' Feuer an!" Hawrellr legte kreuz und quer mehrere Scheit Holz in den Oft», zündete darunter Stroh an und alsbald knisterte da» etwas fruchte Holz und Funken sprüheten auf. .Jetzt Reb Eli", sagte inzwischen der Melamed, .geh' mit noch Einigen und bringe die Trese PoßelS*) hinein." Reb Eli mit noch einigen entfernten sich und alsbald kehrten sie zurück, jeder mit einem Stoß Bücher unter den Armen. Wir Unglücklichen erblaßten bei diesem Anblicke bis in die Lippen. — Jeder von uns erkannte seinen Schatz, der ihm wie sein Leben theuer war. .Jetzt wollen wir anfangen!" kommandirte mein Melamed. Und man fing an. Alle Melamdim traten in den Vordergrund, von welchem jeder mit grausamer Wollust einen Haufen Blätter herausriß und sie in den Ofen warf, wo die Flammen gierig sie verschlangen. (Fortsetzung folgt.) m) Dir ketzerischen Bücher. Die Betzentnng de« Mage« David. Bon Martin Jtornfelfe. Wohl allen Israeliten ist da» so häufig zur Anwendung kommende Doppeldreieck unter dem Namen „Magen David** bekannt. Wird es doch als Ornament auf und in Synagogen angebracht und namentlich in Vorhänge, Thoramäntel, Tischdecken nvclche rituellen Zwecken dienen) mit Vorliebe eingcstickt oder gewebt. Man hat vielfache Erklärungen dieses Zeichengegeben,*) aber keine recht befriedigende, so daß für die folgende Ansicht noch Raum sein dürste: Dieses Zeichen scheint gar nicht hebräischen Ursprungs zu sein, sondern stellt vielmehr eine Hieroglyphe dar und zwar als Bezeichnung für „Feuer" und „Wasser". Das Dreieck nach oben bedeutet Iieuer, während dasselbe nach unten Wasser bezeichnet, also als Doppeldreieck die beiden Elemente v»t und Feuer und Wasser, welche den Himmel repräsentiren.') Somit wäre dieses „Magen David“ als Sinnbild des Himmels zu -betrachten, welcher dem frommen König David als Schutz diente. Für Alle, welche dieses Doppeldreieck anwcnden, ohne den Sinn zu kennen» möge es als Genugthuung und Trost dienen, daß sie unbewußt sich mit König David darin vereinigen, auf da« Himmelreich ihren Schutz und ihre Zuversicht zu über», tragen.*") *) Kir haben in früheren Jahrgängen des .Iüd. Litteraturdlatt" mehrere wissenschaftliche Erklärungen über dieses symbolische Lechseck gebracht, die wir hier nicht wiederholen wollen (Red.) ') Diese Lignatur stammt von den Paracelsitern und wird da«. Dreieck nach unten als Bezeichnung de« Wassers noch jetzt von Aerzten und Apothekern gebraucht . Lieh« die Lehre von den Elementen bei den Alten. lBertin 1842, Verlag ttz. Eichler anonym.) —) Erwögt man noch, daß da» Wort D’OS/ besonder« im späteren Lprachgcbrauch für den Namen Gotte» gesetzt wurde, wie » B. in onyp nKT "Gottesfurcht), aus heiliger Lcheu vor dem vierbuch» siabigen Aottcsnamcn, so begreift man recht wohl, daß man um jedem Mihdrauch mit dem letragrammaton vorzubeugen statt des eigentlichen «tzottesnamens lieber ein Lymbol dafür setzte. Es schlieht danicht au«, daß auch auf dem Wafsenjchild« David« diese« Zeichen sich befand und dah er Im Hinblick daraus im Psalm 8,4 fingt: ßQ 71!VtM 'TS3 .Du Adonai bist Schild um mich!" — rief er ja dem Voliat auch die Worte zu (Lam 1, 11,46): .Du kommst zu mir mit Schwert it. j. w ich im Namen Adonai'»." Vielleicht ist da« Doppeldreirck nicht» andere«, als eine verschlungene Darstellung der 4 Buchstaben de« <tzotle«namcn« ‘,TV,T\ was wohl plausibler Ist, al» das, «» au« den I Buchstaben “11"1 (David) entstanden sei. (Red) Kitthsel-Aufgabe«. Jegt» I. Arulsche« MSrierSIhsek. Bon 6. in R. Mit .1" al« Farbe, Mit „m" al« Garbe, Mit .n" al« Patriarchensreund, Mit .d" al« Fluh e« un» erscheint. II. Hebräisches «/autrLthset. Bon A. K. in London. Mite« dem mit 1 sehr gleicht, Oft ist e« voll, oft ist »« leer. Mit 1 füllt man e« wieder leicht, Mit > jedoch hält da« oft schwer. AnAbfimg brr Kitthfrl i« »»r. Kr. L Joel» Joel, 8o, tu. II. nSjfl Graden und Heilmittel. ‘ Verantwortlicher Redakteur: Dr. M. Rehmer, Magdeburg. Druck: D. L. Wolss, Magdebnrg. Beriag: Robert Krir sch

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