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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 21 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
21 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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W ^. W> .1 MQUIUpU.l t.l w» (xnutgegcfcn von vr. «. «ttzmer in Magdeburg. & Z« Hatrr|«Umg m» -elrtzn», ftr die i»,Mische /tailir. * r' _. „ _ DerRNtgtstdottor Eine Erzählmig -uder «ege-wan von«. Berg tForlsrtzung i — Der Packcuträgcr Jüdische Ziltzounett« •ynlfllt * von dinthan Samueln. — (frflaruna zweier Lieder der Pehocli-Hagada. — Aäthsel-Ausgaben — RSehsel-Lisunge». * * (utkcfugttr Rach» ruck tu dtrse» «laeee ist unterst gl.) Der Mitgiftdoktor. Vj Eine Erzählung au» der Eegenwan von L. Berg. In einem finstern Zimuierchcn, das -hinter den Bcrkaufsrämnen der Apotheke gelegen seinem Besitzer zugleich als Comptoir und vcrschwicgenes Kncipwinkclchcn diente, empfing Onkel Mncha seine Richte mit bitterer Miene: .Daß Du'» nur weißt. Du unbesonnene Person, eben sind Dein Mann und der Baron Dallwig hinausgesahrcn, um sich Deinetwegen die .Hülse zu brechen." .Meinetwegen'? wieso meinetwegen?" .Trope Du noch!" ries der Apotheker voller Wlckh. zu habe ich Dich erzogen. Hobe Dich gefuttert .zwanzig re lang. Tu llngerathcnc, daß ich jetzt mit grauen Haaren, 'Dältk Deiner unnwralischen Aufführung wieder das (berede, das Gespött der ganzen Stadt ertragen soll. Wie sie jetzt alle alten, läufst begrabenen <R:schichtkii wieder ausrühren werden. Habe uh nicht meine Pflicht getha» und Diel» oft genug gewarnt: Sei vorsichtig, Du bist eine Frau, nimm Düh in Acht, treibe es nicht zu toll mit dieser vermaledeiten Liebelei. Aber Tu saßest ja mehr auf -sernowitz wie in Deinen eigenen vier Pfählen, Konntest Du nicht Gott danken, daß Dich dieser Mann »och gehcirathet hatte?" Getreu ihrem Programm erhob Marie jetzt einen fürchterlichen Lärm. .Zu ihrem Unglück, zu ihrem grenzenlosen Unglück habe j sie diesen Goldmann kennen gelernt. Den Dag, an welchem | sie mit diesem jüdischen Doktor getraut wurde, Hütte sie besser i me erleben sollen. Sei e» nicht schon eine schändliche Rückbtslosigkrit von ihm, -sic dein Skandal diese» Duells auszuhchen? Aber sie sei unschuldig — unschuldig wie —“ sie wußtr nicht weiter — die beliebte Eitatio» der neugeborenen Kinder und Lämmer reichte ihr offenbar als Beiveis nicht ,fo wahr Du ein ehrlicher Mann bist, Onkel Mncha," .rief sic feierlich, „ich bin unschuldig." »Schweig!" donnerte der Apotheker. Es fehlte nicht '< viel, so hüte er sie geschlagen. Marien» Absicht war ganz und gar nicht zu schweigen. . 3m Gegcntheil, sic weinte und klagte mit so durchdringenden, k GeiKufch, daß Onkel Mucha nicht mit Unrecht besorgte, man -'JKtjSe ihre Lamentationen bald draußen aus dem Ringe vernehmen. „Welch' elendes Leben hätte sie geführt an der Seite . diesemürrischen, überspannten Eujons, der ihr nie ein Vertagen gegönnt, und sie am liebsten Tag und Rächt bei Büchern ciugesperrt gehalten. Obeirdrein gäbe e» »me Seelen genug, die ihr nicht wenig verargten, daß sie, gut katholischem Hause stamme, sich «>t tinem Un» pt verbunden, und sie werde auf ihrem Todtenbette j Onkel Mncha verübeln, daß er, der nur aus schtüder «. — -- sh« arg verfeindeten enchmvischm Mar» cher protcgirt, sic, das arme Opfer, zu diesem unglücklichen Schritt — grad' hcräusgesagt — verleitet lfabe." .Ei nun", bemerkte Onkel Muckfa spöttisch, ,cs hielt nicht schwer Dich zu locken. Du gingst recht gutwillig voran. Das .Frau Doktor" klang auch gar nicht so ühel." .Frau Baronin wird noch besser klingen." Der Apotheker sah erstaunt zu ihr aus. .Ja, ivenn man das sicher wüßte", sagte er zögernd. .Natürlich, diesmal heirathet mich 5lurt aus jeden Fall." Trotz dieser mit promptester SiegeSgrwißheit ertheilten Bersicherung hatte Onkel Mucha noch einen letzten Zweifel zu überwinden: .Und wenn Goldman» der Ueberlebende ist-'" „Wie närrisch Da sprichst, Onkelchen, als ol» da» wohl ivahrfcheinlich wäre." Onkel Mucha seufzte erleichtert auf. Rein da» ,var nicht ivahrscheiiüich. .So gehe jetzt nur wieder hinauf in Deine Wohnmi und zeige Dich vor keinem Menschen. Mittleriveile will ii lferumhöre», ivelcktzn Ausgang dieser ärgerliche.Handel » genommen." Sorgenjchlver betrat Marie ihr Zimmer. Die Worte des Onkels hallten in ihr nach: .Und wen» Goldmann der Ueberlebende ist?" Dann ivar ihre Lage schlimm — sehr schlimm — bo»( >var sie geächtet. Eine von ihrem Gatten verlassene Frau Wie mitlciderregcnd, wie erbärmlich! .Rein, sie wollte weder verurtheilt »och bemitleidet feilt. Sic konnte ja auch aus gerichtliche-Scheidiing dränge». Aber darüber würden vielleicht Jahre vergehen. Da war e» doch schon besser, nlußtc c« durchaus gescheht,, daß ihretwegen zwei. Männer einander an's Leben gingen, daß derjenige siegte, welcher ihr die günstigsten Aussichten bot. Aber wenn Da kt wig stürbe? Was war das für eine dumme Angst, die ihr da die Kehle zusammenschnürte? Natürlich würde Dallwig leben — Himmel die Aufregung, daS viele Denken machte sie ja ganz schtoach — sie stürzte ein große» Wasfervlas voll spanischen Weines hinunter und hatte mit einem Mate recht fromm. Ueber dem Spiegel in ihren, Schlafzimmer hing ein Madonnenbild, zu beiden Seiten de» ansehnlichen Trümrau's befanden sich rin paar Wandleuchtrr, sie steckte eine dicke, hohe Kerze in jeden, zündete die Lichter an, kniete nieder und gelobte der Mutter Gotte» «ine Wallfahrt nach Annaberg, wenn sie ihren Kurt tn versehet au» dem Kampfe hervorgchen liehe. — Es klopfte. Marie stand auf, »ffnete und empfing aus der Hand de» laugen Burschen einen Zettel von ihrem CQeim. Lä«he ^Ute sie laut ansgeschneen. So schnell

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