Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 15 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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das nrrstohftn mm ftßack etaet Jndrß trieb ein lustige» Frühlmgslüftchen fernen Sfntfemlkn mit den auf de» Zaune zu» Lüften aufgehüugten Kleidern. Tndc» e« dieselben ftdeSmal in andern Figuren zeigte, bald als aufgeblasene Laken, bald als aufgespannte Flügel und i'ald alr emporflatternde Siegesfahnen. Zu Haufe, bei jedem einzelnen von un». ging eS nicht minder rege und bewegt zu. Es wird überall gescheuert, gesäubert, gereinigt, die Scheiben blitzblank geputzt, die Tchüren, ja d« Klinken überall gerieben und gewaschen, daß sie spiegelten und funkelten. In jede« jüdischen, nur etwarentieren Hause thronte das schüne Pessachfest bereit« schon seit acht Tagen in einem besonderen Zimmer, daS eigen« für ihn hergerichtet wurde. Dort waren bereits die Basallen diese« königlichen Festes eingezogen: der große Korb mit MtUo«, der mit weißen Tüchern um und um eingehüllt war, ferner da- Eßgeschirr, schöngeblümte Porzellanteller mit hebräischen Inschriften, rosige Gläser mit goldenen Perzierungen, eigenfür Pessach aufbenmhrte Gebetbücher mit biblischen Bildern, den Auszug aus Egypten darstellend, und auch neue, zu Edren deS Festeangeschaffte KleidungSftfide. Diese heilige Halle blieb die gante Zeit abgeschlossen, und außer der Mittler durfte sie von Niemandem betreten »erden, und auch sie näherte sich nie diesem geheiligten Raume, ohne sich früher mit der gehörigen Weihe zu versehen, indem sie wiederholt sich die Hände wusch, und ein anderes Kleid anlegte, dasie früher gehörig durchschüttelte, damit sich ja kein Bröserl Ehomez in die Falten hefte. Mit jedem Tage wurde es immer reger und lebhafter in den jüdischen Gaffen. Wie mit der Natur, ging auch »il den Menschen und mit den Häusern eine äußere und innere Umgestaltung vor. Der sich blauende Himmel, die sich verjüngenden Häuschen, die blüthenweißen Gardinen in den Fenstern, die plätschernden Bäche, die lachenden Gesichte: der Kinder, kurz, alle« fang und klang in die fonnige* Welt hinaus: das Freiheitfest, das schöne Freiheitsfest kommt! (Forsetzung folgt.) Z«r &a%tutuu*t. Der Kahlköpfige. Im Talmud (Baba-Kama 60 d) wird erzählt: Einst saßen Rab Ammi und Nab Assi vor R. Jizchak, der erste sagte zu drm Lehrer: Trage uns eine Lehre au« dem Gesetze (Halacha) vor, der andere verlangte einen Bor» tTM aus der Agada, (ine anziehende Erzählung. Als der LeWer eine Geschichte vortrug, gab es der erster« nicht zu. und «is er dann eine Gesetzesbestimmung erläuterte, gab e» toi^er d^c andere nicht zu. Darauf begann der Vortragende: Lch will Euch eine Fabel erzählen. Ein Mann hatte zwei , Gwmwn. eine junge und eine alte. Die junge raufte de» *-V-fc»«ne die weißen Haare au«, und die alte beraubte chn ^Wkk'fchwarzen Haare, so daß er einen Kahlkopf davontrug.' : Lehrer beleuchtete nun den Schülern den Bers Exod. 22,5 brem Wünschen sowohl in agadischer, als auch in scher Weift: -ine ganz ähnliche Fabel teilt der lateinische Fabel»! Phaedrus nach römischen Geschmack mit (II. Buch 2): Wie aus je»« Weis« die Mtlnuer, mögen sie lieben ober geliebt A, von den Frauen beraub! «erden, lernen «ir zum Ueberstnß manchen Beispielen. Ei» nicht »»erfahrene» ältere» Weib segelte Man» minieren Elter«, indem sie ihre Jahre durch glänzenden »nd Kleidung verbarg. - Jener hegte aber eine Neigung zn eine« jnngen Weibe. Da nun beide de» Manne im Alter gleich wollten, so singe» sie an allseitig ihm die Haare ausjurause». > er glaubte durch die Sorgsalt der Kranen herandaepntzt z» sah er, daß er plötzlich zum Kahlkopf wurde; denn die jüngere ihm die graue» Haare völtg «»»gerissen, »nt die alte die «l. ü. t» H. "V Bon I »ossar,ki.«1 Sie sprach »»letzt: »Mein Sah«, ich will Dich segnen, Ans daßsie Zuknnft Dir noch Äücklich »erde! Mög' Dir kein Leid und Trübfal mehr begegnen. Und um» Du littet an Kummer und Beschmerde! Allvater» Huld, sie möge aus Dich regne». Und geh' so alt, wie ich, einst von der Erde. Bor alle« aber fest und ohne Bangen Weib treu am «laude» Deiner Wller hange»!" So schied sie hl» die heiligste der Laren, Die meine Jugend und mein Dasein krönte, Sie ging hinmeg mit fünf und siebzig Jahre», Die meine» Leben» Weg mir hier verschönte, Die «ich in trübem Leid und in Befahren Mit jedem argen Mißgeschick versöhnte; Ich kan» für meine» «chmer» da» Wort nicht fassen, E» hat die Mutter ihre» Sohn verlassen! Nicht mehr kan» ich in leidensvollen Tagen Mein sorgend Hanpt an Deine Stirne fegen, Nicht kann ich mehr mein Mißgeschick Dir Nagen, Und welche Leide» meine Brust bewegen. Mein Herz wird Dir nicht «ehr entgegenschlagen, Dein Mund spricht fürder keinen fromme» Segen; Ich kann für meine» Schmerz da» Wort nicht fasse», E» hot die Mutter ihre» Sohn »erlassen l So lebe wohl «ir wird zu alle»'Stunden Ein Ort der Wallfahrt sei» Dein Grabes bette, Und wie ich stet» nur Trost bei Dir gefunden, So such' ich ihn an Deiner «rabe»ftötte, Wen» Trübsal mich und Mißgeschick umwunden. So ist'» der Ort, zu dem ich hi» mich rette: Ich kann für «einen Schmerz da» Wort mich« fassen, E« hat die Mutter ihren Sohn verlassen! B r o m b e r g, den 16. November 1847. *) Da» obige, lief ergreifende Gedicht des rühmlichft bekannten: Schriftsteller», der lange Jahre in hiesiger Stadt wirkte und dessen hochachtbare «emahliu heute noch hier lebt, ist noch nicht veröffentlicht. I. Herzderg, Bromberg. JHctae jüdische Etz«r«kterzüge. ■lUnlieie. Eine jüdische Frau, die ihren einzigen Sohn in de» Krieg schicken mußte, war darüber höchst bekümmert. Der Prediger der Gemeinde erinnerte sie, um siez» tröste», an da»Beispiel Abraham». »Bon einer Mutter", antwortete sie, «würde«»« et» solche»Opfer nicht verlangt haben." I Deutsches Bon 0. in H. Ei» böser Mensch, et» böse» Thier, Erscheint in meine« «orte Dir, Da« ohne Mühe Du kannst finden. Wirst beide Du nur recht verbinde». Doch well in ihn es zischt und gähn Und e« am Pessach ist verwehrt, Deßhalb au» Deinem Hau» e» jage. Bevor sich nah'» de» Feste» Tage. «F-SOSch»ß. Bon 0. in B. Mit Freude» wir begrüße» Sekt baldige« Eriche»», Wenn erst de» Kopf zu Füße» «elegt «ir unser« Kleine». A«ß-stmA der Aüttzfrl i» »er. Ar. I- Cmn OSp. He*», a ‘TM der »tz». »rmk: * L. »olsf. 9ncMfii4(t VteMhesr: Dr. St