Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 11 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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P" "'APW/Mli.UL. -: Hernnlgqeben Don Br. «. BafcMt ta Magdeburg. Jn |itnl(Un( n) Kcsttzn«, fit dir »nniitischc Indlit koftor. Cine Erzählung Don L. Set Der Mi -und Nabel. ' der tüdcschen Toaentnnde: Der herzlos« Esel. — Allerlei für den Familie ' »er antisemitischen Agitation. — «»nette zn biblischen Widern der Dresdner «lderaallerie. H. Joseph nnd Potiphar. — NIthselansgaben. — NLthselansldsungen. (llnbefngtrr Aachdrn 1 — Jüdisch« Finanzmtntster. — Der Mar nah-Reaen. ... j, — Allerlei für d^n Familientis ch^ Da» li^i- — Au, .im Dienste «on Alpha ise Leny. L Jacob achdrnik an» diese» vlatt« »st nntrrsn^.) -er Mitgiftdoktor. Eine Erzählung Don L. Berg. Sechste» Kapitel.. Sabbath Chanuka neigte sich zu Rüste. In Kronstadt war heut große Illumination angesagt. Au den Fenstern der Judenbäuser sollten nach' eingetretener Dunkelhect bunte Helle Licht lein, je sieben an der Zahl in kleinen Leuchtern Drangen, und egab einen hübschen Effekt, wenn sie die von DezembereiSblumen bedeckten Scheiben sanft erleuchteten. Einstweilen aber schwelgten nur die Kinder, diese größten Enthusiasten de» EhanukafesteS, noch in der Vorfreude dieses Genusses, denn draußen dämmerte noch Tageslicht. Die liebe Judenschaft, soweit die Geschäftswelt cn Anbetracht kam, trippelte vxr den Thüren auf und ab, in einem Viertelstündchen oder mehr, wenn das Habdalahgebet vorüber, wollten di« Allereifrigsten ihre Läden wieder aufthun und nach den Wohlthateo de« lieben SabbathS, als da waren: 'Gebet, Ruhe und bessere Kost, ihr Tagewerk mit frischem Muthe beginnen. Auch die Frauen und Mädchen, zum Theil Noch in ihren Festgewändern, benützten die Dämmerung um sich zu erholen, und wa< damit wohl gleichbedeutend, ' «ft einander zu lacheu und zu schwatzen oder sich Gegenseitig «ehr oder minder wohlwollend zu beurtheilen. Au^ einem HaÄ« her vernahm man den Gesang einer dünnen, zitternden - Greisenstipime, die wa« ihr an Schönheit abging, durch ' Inbrunst zu ersehen suchte: Herr, der Du den schönsten Steg Derlethst Nett« mich au» Feinde» Hinten. Der Du David Deinen Knecht befreist. Erraf' sie, di« die Wahrheit schänden. Manch einer auf der Straße summte die Melodie leise , nach und -mit ihrer hellen Silberstimme fiel de» Kantor» Hanna in die Eftgenstrophe ein: Mache sie den starken Blumen gleich, Deine» srommen Bolle» Söhne, Unsre Dichter bilde «n«uth»rrich Zierlich mte der Dempelsöulen Schöne. »Vater Abraham hält noch nicht so weit", sagte sie lächelnd zu ihrer Mutter. »Da» macht, weil er höher wohnt al» wir, darum weilt her Sabbath bei ihm länger. Siehst Du", fuhr sie zu ihrer jüngsten gewendet fort, die sich zärtlich an sie schmiegte, ^flehst Du die klein« rosige Wolle dort — dort fern am ' Lbendhimmel? Da» ist vielleicht der Engel, der den Sabbath wieder in die HimmelSvforten läßt. Der zögert noch über her Erde, noch ein bischen, o noch ein bischen, adieu — nun der Engel zu und die Nacht kommt herunter auf £ Jahr!" Wochl" — »Gut Jahr schöne Antwort erhielt Löbel Abrä der hier mit seine« » dönüht war. Löbel oer lbraham, Gruß fünftausend Pi ftel Abeaha«, de» alten Herr, war eine sehr gewichtig Persönlichkeit im Städtchen, die sehr gewichtige lebendige Chronik Kronstadt'» und sämmilicher umliegenden Ortschaften. Getreu einem Sprüchworte, daß alle Schuster zerrissene Schuhe tragen und kein Cond tor Süße» speisen mag, hatte, er sich nicht verheirathet, die veil er außer dem ehrsamen Schneiderhandwerk noch dem viel einträglicheren Metier eines Schadchen nachzugchen liebte Er ertrug da» freudenarme Loo« des Hagestolzen mit Laune und guter Manier, denn, so dozirte der Wackere: »Hätte ich eine Gute genommen, so käme wohl der und jener Angeführte zu mir und klagte: Warum hast Du mir Deine nicht angetragen?, und hätte ich eine böse Sieben erwischt, so gäbe da» «in böses Beispiel ab und würde mir die testen Kunden verjagen." Was Herrn Löbel Abrrham» Aeuße re» an belangt, so konnte man ihm eine gewisse Aehnlichkei mit zwei in der Weltgeschichte hoch berühmten Männern r icht absprechen, in erster Linie mit dem in ewiger Jugend schöne prangenden Alcibiade», da» heißt erwähnte Aehnlichkei; erstreckte sich nur aus eine pikante Eigenthümlichkeit der Redeweise, indem der den Frauen so gefährliche Briechenheld just wie unser tugendsamer Löbel Abraham beim Sprechen mit der Zunge anzustoßen pflegte, in zweiter Reihe aber zcigte die Gangart de» braven Schneider» eine ganz hervor ttchende Uebeveinstimmung mit Andrea» Hofer, von welchem e», wie Jedermann bekannt, in dem schönen Volkslied« mit aller Bestimmtheit heißt: »Die Hände auf dem Rücken Andrea» Hoftr ging"; ob der biedere (Yastwirth »on Passeier auch Sleich dem edlen Schadchen von Kronstadt stet» den Hut im tacken trug, bleibt ungewiß, sicher ist, da, il,n keine Veie» schmückten, wodurch sich denn Löbel Abrahnn wiederum sehr vottheilhaft von Andrea» Hoftr unterschied. Alle» in allein, war der Schneider «ine sehr brave Haut, ter mit Fleiß und Mühe sich und seinen alten Vater ernährte und ungereizt Niemandem ettva« zu Leide that. Hier aul dem Marktplatze feierte er al» allgemeiner mnttro de pleiaii schöne Triumphe, er ging umher, Schtvänke und Schnake» erzählend, und ließ wie ein in der Sonne ruhender gut gelaunter Pudel, der die Spatzen, die ihm auf» Haupt fliegen, wohlgemuth abschüttelt, kleine Neckereien der Bekannten gutwillig über sich ergehen. »Löbel", rief ein junger Mann, »wenn Du mir 'ne Löge sagst, gebt ich Dir einen Fisch." »Du hast «ir doch zweie versprochen" »var die prompte Antivort und unermeßliche» Lachen verfolgt« den lustige« Schneider zu einer andern Gruppe. Nrr an Frau Lea Goldmann ging er geflissentlich vorüber, er »»ich chr sogar roher härrlichftit au». Da» fiel manchem auf und fragte Frau Lea, ob sie oder ihr Mann, den leicht empfindlichen Schneider beleidigt mit ein« der Kantor, hätten. ' .»Behüte". . „ gnter Mann hßben Rei Lvb »ft Wissen etwa» Böse» zu- »vrhrtr Frau Lea ab. .Wider ich noch »«ein ~ “teb f -- - »V_' _ . .Jb