Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 8 (1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
8 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6492351-8722846-5959707--1576-5374680
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

$traiilgcgtfai vo» Dr. M. Va|Mrr in Magdeburg. ZN IrttttzElüns -eletznms str die irrnittische -nmlir Der Wttgiftboflor. Hin« Erztthluva vo« L. verg. lForlsetzung) - Sollen Frauen al» Mitglieder in >e» Orden fht« B'rtch .UlQQil! ausgenommen werden? Von Frau Jenny Kleeberg Herz in Rew » York. — lieber die Juden in Arabien. — Ehen zwischen ~ römischen Lhrtsten und Juden—Allerlei sür den Familientisch. Sine uralt« Reliquie. — Aarnm Napoleon l. ein ' ■ Jndenfreund war? — Rllthselausgabe». — Räthsel-AuflSsungen. (llnHesngter Nachprnek an« diese» Biattr ist untersngt.) Der Mitgiftv-kt-r. ikia« ikrzllhlung von L. Berg. S) (Fonsepung.) . .Weißt Du noch, Sans'" fragte der Doktor, .wie wir mit Kurt von Dalwig die große Fehde vollführten?" .Gedenkst Du der Kinderei auch noch?" küchelte Han» und füllte de- Doktors Gla«. .Nie werde ich diesen Tag vergessen!" ries oer Doktor erregt. .Dalwig hatte mich beschimpft, und ich voll Wuth" — .Und Du kleine Borste warst nahe daran, ihm Dein jämmerliche» Brodmesser in den Hal» zu stoßen, da packte ich Dich und warf Dich zur Thür hinaus." .Ja, aber den feinen Baron prügeltest Du so lange, bis er sich entschloß, mir vor der ganzen Klasse zu revoziren. Du dicker Goliath hattest eigentlich gar kein Recht, mir 'meinen Gegner wegzunehmen." ,O doch", erwiderte HanS und dehnte sich behaglich, »denn ersten» konntest Du kleiner BoSteufrl wirklich ein Unheil anrichten, und zweiten» Hütte ein wohllöbliche» 'Provinzialschulcollegium alsdann den jungen Baron von Dalwia auf jede« Fall als eia unschuldig und fehlersreieS Lämmlein befunden. Dir aber, mein lieber Max Goldmann, sicherlich da» oonviUnn» »doanäi erlheilt." .Wa» war da»? Höre doch, soeben wurde hier draußen - gleichfalls der Name de» schönen Dalwig genannt". HanS erhob sich vorsichtig und trat an daS Fenster, -dessen breiter, duokelgrauleinener Borhang da» ebenerdig gelegene Zimmer vor den Spüheraugen der Straßenpassanten verbarg. Den Finger vor den Mund legend mit geheim» nißvollem St! St! bedeutete der Sekretür den Doktor, sich ihm zur Seite zu stellen. »Laß mich"mit Dalwig in Ruhe", sprach draußen eine . helle, scharfe Müdchenstimme, deren fast zu hohen Tönen die Lauscher einen starken Unwillen abmerken konnten. .Ich wollte, er käme überhaupt nicht mehr. Der Mensch bringt mit seinen albernen Besuchen mich nur unnöthig in» Ger»«.". L^.Aber Mariechen", klang e» mit sanftem Vorwurf zurück, .Du hast ihn doch gern." .Damit ist mir wenig geholfen", antwortete Mariechen, und der offenbare Zorn steigerte ihren Sopran noch um eine Terz hinauf, .wenn ich warten soll, bi« mich Kurt Dalwig heirathet, werde ich einen grauen Zopf bekommen". .So nimm Deinen Onkel", mahnte die sanfte Stimme wieder, .dann wüist Du gut versorgt." »Den grauköpfigen Pillendreher! Wenn Du nicht» Bessere» mir zu rathen weißt. Du bist wirklich recht ein» Gültig", eatgegncte der Sopran mit Hellem Lachen. .Geh', Frieda, ein Schlag von einem Jungen würe mir lieber, denn der Kuß dies«» mrdcrtrüchtigen Alten." .Aber Lottchen l Du kommst her wie ein Geist. Pfui! Lotte, wie garstig, uu» hier zu behorchen." .Behorchen?" wehrte sich die mit ,L >tte" Anaerufene entrüstet. .Ihr vertraut Luch auf offenem Markte Eure tiefsten Geheimnisse an, so eifrig, so lebhaft, da> man rund um den ganzen Ring Eurer intereffanten Untirhaltung zu folgen vermag. Ein andermal errichtet fünfz g Schritt vor Euch eine Warnungstafel: .Vorgesehen, hier giebt'» Bekrnntniffe schöner Seelen." .Wer sagt Ihnen denn, daß unsere Unterhaltung interessant ist?" .Ersten» habe ich sie soeben grhkrt, und zweiten» — Sie, Fräulein Marie, reden immer vom Heirathrn, da» ist ein« alte Geschichte." .Wir haben nicht alle so viel Geld, wie Früuleiu Lotte Jacob, um un» Männer zu kaufen, freilich" — hier wurde der Sopran so spitz und sck neidig, wie eine der kleinen Li«nadeln, welche der Novercberschneesturm dem Wanderer in» Antlitz wirft, .freilich den Leuten Ihre» Glauben» gilt selbst da» Heirath en ni r al» Geschüst»sache." .Zankt nicht mit einander ", bat Frieda, aber die streitbare Lotte hatte den Fehdehandschuh 'chon ausgenommen. .Also beruhigen Sie sich, Früule n Marie von Mühlfeldt, da kann ich Ihnen durchaus keine Concurrenz bieten. Sie sind allerdings LiebeSspezialistin, nie allgemein bekannt." .Da» war rin Tusch", murmelte Han» hinter dem Vorhänge, .Donner und Doria, die tersügt über ein wahrhaft elektrische» Mundwerk, kein Edison könnte einen gewandteren SprechmechaniSmu« erfinden". .UebrigenS" — funktionirte da» Nundwerk tapfer jort »hat e» meiner Ansicht nach hier gcr nicht» Prettwerthe» auf dem Trebanobitzer Markte." .Oho", stellte sich Frieda aufgeb'acht über diese offenkundige Geringschätzung der Grntlemen ihrer Vaterstadt, .der Herr Rechtsanwalt?" „Wird mir wohl zu theuer sein" lachte Lotte munter, »weiß auch nicht Bescheid, wa» da» Pfund Rechtsanwalt jetzt kosten soll." Die Kecvdeit dieser Bemerkung, wie da» ihr nachfolgende übermüthige Lachte^ctt gaben dem alle veil cholerischen Doktor neuen Anstoß zum Verdruß. .Ist da» eine unverschämte Pcrso i", flüsterte er grimmig zu seinem Nachbar, .wagt e» den>i Keiner ihrem großen Mund ernstlich Einhalt zu bieten?" .Still, still", be schwichtigte ihn Han». Behutsam lüstete er di« Gardine unö ließ den Doktv" hinaus schauen. Vor dem Hause auf einer nied.igen, arün gestrichenen Bank saßen zwei hochgewachsene Mädchengestalten, sich engumschlungen haltend. Der Beschauer konnte, wenn ihn gelüstete, zwei gut geformte Nacken und dito blonde Köpfe bewundern, die sich zürtlich an einander schmiegten. Der Bank gegenüber am Rand« de» Trottoir» oder Trittar», wie sie brav und fromm in Oberschlesien da« böse Fremdwort verdeutschen, stand ein winzig.'», zierliche» Püppchen, auf den Fußspitzen sich erhebend, >ie Hände in di« Seite

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.