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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 7 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
7 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tl-Sl (cnulgcgtbtti »on Pt. Vt >»tz«rr in Magdeburg. |n Wckrtzilim» n) Mo»» ftr Mt iniMsche fmiUe. *// ^Inhalt Der Mitaistdoktor. Li« «nählung von <k. » era- — «us der jüdischen Sagenkund«. «Ha der Prophet und R. Josua den * Sewi. Von Lehrer Una in Sanau. — «llerlei für den Familientisch. Di« Ikngel auf der «imm lsleiter. Der »»nig ' und der Sperling, ».dicht vL. «. Le»y. - »vigramm. von L. lohen. - «üthfelau,gaben. - «Ith, l.»u,l»,ungen. (llnbesttgter «achPnick an« »irse» vlattt ist Unlersay.)_ Der Mitgiftdektor.*) »In« Lrzühlung von L. Berg. Erstes Kapitel. von Nt Hrrknnft NI Heldem Sie hatten alle ihre Hoffnungen auf ihn gesetzt. Er war ja der einzige Bub' unter neun Kindern. Zwar arben ihnen stauch vier davon in zartester Jugend, und Nachbar, Klempnermeister Scholz, schüttelte jedeSmal verwundert den Kopf, daß des Kantor Goldman»'« Frau gar ^o herzbrechend weinen thäie, wenn ihr abermal« an (leint« ädel hinau«getragen wurde auf Nimmerwiedersehen. Wie mochte die sonst so kluge Frau Lea nur darüber so lamentiren! Kantor'« hatten doch solch bleiche, schwarzhaarige Dinger «och mehr wie genug. Lieber Himmel! königlich fiel die Summe ohnehin nicht au», mit der da« handvoll Juden in Kronstadt, ihrer 250 an der Zahl, und keineswegs nur streitbare Männer, sondern Weiber und Kinder, viel Kinder, >l»rz alle Seelen eingerechnet, ihren Kantor zu honoriren ' pflegten. Denn der Meister Klempner kannte da» laon» » ovn Inotndo natürlich nicht, aber er empfand e< ganz richtig, außer daß die Üantorleute von Geschlechtwegen sich Goldman« nennen und schreiben durften, andere« Gold hatten sie wahrhaftig keine« aufzuweisen. Höchsten« da-, daß der Kantor seinen Erstgeborenen, den Max, von srüb bi« h>ät .mein Goldjunge" ries. Der Max. da» war de« Ha»se« Glanz und Herrlichkeit, der Stolz und die Leuchte der Familie. Er sollte nämlich studiren. Seit dem Tage, f da der damalige unfehlbare Oberhäuptling in dem Stamme derer von .Goldmann"» der alte Onkel Reb Löw, ein vohlmeinder, aber herzlich unvorsichtiger Herr, den denkwürdigen Au-spruch gethan: .Der Jung' hat «inen guten;* Kopf" (zeigt mir doch unter hundert jüdischen Kindern ein-, das leinen guten Kops auf sich hätte) — seit dem Tage seiner r Eonfirmation also, war dem schmächtigen, blassen Bürschlein L-bk Verpflichtung aufgebürdet worden, die Zukunft der Seine« zu repräsentiren. Und ohne daß er «» wußte, ja '.-{o recht gegen seine Natur und bescheidenen Willen schuf H ihn sein Unstern zum Eitrl-Götzen de« kleinen Hause«, dem ' Vater, Mutter und Geschwister zu jeder Stund« und mit de« besten und lchte« Kräften ihre Opfer brachte«. »Seid brav, Mädchen", flüsterte Frau Lea, .der Max will arbeiten", «rd gehorsam schlichen Hanni, Fanni, Nanni und Sanni au« »er Stube, um auf dem zugigen Hausflur mäuschenstill ihre Zahl zu stricken, besorat, daß selbst da« Klappern ihrer Nad«n nicht den fleißigai Bruder störe. Papa Goldmann war ein leidlich hübscher Mann, jedoch auch die böseste konnte chm nichts mit dem Borwurs anhaben, er «ach dem letzte« Modejournal gekleidet einher. Im il, ei« neuer Winterrock that seinem düi seit lange» noch, daher «ach umständlicher *) Nachdruck ohne Genehmig«!» der Nttactiau Mtftaten. weiSaufnahme, daß wirklich der Enverlung besagter kostspieligen Hülle «in zwingende« Bedürfnis vorwaltend sei, und nach sorsältigster Betrachtung der zahllosen Stoffproben, welch« Löbel Abraham, der warodanä t,äU«nr der Kronstadtrr Judenheit, mit größter Coulanz ihm in« Hau« brachte, der Kantor sich fest entschlossen bevieS, jenen Ueberrock zu bestellen. Aber wie für die Judei da« liebe Hüttenftst und für die Christen Michaeli in« La, d gekommen, war > der Bub versetzt worden; er besuchte seit zwei Jahren das! Gymnasium in Kreuzburg und brauchte grrusam viel Bücher und andere Nothwend'gkriten viele, da zerfloß de« Kantors : wohliger Paletot zu einem leichten, sehn üchtigrn Traume und der treue Battr wärmte sich an der Freude, wie sein Goldjunge gar .so gut" lerne. Daß, wein der Max auf Ferien daheim weiltt, jeder gut« Bissen m t höchster Bereitwilligkeit in seinen Mund spazierte, schien wohl selbstver-! stündlich, ebenso natürlich, wenn bei diesen, seinem uner- . müblichen Reklamenconcert die halb« S adt in schöner! Assonanz dem Generalbaß des hoffnung-r ichen Vaters bei» ' stimmte: Der Max werdr gleich nach der Staat-Prüfung mindesten» .mit dem Medizinalrath beginnen. Kronstadtöffentliche Meinung, die Meier Male, di! dickste Geflügelhändlerin weit und breft, verfehlte niemals, so oft sie Frau , Goldmann ansichtig wurde, dieselbe zu ijrem talenwollen Söhnlein mit unübertresflicher Zungenfertigkeit zu beglückwünschen und: .ich will'« in manem Brrmlgen haben, Wader Jung mal wird mitkriegen", lautete sie:« der von einer wahrhaft dramatischen Schwurgeste begleit.'te Schluß aller dieser Huldigungen. Dann verwie« wohl mit sanft ablehnender Bescheidenheit die so Gepriesene der Schwätzerin die närrisch« Rede, welche doch in ihrem eigenen, tttlen Mutterherzen ein tausendfach verstärkte« Echo fand. Hätte Frau Lea nur da« finstere Gesicht sehen wollen, mit welchem ihr Goldjunge über die alberne Schmeichele quittirte. und doch, auch an einen Warner fehlte e« nicht. Siehe, der Ketzer erstand im eigenen & ger. Frau Goldmann« leiblicher Bruder, der Großhändler Ezechiel, ein geachteter und angefthenei Mann, der in dem nur wemg« Meilen entfernten Zernowitz wohnte, besucht« eine« schönen Freitags seinen Schwager und kam ohnr die geringsten Präliminarien sofort zur Sache. .Höre, Goldmann, Du möchtest lieber davon adkommen. Deinen Max dem Studium zu widmen. Stipendien hin, Stipedien her, alle HülfSquellea abgerechnet, wird Dich Dein Vorhaben noch einen Heidenaroschm kosten Warum willst Du Dir auf Jahre hinau» so weh« thun?" Da hatte der gutmüthige Warner schön in ein Wespennest gestochen. Der lleine Kanwr stellt« sich auf wie ein hungriger Löwe und schwur: Nichts in der Welt soll« ihn davon abhalten, seinen Sohn einem geachtett« und erhabenen Berufe zu weihe«; da sa Gott davor, daß »an ihn etwa der böse'- '»lbficht verdächtige, Andere »m ihre Hufe anzugehn (tkf'u m Uctoar) et und seine gute Frau hätten seit

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