Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 6 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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.Wenn ich'» einmal bin', erwiderte er heiler und wrlilaemuth, .dann sage ich nicht mehr .Mutter', sondern .Malkele', ich bin hungrig, und sie hat mich für ihr Lebe« lieb, mein Malkele, daß sie mir da» Tellerl vom Himmel heronterlangen möchte!' Aerdiu««d Gregorevi«», der am 19. Januar seinen 70. Geburtstag beging, hat stlngst in der Münchener Akademie der Wissenschaften einen Bortrag geholten, dem wir folgend« interessante Tharakteristik de» Judenthum) entnehmen. Daß wir seine Schlußfolgerung nicht theilen, ist selbstverständlich, aber sie ist vom Stand- Punkt de» christlichen Geschichtschreiber» wohl zu begreifen. Der berühmte Forscher charakterisirt die großen Böller» kreise de» OnentS und fährt dann sott: „Nachdem bisher der Orient die Welt dargestellt hatte, ging deren Führung auf da» Abendland über. Das geschah jedoch nicht eher, al» nachdem Asien eine Schöpfung von unermeßlicher Wichtigkeit hevorgebracht hatte. Sie war die That des semitischen Judenvolks, de» Volks der höchsten tragischen Erhabenheit. Erst mit Israel beginnt die Reih« der Völker, welch« man kosmische nennen darf, weil sie unverlierbare Kestandtheil« des Geiste» der Erd« sind. Man kann sie nicht au» der Geschichte hinwegdrnken, ohne das ganze moralische Weltgrbäud« aufzuheben. Drei Bvlker de» AlterthumS stützen dieses als Grundpfeiler: Israel, Hella» und Rom. Das machtlose Volk der Hebräer hat kein große» Reich erschaffe«; kein jüdisckier Herrscher hat sich in prahlerischen Inschriften Regierer der Welt und Sonnenkönig genannt. Die Verhältnisse Palästina» hinderten di« Hebräer, zu Eroberern zu werden und die asiatische Idee de» Weltreich» in sich aufzunehmen. An dessen Stelle haben sie die Idee der Weltreligion gesetzt, den großen synthetischen Weltgedanken, welcher Monotheismus heißt. Da» Judenvolk gelangte zur Erkeuntniß der natürlichen und sittlichen Einheit der Welt. E» stellte den höchsten metaphysischen Begriff von der Genesis de» Menschen auf. Nach seinem Ebenbild« schafft ihn Iehovah. Vom Menschenvater Adam stammen alle Bvlker der Erde ab. Die ganze geschaffene Welt ist Ein». Al» Kennzeichen der hebräischen Naturpoesir hat eS Humboldt hervorgehoben, daß sie als Reflex de» Monothcismu» stet» da» Ganze de» Weltall» in seiner Einheit umfaßt. Der Psalmist preist Iehovah al» Weltregierer, drffen Herrlichkeit alle Bvlker schauen «erden. JesaiaS preist ihn al» den Erlöser, den Gott der ganzen Erde. Dieser erhabenste aller Idealisten verkündet den ewigen Frieden, ein kommende» goldene» Zeitalter, wo die Völker ihre Schwerter zu Sicheln und Pflugscharen umschmirden und keine Kriege mehr geführt werden. — So wird bei den Propheten der national« Schlachtengott (?) Israel» zum Friedensgott der Welt. Da» jüd. Volk beanspruchte mit Recht die moralische Führung der Menschheit. — E» hat diesen Traum seine» ProphetenthumS in anderer Weise, doch nicht während seines geschichtlichen Dasein» auSgefühtt. Erst al» die hebräischeNation alS Chri olche untergegangen war, hat sich da» Judenthum im trntbum vollendet und al» Wettmacht verewigt. Da« Christentyum ist seine Verklärung, und kein andere» Volk der Erd« hat «ine so glänzende Apotheose gehabt." Allerlei für de« A««ilie»tisch. „Barfüßle." .U, an «ich herantreteu.' „Ihr seid ja Klau» Grvch!" — Sie", antwortete ich, „sind verthold Auerbach!" — „Warum kommt Ihr nicht zu mir?" — Ich entschuldigte mich aufrichtig und betonte, daß ich seine ersten Sache» auf Fehmarn mit Verehrung gelesen, daß e» in meiaer Absicht gelegen, ihn aufzusuchen, nur daß ich mich nicht gern hervor» drängte. .Wir mußten un» ja treffen', versetzte er, „wirbohren von verschiedenen Seittn an einem Tunnel'. Daun erkundig« er sich, ob ich den Titel seine« neuesteu Buche» .Barfüßle" nicht zu häßlich fände, «l« wir znsamme« fortgingen, klagtt er in weinerlichem Tone, seine Frau sei krank, deshalb müsse er eiu« Besorgung machen, aus der ich ihn begleiten solle. Ich denke, er wird «ich ,n eine Apotheke führen, er aber kaufte — ein paar Strümpfe! Und da» der Dichttr de» Barfüßle! fuhr e« mir unwillkürlich durch den Sinn. Freytag fragte mich später: „Hat'» Barfüßle Sie > gut behandelt?' — Auerbach war in der That äußerst liebenswürdig, nur sprach er gern von sich selbst. (Deutsch« Schriften für Litteratur und Kunst. HerauSgeoen von Suge» wolff. 1. Reih« Heft 2. Kiel und Leipzig, ««rüg von. Lipfiu» & Fischer 1891.) _ Sr Heilt noch! Ein Wunderrabbi hat sich bei einem polnischen Juden eingenistet und sich mit solcher Hingabe an den Mahlzeile» betheiligt, daß die Borräthe bald aufgezehrt waren. Da er« Hätte er endlich von selbst, daß er am andern Morgen in der Frühe weiterziehen wolle. — „Rebbe, steh'a Se auf", weckt ihn mit dem Morgengrauen der Wittb, „'» i» Zeit» der Hahn hat schon gekräht." — „Wo»? Jyr hobt noch a; fialn?* ruft der Erwachte und legt sich auf di« andere-, Seite — .nu, da blaib ich noch!" Hnnenrtfttsetzeo Würtche«. «l» Samuel «rjr di Modena sei» Am» al» Rabbiner nieder» legte, versprach er seiner Be inet» de auf ihren Wunsch da» Amt al» «rediaer noch betzubehalteu, was er in folgender Weis« zu begründe» suchte: In Salomo'» Sprüchen heistt e, «ap. „KH ■ Ihr bezahltet meinen Rath, wvlltetIhr mein« Strafredr» nicht" uub j ib. 8M: .Höret Moral an und «verdet weis« I ‘TS“®n -RI und Nicht» sollt ihr bezahlen!" Wenn Jemand etwa« kaust, e» mag »och so kost» j,! bat sei«, so kann er damft verfahre» wie er will; er kann e» ver» Nichten u. s. w. Venn aber Jemandem ein ««genstand vom geringste» Werth« geschenkt wird, so wird er «4 mit Sorgfalt aufbrwahren. Sa--^2 habt Ihr, werthe Gemeinde, bisher meine Mahnred«» bezahlt, aber fl ihnen kein willige« Ohr geliehen: aber jetzt ertheile ich euch meines Lehren ohne Bezahlung, dann müht ihr auch »ein« Wort« al» thenr^, werthvolle» Geschenk achten und Alle« befolgen. TJ. i. H. h L. AeRtsch«» von C ItB. Sine Sekte alter Zeit Lebt t« Rheinland noch bi» heut; Bürger einer Stadt ganz nah' der Ruhr, Führen un» gar leicht auf ihr« Spur. LI. Aeßräisches MerirLtM. Bo» ▲. K in London. Da, « ünjt in d, »lk ihr in der Mehrzahl seht. Klau» Groth schreibt in seinen Lebenserinaerungen über Bertchold Auerbach: ,D<w Buchladea von Arnold in Dresden bildete einen Anziehungspunkt für mich. Dort iah ich einst einen kleinen freundlichen Herr» mtt großem stopf ei »treten, nach hinten gehn, dann wieder »ach vorn der Kittlßfel i» »*r. Pr. I. «»»». Gkobr 1L 3*1 (Fisch), TJ («ad. «oriauder, Glück). (Zu de» richtig«» «ufldjeru de« PretSriUhsel» ist »och Hinz zufügen: Gymnasiast Dtetr. West seid in Herford.) , Berantwartttcher ÜTÜSi : Dr. 9t Rahmer,