Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 6 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492351-8722846-5959705--1566-5374672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
qj ™m (tTaulgcgttai von Br. M. Notzmer tu MagdeLurg. & |n liirrtiltni nl -tlchi», fit >ie in«Msche IraiUt. * _ tzetrathe» über Hal» und vetn. von Rathan Tamuely. — Ferdinand Gregoroviu». —Allerlei für den Familien ^kNNNlt' tisch. — NIthselausgaben. - «Sihsel^luNösnngen. O*“'*4** (tbürfügtn »ach» NU» tu diesem «leite ist nntersagl.) Heirvihe« über H«l» ««d- Bei»». . Bon Nathan Lamuely. »Noch werden in den Städten Jehuda's die Stimmen?>brr Freud« und der Lust ertönen, die Stimmen von Bräutigam und Braut, und das Jauchzen von Jünglingen Hi chrem Festgelage." Diese Verheißung. die in einem der SegenSsprückw au». S' ' ‘t ist, sah ich vor vielen Jahren in meinem Geburt»- n S. in Erfüllung gehen. Nach Hunderten zählten dir Bräutigame, die zumal an einem Tag« ihre Bräute Heimfahrten. Für keinen derselben jedoch hatte die Trauung einen so glücklichen Ausgang. wie für meinen Jugeud« und Ehedergenossen Feiwele, der der Held meiner Erzählung ist. Jo, mit einem Flug« gelangte mein Schulkollege Feiwele anä der tiefen Niederung der Noch und der Armuth hinauf ’ die sonnig« Höhe de» Glücke», und wer chm dazu ver« hotfeu hat, wckr kein anderer, alt eine glückliche Ehe. Diese glückliche Eh« aber verdankte er nicht seinen geistigen Borlügen, deon^br» aller HerzenSgütr, die ihm nicht abzusprechen ,st, war R doch einer der beschränktesten unter un» allen; — ebmfowenig verdankte er diese dem hlinden Liebesgott, da er ja bis zum Moment der Trauung sein« Braut noch nie gesehen hat und überdies war er damals kaum fünfzehn und fein« Braut kaum vierzehn Jahre, und jeder, der di« damalimn bei ' " MT bnrt, der er diese Ehe zu verdanken hatte, denn das Ber» hältniß war just ein umgekehrtes, er war nur der Sohn eine« armen Flickschneiderlrins, während seine Blaut di« Tochter eines der Reichsten und Vornehmsten der Gemeind« war. — Am allerirrigsten aber wäre.die Annahme, daß «in« Mißgestaltnng der Braut alle diese'Standesunterschied« cusgeglichea hätte, denn diese war vielmehr das schönste, blühendst« und thoufrischeste Mädchen der ganzen Stadt. — Wer also hatte sonst hier seine Hand ,m Spiele gehabt? Das will ich eben hier erzählen: Es war im Jahre 18öS, als plötzlich in unserem Städtchen eia Gerücht in Umlauf gerieth, das überall Grauen und Entsetzen um sich vervrritete. In einem der nächst« Monate nämlich, hieß es, werde eia neue» Gesetz i»s Leben treten, das iedem Juden die Eh« verbietet, bis er nicht das dreißigste Lebensjahr zurückgelegt haben wird. Woher dieses Gerücht kam? Niemand wußte eS, rS tauchte wie «in Gespenst mitten am Hellen Tage auf. Welchen befolgt jenes hartherzige Gesetz? Mau wußte eS noch r, aber findige Leute wußte» es sich zu deuten: — »au wolle nach und nach den alten Stamm Israels und abtödtrn lassen, ganz wie sie es in Egtzptm hatten; *de«n wenn kein Heirathen, woher die Nachkommenschaft? und wenn keine Nachkon.menschast, da muß ja ein Jahr früher oder später Israel von der Erde verschwinden. — Wie von einem Taumel waren alle Köpfe ergriffen. Väter erblaßte«. Mütter rangen verzweifelt die tlinde. Da» fangen wir jetzt mit unfern Kindern an? ollen unsere Söhne erst al» bärtige Männer heirathen, {u einer Zeit, . wo sie schon Enkelkinder!>aben sollten? lnd dl» Töchter, sollen sie uns bis in die grauen Zöpfe sitzen bleiben? das wäre ja eine unvertilgbare Schmach! Das einzige Wahre an diesem Gerüchte war nur, daß die Zeitungen von einem Gesetz« erwähnten, nach welchem die Ehen erst daun Giltigkeit vor dem Gesetz« haben sollten, nachdem die' Betreffenden, ob Juden oder Ehristen, ihrer Militärpflicht genüge gethan haben werden. Diese harmlose Zeitungsnotiz gestaltete die Fama zu einem Trauermärchea, da» di« Köpfe der Väter und Mütter mit heilloser Verwirrung erfüllte. Retten I lautete der Feldruf v in allen Seilen, retten wa» sich retten läßt! Nur über Hals und Bein mit uusern Kindern unter die Ehupp«. bevor da» schreckliche Gesetz in Kraft tritt und dann alle« verloren fern wird. Acht>, zehnjährige Kinder, halbwüchsige Knc.ben, Mädchen denen die Muttermilch von den Lippen noch nicht abgetrocdlet j ist, bleibt sich gleich welchen Alter», immer r ur rasch sie zu einander paaren, jede der Eltern kann sic; ja doch das I Kind wieder nach Hause nehmen und zuwarten, bis es da« I Alter derEhe erreichen wird, das heißt da» dreizehnte oder vier zehnte Jahr —, daß sie nur inzwischen der form nach v" j herrathete Leute seien und nicht jenem schiecklichen Bes, zum Opfer fallen! Auf einmal eröffnet« sich eine neue übersprudelude Quelle des Erwerbes für Hunderte von Leuten — Schadchonu»'). Alte Weiber zogen die Juppen auf einen Aermel an, Mrlamdim') überließen di« Schaar ihrer Talmidim') sich selber, zogen in ihrer Hast den Spodit auf der verkehrte« Seit« an und stürzten auf die Gasse hinaus, um Parthien zu vermitteln. Da» ging lustig von starten: der hat ein .Jüngel", der rin »Mädel", nur rasch m«'t ihnen unter die Ehupp«, daß aus ihnen «in wohlbestallt,» Ehepaar werde. Mehr al» einmal sah man ei« winziges acht- oder zehnjähriges Jüaaele an der Erste einer üppige« und formenreichen Maid von viernndzwanzig Jahren als Et/«aemahl. Später geschah es oft, daß. wenn der Herr Gemahl sich nicht anständig aufführte, ihn seine gestreng« Friu Gemahlin auf» Jtniec ausstrrckte und ihn mit einem Rul heubüadel den nicht näher zu bezeichnende« Körpertheil tücht g bearbeitete. Da« war «ine Hetzjagd, me fie licht wilder gedacht werden kann, das große Heer der .Treiber", die sich Sthadchonim nennen, machte sich mit wc hrer Weidelust über das Jungwild her, das sie zu Paarer unter de« Trau- Himmel triebe«. Dst Barrhie autragea, schließen, verlobe« und vermähle», war oft das Werk von zwe, Stunden. Mit ») Hetrat-orrmsttlMW. •) Lehrer. *) SMer. vertzc