Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 5 (1890) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
5 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492351-8722846-5959704--1564-5374671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

f nttctt; ai» rechtschaffene Fvs wfltßt sie sich immerfort ,rdactzr der Polizei ausgefttzt haben; als Christin und i tlofe Dirne indessen war sie vor jedem Verdacht und jeder :örung am ehesten geschützt. Durch einen reinen.Zufall wurde ihr Treiben dennoch iBedt. An einem Nachmittage besuchte sie aus ihrem Weg« ich dem Hause eines nihilistischen Freundes einen Kaufladen, ährend sie ein Handtäschchen, gefüllt mit revolutionären Broschüren, bei sich führte. Beim Berlassen des Ladens ngaß sie das Täschchen. Ter irigenthümer nahm eS sogleich i sich und lieferte cs als verlorenes Gut auf dem Polizeireau ab. Das Täschchen wurde geöffnet und man fand demselben die Broschüre» nebst der Adresse Sophie GünziiH'S. Als sie de» Abends nach .Haufe zurückgekehrt war 'i^tine polizeiliche Untersuchung ihrer Zimmer vorgenommcn ■int, fand man in demselben auch <Dh andere Beweise r chrr Betheiligung an nihilistischen Verschwörungen. Gleichzeitig mit ihr wurden mehrere Personen, welche man ' Mitschuldige im Verdacht hatte, dem Gefängniß überliefert. Da* verhör argen Sophie Aiinzburg, die Bürger Stoll»nof*ky i Kriedseld, die Artillerie Lssiziere Dooshes-ky und ilrotschko, eiche alle im verdachte standen, mit ihr zur Erreichung desselben zu arbeiten, begann am 10. November 1880 hinter Der« Liaffenen Dhüren vor einem au* 5 Mitgliedern de* Senat* eigen* -dttdrteu Gerichtshof« Sophie Günzburg ward angktlagt, Plakate in .re» Besitz« zu haben, durch welche zu einem Attentat auf da» Leben 'aifer* Alexander III. ausgefordert yurd«, so wie eine oder mehrere ianchen, «eiche sich in ihre» ZImm: .l vorfanden. Sie wurde de*halb schuldigt, in einer Verschwörung gegen da* Leben de« Kaiser* «ine «utzNrolle zu spielen Am 14. A ödem bei wurde sie nebst StoilanosSkli md striedseld für schuldig eikläN Dooshes«t» und Lrotschko wurden rrigewrochen. Da« Urtheil gegen dt« 3 Schuldigertlörten lautete aus lab durch den Strang, ivelch« Strafe für Stoilanos*ky und Friedseld in 4 rrsp, lOjährig« Han« Arbeit in Sibirien umgewandelr wurde, «n Sophie chünzburg ist da« D»d«»urlheil trotz aller Demonstrationeit vollstreckt worden, weil sie trotz ihrer lauf« al» Jüdin galt. Strenge Winter. Der heurige streng.' Winter ha! Veranlassung gegeben, aus den Annalen der Meteorologie die Jahre zusammcn» ,»stellen und in den Zeitungen mitzutheilen, welche wie der >iS»jährige durch einen besonders strengen und anhaltenden Frost sich auSzeichnetcn. Man scheint jedoch hieibei die lüdffchen Chroniken nicht untersucht zu haben, denn der .gsnach David» von David Gans und das ,Emct ^abacha» von Joseph Cohen enthalten Berichte über fünf außergewöhnlich strenge Winter, deren noch in keines der mmfrtn Zeitungsberichte Crwähnung geschah. In der R»kl wandten die Geschichtschreiber des Mittelalters solchen Erscheinungen nur eine geringe Aufmerksamkeit zu, denn sie hattr» über größere Calamitäteu zu klagen und zu berichten, als sie waren, wrlche die Kräfte der Natur über sie verhängte». David GanS indeffen hatte für wissenschaftlich« Stwkn ein besonder« hoher Interesse und mit Vorliebe pflegte er Astronomie und Geographie; deshalb enthält seine Chänik «ine Fülle genauer meteorologischer Beobachtungen auch Berichte über 4 Jahre, in welchen die Kälte einen außergewöhnlich hohen Grad erreicht hatte. Ueber ein lünstrs Jahr berichftt Josephh Cohen wahrscheiulich auS «» Grunde, weil die Juden durch di« Kälte an der Autütmug cheer religiösen Pflichten gehindert waren. Hören wir daher zuerst, >va» David GanS schreibt: Ja» Jahre 8033 (1273) trat der Winter fthr strenge auf; es fror ungemein stark und dabei eine so ungeheure Kruge Schnee, daß in Franken die Wölft^ahlreuh au» ihre» Schlupfwinkeln hervorbrachen und Mensche« und Äch ansielen. In Würzvurg wurden im Verlauft weniger Tage 30 Personen von dieftu Bestien zerrisftn. I« Jahre 5103 (1343) fanden in Deutschland in Fol^r ungeheuerer Schueefäll« schreckliche Ueberschwemmunge» wurde. Die großen Brücken be^ Regensbürg, Würz Frankfurt. Bamberg. Dresden, Meißen «ad andere« I wurde« von den Flnthen hinweggerifseu. In Minden trats da« Waffer aus seinen Ufern und stieg bi» an de« Dom (?). wa» vorher noch nie gescheben war. Im Jahre 5233 (1473) fiel mel Schnee und die Kälte war ungeheuer. Einen solchen Winter hatte man seit:, hinzdnt Jahren nicht erlebt. Biele Menschen und Thiere erfroren. Gleichzeitig fanden orkanartige Stürme stalt, wo-. durch viele Thürme und andere hohe Bauwerk« zerstör» wurden. Auch gnvaltige Schneestürme begrübe« nicht nur? viele im Freien sich aufhaltend« Menschen, sondern verschütteten auch die Häuser in denThälern und begruben die- Insassen unter ihren Trümmern. Im Jahre 5273 (1513) herrschte eine bittere Kältet und es war in demselben so viel Cis und Schnee «uw ei», so starker Frost, wie man ihn ähnlich in keinem Geschichts-" buche erwähnt findet. Anfang» Oftober (Cheschwan) fing,' eS an zu schneien, die Bäche froren zu und nur an HKmgM Orten konnte man noch da» Korn mahlen. Biele, Menschen erfroren und der Frost hielt den ganzen Winter, an, so daß am christlichen Osterfeste (16. April 1514) schwer ' beladene Wagen über die Eisdecke de« Rheines und der » Elbe fahren konnten. Ich» der Schreiber dieses, hörte ans/ dem Munde de» allen und gelehrten R. Israel Horowitz und auch ou» dem Mund« de» R. Mordechai Zemach,. wttcher in seiner Zeit der älteste Mann in Prag war nah in jeder Beziehung Glauben verdient, so wie auch au» de« Munde vieler anderer alten Leute, daß hier in Prag am 7. Pessachtag« (17. April 1514) Leute über da« Eis der Moldau gingen. Diese Männer hatten zwar da» Wunder, nicht mit eigenen Augen gesehen, batten «» aber in ihrer ' Jugend hundertmal von ihren Eltern erzählen gehört. Ueber das fünfte Frostjahr wird in „(£m«t habacha*. (Ed. Wiener S. liO) berichtet. Im Jahre 5360 (1600) herrschte eine groß« Kälte auf dem Gebiete von Genua und e» erfroren alle Bäume, dir herrlich waren anzuschauen, wie auch alle Früchte vom Baume Hadar und e» waren in ganz Italien keine Esroaim (ParadieSäpftl) vorhanden, so daß ei n Esrog auf 10 Gulden kam, wa» noch niemals vorher gehört worden war. Trotzdeffea gaben die Frommen ihr Geld her, um der Vorschrift: zu genügen. _ J. Oh. Jattsche» N«tßstaßert- ««d MevsterätßseL Bon A. K in London. Sieht man sich da* Städtchen dort am Rhein 2»it einem Kuß nur an und umgewandt, Kill« rin« alte Stadt sogleich un» «in. Die man zu David'« .-jetten hat gekannt. KeßrLisches MentzerLtyfel. von C. in S. vorwsrt* zeigt e* stet» ein Thier, Rückwtrt* Mensch und Pflanze Dir; Mit ihn» zu Theil » OHM u ' Wird und Heil. fcer K-thfei I« »*r. Kr L M«so», ItMtn. IL Modoo (in der Anfgade lir»:, lateinifchst. deutsch^ ' ’* ■ j «nanuoorllicher Redakteur: Dr. «. Rahmer, Magdeburg Druck: D. L. »olsf, Magdeburg. sertc^;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.