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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 3 (1890) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
3 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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Hrr 9mhw. Der 1» W|i ,»« M. Januar lin. Hörst tra den Donner rollen dort an der Newa Strand, Ziehst Du dort Blitz« zucken im mächt'gen Zarenland? Und dnnll« Wolken ziehen, getränkt mit Unheil schwer? — Sie bringen au« dem Osten für Juda Htod»mär. Da« arme Bolk schaut fragend und bangen Herzen» drein: .Wird «4 denn ewig donnern, der Blitzschlag zündend sei»? »Die Wolken sich entleeren aus unser naktes Haupt? .Und werden wir de» ewig des Frühling» sein beraubt? .Und sollen Tag» wir klagen: .O, brächr die Nacht herein!" .Und abend» wieder fragen: .Kommt nicht bald Sonnenscheins Lolch' düstre Fragen quälten auch mich den ganzen Tag: „Wie hart hat Dich getroffen, mein Volk, de« Schicksal» Schlag! Was wird an» dir noch werden, wenn man'» so weiter treibt? Wa» wirst du endlich wählen, wenn dir nicht» übrig bleibt, Al» sterben oder wechseln den Glauben, dir so lieb. Der dir al» theure» Erbe von Deinen Vätern blieb. Für de» man dich vertrieben au» deinem Vaterland, Für den man Dich erschlagen, gefoltert und verbannt?" Und noch dergleichen Fragen verfolgten mich bei Tag Und spät noch in den Abend, wenn auf dem Bet« ich lag. Doch auch im Schlaf verließen mich die Gedanken nicht Und im Halbschlummcr halt' ich ein wunderlich Gesicht. II. Mir träumt', daß immer schlimmer der Jude» Lage ward. Daß man von allen Seite» bedrängte sie gar hart. Di« Judrnsrag« wurde zum gord'schen Knoten bald. De« man nur löse» konnte mit Hilfe der Gewalt. Denn immer größer wurde der Judenfeind« Zahl, Und immer größer wurde der Juden Pein und Qual. Und »« sich zu erhalten in der bedrängten Roth, Da mußte«, ach, wir kämpfen, aus Lebe» und auf Tod! — 0» war der Kamps um» J affin, der Kampf so roh »nd wild. Bei dem e» kein« Freundschaft und kein Erbarme» gilt. Ich selbst ergriff den Degen, Ich kämpft' mit Löwenmuth, Und mein« «aff« färbt« sich roth von Feindeäblut. Doch immer lichter wurden die Reihe» um mich her Und auch im Feinde»lag«r war der Verlust gar schwer. Gefährlich sind die Kriege, die un» der Glaub« spinnt, Verderblich jene Siege, di« der Barbar gewinnt. Doch schrecklicher al« Alle«, durch Rohheit, Tü-f und List, Der schrecklichste der Schrecken, der Kamps um» Dasein ist. Und wie die alt« Sag« uns von der Hunneaschlacht Erzählt, daß dort di« Seelen den Kampf auch mitgemacht. So sah auch ich, wie Leichen, dedeckt »och ganz mit Blut. Roch mit einander rangen und mit noch größrer Wuth. Ich selbst socht wie verzweifelt, ich sah nur Blut vor mir, Und ach, ich fühlt', «» wurde au» mir ei» .menschlich Thier". So, plötzlich flog 'ne Kugel mir in di« Brust hinein, Ich schwankst, stürzte nieder auf menschliche« Gebein. Da saßt« mich ei» Schrecken, ich raffte schnell mich auf Und über Menschenleichen schlug et» ich meinen Laus. W^i» ich kam, erblickte ich ach dasstlb« nur: Verödet und verwüstet di« göttlich« Natur. ffe« menschlich war, e» wurde den vögeln nun zum Raub, Und alle» war verwandelt in eitel Asch* und Staub. Da plötzlich that die Erde sich auf, ich sah et» Grab, Ich wollt' zurück, ich könnt' nicht, ich stürzt« rasch hinab. m. Doch schau, tief unten zeigte sich mir ein Sterueleta, Da» war ganz »eit entfernet und hatte matten Schein. Der Stern kam immer näher, er wurde hell und groß: Der Morgenstern nur war e», der Sonne Herold blo». Doch sieh, dort kommt sie wirklich, de» Himmels Königin k Sie war so schön, erhaben, so freundlich sie mir schien. Daß ehrfurchtsvoll di« Auga» ich senken ließ vor ihr — Und al» ich wieder aufsah, lag «in« Stadt vor mir. E» war fürwahr kein Wunder, kein Bild der Phantasie: E lebte, sah und fühlte mit Sinnenharmonie, sah viel Thürme ragen hoch in die Lust hinein, gold'n« Kuppe!» glänzen im gold'n«, Sonnenschein. Und »orchl welch' Wundertöne erklangen, schön und rein. Mir schien, al» musictrir» de» Himmel» Engelein. Eging und immer näher Musik schlug an «ein Ohr, ging und sah mich plötgich vor einem großen Thor. Thor, «»stand «eit offen, «» war ganz unbewacht, Und: .$«U! Wer dal Wer bist du?" hat keiner »ich gefragt. Und hei, welch' Lnst, welch' Freud« drang plötzlich an «ein Ohr! Musik, Gesang und Jauchzen — sie wechselten im Chor. Und steh! welch' frohe Menge, geschmückt im Feftaewand, Verschtednrr Rare» Mensche» spazierte» mit etnand. Erst«»»» stand ich und blickte ans MtM Treiben hin: Mir schien hier alle» seltsam, nicht» hatte für «IchSin». Da trat zu mir rin Fremdling und freundlich fragt er mich- .Sa», sage mir, mein Lieber, setzt in Erstaunen mch? .Wa« d» hier siehst so feiern mit solcher Eleganz, .Ist ja da« Fest der Feste, da« Fest der Toleranz! .Im Norden und im Süden, i« Osten und i» West .Allüberall gestiert wird diese» heil'g« Fest!" Der Mann, der Ton, di« Worte, der Name Toleranz Für ein« Seltenfeier — bestürzte mich nun ganz. Sa» ich bi» jetzt erlebt«, wa« mit mir jetzt pasfirt'. Und nun die Menschenliebe: ich ward fast ganz verwirrt. Doch er verstand mein Staunen, verstand'» dem Schweigen nach^ Drum mitleidsvoll und freundlich er also zu mir spinch: IV. .Du bist ein Fremdling, mert' ich, du kennst da« Fest noch nichts .Da» heil'g«, da» wir feiern, für Wahrheit, Recht und Lichte .Drum leih' dein Ohr mir, Bruder, und höre, wa» ich dir .Erzählen will vom Feste, da» du siehst stier» hier: .E« war in stnen Jahre«, e« war zu jener Zeit, .So Mensche« noch nicht waren di« Menschen, wie von teuf, .Wo Haß und Neid und Feindschaft verpflanzt war überall:: .Zum Glück de» Einen wurde de« Nebenmenschen Fall, .Da gab e» ein« Band«, gemein und sittenlo», .Di« wegen ihrer Feigheit sich warf auf Schwach« blo«. .Antisemiten nannte sich diest feige Schaar, .Dieweil ihr hohle» Reden meist voll der Phrasen war: ..Der Jude ist ein Wuch'rer, der Jud' hat Capital, ..Durch sein« Presse schade» er unstrm Ideal. ..Der Jud' ist ein Betrüger, der Jud' saugt unser Blut, ..Der Jude lebt in Luru« mit unstrm Hab' und Gut!"" .Dir große Maffe glaubte und folgte auch i« Nu, ,Dst einsichtsvoll reu Leute gleichgiltig sahen'» zu. .Nur hier und da ließ Mancher ertönen wohl ein Wort .Zu Gunsten der Bedrängten: doch e« verklang sofort. .Da kam dst Zeit und lehrte, daß «an betrogen war: .Antisemit entpuppte »l« Anarchist sich gar. .Da» llapital der Jude» war nicht gemeint allein, »E» sollte nur dst Stust zur große» Trepp« sein, »Bon welcher au« erreichen «an wollt' da» Eigenthum — »Ta stürzt« «an dst Trepp«: dst Kühnen fiele» um. .Dst T ret tschke und dst Stöcker dst Welt nunmehr nicht hat^ .Ihr Namen blstb nur Typus für feige, böst That. .Und .Freiheit, Wahrheit, Gleichheit!" bald wurde proklamirt, .Und dst so arg Geschmähten zur Ehf zu rückgeführt. .Jetzt sind wir all« Söhn« desselben Vaterland», »Und jede» edle» Bürger ziert gleicher Lorbeertranz. .Astwohl zu deinen Zeiten man schon von Gleichheit sprach. .So waren's leider viele nur de« Gefetze »ach; .Doch jetzt steh'n eingeschrstbe» — mit Blut schrieb'» et» der Schmerz— .Dst «orte: .Wahrheit, «leichhett" in jede» Menschen Her,!" —; » « « Schön klangen diest Warst, so schön, doch wunderlich, Gleich schönen Märchenworte», drum fragst staunend ich: .O, Bruder, lieber Bruder, wa» Du gesprochen, ist »E« wahr? Sind All« — Menschen, ob Jude oder Christ? »Ist wirklich schon erschienen dst längst ersehnst Zest, -Bo lebe« wird in Frieden dst ganze Menschenheit?" Kaum sprach ich diest Borst, brach wieder dunkle Nacht Herein, ich lag wie früher im Grab und — bin erwacht. Riga. S. vulfsohn drr Kittissrl i» »Gr. Ar. I- «ara», ffarra. II Http Manaff«. Seel«. ."Mpy Mischna. acht. Arrfl-jung des Arrisritthjrl». Di« 3**f. Dar Zewg« (Dst Namen der Einstnder richtiger l«n folgen in Auflösungen nächster Rr. Zengr viel der Kaufmann bat In Quantitäten groß und klein; Doch tritt er aus an Zeuge statt Darf er allein nicht sein. Most» selbst hat t» geschrieben I» 6. Buch Kap. zehn und siehe«. A. Weiler. tznn Berichtigung. Im Emil Lehmann'schen Schluß der » Stratzh« zu lesen: «edichst 1» vor. «r.1 »Wir lebe« »nd danöen (st.' D.L. flt Rahmen Magdeburg. «eanntwortvcher Redakteur:

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