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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 2 (1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
2 (1890)
Date
1890-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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vvi\\ l f I ■ #/,/, (riixtzcgkix, »ob Br. «. VltmrT in Magdeburg. ™ Jn |iüfr|eltii| «d -elitzmfir die i«r«Ms»t fnrtlit. " Inhalte Mnftlerlitbt. «ne «rzLhlung au« bem jüdischen Leben Frei nach dem Russische» von Sophie «ordon. (Schluß.) — Der Schreckensmonat, von Rathan Samuely. — «llerlei für den Famtl'.enttsch: «ine jüdische Künstleramllie. — Reue» Über dir Drusen. — Bajomim hohom boom an haae! Emil Lehmann Dresden. —Räthsel-Aufgaben. Rt thsel-Tust-sungen. «llndetngter Nachdruck aX diese» vlalte ist »ntrrsa,».) «ÜRftlerliebe. «ine «rzüplnag an« de« jüdischen Lebe». Frei noch dem Ruisischen von Sophie Gordon. (Schluß.) Ter Vorhang fiel, die Erscheinung war vorüber. Moischele konnte sich kaum auf seine» Füßen halten. Jemand ging an ihn heran, reichte ihm eine» Stuhl, er setzte sich. Er trank etwa« Wasser und beruhigte sich ein »vcnig — Nein, die« war keine Wiiklichkeit, nur Wahngcbildc meiner erregten Phantasie, nein sie war c» nicht, die Dame ähnelt ihr nur» meine Selda sitzt ja am Krankrnbettc ihrer alten Tante. Und diese hier trug auch theure Kleider, Brillante» und war in einer der theucrste» Loge. Ja, welche Trugbilder »an nicht haben kann, wenn man sich in einem erregten Zustande befindet. Erschüttert, erregt, wie er war, zweifelte er, ob rS ihm gelingen würde, seine Rolle zu Ende zu fahren. Er sucht« sich selbst Muih rinzuflößen und erholte sich auch «in wenig, überzeugt davon, daß eS nur eine optische Täuschung war. Die Haupischwicrigkeiten waren ja schließlich überwunden. Er bat um Brrlängerung der Pause. Der fünfte Akt begann. ' Er spielte weiter, ohne ans die Loge hinznblicke». Er wollte sich den Wahn, daß er sich täuschte, nicht rauben. Diese Frau wollte er nicht mehr ansrhn. Ihn chokirte ihr zu freie» Benehme», die Art und Weise, wie sie dem Schauspieler ihre Zufriedenheit zu erkennen gab. Andere, denen vielleicht auch sein Gesang gefiel, betrugen sich dock) ander». Diese Dame geberdetc sich unanständig, war ohne jegliche Würde. Und wie groß die Ähnlichkeit auch sei, er liebte nur seine kleine Selda, die personifizirte Bescheidenheit, die echte, keusche Jungsrau. An anderer Frauenschönheit wollte er sich gar nicht ergötzen. Er kleidete sich schnell um und verließ da» Theater. An der AuSgangsthür übergab ihm der Theatrrdiener eine Visitenkarte. Beim Lichte der ersten Laterne la» er die Worte: „Griselda Dinoro". An den untcn aufgekritzelten Worten erkannte er Selda» Krähsüße. „Moischele, Du hast mich erkannt", schrieb sie ihm, „ich habe e» wohl bemrrtt. Komm bald zu mir, ich erwarte Dich, wohne im Hotel Imperial Nr. 20, dort werde ich Dir Alle» erzählen." Run unterliegt e» keinem Zweifel niehr, daß diese Frau Seid« war. Aber wie kam sie nur zu dem Namen Griselda Dinoro? Ist sie verheirathet, oder.... Ein entsetzlicher Gedanke tauchte in seinem Gehirn aus. Jäh faßt er den Entschluß Alle» zu erfahren, und. wenn es sein muß, denWehr» «uthSbecher bi» zur Neig« zu leeren; er läuft zu ihr hin. Der Portier wie» ihn schweigend auf die zweite Etage. Er lies die prächtig auSgestattete Treppe hinauf, durchschritt den Corridor und befand sich in einem luxurio» eingerichteten Saale. In der Mitte schnellte eine von wilden, mit künst- Moos bedeektrn Steinen, umringte Fontaine ihren in die Höhe, u« ihn spielend in ihrem Schooße e«. Ein Salti half ihm au» seiner Verlegenheit und fü,rte ihn zu den von Selda licwohnten Gemächern, zur verhängnißvollcn Nr. 20. Seine Aufregung war maßlo». Sein Herz pochte ihm hörbar. Er klopfte an die Thür. ..Herein", wurde ihm zugerufen, zagend drückte er die Thürklinke au . Er stand einem schönen Herrn gegenüber, der, ivenn auch nicht mehr jung, doch kräftig, gesund, rosig, imposant auSsah. Der Herr grüßte ihn. Eine Dame istimme ivar in der Nähe vernehmbar, Moischele erkannte ia derselben die seiner — Braut. Sie stellte die.Herren einander vor, der llnbekannte war Graf MeruschinSky. Der Graf überhäufte ihn mit Complim.»nten über ferne Stimme. Er fand sie geschult, schön, gemütl voll. Moischele hörte von Allein dem Nicht». „Gnselda vinoro," „Graf MeruschinSky," — da» war für ihn hinreickend. Durch diese Vorstellung wollte Selda allen ferneren, ihr unangenehmen Kreuz- und Querfrage.» enthoben sein. Moischele sah darin auch die Lösung de» Räihscl». Sie hatte ihn trrulo» verlassen und stand ihm nicht mehr al» seine Braut gegenüber, sondern al» Geliebte de» reichen Grafen. Unter welche». Umstände» sich diese» Scheußliche zugetraarn hatte, wollte er auch gar nicht mehr wissin. Da) alte Verhältniß konnte ja zwischen ihnen doch nicht meh' bestehen, sobald seine Selda so gefallen, so moralifch gesunken war, wozu hielt sie ihn dann aus. Er wollte gern da» Zimmer verlasse», konnte aber nicht. Wenn er sie a>sah, so stand ja seine liebe, alte Selda ganz unveränder vor ihm. Der häßliche GesichtSauSdruck, der ihm im Theater so mißfiel, war verschwunden, sie sah schöner, bezaube nder denn je au». In seinem Kopf fing»' an zu schrnudeln, in seinem Schädel bewegte, drehte sich, pochte etwe» wie mit einem tiimmer. In seinen Ohren summten unendliche, dumpfe vnr, cs schüttelte ihn wie im Fieber.? nstinktiv machte er einige Bewegungen im Zimmer, drehte > erlegen seinen Hut in der Hand. Der Graf benierkte feine Erregung und bot ihm liebenswürdig «inen Stuhl an. Moischele ließ sich hastig auf denselben nieder, al« ob ihn jemand mit Gewalt hingesetzt hätte. Die Stimme de» Grafen riß ihn ,.u» seiner Nachdenklichkeit. Dringender Geschäfte halber n üsse er sich noch auf kurze Zeit «ntserncn, hoffe ihn aber bei seiner Rückkehr noch vorzufinden. Moischele lächelte ihm verwirrt zu und firtg an in einem Album zu blättern, da» auf dem T ische lag, bewunderte die goldenen Beschläge und ließ garz ruhig die dick» Carionblätter durch seine Finger gleiten. Da« bi» jetzt Geschehene und Gehörte hatten ihn vollstä idia betäubt. Der Graf entfernte sich, er zog leise hinter sich die Thür zu. Der junge Mann befand sich nun in täta 4 t»te mit Selda. »Moischele", redete sie ihn an, „bist Du mir denn wirklich böse?" D

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