Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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393287 PCr -f* £*rau»fltgtben vo» Dr. «. IltM ln «agl^burg. |n JWftMItai u) -ckhrm» fit Mt bwtitifte Jrailit. Xtt 64mtn«monat. Vor Aarhan E-murly. — MnftlerHebe. «ne «r»«hlunk. au» dem Mischen leben g^ei nach dem mlt ' Russischen von Sophie «ordon. — «llerlei für den Kamilieatilch. Gut parirt! — «U» Kindermund. - R«chsel>«ufgaben. — ' Prettrarhse« — HatMefrWuflMunaeu. «llRodußfwZhychfily.^ A^> de» «atte i» Riterf*«t.) PUÜUUiiBKkH/ Der Schrecken»«» n»kQOOÖ^i Von Naihan Samuel 01/4^ # _ ACTCR, HK» AND .Tekioh! Schwvrim! Truoh! ^^7“*™“' Kennst Du, lieber Leser, diese NmkkkMHEli |UL UW Blasinstrument, das man „Schofer" heißt? Ganz gewiß sind Dir nicht unbekannt, diese ernsten, düstern Zeichen, denn wo girbt e» eine Synagoge der Welt, wo man sie am Hlrujahrstage nicht hört, jene tiefen, mahnenden Klänge, " zirt mit weinerlicher, gebrochener Stimme vom Rabbiner sonst einem würdigen Manne der Gemeinde? Dann HArfrn sie abcr auch in Dir Gefühle und Erinnerungen lisrn, wie sie in mir rege werden, in dem Augenblicke ,|fl§ sie vor mir au» meinem Gebetbuch« auflauchen, wo sie mitten unter den andern (Gebeten für da» Neujahrsfest mit S roßen Letter»^zu sehen sind und die;*t deutscher lieber« iyung lauten würden: Blasen! Stoßen! Schallen! ' Nicht aber blos am Neujahrssrstr ist diese Musik in Synagogen der Welt zu hören, sonden, vielmehr end de» ganzen Monats Elul, in AuSnahmefällen auch en im Jahre, wenn betspielSiveisc eine Epidemie ausbricht, schwere Noth der Gemeinde bevorsteht, oder auch — jetzt lange nicht mehr der Fall ist, wen» über einen 'innfluch ausgesprochen werden soll. . . . Ertönen diese Laute in dem Monate Elul in der Sydann geschieht es, al» dringe aus dem Schofer ein Hauch in die Welt hinein, der das Angesicht der Erde HsteN und die Sonne wird wie mit einer nissigen kolke überlausen, der Himmel hüllt sich in ein graues Gedas wie der Trairrvorhang in der Synagoge aus« steht Vermummte, schwarzmnflorte Gestalten ziehen langsam dem ,Firmament« hin,, daß man im Himmel Trauerrozession zu sehen glaubt, die langsam und feierlich einem folgen, in welchem ein verstorbener Engel zu Grabe lg en wird, — und eine unheimliche Ahnung geht über AU, die weiten Fluren erbleichen, die Blümchen lasten und schlaff chrc Köpfe hängen, wie kranke Kinder die Erlöschen nahe sind, und hier und dort sinkt einevon « toveSbleich in da» Grab hin, an derselben Stelle, wo geblüht, wo e» geduftet, wo e» farbenschillernd vor erst Zeit au» dem freundlichen Grün da» Köpfchen hervor« ft. Und je häufiger die Töne au» dem Schofer hervor« »sen werden, um so häufiger wird da» Sterben unter Kindern der Natur, so daß Hain, Berg, Wald und se nur mxh Lazarrthe und Friedhöfe bilden, in welchen jene reizenden Florakinder todtkrank darniederliegen oder (it» schon als Leichen verwesen und vermodern. . . . ^Sticht aber blo» in den Synagogen erschallen jene un- ' 'en Klänge, sondern auch in dem großen Tempel de» im», und hier ist e» Gott allein, der Schöpfer nnd alle» Dasein», der die große Todtemnusik dirigirt: .Tekioh! Schrworim! Truoh!- Und da bläst und schallt und stoßt et, daß alle Blätter vom Stamme heruniersallrn, und die Bk.um: mit de» entlaubten, klappernde» Zweigen wie düsten Grabesmonumcntc ausfehen. die von einstiger Größe u id Herrlichkeit erzählen ... Und wie die armen Kinder des Ghetto'» das große Sterben in der Natur sehen, da erfaßt sie eine Angst und ein Beben und sie ziel)en mit Weib u»>> Kind zu den Gräbern ihrer Tobten; denn sie haben f:it Urzeiten sich daran gewöhnt, in den Zeiten trüber und b> nger Ahnungen sich ui« an das Leben zu wenden, das sich mmer kalt und verdrossen von ihnen abgeweudet, sondern ar den Tod, der ihnen immer näher steht, als da» Leben. Ja, selbst in unserer Zeit, wo da» Lebe» ihnen ein vi>l freundlichere» Gesicht zeigt, können sie noch immer kein rechte» Vertrauen dazu fassen, sehe» sie sich noch immer w» den düstern Schatten der vergangenen Jahrhunderte verfolgt» da ja das Echo noch immer nachtönt, nachdem der To i, der es hervor« gerufen, lange schon nicht mehr vorhanden ist. und so ihr Herz sich ergriffen fühlt, findet man sie ins den Gräbern bei ihren Tobten. — Aber auch der Tod flößt ihneu Anstt und Entsetzen ein, denn sie hoben durch viele Jahrhund nte alle Schulen der Furcht und der Schrecknisse durchgemecht, daß sie sich vor Allem fürchten, vor dem Leben, vor dem Tode, vor Allem wa» ist und nicht ist. Ost hört man sie die schaurige Mär' sich zuflüstern, daß ihre Tobten selb! t im Grabe keine Ruh« finden und daß da» stumme Tod enhauS sie allnächtlich hinauSspeiet an den Strand de« Lebens, ivo sie unstätt und flüchtig umherirren müssen. — Wa» auch Wunder? Sic, die Armen, die wie rin Wild durch die Jahrtausend« gehetzt und verfolgt worden sind, kömirn es kaum fassen und begreifen, daß nach dem 'Lode auf einmal alle Hrhkn und Verfolgungen aushören, »nd aus diesem ungesunden Gedanken entwickelten sich wir Miasmen aus einem faulen Körper tausend.Schauermärck en von Tobten, die auch im Grab« keine Ruhe und keinen Frieden finden können . . . Noch steht mir Red Mendel Schau esch vor Augen,?>anz wie ich ihn vor dreißig Jahren in d«r Synagoge ge« ehen habe, mit der großen Priese zwischen Daumen und Zeigefinger und mit den übrigen drei Fingern sich langsam den langen rothen Bart glättend . . . .®o höret mich aus Rabdaußaj (Meine.perten)!" begann Reb Mendel zu der Schaar von Reugi.iigen, die ihn umgab, .wenn ich «» diese Nacht überlebt labe, so girbt et keinen Tod mehr für mich!. .Gott ist mit Euch Reb Mendel!!' rvseu ihm Alle erschreckt zu, .so erzählet ua« doch, wa» ihr dir'« Nacht erlebt!" „Wa» rch erlebt,- wiederholte Reb Ltendel, indem er hastig die Priese zur Rase führte. „Ich h che etwas erlebt, wa» eine» mit Schauer erfüllt. — Sv" v rsteht ihr schon jetzt, «abbaußajl- -