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Israelitische Wochenschrift · 1891-12-17 · 51 (17.12.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
51 (17.12.1891)
Date
1891-12-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sc nln «ufjnridjte«, ans freM Willen besr ante». Der Gemeindebnnd soll bestimmte G׳ ndsätzefür di« Vnstellnng der Gemeindebeamten aifstcNen, er sott hierbei alle berechtigte« Wüustüe dieser Beamten berücksichtigen und da«« all« zum vnuoe gebdrenden Gemeinde» auf diese Grundsätze »erpflichten; wir zweifeln nicht, daß e« der Autorität der Bundesleitung, und der befferen Einsicht der B«rwaltu«gen nicht schwer sein wird diese Harmonie herzustellen. Nicht gegen die Borstände, sondern nur mit den Vorständen ist di« Besserung der gegenwärtigen Verhältnisse zu erreichen. Sr. Levin bricht dann auch für die polnischen und en Schächter und Kantoren, die nach Deutschland herübeklommen, eine Lanze. Hr. Levin hat wohl Geusenheit genug sich z» überzeugen, daß unter den deutschen Juden aller Echichttn da« lebhafte Streben vorhanden ist, unsern Glaubensgenossen im Osten zu helfen. Daß der Schächter oder Kantor ein Raffe oder Pole wird an sich wohl nie «in Grund sein ihn abznlehnen. Aber »er i« Deutschland ein Amt bekleide» will, muß sich hineinfinde» in deutsche Sitte und Gewohnheit, muß mit der deutsche« trache vertraut sein; wir werden nicht viel frage«, wo die ege de« Bewerber« stand, wen« uur diese Voraussetzungen einigermaßen zutrrfien. Biele find aut dem Osten zu un« gekommen, die, wie Herr L selbst, sich rasch germanisir t hoben; aber zuweilen gelingt diestr Pro«« nicht. Nicht daß er als Russe geboren ist, entscheidet, sondern ob er e« heut noch ist und «ntschlofien ist e« zu bleiben. fis Hlitcktück eu»f 50 Aet-re. Von Preseffor Dr. P. »raetz s >. 111. E« kam daS Jahr' 1848^ das Revolutionsjahr, da» Johr der Befreiung für Alle, welche auf de« Lontinent vernachlässigt worden waren, da- .tolle Jahr", wie die Neactionspartei c« nannte. Minister wurde« von ihren Polstrrfitzeu hinabgeworsr« und Könige von ihren Thronen gestürzt. Herrscher, welche ih« Stellung behaupten wollten, mvßttn allr ungestüme« Fordrrongen des Bolle» bewilligen und zu diese» gehörte auch da« Berlaugeu der Judenemgnripation m den deutschen Staaten «ad Oesterreich. In den Deputirtenlammern dieser beiden Länder saßen jüdisch,: Mitglieder, welche von ihren Wählern dahin entsendet worden waren. Im Frankfurter Parlament, welche« ' dem romantischen Könige die deutsche Kaiserkrone anbot, j war der Jude Gabriel Riesser, der unermüdliche Kämpftr per die Gleichstellung feiner Glaubensgenossen, vicepräsident.! Ein Feeiheitshauch kam über di« Alpe» herübergezogen, denn I auch iw Königrc-'ch Sardinien und in emigen unter j Oesterreich« Scqtter stehenden italienische» Provinzen wnrd«! die Befreiung den Juden zngeführt. Sogar in den Donauj fürftenthümern, welche zum Thril zur Türkei gehörten, mußten die Bojaren den Jaden die Gleichstellung zugesteheu. In Frankreich wurde die Synagoge mit der christlichen Kirche auf gleichen Fuß gestellt und die Eouststorien und Rabbiuer-Semiarar« wurden vom Staate subveutiouirt. Nur in England konnte «ine vollständige Emancipation sich noch nicht Bahn brechen. Der Grund ywrvon lag nicht in einer feindlichen Gesinnnung gegen die Juden, nicht in der Rücksichtnahme auf den chnstlichen Staat, sondern nur in orm Umstande, daß da« jüdisch«. Parlamentsmitglied Lm'ncl von Rothschild nicht den vorgeschriebe»«« parmmentanschen Eid letsten konnte. Sein« Wä^'-c aber hielten trotzdem Stand und wählte» ihn immer w«ver aus'« Neue, auch da« Unterhaus volirt« unausgesetzt für seine Zulassung, wogegen ober da«. Oberhaus dieielbe ebenso beharrlich verweigerte. I» Jahre 18151 wurde David Salomo»«, «iu »ege, seiner persönlich« Vorzüge und seine» edlen Lharakter» Unterhaus «iiiznttebe», de» christlnhe Religion bez d mit AuSlafiung der auf tzüalichea - Stelle »u leiste», und sich an de» Debatten zu bethetligea. Al« aorr der Präsident ih« durch den Stabträger zurückweisen ließ, weil er die vor- «schrieben« Eidesformel nicht beachtet hatte, mußte er sich fügen und es erregte eine nicht geringe Bewrgnna. als er S Mal mit je 506 Pf. Sterl. bestraft wurde; weil er sich in unberechtigter Weise an den parlamentarischen Debatte» ' betheiligt hatte. Roch intevefiantrr war ech daß da» Untergericht ihn 1852 zur Zahlung dieser Straft verarcheiltr und der Appellhof als Pichst« Instanz diese» Urtheil bestätigte. Seit 1852 heherrjchte Napoleon ltt. der schwache Reflex Napoleon« >, di« Potitik Europa'«. Dft Labinet« lauschten mir Spannung auf seine Neujahrs r, den. Napoleon nahm jüdische Nolabilitäten in den Kreis seiner Vertrante» aus und ernannte Achilles Fould, -יder erste Jude; welcher im chrfitlichen Europa zu einer so hohen Stellmm gelangte, — zu seinem Staat-minister. Da« Geschich welche« die jüdische Nation durch so viel« Jahl Hunderte mit bitterer Verfolgung heimgesucht und bewältigt hatte, begann jetzt, sich günsnger für sie zu gestalte«. Ist e« nicht «ine 'Gunst deauSsöhnendrn Geschick-, wir möchten fast sagen, ist r« nicht ein Zeichen der gütigen Vorsehung, daß die jüdische Familie Rothschild di« europäischen Flnanma in vielen großen Städten beherrschen sollte, daß sie dem Indenthum treue Anhänglichkeit bewahrte und so warmen Ancheil an den schwernnegendsten Jntereffen der Juden nimmt? Der Adel chre» Titel» so wie der Adel ihre« Lharakter« gereichen gleicherweift de« Judenthum »um Rnhme. E« ist auch kein Zufall, daß di« 3 berühmtesten Lomvonisteu des E.. ׳י׳-*•-•- •k. ׳»---- ----- welcher de« Jndenchum auch irr» geblieben fein würde» wenn er nicht von seinem eigenen Barer zum Abfall geführt worden wäre. Jüdische Autoren erste« Range». jüdische Staatsmänner-in Parlamenten und Ladinetea trugen ebenfall» zu dieft« Ruhme bei. Wir dürfen auch noch Lord BeaeonSfield hiazurechnen, welcher in ftinr» Romanen und öffentliche« Reden «in Hehl daraus gemacht hat, ans seine jüdische Abstammung stolz zu sein. Im Jahre 185« wurde der jüdische« Wissenschaft, . deren Pfleg« «an praktisch i« Stiche gelaffen hatte, dnich die Errichtung de» jüdisch-theologische» Seminar» zu Breslau, einer Stiftung der hochherzigen Gebrüder Fränkel, ein ftstr» Heim errichttt. Die Leh«r und Prediger da jüdischen Religion, welche bis dahin uur»tsch«eden waren über da», wa» sie lernen und lehre» sollte«, «am, mn nun an im Stande, den goldenen Boden unftra Religio« nochmal« zu durchsuchen und die Wissenschaft «ft der jüdi» scheu Reltgioa zu vereinigen. Da» Breslauer /Seminar blieb nicht isolirt, e« entstanden vielmehr Schwestrranstalte» zu Budapest, Berlin und in Amerika. -- Der Krimkriea. welcher für-den hochmüthigen Despoten - aus dem russischen Kaiserchron« einen so traurigen Lusgana hatte und hi« Thronbesteigung seines Sohnes. Alexander II ,־ im Jahre 1855, welcher, wie sein Onkel Alexander I mehr Humanität besaß, brachten wesentliche Erleichterungen in dem -traurigen Sooft der verzwetftluden Juden. In dem« selben Jahve wurde der hochgeachtete David Satnmo»« zum Lord-Major von London gewählt, eine hohe Auszeichnuog. welche der Würde eine« BollSkömgs fast aftichkommt. Nur dieses Ereigniß rief ein« gennsft Sensationhervor, da man bei eimm etwaigen jüdischen Nachfolge darauf Rücksicht nehmen mußte, daß irgend einer dertzetttmst ragrndsten Männer jüdischen Glaubens zu dieser? Hohen Stellung bernft» werde. A - Jm^Joh» 1856 deeretirtt der Snltan Abduf Vsedjitz

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