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Israelitische Wochenschrift · 1891-11-12 · 46 (12.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
46 (12.11.1891)
Date
1891-11-12
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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«in Helfer und Beschützer in der Noth, er gab mit vollen Händen und ist durch sein Hinscheiden eine große Stütze den ärmeren BolkSklassen genommen. Tharaftrristifth für seine 'Bescheidenheit ist eS, daß er den Wunsch Sußertr, ihm keine Kränze auf den Sarg zu leaen. Diesem Wunsche des Verblichenen wurde Folge gegeben und widmete man die hierfür bestimmt gewesenen Beträge den hiesigen Bildung», u. WohlthättgkeitS-Anstalten ohne Unterschied der Konfession. Das Leichenbegängniß, welches am 29. v M. stattfand, zeugte von der Beliebtheit in allen Schichten der Bevölkerung, welcher sich der Verstorbene erfreute. Man sah Deputattonen der Esseker, Waradiner und Sifseker EultuStzewlMwe,-ftrakk) den Agramer Bürgermeister Dr. AmruS mit dem vollzähligen Gemeinderathe, die Handelskammer mit ihrem Präsidenten; die Landesregierung ließ sich durch den Justiz-Chef Klein vertreten, alle, arm und reich, hoch und niedrig gaben ihm da» letzte Ehrengeleite. Herr Oberrabbiner Dr. H. Jacobi pries in kurzen Worte» ״ die Tugenden deS Verstorbenen. Herr Wilhelm Schwarz gab NamenS de» Ausschusses der iSr TultuSgemeinde der ttesempfundenen Trauer Ausdruck. Im Namen de» städtischen Gemeinderathe» hielt Herr Advokat Dr. N. v. Crukovic dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Die hebr Gebete, vom Odercantor Schlamm mit tiefster Wehmuth vorgetrageu, ergriffen alle Zuhörer mächtig. Wie wir hören, Hot der Ausschuß der Gemeinde bcschlossen, das Bild de» Verstorbenen im iSr. Sitzungssaal« anzubringen und einen besonderen Trauergottesdienst zu^ veranstalten Der Schmerz der tiefgebeugten Wittwe wird durch dir'' Theilnahme, die sich so aufrichtlg bei sämmtlichen Mitgliedern an ihrem schweren Verluste manifesttrte, einige Linderung finden, sowie dadurch, daß da» Andenken an den würdigen Gatten in der Gemeinde Agram stet» ein gesegnetes bleiben wird.: זכר צדיק לברכה W*ti*. Die Feier zu Ehren de» 109 jährigen Geburistage» Meye.rbeer'S, welche vorigen Monat aus verschiedenen G'ünden aufgeschoben wurde, findet jetzt am Sonnabend, de4< ״. d. M. statt. Die französische National»Akademie der Musik (offizielle Benennung füc ״Große Oper") wird an diesem Tage die vierten Akte derjenigen Meyerbeer'schrn Opern zur Auffübrung bringen, welche bereits früher in der« selben zur Aufführung gelangt sind. Da» Programm wird die vierten Akte folgender Opern enthalten: Die Hugenotten, der Prophet, Robert der Teufel und die Afrikanerin. Starodnt. Der bei der hiesigen Judenhetze verursachte Schaden beläuft sich lauf Millionen. Es sind gegenwärtig -eine Maffe Haussuchungen im Gang und man findet verschieden« Maaren, Gold und Silber, sogar bei wohlhabenden Leuten. Verhaftet sind mehr als 179 Personen, darunter einige lokale Hausbesitzer. Al» Urheber und Hauptanstifter wird ein reicher Herr G. genannt, der zu dem Krawall ge» hetzt haben soll und jetzt verschwunden sei. — Nach einer Meldung der ״Daily New»" aus Odessa sind bei den Unruhen fünf junge Judcnmädchen so schändlich behandelt worden, daß sie seitdem gestorben sind. — Sehr bezeichnend für die Haltung der russischen Behörden gegenüber deu Juden ist eine Annonce deS Kommandanten der Festung Jwangorod, de» Generals TschaikowSky, wegen Lieferung von Krisch für die Garnison In dieser Annonce heißt «S: ,ES wird ein russischer Lieferant gesucht, bei dem auch die Angestellten Russen sind, Juden und andere Nalionalitäten weeden nicht;»gelassen." Gleichzeitig hat General TschaikowSki an die ״Nowoje Wremja" einen Brief gerichtet, in welchem er unter Jnsulttrung der Juden sein «erfahren zu rechtfertigen sucht. Gegenüber dem ״Grashdanin", welcher wieder eilimal die Juden für die düstere Stimmung der Petersburger Börse verantwortlich macht, ־ ", bol in dmjenigen tikKcttn, welche jetzt lefden, die Juden gar nicht leben dürft». Da« Blatt schreibt: ,Man kann doch in der That unmöglich rin solhe« in die Augen springende» Faktum übersehen, daß die Landstriche des S׳> late«, die den sogenannten ״Wohnsitzrayon der Juden" bilden und sich durch besonders reiche und gute Erntefaktoren nicht auSzeichnen, schon lange keine Mißernten oder gar Hungerzeiten gekannt haben". Hdessil. Das hier erscheinende Journal ״Odeski Listok, schreibt: . Während der jüngsten Feiertage wurdein allen jüdischen Synagogen hierselbst eine Kollekte zu Gunsten der von ver HungerSnoth heimgesuchten Bauern veranstaltet, welche nahezu 2000 Rubel aufbrachte. DaS Resultat der öffentlichen, z« dems-^-en Zwecke, abgkyaltenen Collektc war ein-Onerheblichvk, da die Russen in der Regel nicht wohlthätig sind. Die grüßten Beittäge wurden nach Ausweis der SubscripttonSlisten auch hier von den Juden geleistet. gtennifdjte *nb ne«estr U«chrjchte». Berlin, 6. November. Heute feierte der zur Zeit älteste Arzt in Deutschland, Geheimer Sanität»rath Dr. Martin S »ei nt hal, hier fein siebzigjährige» Doctorjubilstum. Stein »Hai ist a« W. Oktober 1198 in Stendal geboren und hat seit 1818, d h. seitdem er die hiesig« Universität bezog, in Vertin gelebt. ^-Sei ne »or 70 Jahre« erschienen« Dissertation ist einem früheren Sefyfttf Lttinthal», dem damaligen Schuldirektor Haale in Stendal gewidmnt. Stelnthal war mehrere Jahrzehnt« lang Borsitzender der Hnfelondschen Gesellschast und Begründer und bi» vor wenig Jahre« Vorsitzender de» medicinijch-pädogoaische» Verein». Ja früheren Jahren war er auch mir Erfolg literarisch thätig. Berlin. Da« Hilde»heimer'sche Rabbinerseminar wird gegeir^ wärtig von 50 Hörern besucht, von denen 38 au» Deutschland, 1t au» Oesterreich und je 1 au» Rußland, Holland und Italien sind. □ ffWrii■ Dem Justiz-Rath Meyer ist der rothe Adler-Orden dritter Klaffe mit der Schleift, und dem Geheimen Lommerzien-Rath Simon Lohn der Kronen-Orde« dritter Klaffe verliehen ward«». Breslau. Am 18. November veranstalten die Hörer de» iüd.-theol. Seminar» anläßlich de» 26jährige» Docentenjubiläum» de» Herrn Dr. Rosin einen Festcommer» im Saal« der .neuen Börse". Bernbar». Die hier bestehende Amalie Hrrz-Sttftung zur Ausstattung armer Bräute hat neuerding» eine erfreuliche Zuwendung erfahren. Än Nachkomme der hochherzigen Stisteriu, der Geh. Kommerzien-ath Wilhelm Herz in Berlin, der schon häufig dir Stiftung tu generöser Weise bedachte, hat derselben in diesen Lagen wiederum 800 Marl überwiesen. Au» «3S»n»« wird dem.Darmstädter Täglichen Anzeiger" von hier geschrieben: .Bo» einem Studtosu» R. von hier, welcher sich in dem benachbarten Lampertheim auszuhalten Pflegt, ist folgender Akt Antisemitismus verübt worden Im Gasthaus« .Zum Rebstock" in Lampertheim fand rin israelitischer Ball statt. Der Herr Studiosu» trank sich an de« Ballabend erst Lourage an, äußerte zu seine» Br» kannten: .Heute Abend müssen die Jude« dran glauben!" und rückt« um 11 Uhr mir einem Begleiter in da» Balllokal. Hier verhöhnt« er die Ballgästr, blie» mit einer Sindertrompei« und warf zuletzt Steinkohle» in den Ballsaal. ... In der ganzen Umgebung sprich« man mit Empörung von diesem rohen Betragen." So weit der .Lärmst. Tägl Anz." Aber warum in aller Welt haben denn die männliche» Teilnehmer an dem Balle dem Burschen nicht di« ihm gebührende׳ Stcas« gleich an Ort und Stelle applizirt? Brckr 9. November, Unser Rabbiner Hr. Dr. G. Deutsch den Lesern ihre» gesch. Bl durch seine ivenn auch etwa» scharfen, aber immer geistreich,:» und wahrheitsgetreuen Artikel eine» .freisinnige» Theologen", ״Brief« au» Böhmen , wlffenschaftlichen Abhandlungen u. Rrcenfionen, verläßt heute unsere Stadt, um de« an ihn ergangere» ehrenvollen Ruf <1I« Professor an der Rabbi nerbildungSanstalt in Lincianatt zu folge». Zu seinem Nachfolger wurde Hr. Ad. Bi ach, der für die Zeit vom Abgang de» Rabbiner Dr. Laro nach Lemberg bi» zum Antritt de» neuen Rabbiner» Hrn. PoznanSki in Pillen al« RabbinatSverwesrr fnngirte, von der hies LultuSaemeinde gewählt. «»«»»», S. Novbr. Der Herr Baron von Hirsch beabsichtigt eine» internettonalen Delegirtenülongreß etnzuberufea, um Schritte zur Befreiung der russischen Juden au» ihrer gegenwättlgen Lage und zur Beschaffung einer nruen Heimat für dirseldon zu berathen. Die bedeutrndften jüdischen Gemeinden Europa'» sollen etnaeladen werden, den Longreß zu beschicken, der Anfang» 1893 wahrscheinlich in London Aufanmentretni nitb Jtiei», 26. Oktober. Die riesig« Dampfmühl« Brod«kt'» in der Nähe der Kiew'scheu Stromansahrt, die täglich gegen »500 Pud (Pud — 40 Pfund) Weizen verarbeitete, ist tu Folg« «Ine» Funken», der den Mrblstaub entzündete, mit allen Maschinen und Mehlvorräche» »iedergebranm. Verbrannt sind »ach der biäheigen Schätzung 860.000 Pud Weize» und 120000 Kul Mehl. La» Gauz« war atu 886.000 Rudet versichert, der Schodo» betttcht jedoch ca 1 «Ultou *UM.

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