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Israelitische Wochenschrift · 1891-10-29 · 44 (29.10.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
44 (29.10.1891)
Date
1891-10-29
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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r rnklichen ftra11frn|iufertt Lerstorbenrn nicht fmrt, sondern bccrbigt würden, dargelegt hatte, .weil in jeder jüb. Gemeinde eia« Beerdigungs-Brüderschaft existire, die rS als heilige Pflicht betrachte, jede jüd. Leich« sei eS auch unter schweren Opfern menschenwürdig zu begraben" (Redner wies beispirlStveise ans den Gemeindrrath Gustav Simon hin, der in Wien diesem Werke der Pietät auch bei dem Aermsten unermüdlich sich unterziehe .THnn Sie doch, ries Bloch den Antisemiten zu, dasselbe bei den Christen, gründen Sie auch solche Vereine christlicher Nächstenliebe"), zog er eine Anzahl von Briefen von Schnrider's eigener Hand hervor, welche die Verbindungen ausdecken, die dieser Kämpfer für .Thron und Altar" mit d-r anarchistischen Partei unterhalten hat und welck>c weiter beweise», da» bei dem Ehrenmann Schneider Lüge und Fälschung nicht bloS auf plötzlicher E-ngebnng beruhen, sondern ein Prinzip bilden. Dr. Lueger, der seinem Parteigenossen Schneider zu Hilfe kam, mutzte sich derl>c Abfertigungen gefallen lasse»; bezüglich Schneiders fiel ober ei» böses Wort: .Daß über einen Ehrenrath doch nur Ehrenmänner mit zu sprechen hätten." Dem Eindrücke der Rede Bloch's konnten sich selbst die katholischen Priester im Hause nicht entziehen. Da« klerikale ^Vaterland" bekennt, daß Bloch viel Wahres gesagt herbe. Vermischte mtb «eueste Nachricht»». M«DdrdnrO. Wir erhallen folgenden Hilferuf: Bukarest, den 16. Lciober ltiSl. In der Sol-Nidre-Nacht ist in dem fast ausschließlich von Glaubensgenossen bewohnten Städtchen Hertz», Distrikt Dorohoiu, tu der oberen Moldau, ein Feuer auSgrdrochrn, da» 137b Seelen obdachlos -nachle und an den Bettelstab brachte. Da Alle» noch in, Goltk-Hause war, als da» Aener ausbrach und die Häuser schlecht gebaut waren, konnte bnchstSdlich Nichts gerettet werden; aber auch Menschenleben ging zu Grunde. Di« Nolh ist unbeschreiblich groß, schleunige Hilfe ist dringend nolhwendig. Rabbiner Tr Beck. Vk««deAnra Ter schristsührer des Verein» zur Abwehr de» Antisemitismus, Herr Lic. Gräduer, hat sich entschlossen, rin allwöchentlich erscheinende». Blatt .MitttzeiltMgr» «u» dem Be rein" herauSzugeben. Der Herausgeber will nur .unbedingt zuverlässige und unansechtbare Thalsachen" aus dem Lager der Antisemiten verissentlichen und bitte« nur um Mittheilung solcher. Di« Probeuummrr enthält ein« sorgsam gesichtete Zusammenstellung der neuesten Vorgänge, welche sich in der Antisimltenpartel abjplelen, sie enthält «nßerdrm kurze Mittheilung über allgemeine, aber dennoch in einer Beziehung zu dem antisemitischen Treiben stehend« Angelegenheiten. Wir empiehlen da» Blatt aus da» Angelegentlichste Es kann nur dann recht wirksam sein, wenn e» groß« Berbreitung findet Der billige AbvnnemenlSprei« (GO Pfg pro Quartal) ermöglicht die weitest« Au»- drrilung de» Blatte». Möge e« z. Z. nicht au» Mangel an Abonnenten, sonder» «u» Mangel an Stoff eingehen, dann hat r» seine Ausgabe erfüllt. Magdebnr, Wie und miigrtheilt wird, beaehen am 2! November die Herren Rabbiner Suttner in Schwedt a. O und Religion»lrhrer G. Ton» in Alleustein ihr KOjährigeS, am l». November Hr. Nabb. Dr. Z. Auerbach in Elberfeldsei» »jährige» Am1»judilä«m. . Worltw« Di« Schneeball-Eollekte, welche seiner Zeit von dem EGeorg Isaak in Eharlottenburg für die ouSwaadernben lussi- Juden veranstaltet ivurdr, hat den letzteren die summe von t Mk. zugeführt. — De« hiesigen Bankier Berthold Simon ist der Charakter al» llommerzirn-Rath verliehen worden. Der Bau der Synagoge tu der Linde» straße ha» 810,000 Mark f koste«, wovon 115000 Mt auf dt« innere Einrichtung kommen. Die knftik ist hier bester al» in der Oranienburgerstr.-Synagoge — Der zu den hohen Feiertage» in dem großen Hanbwerkersaole »rraugin« Gottesdienst, der Ihrem Berichterstatter in vor. Nr. מ« Beranlaffung zu Slagen über vorgekommenen Unfug gegeben rht nicht unter Aufsicht de» hiefige« Gemeindevorst ande», sondern ist Privatspekulation. (O.-Schl.) A« Sol-Nidrr-Abend wurden die hiesigen Tempelbefucher durch Feuerlärm erschreckt. Einer der Jenftervorhäng« war einer Gatflamme zu nahe gekommen und loderte plötzlich während der Predig« i» Heller Lohe auf eine» großen Qualm verbreitend. Die i« Lempelraum anwesend« Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit, und die zum Auögaug drilngeade Krauenioeli auf der Gallerie kam mit de« bloße» Schrecken und einigen lächten Ohnmachtsälleu davon. GattowlL. 26. Oktober. Die hiesige Concordia - Loa« hat »u Gunsten der russischen Jude» eine musikalische and theatralische FestltchAit «rrangirt, welche am »argigen Abend zur Ausführung gelangt. Etz»fe»»2v. Oktbr. De»Aultu»ministervo» g« dlttz-Lrützschler, : 'unserem früheren Oberpräsidenten, ist bekanntlich da« Ehrenbürgerrecht von unseren Stadtbehörden verliehen worben.- Zur Deputation, bi« zur Uederreichiing de» Ehrenbürgerbriefr» dieser Tage nach Berlin reist«, gehörte auch der Justlzrath und Stadtverordnettnvorstcher Oraler. Die Urkunde ist von dem Lithographen Sornseld hierselbst in überau» künstlerischer Weise autoesührt worden. Dresden. Der Leipziger Snlisemil Ingenieur Fritsch« war bekanntlich wegen Herausgabe der bekannten Weihnachttfiugdlätirr, worin vor dem Sausen bei Juden gewarnt ivurde, vom Schöffengericht wegen groben Unfug» zu 80 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Soften verurthcil», aus erhobene-Berufung aber von der Ferien-Äraskammer sreigesproche» worden liegen diese» Urtheil ist von der Slaaltanwaltschast beim Oberlandesgericht Hierselbst Revision eingelegt worden Damit ist die Berurtheilung Fritsch'» entschieden, denn wegen derselben Flugblätter liegt bereit» ein Präjudiz de» hiesigen Oberland»- gericht» vor, nach welchem in der Berbreitung derselben grober Unfug z» erblicken ist. iplsaß-Lotd ringen Die deutsche Regierung macht durch minislrielle» Rundschreiben an die jüdischen Eonftstorien bekannt, daß di« Amtssprache dieser Behörden ebenso die der Rabbiner, die deutsch« fei, »»«genommen in einigen dazu eigen» ermächtigten jüdischen Gemeinden. Beüst'el, 19. Oktober. (Or -Eorr) Heute fand unter dem Bor» sitze von Jacob Wiener die durch die Berufung Dreifuß nach Pari» nilhigc Oberrabbinerivahl für Belgien statt. Di« Bersammluna war zahlreich besucht Zn der engeren Wahl waren Herrmann au» Reim», Eahn au» Verdun und Bloch au» Toul Bloch ivurde mit »6 von 69 Stimmen gewählt. Der Gewählt« ist »och ein junger unverheiratheter Mann in den zwanziger Jahren, ist erst vor Surzem au» der Rabbinerschule von Pali« entlaffei und ent kurz« Zeit in Toul. Derselbe hat sich bi» jetzt litterarisch noch nicht ausgezeichnet und soll hauptsächlich sein guter sranzösischer Accent den Ausschlag gegeben haben. Drnteu (Holland). Bei Gelegenheil der hiesigen Lirmes wurde «in Earoustel vor dem Eingänge zur Synagoge aufgestellt, iva» desü uhlen ließ daß am heiligen Betsöhnungsscfte der Gottesdienst gestört werden würde Alle Be» ühungen de» Vorsteher«, Herrn M. Menasse, beim Bürgermeister waren vergeben»; dieser ließ sich nicht beweget(, dem Earoustel einen andern Platz anzuweisen, oder zu beseht«», da« e» während de» Gottesdienste« geschloffen bl.-tbe. Der Vorsteher wendete sich daher am Ercw Jom kippur an den Herrn Oberrabdiner. Trotz de- Sonntag» begab sich dieser sofort zu dem königlichen Eommiffar, wo» denn auch den Erfolg ha te, daß schon nach einigen Stunden in Druten der telegraphisch« Befehl eintras: ,Da» Earoustel muß während de» ganzen BerjöhnungStage» geschloffen bleiben und zwei Polizeldeamt« haben vor der Synagoge Ausstellung zu nehmen!" ktzckrt* Der Großfürst Alext», der Bruder de» Sailer» von R>!ß!-nd, der sich mehrere Woche» hier aufaehalten, jagte vorige Woche in de» Besitzungen des Barön» Edmund v Rothschild in Armainvillier». Petersburg, 20. Oktober, selbst die iveiten Gefilde Sibirien» sind für die armen russischen Juden zu eng. So scheint wenigste,!» der Generalgouverneur von Jrkutik zu glaube», denn er hat ange« ordnet, daß nur denjenigen Familien der nach Sibirien verdannten Juden der Aufenthalt daselbst gestatte» werde, welche zusammen mit letzteren au deren Bestimmungsort eintreffcn. Nachzügler werden wieder in den AnsiedlunaSrayon zuriickezpedirl. Petersburg« 31. Oktober. In Ltarodub (Gouvernement Tschernigow) fanden am lL Ocl Judenverfolgungen statt. Da» Militär mußt« einschreiten, denn die ruff. Polizisten haben an den Plünderungen theilge» nommcu, mehrere Juden wurden getödlet, viele erhielten Schußwunden. Zwei orthvdoxe Gristliche erichienen unierGlockengrläutr entblößtenHanpte» und baten die Rasenden, um llhristi willen auszuhöre» Ihre Bitttn »erhallten unbeachtet. All« jüd. Geschäfte und Magazine wurden auSgeplündert. Abends kan, ein Brand zum Au»bruch, welcher sich bet dem starken Kind« rasch verbreitete Das Gesindel ließ die Feuerwehr nicht löschen Unterdessen eilten Bauern aus der Umgegend maffenhast mit Wagen herbei und halsen Sie Judenhäuser ausnmden: alle» werthvoll« Gut wuroe in di« Dörfer gefahren DaS beweglicheEigenihum saftaller Juden ist vernichtet. — Al» Grund dieser Hetze wird angegeben, daß die Juden von der ihnen «rtheilien p-lizeillche» Eclaudniß, Sonntag» von 11 Uhr Bormittag an ihre Geschäfte zu öffnen, Gebrauch machten. Ksnstanttnopel. Da» bereit« mitgetheiltt Berbot der Ein- Wanderung der Juden in die Türkei erstreckt sich, wie der hies. englische Botschafter de« Lord Sali«bury telegraphisch anzeigt, nicht blo« gegen die russischen Inden, sonder» gegen di« Juden üderhaupt und ist au« hygienischen Gründe» erfolg«. Die Einwanderung wird lediglich einzelnen Individuen, nicht aber Familien gestattet werden Ott«»«, 2l. Oktober. Di« Ausführung de« Erlaffe« gegen die Landung mittelloser russischer Juden in Lanada wird einstweilen noch hinausgeschoben, um die Entscheidung eine« vor den amerikanische» Bundesgerichten schwebenden Kalle« abzuwarten, welche eine Feststellung der Bezeichnung »mittelloser Einwanderer" geben wird. Der hiesige Juftizminister, welchem dt« Frage von dem londwirthschastlichen Minister überwiesen worden ist, bat seinen Bericht »och nicht liekannt gegeben. — Die Preffe von Britisch-Eolumbicn protrsttrt dagegen, daß die Re- Die im Interesse der russisch-jüdischen Flüchtling« in La na da «hätigen Rechttbehörden stelle« sich aus de» Standtpunki, daß ein Einwanderer erst dann al« »Armer" anznseheck ist, wenn er gebettelt ha«, und daß er erst landen muß, um ein UnheU über sich zu ermöglichen.

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