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Israelitische Wochenschrift · 1891-10-17 · 42/43 (17.10.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
42/43 (17.10.1891)
Date
1891-10-17
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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höchftrn fünf Marl mb auch diese in der letzten Zeit höchst stellten bewilligt »erben. Meistens schickt »an jetzt birst Leut«, wenn sie nicht im vollen Besitze der Reisemittrl sind, oh« Weiteres in ihre Heimath zurück^ stlbst auf Losten de- Tomiter's, weil bst amerikanischen Behörden in jüngster Zeit angefangen haben, der masstnhasten Einwanderung Schwierig, fetten in den Weg zu legen. Gerade diesen NichtauSgewststnen gegenüber befinden sich bst Lomitee'S in recht schwieriger Äge. .Denn in vielen Fällen gebietet die Menschlichkeit, daß man diese Leust, denen daheim olle Existrnzbedingungen entzogen sind, .unterstütze", während die Bestimmungen deSCemral-Eomitee'S einer derartigen Unterstützung im Wege stehen. So kam vor Kurzem ein junges, bildschönes Mädchen durch unfern Ort. das nicht ausgewiesen war. Es fehlte ihm ein beträchtlicher Theil des nöthigen Reisegeldes und sie behauptete in Amerika einen ziemlich 8ul situirten Verwandten zu besitzen, bei dem sie zweistllo» Aufnahme finden würde. Hätte man diesem Mädchen die Unterstützung verweigert, so würde das gleich beutend mit der Vernichtung ihres LebenSglückes gewesen fein, denn es läßt sich mit Sicherheit annehmen, daß diesem Mädchen jenseits des OceanS eine glückliche Zukunft winkt, sei es durch geeignete Berheirathung oder durch irgend eine andere ehrenhafte Weist. Daheim hätte sie gerade wegen ihrer außergrwbhnlichen Schönheit dem Verderben zum Opfer fallen müssen. Hier glaubst das Eomiste aus eigener Machtvollkommenheit von btn Bestimmungen des Central-Comitee's abweichen und di« fehlenden Mittel bewilligen zu müssen und dürste damit auch im Sinne des Censtal»Comitee's gehandelt haben. Andere Fälle, in denen die Lokal-Eomitee'S im Zweifel sind, wie sie zu handeln haben, werden dem Comite« zu Königsberg zur Entscheidung unterbreitet. Man sstht aus dem Allen, daß die Mitglieder der Comitee's wahrlich keine leichte Arbeü haben, und in der That nehmen die Sichtung der Papiere und die sonstigen Arbeiten meistens von 8 Uhr Abends bis 3 oder 4 Uhr Nachts die volle Thätigkeit dieser Herren in Anspruch. In Rücksicht auf die Strapazen der Reist, welch« die Auswanderer vor sich und vielfach auch hinstr sich baden, sind aus den Bahnhöfen der deutschen Grenzorte Lebensmittel aufgestellt, mit denen alle ohne Aus- »ahne, gleichviel ob sie ausgewiestn oder freiwillig ihre Heimath verlassen, verpflegt werden. Namentlich gelangen Urod, Eier und Wurst zur Brrtheilung. doch auch Milch und The« werden in der Regel verabreicht. Desgleichen weiden dstjenigen unter den Ausgewiesenen, deren Kleidung für dst bevorstehende iveite Reise nicht mehr ausreichend erscheint, mit den nmhwendigen Kleidungsstücken versehen. Drestnigen Auswanderer, welche wegen der Sichtung ihrer Papiere grnöthigt sind, einen oder mehrere Tage m den Grenzorten zu verweilen, wurden bisher in bestimmten Herbergen untelgebracht (genannt ,Staazie") und dort auf Rechnung des Lomitee'S verpflegt, wobei zugleich streng darüber gewacht wurde, daß diese Verpflegung eine in jeder Hinsicht ausreichende war. In jüngster Zeit hat man indeß, wenigstens im diesigen Orte, begonnen, eine Baracke zu errichten, in welcher künftig di« sich hier aushalstnden Aus- »anderer Aufnahme und Verpflegung finden sollen. Den Platz für dstsen Bau hat die König!. Eisenbahnverwaltung unentgeltlich hei gegeben, ein Entgegenkommen, das rückhaltlost Anerkennung verdient und den russischen Behörden recht dringend zur Nachahmung empfohlen werden müßst. Im Ganzen sieht man aus dem bisher Gesagstn, wst traurig cs um di« armen Leust sstht und es gehört ein mehr als stoischer Gleichmuch dazu, um angesichts diese« traurigen Beispiel» von Rassenhaß und polittschrr Unduldjamstit sich nicht in tiefster Seele empört zu fühlen. Eui Jahrhundert, das solchen Barl arismuS zeitigen konnte, hat wahrlich keinen Grund, mir Stotz auf dst Zeiten de« finstern Mittelalterzurückzublickcn, denn alles Licht der Civilisation und Aufklärung, all« Errungenschaften auf dem Gchiest der Kunst und Wissenschaft sind nicht im Stand«, den trüben Schatstn zu bannen, welchen dieses Beispiel despotischer Willkür und Grausamkeit über unser »stlgerühnstes Zeitalter gebreitet hat. Gerichte uh» <Urrrf>uu»eu|cu. Dewtkebt«»». MagdeBurg. Der Petersburger Correspondeut des Londoner ,Daily Telegraph" erklärt in einem Brstst über die in Rußland herrschende Hungcrsnoth, daß das Gegkaufen des Korns von gierigen Spekulanten und zwar hauptsächlich von orthodoxen Christen und nicht von Juden gesthehe. (Die Antisemistnblätstr hatten nämtty bereits nur jüdisch« Kornwucher für dir ganze Kalamität verantwortlich gemacht, um das hungernde Volt auf die Jud.n zu Hetzen.) Aus HEsseisarf auversandt« der Schriftst ller I. Schrattenholz folgendes Rundschreiben an di« hervorragendsstn deutschen Gelehrten und Dichter: .Der Antisemitismus hat durch verstärkte umfangreich« Ngitatioa in letzter Zeit erfolgreicher als je Glaubens« und RaffemHatz, Arid und Streit in die Herten der 8ilter gefätt. Line der Haupnhestn, <!uf welche er sich bei seirie« widerlichen Feldzug« gegen dst jüdischen Mitbürger stütz«, ist dst, daß .fast alle grotzcn «elfter aller Jahrhundert« entschiedene Geaner der Judenfest». Dies« These, obgleich st« sich nur ans verfchledcne, «Heils aus de« Zusammenhang gerissene, theil» abstchtllch korrnmpine Aussprüche von Luther, Herder, Kant, Fichte, Schopenhauer, Fenerbach «. «., ans dst mittelalterlichen Judensrrffer k 1* Psessertor» und einige dii miaonun gaotia« stütz», wird von den litterarische« Heerführer» der antiskmifischen Partei so oft und überzeugungsvoll wiederholt, daß eine schlagende eingehende Widerlegung im Interesse der Sache, wst zur «ushelluug de« wahnumnebelte» Bolksbewabtseins «othweadig erschein«. Ein« Sammlung von wohlmollend«« Aussprüche« der hervorragendsten Geistesführer früherer Zeilen über Judenthum und Juden Hab« ich jetzt vollendet. Nt» Ergänzung wäre ein« der Jetztzeit entsprechend« Sammlung von besondere« Berthe Sie würden mich als» zu aufrichtigem Danke verbind«», wen» Sie die Liebenswürdigkeit haben wollten, mir »ach Empfang diese» entweder Ihre Anschauung über de« Antlstmittsmn«. Jude» und Jndenthu», sei es in Poet,scher od.-r prosaischer Form, in eine« vrst gtnalbeilrag« gütigs» zu übermitteln oder, I« Fall« Sst über da« Th»«« Sich schon sruher geäuhett. mir dstjenig» Stelle Ihre« Berte» anzn» geben, welch« birst Anschauung am deutlichsten «»»spricht. Am lstbstr» und de« beabfichiigten Zweck am dienlichsten wäre nalütttch et» Ortginalbeitrag. Die erwähnt« Sammlung soll in miiglichfter Kürz« lm Druck erscheinen und wird Ihnen vom Perleger nach «rsolgstr Publikation ein Exemplar derselben kostenfrei »»gehen. In der Hoffnung, kein« Fehlbitte bet Ihnen ge,ha» zu habe», sehe ich Ihrer geneigten «ntwott entgegen und dt» in grdßtrr Hoch, achtung Euer Hochwoh:geKorea ergebenster I. Schrattenholz, Schriftsteller". Professor Uli Schanz sandte vor einigen Tagen von Marienbad aus folgende Verse als Antwort: «s »erd« iikchtt kr Ketzer wird verbrannt I" )st meine Losung nicht! Liebt er mtin Paterland, Uebt er der Lstb« Pflicht, Wenn Stur» und Fluth und Brand Die Ernte «acht zuuicht, Thur er bei Borg nnd Pfand Aus «ncherztn» Berztcht. DSuch« er uns wahlverwandt In «eist, Gemüth, »«dicht. Dann Mel’ ich gern di« Han» Zu« Bund: .Es werde Licht!- Eh' eines Ehriftrn Hand Den Stab de» ltetzer brich«, Der. als «in Schelm bekannt, Rur auf Gewinn erpicht, Ans» Täuschen sich »erstand In Rah und in Gewicht: Bor'» Spiegel an der Band «It* erst der Ehrtst Gericht, >b echt sei» Matz er fand, Und richtig sei» Gewicht. Sann er nicht unverwandt Sich schau'n in'» Angesicht, Dan» schür' der Lhrift zum Brand De» Holz für «ni're »icht.!arienbad. lS. Emiimder 1891. Uver Ist «

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