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Israelitische Wochenschrift · 1891-10-08 · 41 (8.10.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
41 (8.10.1891)
Date
1891-10-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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öffltn Scheffler ftottaefm Todr verurtheilt tpotoen. ndm und er war abermals zu« öde verürtheilt worden. Seme neu« Revision war augr* ordentlich umfangreich. Er beschwert« sich a. A. darttber. daß kein Beweis dahingehend zugelaflen sei, daß er eifriger Antisemit sei. Würde dieser Beweis, so hieß «S in der Revision, erbracht sei», so hätten die Geschworenen zu der Ueberzeugung kommen müssen, daß er nicht die Tödtung mit Ueberlegung auSgesührt habe, da gerade eia Jude seine Geliebte verführt hatte. — Des Reichsgericht konnte jedoch diesmal keinen Verstoß gegen da- Gesetz entdecken und verwarf deshalb die Revision al/ unbegründet, und ebleibt sonach beim TodeSurtheil. Krawkreieb AuS Hkuri», 30. September, wird der ,Boss. Ztg." geschrieben: Gegen den neugewählte» Großrabbiner Dreyfuß wurde heftig gehetzt, weil sein Vater, Rabbiner in Hagenau, deutscher Unterthan geworden, er selbst aber aufgehvrt habe, Franzose zu sein, da er seit 1H80 Oberrabbiner in Brüssel gewesen ist. Trotzdem wurde Dreyfuß gewählt und dann von der Regierung ernannt. Bei seiner gestrigen Einführung in der Synagoge der Rue de la Bictoirr strömten die Juden masienhaft herbei. Aber nur die Inhaber von Einlaßkarten erlangten Eintritt; die Anderen, meist Gegner des neuen GroßrabbinerS, wurden unerbittlich abgewiesen. Der Baron Gustav von Rochschild verlas, als Vorsitzender des jüdischen OberconsistoriumS Frankreichs, das Decret der Ernennung. Da gerade jetzt vor hundert Jahren die Juden in Frankreich den anderen Bürgern gleichgestellt worden sind, schuderte der Neu« Großrabbiner dieses Ereignis; und seine Folgen Er versicherte, die Juden müßten deshalb sich stetder unlüsbaren Bande erinnern, die sie mit dem neuen Frankreich verbinden. Unter den anwesenden Juden befanden sich die Generäle Abraham und See, die Oberingenieure der Stadt Paris und der Westbahn, Levhund Mayer, die Akademiker Frank und Oppert, zahlreiche Bankherren und Vertreter der Regierung. Bor der Synagoge versuchten die patriotischen Hetzer eine Kundgebung, die jedoch mißlang. GroObrltemwie». -toudo«. Herr Arn. White hat es für geeignet erachtet, darufst, ch-jüdische Komitee wegen seiner derben Sprache im .׳*V/teft Russia" öffentlich zur Rede zu stellen. Gerade als dir jüngste Nummer sich unter der Presse oefaad, hat Herr White die Suspension deS Blattes in der »Times" a »gezeigt. Durch das weitere Erscheinen desselben wird nun Herr White sich ohne Zweifel enttäuscht gesehen haben; die» jenigeu aber, welche mit den russischen Juden sympachisiren und den öffentlichen Ausdruck einer entschiedenen europäischen Meinung deswegen als einen mächtigen Factor zu ihrer Befreiung betrachten, werden dieses Factum mit ganz anderen Gefühlen begrüßen. Herr N S- Joseph hat auf Herrn White's Klagen über das Vorgehen des ,'Vartest Russin " durch einen gehaltvolle» und überzeugenden Brief in der »Times״ geantwortet und an Herrn Harold Frederic, Eorrespondent der .New-Aorker Times", der >n jüngster Zeit die russische Judenfrage in Rußland selbst studirt hat und daher weiß, was er sagt, einen mächtigen Verbündeten gefunden. Aus dem Verfolg dieser Korrespondenz geht hervor, daß Herr Whste der angreisende Theil ist. Er beliebte, sich in die Handlungsweise des russischen Eomitees zu mis und Herr N S. Joseph, Honorarsecretär desselben, hat r.anz einfach auf seine Bertheidiguug beschränkt. Die schuldigungen des Herrn White konnten deshalb nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Hätte Herr White ernstlich geglaubt, daß eine energische Behandlung der russischen Frage durch englische Juden chren verfolgten Brüdern nachtherlig sein könnte, so wäre der geeignere Weg gewesen, dieses dem Komitee vertraulich mitzu- 1 heilen. Warum aber dieserhalb einen solchen Lärm in der ״Times״ machen? Lin Gönner der Juden, wir Herr Whire f-:׳ zu sein vorgiebt, würde jeden Schritt vermeidea, der sie ׳n MDkredit kc»>m könnte und «ur tu» Zweck hat, die in dm Augen deS Publikums nchftj che«. ׳ Es ist sehr leicht, gegen eiue derbe Sprache zuziehen. Die Leiden unserer russischen Brüder aber zu schrecklich, als daß man gelaffen, mit verstellter Unit»» würsigkeit über dieselbm sprechen könnte. Bo« Seiten der Juden muß dieses vielmehr in einem mannhaftm und entschiedenen Tone geschehen. In unserem Jahrhundert fft das ,Ghetto" ei« Aua» chroniSpius; daher fort mit ihm! Die Krisis ist z« furcht» bar für eine zuckersüße Sprache. Alle-, was wir Jude« ‘ fordern, ist allgemeine Humanität für unser Bolk — gewiß kein unbilliges Verlangen; und so lange unS diese versagt bleibt, haben wir das Recht, in Zorn zu gerathen. Thätrn wir eS nicht, so würden wir uns entweder der inhuman« russischen Verschwörung anschließen oder den Verdacht er»-'ji wecken, als wäre der Zustand der russischen Juden nicht so trostlos, wie es scheint. Entweder bedarf Rußland der Jude«, 8־ oder es bedarf ihrer nicht. Bedarf es ihrer, so muß ihnen Sicherheit der Person und de» GigenthumS garantirt werde«; bedarf eS ihrer nicht, so muß es sie in Frieden ziehen lass«, nicht mit ungebührender Hast sie auStreibm Rußland muß sie nicht zurückhalten, um sie wie die Ratt« in der Falle .' herumzuhetzen, und wmn es sie fortschickt, so muß es ihn« den Weg von Vaterland und Heerd nicht zu eine« so dornenvollen machen. Wenn wir uns laut über russische Grausamkeit beklagen, so geschieht diesenicht, um dm A«» klägern den Mund zu stopfen, sondern um dieser Grausamkeit Einhalt zu thun. ' ffaflaab. 7ftmf«r«. In Fol^ der Austreibung lassen fitch viele russische Juden taufen. Ein Jude aus Odessa, Namen- Gerson, hat eine einzige Tochter, Schauspielerin am hiesig« Hoftheater. Da eS den Eltern nur unter der Bedingung gestattet ist, zum Besuche ihrer Tochter hicrselbst verweilen zu dürfen, daß sie sich zur ortkodoxen Kirche belehr«, willigen sie endlich in'diesen GlauvenSwechsel. Sie wead« sich an einen Geistlichen ihre- Orte-, welcher für seine Be-' mühungcn 200 Rubel sordett, schließlich aber nach lauge« Slschen die Taushandlung für ISO Rubel vollzieht. Am;enden Tage erhielt« die Bekehrten das Bürgerrecht. Ein jüdischer Arbeiter aus Odessa, welcher den AuS» weisungsbefehl erhalten hatte, wendete sich zum Zweck der-' Taufe an einen Geistlichen. Dieser forderte für die Tauf» Handlung SO Rubel. Da aber der arme Jude keiu Geld hatte, interessirte sich eine Dame der orthodox« Kirche für v| ihn und bezahlte die Taufgebühren. Att nun die Frau de- Konvertiten in Folge dessen die Ehescheidung beantrimte, woraus man ihr drohete, ihre Kinder wegzunehmea, entfloh. sie mit denselb« und wird nun von der Polizei verfall Falls sie eingeholt wird, werden die Kinder zwangSwHe^ getauft werden. Manche dieser Schnellbekehrten sind nicht im Staads; die an sie gestellten Bedingungen und Anforderung« a«S» zuführen, thell», weil sie dieselben nicht verstehen, und theilS, weil sie durch Gewissensskrupel daran gehindert werdeu. SieH suchen daher nach Oesterreich! zu entkommen, um sich wieder^ in die Gemeinschaft Israels , aufnchm« zu taffen. ilartita. L. 0. Aem-Hurt. Der »Hebr. Americ." schreibt: Wir brauchen nufere christlich« Freunde wohl zu versichern, daß wir jedr ihrer AeuAncungea i« der russisch« Juden zu würdig« wissen. W«n sie nur! wüßten, wie sehr wir davon überzeugt sind, daß ihre einigt« Stimme allein die Hand des Bedrückers im halt« und unsere Mühe, iür die hierher Gettieb«« ' zu find«, erleichtern kann, indem sie da- Mitgefühl vir Verbannt« wachrufen, so würden sie noch weiter wie in Trompetentönm ihre Stimme erheben. Reo. Thomas Dixo« jau. äußerte sich am.SonZ den «. September, ia einer in der Verein-Hals» Red« Wer die ruT

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