Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 33 (13.8.1891)
- Date
- 1891-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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«» um** Me 3«Umn Schiller sagt: -> g-h-l, ,Wa» ein Sot^wich «lehrt, was mir durch'« Leben geholfen, häng' ich dankbar und fromm in dem Hemgthum ans.' So glaubt der anonyme jüdische Verfasser emer Brochüre, die jüngst in Dresden bei Oskar Damm herauSkam,-eiue Pflicht zu erfüllen, wenn er seine in schweren ««nLy, errungene religiöse U<ber^ugz1ng der Welt mitch^lt. .WaS ich so im schweren Kampfe gewonnen, darf ich nicht für mich allein erkämpft haben." Der Verlier kommt d»r Autor energisch zu Hilfe, indem er mit dickr Schrift das Wort .sensationell" an die Spitze der Schrift stellt. Bequemer kann die Wahrheit nicht geboten werden, auf acht Seiten, die deutlich und prächtig gedruckt sind. Schon der Titel inteß erregt Bedenken: .Die Zukunft de» deutschen Judenthums." Wir begreifen daS Beiwort .deutsch" zu ,Judenthum" nicht. DaS Judenchum ist ei»e Religion, die am Sinai vor Jahrtausenden zur Welt «komm» ist. Allerdings ist von deutschen Juden diese Religion besonders gepflegt und fortgebildet worden, aber sie ijat natürlich ihren allgemeinen Charakter nicht verloren; eS fjiebt auch kein deutsches Christenthum, sondern nur ein Ehristenthum überhaupt. Die Zukunft der deutschen Juden davon läßt sich reden, aber die Zukunft dedeutschen Judenthum» hat nicht viel mehr Sinn, als di« Zukunft der deutschen Elektricität. Freilich flieht eeinig« Fexe, die glauben. eS fti echt national, bei jedem paffenden oder unpassenden Anlässe daS Wort .deutsch" anzubringen. Der Autor beginnt sei ren Auffatz mit einem Worte Auerbach'-: .Die gebildeten Juden find nicht sowohl Juden als vielmehr Nichtchristen." Wir wissen nutzt, wo und in welchem Zusammenhang Auerbach diesen Satz ausspricht. Auerbach selbst hatte vom Judenthum mehr als die Negation de- ChrcstrnthumS. Zudem ist auch der Begriff ,Nichtchristen" dehnbar. Zum Christenthum gehört Moral, Dogmatik und wesentliche Bestandtheil« de- Judenthum-. WaS leugnet der Auerbach'sche Richtchrist? Etwa nur die Dogmen, über die auch Millionen Christen längst hinau» sind. Sodann ist eS gewiß strlsch, den gebildeten Juden überhaupt ihr Judenthum abzusprechen; selbst die strengste Richtung in der Judenheit hat genug der gebildeten Elemente in sich. Man mag gegen Samson Ravhael Hirsch alle- Mögliche Vorbringen, aber daß er ungebildet war, dawäre eine Absurdität. Der Autor will dann auch die Abwendung der Gebildeten vom Judenthum erklären und erklärt st« daraus, da- .in der jüdischen Religiou Allenach Palästina hinweise." Also der geehrte Herr hat zuvörderst die ganze religiös« Bewegung innerhalo de» Judenthum» der Gegenwart, da- Nationaljüdische abzustreifm, offenbar verschlaftn, weiß nicht» davon, daß dies der Kern aller Beschlüsse der Synoden und Rabbinerversammlunaen ist; aber auch in der »alten jüdischen Kirche" weist nutzt alle» auf Jerusalem hin, sondern auf die Zeit, wo Gott einzig und sein Name einzig. Wie wenig der Mann vom Judenthum weiß, dafür wag folgender Satz Zeugniß oblegen: ,Da- Paffahftst bezieht sich auf die Befreiung J-raelau- Aegypten, Purim rst ein Dankfrst für die Errettung der Juden im persisch- »edischen Reiche und im Chanukasest feiert dj« Synagoge de» Sieg der Makkabäer über die Heere de» Annochu»." DaS ist Meim Einzelnen richtig; aber welcher Jude, der etwagelernt hat, wrrst Chanuka und Purim mit Passah zusammen- ,Purim ist kein Festtag", lautet schon ein Mische» Sprüchwort. Wer den Satz liest, könnte glauben, uns«« Hauptfeste sind Passa, Purim, Chanuka. Judevielleicht ist der Autor m der positiven Formulirung seine- Bekenntnisse» stärker alL-iu-der Kritik. Er sagt von bin Christ, well dieser »ästreichelei gehokse»? Satz nicht an»! ganz gut «»drehen? .Ich bi» Jude, »eil ich Chnst btA' KW fl»* * sich der Satz , cistn» selbst eiu Jude gewesen ist." D» Autor ist Chnst, .weil er jeden, der Menschen« antlitz trägt, nach seine» Herzen Bruder heißt" Ja steht e» tarn erst im neuen Testament, daß Gott den Mensch» in seinem Ebenbild geschaffen bat? Wir finden im Urchnstenthruu Nicht», wa» nicht schon besser und geklärter i» Kr alten Lehre steht. Der Herr Berfaffer ,liebt Christum״. Welch» Christa«? den historischen, von dem wir leider so wenig Sichere» wiffen, odäc den kirchlichen' oder jene Idealfigur, di« sich jeder nach seinem Herzen bildet? Wenn ein Jude Sffeutlich schreibt, .er liebe Christum", so halte ich dam» aus Weiteres für heuchlerische- Gethue, für ein unwürdigesich Anbiedern. WaS der Herr Anonymus unter Religion »ersteht, hat mit Christus, dem Juden, oder dem Sohn der der Kirche ein Gegenstand der Anbetung ist, Nichtzu schaffen. Wenn nun ein Christ, nachdem ihm der dogmatische Gehalt seiner Religion nicht mehr heilig ist, den Name» retten will und Alle», was ihm am Menschen Verehrung»- würdig erscheint, unter dem Worte Christazusammensaßt, so ist diemenschlich. Niemand, der für di« Entwicklung einenach Wahrheit strebenden Geiste- Berständniß und Theilnahme hat, wird e» au Egidy tadeln, daß er da- Ehristenthum aber noch nicht Christus überwunden hat. Aber wenn ein Jude solche Wort«, wie .Ehristu» lieben" dem Lexikon de» christlicher Prediger» entlehnt, so gjebt e» für ein derartige» Lieväugeln kein« Entschuldigung. Rach diesem Präludium wird wohl Niemand mehr auf da» eigentliche Thema gespannt sein. Da» Heilmittä» uw die Zumnst zu sichern, ist cmenthümlich genug die — M ischehe. Wir wollm vorläufig noch gar nicht von religiösen Bedenk» reden. Aber wer außer dnn anonymen Berfaffer sieht «» nicht, daß wenn eine verschwindend kleine Minderheit sich dazu entschließt, mit einer übc^großea Majorität Mischehen einzugehen, damit der Minderhät da- Tode-urcheil gesprochen ist? Gäbe ein D»tschland fünfundzwanzig Million» Juden neb» dergleichen Anzahl Christ», so wäre me Möglichkeit vorhanden, daß da» Judenthum sich in den Mischehen, trotz der Mffchehen behauptet: aber «ine halbe Million gegenüber der neunzigsach» Ueberzahl kann nur existir», wenn sie streug daooouabiuiu abaeist. Wie geht «» denn in den Mischehm zu, die jetzt geschloffen werde«? Nach kurzer Zeit tritt Kr jüdische Gatte meist üKr. Die KinKr aber werd» gewiß im Thristenthu» erlogen und da« liegt nicht an Kr inne» Wahrheit de» Lhnstenthum-, sondern daran, daß e» da« herrschende Bekenntniß ist. Dn Herr Autor hofft, daß in kurzer Zeit die gegenwärtigen Krrchen verschwinKn und da- Urchristeuthum Egwy'» sieg» werK; und auf diese höchst subjektive Hoffnung, deren Erfüllung wir wünschen, «Kr die wir kaum cheile», sollen die JuK» schon heute abdankm? Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß wir nicht zu Gunsten Egivy-, sondern zu Gunst» Stöcker'» unser Judenthum aufgeKn würKn. Noch ist die Zeit nicht nahe, wo Kr gewaltige Bau der Kirchen, ob er auch manche Riffe zeigt, zusammenbrechm und einem N»bau weichen wird. Selbst dn Aufgeklärt«, dem am historisch» JuKnthum nicht» «legen ist, sollte einsrhen, daß wir wenigstenbizu diesem Momente unser JuKnthum halten müssen. Bisher Hab» die Schwalb, Egidy u. s. w. kau« »och ein« Sette gestiftet; man mag die» begrüßen oder beklagen, aber man sollte die Tüatsache uicht a »tasten. Wer heut die Mischehe «n» empfiehlt, der räch Km Judenthum zu« Selbstmord. Da» rst dann freilich ei» wohlfeiler Rath, Kn Gefahr» der Zukunft zu entgeh»: sich zu tödten, n» nicht gttödtet zu werK».