Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 21 (21.5.1891)
- Date
- 1891-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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*_^*rrnr 5־®twol h»tz bernts *kfccr aafenmniint Hab«, völlipt Beruhigoug ist indessen noch nicht erzielt; denn de» zverhünAtru BelagerungizuNaad«» sind nach de» Triesier ״Aittadin»" neuerding» Ausschreitungen versucht ^׳Worden. Ein jüdischer Bürger sei auf dem Wege zur!^Apotheke durch einen Mefstrsnch getvdtet worde«. Di« Re- »ng hat l 2 000 Frtt. behufs Unterstützung der jüdischen vohncr auf Korfu bewilligt. Daß die Unruhen auf Korfu zum großen Teil auf gblätter österreichischer Antisemiten zurückzuführen sind, indrt sein« Bestätigung durch die Mittherlung de» .Herold' .au« Athen, daß der Borfleher der Mischen Gemeinde dem Winisterprästdenten DelyanniS einig« von den Hetzbildern vorlegte, die jetzt zu Tausenden in Griechenland cirkuliren. Dieselben stellen einen greisen Rabbiner dar, wie er in der Synagoge Lhristenmädchen abschlachtet, während die.Umstehenden sich mit deren Blut bespritzen. Der griechische Erzbischof in Korfu erklärte ausdrücklich, daß das errmordetc Mädchen ein jüdisches gewesen, und daß!Wahrscheinlich ein Lustmord vorliege. Nur die antisemitischen Wlätter in Deutschland halten das Märchen vom rituellen ÄRord aufrecht. Der in Triest Sonntag eingetroffenc Lloyddampfer brachte ׳viele jüdische Familien mit, welche Hab und Gut im Stiche lassen hatten, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen, li« Flüchtlinge wurden vorläufig im israelitischen Spital rntrgebracht. Ihre Erzählungen bestätigen alles bisher .«über die Loge der Jude« in Korfu gemeldete. Mit ^.größter Sehnsucht erwarten die Juden die Ankunft des '$ nalienischen Generalkonsuls Bario, der ein sehr humaner :׳'Mann ist, während der seine Stelle vertretende Bicekonsul!-als offeaer Antisemit bekannt ist, der den italienischen Unter- ,Ethanen jüdischer Konfession jeden Schutz verweigert. Die ' meisten Juden sind geneigt di« Insel zu verlassen», doch b teils fehlen ihnen die Mittel zur Reise, teils fürchten sie den Verlust ihrer Habe. Ein iu T r i e st gebildetes Hilf»- ׳komitee erhält reichliche Unterstützungsgelder von Juden .und Christen, auch von den dort ansässigen Griechen. Während die Bolkscrregung in Korfu im Schwinden!-begriffen ist, scheint sie in Thessalien uud Euböa neu auSpbndm zu wollen. So wird nach verschiedenen Meldungen t in Larissa. Bolow, Arta und LhalkiS der Ausbruch großer Feindseligkeiten gegen die Juden befürchtet. Ker«Lschte «,k »r»eß» M»chr»chte». Setz, 16. Rat. Geehrter Herr Redakteur! Bezugnehmend -«uf Mt JJonj in Mt »vermischten Nachrichtenin Nr. 20 Ihre» gesch. «tjt» erkläre ich, daß ich die Nachricht von meiner Berufung al» «digcr an der Berliner Reformgemeinde nur au» den Blättern erhabe und. dieselbe schoa deswegen unwahr ist, well ich um Sag dieser Hielt« nicht eichgereicht habe. Rabbiner Tr. Deutsch. rrti». Da» Slöckersche »Bol?- hatte in dreister Weise beet, »daß der jüdische Proschor Kürschnerin Ml» Aussatz des slosvenen Feldmarschalls Moltke diejenigen Stellen der Ursprung-! Bearbeitung ausoemerzt hätte, in denen Gras Moltke manche , ischofst» der in Polen wohnenden Juden scharf krilisirt hatte. iJn^Wahrheit aber hat Moltke dir Streichungen selbst ver- 'entlaßt, »eil er cinsoh, daß seine Kritik eine unzutreffend« sei — mt der »nichtjüdisch« Proseffor Kürschneri» .Bolkjetzt berichtigt. 2. Seomderg, lS. Mai. (Or^Eor.) Ein imposanter Leichen- ZUg bewegte sich gestern durch die Straß«» unserer Stadt. Galt es ..loch dir sterblichen Urberreste de» am Sonntag, den 10. d. M., ver» storbenen Kaufmann» M. Flieh zu Grabe zu geleiten. Sellen hat '.׳.wohl unser« Stadt ein ähnliche» Leühenbe. »eich hohe Belehrung de» Lerbllchenen Völlerung eutgegengebracht »urd«. ׳ und Verehrer de» Heimgegangenen herbetgeeUl, um diesem den letzten Loll der Liebe zu bleten. Der Verstorbene bekleidet« lang« Jahre ^hl- ׳ reiche Ehrenämter, war viele Jahre Sladtrath, Mitglied de» Aufsicht»- raihS dW hiesigen Gewerbevereiu», Borsteher des Kranken- und Armen- Mnstrstütztmgsverrin« u. I. w. r Uraukfurt, 18. Mat. Da» Leichenbegängnis, des Herrn EmU Roseuihal fand heute früh unter uugäoähuUch zahlreicher Be- ' iguug statt. Dein Sagen gingen dl« «berste» Klaffen her Realder ilrarlittschen Gemeinde mit ihren Lehrern voran; Mn eine u»»ds«hba« Schaar LeidtwWoeder, darunter »er Herr tA»>bsgM» und «el« Hrarinnv«, Müglstder fe* Stadtder׳ >»111111 iiiii 1t! 111!«111 ■p de» zahlreichen «arporationen, denen der Ber- «Mg» «Mgchlr», und schlstßlich eine ,roße Anzahl Equipagen. Auf de« Friedhöfe sprach i« Auftrag der FamUie Herr Rabbiner De. Plaut, der dir Seelengü» und den Gelstesretchthum, den H«rsta»d und da» Herz de« Geschiedenen pries. Herr Rabbiner Lr. Horovitz schilderte da» Wirken Rosenthal» Im Dienst der israelitischen Gemeinde, stiue Anhänglichkeit an das Juden lhum und die Nächstenliebe, die er, dessen Geboten s-lgend, gegen JeMmann übte. Namen» des Borstandes und Au»>chusse» der israelitischen Gemeind« rühmte Herr Rechtsauwall Ptotke Rostnthals eifrige Thätigkeit in allen ihm über» Iragcncn Acmlern, nainenttich auch im Pflegeamt des Hospitals und im Schulraih und hob dcffen durch die Anhänglichkeit an stinen Glaube» gelehrte Liebe zur Batcrstadt und zum Baterland hervor, indem er eine Palme aus den Sarg nirderlegte. Kiel, ll. April. (O:.-Eor.) Am ersten Prsiachfeiermg« trat unser neugewählter Rabbiner, Herr Dr. Moritz Stern au» Berlin, vor vollzählig versammelter Gemeind« und einer Deputation der städtischen Behörden stiue Stellung an. Die Antrittsrede, sowie di« Predigt de« letzten Peßachiages wurden sehr beifällig aufgenoinme», so da» wir mit den drfttn Hoffnungen der Neugestaltung unsere« GemeinMeben» rntgegensthey können. Die Religionsschult ist bereit» ne׳ orgaaisirt (fünsklassig) mit vier Lehrkräften eröffnet worden Hero Dc Stern, dem auch der Ruf al» tüchtiger Historiker vorangeht, wird t t wohl verftehen, auch «in friedliche» Zusammenleben und Wirken mit unsere« christlichen Mitbürgern anzubahnen. N»dylt» (Pose»). Am 7. Mat wurde der allgemein «achtet«, jüdisch« Lehrer Goctz hiers. zur Erd« bestattet Ein ungewöhnlich grohe» Gesolge aller Stände und ilousessionen erwies ihm die letzt« Ehre. Halle doch der Verstorbene am hiesigen Orte 30 Jahre hindurch treu und gewissen hast seine« schweren Amte» gewaltet; sein allzeit freundliche», gewinnende« Wesen machleu ihn bei Hoch und Niedrig beliebt, und sein »nerwanel schnelle» Hinscheiden erreate die allgemeinste TheU» nähme. Im Schulzimmer, wo er so viele Jahre stgensreich gewirkt hatte, lag er nun im schlichten Sarge aufgebahrt, umgeben von der schmerzersulllcn FamUie und der Schuljugend, die in ihm einen Väter» llchen Freund und vorzüglichen Lehrer für immer verloren hat. D« hiesige Lebrervrrein sang im Trauerhaust das weihevoll« Lied: »Wir ' sie so sanft ruhen- und am Grate hielt der Rabbiner M Nachbar» gemeind« Krotoschiu, Herr Dr. Bancth, eine ergreistnde Trauerrede.׳ Rach einem Gesang de» Lehrervereins legte im Namen deffclbe» Herr Lehrer Sopart einen prachtvollen Kranz auf das Grab des entschlafenen Anilsgenosstn. Er ruh« sanft! Htr«-d»kg kElsaß). Gelegentlich des Jahrestage» de» Tode» des Oberrabbiners Aron wurde am 18. vorigen Monates das durch freiwillige Gaben gespendete Grob-Denkmal deffelben enthüllt. Der Oberrabvlner und Dr. Gustav Levy hielten dabei die das Andenke« Aron's ehrend« Reden. Bon dem neugewählten Oberrabbiner Dreifuß, der in Schirr» Hofen in Elsaß geboren, behauptetc die Straßburger Post nach der Angabe französ. Blätter, daß derselbe einer Berleaung de» Sabbate» aus Sonntag nicht abgeneigt wäre Selbstredend ist daran kein wahre» Bort, e» handelt sich nur um die Einrichtung eine« Jugendgotte»- dienstes am Sonntag, da Mannllich die französisch« Jugend Samstag Nachmittag die Schule besuchen muß. (tpfmar. Am 6. April wurde hier unter großer Feierlichkeit und unter Betheiligung 8er Behörden und der evangelischen Geistlichkeit das von der Stadt errichtete groß« Schulgebäude eingeweiht, da» ein« Aeichenschule, ein protestantisiheS Asyl, eine jüdisch« Schule, ein jüdische* Asyl umfaffen wird. Es sprachen der Bürgermeister Schlumberger, der Oberrabbiner Isidor Weil und der protestantische Geistliche. Deren Reden einen schönen Geist des konfessionellen Friedens bekundeten. Au«V»e«rO»»r> wird gemeldet, Baron Günzburg habe vom Zaren die Weisung erhalten, Petersburg zu verlassen. Der Zar »oll« auch dem Haust Rothschild die Loncesfion aus die Naphmquellen im Kaukasus «ntzsthen. EKoska». Hier hat sich unter Milwirkung de» bekannten reichen Israeliten Poliakow ein ikomiier gebildet, deffen erste Sorge es war, ein Lagerhaus hersustellen, in welchem die ausgettiebenen Juden ihr Mobilar zurücklaffen könnten, da eine Beräußerung des» selben selbst zu SchleuMpreisen unmöglich ist. Biele der Unglückliche» zertrümmerstnMn ihrem Aerger die besten Stücken ihre« HauSgerälh», da jdieseiben völlig werthlos geworden sind. Der angesehen« und i» Moskau einheimisch gewordene greis« Kaufmann Lhischin verstarb plötzlich aus Gram über da» hereingebrochene Elend. Biele der »«hl» habendeu jüdischen Fitmen, welch« jetzt sämmtlich Moskau verlassen müssen, gedenken sich in den westlich gelegenen Städten ntederzulaffen. Manche beabsichtigen, nach Palästina auszuwandern. Nttze», 18 Mai. Der vroßrabbiner von Korfu hat der Regierung für die zum Schutze der Juden ergriffenen Maßregeln aedankt. Seit Freitag sin» in Korfu wieder all« Läden jüdischer Kausieute geösfuet und es herrscht wieder reger Verkehr. Ein Korfiote, welcher einen Juden beleidigt halte, wurde verhaftet, ein Polizeiagsnt «egen Nachlässigkeit abaesttzt. Ferner wurde der Mörder eines bei den früheren Erzessen aerödteten Juden, sowie 37 THeilnehmer an de» Exzessen verhaftet. Sowohl aus Korfu al» aus Zante wird eine strenge Uniersuchunö geführt. Man erwartet zuversichtlich dst baldige Wieder- Herstellung M: vollständigen Ordnung. Dst Regierung verhiudet dst weiter« Au»wanderung der Jude».