Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 21 (21.5.1891)
- Date
- 1891-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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vale werden «r zm» ersten burrh Rothschild repräsentirt werden soll, segnen. Die Kreuz- und Staatsbürger-Zeitung mögen sich aber beruhigen. Ruht alle Mllionen der Rothschilds nnd des Beron Hirsch können das Geschick unserer armen geknechteten Brüder im Osten ändern, das kann nur Der, vor welchem estrst ein Pharao sich beugen und ausrufen mußte: ,Wahrl!a>, das in der FingcrGottes". Dieser Finger Gottes hatsich dem Selbstherrscher des mächtige» ^Zarenreiches deutlich bereits gezeigt. Zn der vorigen Woche meldete der Telegraph aus der Hauptstadt von Japan, daß der russische Thronfolger von e,!׳״m Japanesen durch einen Schwertstreich verwundet wurde. Wie es bereite klar gestellt ifi, war es kein verkleideter Nihilist, nicht einmal — zum Bebauen! der ,Kreuz-Zeitung" — ein jüdischer Attentäter, sondern ein fanatischer Priester, der sein Schwert gegen den Sohn des mächtigsten Monarchen «zuckt. Fanatismus, religiöser Fanattsmus war die Triebfeder des verwerflichen Mordanfalls, also dieselben Motive, aus welchen heute unsere Brüder unter dem Scepter de: Paters des Prinzen mißhandelt iverden. Der Thronföl!er soll bereits wieder geheilt sein, aber die Angst des besorgten Vaters ist geblieben und — sie ist berechtigt. Es schwebt ein eigenes Berhängniß über dem .Hause der Romanow's. Seit 200 Jahren ist noch kein Thronfolger an du Regierung gekonimen und seit Paul I., der in seinem Bette erstickt wurde, noch kein Ezar eines natürlichen Todes gestorben. Der Ezar ist von Angst erfüllt um seinen Sohn, de.-, designirten Erben seines Thrones, um welchen der Nebel de. Gottesgnadenthums schwer gelagert ist, so daß die frommen Russen an Gottes Ungnade und Zorn gegen das Ezarenthum zu glauben versucht sind. In der Familie des Ezaren sind vor Kurzen, nicht allein zir-ei schmerzliche Todesfälle unter der ergreifendsten Tragik vm gekommen, sondern auch in der unmittelbaren Umgebung der Kaisers viele Krankheiten eingetretep, sodaß der Pater de- Familie tief gebeugt ist, aber trotzdem iverden im Namen des ,Väterchens" in Rußland tausend und abertausend jüdische Familien an den Bettelstab gebracht, vertrieben und mißhandelt. Erbarmungslos werden die Kinder von den Eltern .u-ennt und Hunderte von Meilen ttansportirt, weil sie das Unglück haben, Juden zu sein. Das Unglück macht mitleidig, '!t man, — sollte das schlvere Mißgeschick und einige Angst u״ sein und seiner Kinder Leben den Ezaren nicht endlich :׳. Milde gegen seine jüdischen Unterthanen führen. Er hat £־ entsetzliche Ende 1 eines edlen Paters gesehen — ferne '־• tti» ist seit dem Unfall bei Borki dem Schwermuth verfallen, Prinz Cöeorg, der zweite Sohn krank* *) — der Thronio-ger nur mit knapper Noch den, Tode entronnen — dürfen, müssen wir da nicht ausrufen: ,das ist der Finger Gottes." fürwahr, es ist die Stimme Gottes, die emst dem ägyptif <n Pharao zugerufen: ״Laß frei sein mein Volk, meinen erstgeborenen Sohn Israel, — widerstrebst Tu, so lege ich meine Hand an Deinen Erstgebornen!" »)Das ,Kleine Journalschreib!: .Vieles spricht dasür,. Njfe ,::;:r Mordanfall nicht der erste ist, zu welchem die Reise der toi et» Prinzen die Gelegenheit geboten hat, denn wahrend diese in -׳!-dien verweilten, ist der zweite Sohn de» Ezaren, Großfürst Georg, r,,:, am 9. Mai 1871, plStzlich von einer Krankbeit befallen, die später!a: Tuberculose bezeichnet worden ist, nachdem anfänglich gemeldet w.-e-en war. daß Prinz Georg bei einem Falle auf dem Schiffe sich ln ״e Verletzungen zugezogen habe, wa» noch näher dahin erläutert . rden ist, der Prinz habe mit einem Reisebegleiter gymnastische ...!ingen gemacht und sei beim Ringen unglücklich gefallen. That- * lich hat Großfürst Georg sich mehrere Monate zur Genesung von r, •<m Lungenübel iü Algier ausgehalten, und sein Zustand soll sich b utlich gebessert haben. Manche Umstände sprechen aber dafür, da» _u.r Lungenübel durch ein spitzes Instrument herbeigefühtt worden i-r. welche» sich in der Hand eine» de« Großfürsten nicht freundlich ד unten Menschen befunden hat. — Tie Allmacht und Unverletzlichkeit; unumschränkten Beherrscher» von IIS Millionen Menschen hat ihre 'D ^l»r muß nicht blo» sich selbst, sondern auch seine ganze -ד ™me einsperren, wenn er in seine« Herzen unverwundet »leibe» wiB.“ Baokoroa* bas Ende s Deine geknechteten Brüder in RuUand durch den G. tkMichen Schlag, der den Erstgeborenen getroffen, Wendung zum Bessern eintretrn wird. Möge die Jeder- Nacht, me man zur Ausführung der grausamen Maßregeln ausersehen, ihre alte Krnst als ׳י*יל als ,Nacht der Behütung von Gott" bewähren und die Stunde der Erlösung und Befreiung von Noth nnd Elend bald schlage». Inzwischen thun wir unsere Bruderpflicht, regen mit allenthalben Geldsammlnngen an, um den in Nottz uich Elend HinanSsejagte, schlennigft materielle Hilfe t* bringe». Die Red. d. Bl, ist bereit, Beiträge in Empfang zu nehmen und mit den betreffenden Eomitre'S behufs zweckmäßigster Verwendung in Verbindung zu treten.' Ti» Vorschlag von Rabbiner Dr. Gübemana. Wir -z 1 Ei«e«epresialie fftc «»fere vröder i« Ssrf«, Während die Ereignisie in Korfu aller Orten das Mitleid der Juden für ihre dortigen Glaubeusbrüder erwecken, übersieht man, daß denselben durch einen thatkräftige«, raschen Entschluß der gesammten Judenheit leicht geholfen und ihr trauriges Loos auf die Dauer verbeffert und sichergestellt werden könnte. Der Judenhaß unserer Zeit reicht nämlich nur bis an den Geldbeutel. Sobald dieser m Frage kommt, zieht der grimmigste Judenfeind die Kralle» ein und zeigt Sammtpfötchen. Auf diese Thatsache, welche, sogar in Rußland ihre Bestätigung findet, stützt sich unset nachstehender Vorschlag. Alljährlich werden von den Griechen in Korfu Tausende Kisten von Paradiesäpfel (Eßrogim) »ach Triest gebracht und von den Juden aller Länder zum Gebrauche am Laubhüttenfeste gekauft. Berechnet man die Verbreitung dieses Handelsartikels, wovon einzeln« Exemplare mit 10, 20 unb mehr Gulden bezahlt werden, so ergibt sichz daß Korfu eine sehr bedeutende JahreSrente oder einen Tribut von der Gesammtjudenheit bezieht. Diese Rente ist die Prämie dafür, daß die Griechen in Korfu alljährlich zu Ostern unsere Glaubensbrüder mit einer Judenverfolgung bedenken, und sie mit allen Schrecke« und Aenasten des Mittelalters heimsuchen. Sollen wir diese Prämie weiterzahlen? Raffen wir uns zu einem Entschlüsse auf! Ueberlasse» die Eßrogim den griechischen Judenfeinden in Korfu, und beziehen wir unsere Eßrogim von Palästina. Schon jetzt sollten alle Rabbiner und Gemeinde» die Zwischenhändler in Triest von dem Entschlüsse benachrichtige«, daß sie die Eßrogim von Korfu zurückweisen, damit man in Triest Eßrogim von Palästina einführe und für deren Berbreituna Sorge trage. Diese Maßregel, wenn sofort und allseitig in's Wert gesetzt, wird die Griechen zur Besinnung bringen. Sie werde« einsehen lernen, daß die Juden nicht länger Eßrogim kaufe» wollen, die in Gärten gezogen werden, welche mit dem Blute ihrer Glaubensbrüder gedüngt sind. Wenn die Grieche« z« ihren Ostern alljährlich einer Judenverfolgung nöthig Hab», so wollen wir es einmal zu unserem Laubhüttensest mit einer Griechenverfolgung versuchen, di« zwar harmloser und menschlicher als jene, aber für die Griechen gewiß nicht weniger empfindlich ist, denn diese scheinen, nachdem sie für die Sprache des Herzens unempfänglich sind, nur »och für die des Geldbeutels ein Ohr zu haben. Darum schon in diesem Jahre keinen Eßrogim mehr von Korfu! 3*00(11 die orthodoxen Griechen daselbst ihre Eßrogim nach Rußland zu Herrn WischnearadSky schicke» als Ersatz für die entgangenen SOO Millionen Rubel! Rußland uud Korfu — sie sind eines des andere« würdig! (Wir zweifeln nicht, daß dieser Vorschlag alleathalbär acceptirt und zur Ausführung gelange« wird. Red.) V ,■ $