Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 14 (2.4.1891)
- Date
- 1891-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tn Leisheit, welche uns Luffchluß gebe» über die Entwicklung der Sprache, der Weltanschauung, der Kultur in vorgeschichtlicher Zeit. Di« Traumbilder aus der Kindheit der Menschbeit werden Gwach. Kuhn hat sogar die Fesseln des Prometheus, die ein Zeus angelegt, als wissenschaftlicher Held gebrochen. Das bis dahin undurchdringliche Siegel der Mythologie wird allmählich immer mehr gelöst, das Unverständliche wird verständlich. Zum schwersten Räthfel,?Tythe. ist der Schlüssel gesunden, und bald wird auch diese Sphinx sich in den Abgrund stürzen müssen. Darum gilt eS, daß jeder in seinem Kreise ausmerke, was er von derartigen Sagen und Märchen zu hören bekommt. Es kann und soll Jeder sammeln, weil diese Ueberlieserungen heutzutage dem Untergang geweiht, bereits im Abstcrben sind. Wer sür solches Sammeln sich interessirt, wird seine Phantasie angenehm beschäftigen und den Dank der historischen Gesellschaft ernten. F. Au» der Zkfatz, 30. März. (Crr. - Corr.) In Rheingönnheim ist der Eantor der isr. Gemeinde, Herr L- Guggenhcim, d׳c erste Person, welche auf Grund des Reichsgesetzes vom 22. Juni 1889, die I. validitäts- und Altersversicherung betr., eine Altcre-rcnic von Mk. 187 bezieht. Ich registriere ihnen diesen Fall in der Absicht, interessirte Kreise > Synagogendiener, Schächter, Eantoren, Religionslehrer) in Jhrein gesch. Blatte daraus aufmerksam machen zu wollen, daß im Hinblicke auf die einschlägigen Bestimmungen des allge. Gesetzes, sür Kommunalbedienstete — was doch jene unzweifelhaft - sind — sofern deren Jahreseinkommen Mk. 2000 nicht übersteigt, oder welche nicht mit Pensionsberechtigung angestellt sind, eine Versic^rungspslicht besteht. Es wäre jedenfalls eine große Wohltat für jene Bediensretenkategorie, unter Umständen einen Notpfennig sich zu sichern sür jene Tage, von denen man sagt: ,Ich Hobe keine Lust an ihnen." AruuLfurt a. 25. Mürz. Der hundertjährige Geburtstag des Handelsmannes Tobias Cohn wurde heut in würdiger Weise in dem Betsaale der Synagogengcmeinde begangen, der festlich dekorirt war. Das Geburtstagskind, dem schon in rührr Morgenstunde ein Ständchen gebracht worden, wurd^ mit einem Wagen aus seiner Behausung geholt und fand im Saale seine Angehörigen und eine große Zahl von Gcmeindrmitgliedrrn versammelt. Eingelritet wurde die Frier durch Gesang eines Psalms, den der Kantor der Gemeinde vortrug, woraus der Rabbiner Dr. Löwenmeyer an den sein Wiegenfest Feiernden eine Ansprache richtete, in der er das seltene Vorkommen so hohen Alters hervorhob und aus die reichen Erlebnisse hinwies, die in so langer Zeit der Menschengeist erfahren müsse. Er erwähnte dann, daß Moses denselben Namen .Tobiah" geführt, den der Feiernde führe, daß um dieselbe Zeit der Tag der Geburt Mose's falle und auch er über 100 Jahre alt geworden sei, nämlich 120. Möge Gottes Wohlwollen dem Feiernden vergönnen, auch dieses Alter noch in Gesundheit und Rüstigkeit zu erreichen. Es folgte dann eine kurze würdige Ansprache des Vorstehers der hiefigeu Gemeinde Herrn Lew in. Dann wurde ein *-vlog vorgrtragen, und dem Feiernden eine Adresse seiten« der Meseritzer Gemeind«, aus welcher Stadt er stammt, überreicht. Verschiedene reiche Spenden wurden scUießlich dem Geburtstagskind« überreicht, von einem Berliner Gönner ein Sparkassenbuch, aus 1000 Mk. lautend. Der Feiernde wurde per Wagen wieder in seine Wohnung gebracht, die inzwischen sich mit allerhand freundlichen Gaben und Spenden, oarunter rin prächtiger Sorgrnstuhl, ein prächtiger Pelz, von einer hiesigen Kürschnerei und Pelzwaarrnhaodlung ge» spendet. Weine aller Art, Blumen x. gefüllt hatte. Der Nachmittag war der Feier im Familienkreise gewidmet. Möge ein gütiges Geschick dem hochbetagten Geburtstagslinde die bisherige Beweglichteft und Lebensfrische noch lange erhalten und ihm ei» MoseS-Alter beschieden sei». Zu» MürtlemSepA. Do jüngsrhi» i» diese» Blätteru vom LugendgotteSdicnst mehrfach tzft IgäeiKx, ■ Q■ i daß ich in meiner Gemeinde durch sechs Jahre am Sobbakh Mincha die Exhorte hielt, entnommen der Sidra, Hafiava. zuweilen auch den Sprüchen der Väter, weil ich dir rrlig. . Ermahi ung und Belehrung der Jugend an heftiger Stätte^ für wirkungsvoller für die Charakterbildung und Festigung^ der Religiosität halte, als die Zurechtweisung in b«r; Schule. Ein deulscheS Lied vor und nach der Rede erhöhte die Weihe, auch trug die Anwesenheit der Erwachsene« i» Bethause viel zur Hebung der Andacht und Ruhe bei, ofe, schon der Bortrag mehr der Auffassung der Jugend nni> . kindlichen Anschauung angpaßt war. Zur Thora werde» die größeren Schüler aufgerusen und manchmal das Mincha. mit dem Maarib-Gebete verbunden, so z. B. an Chanuka. Der Erfolg war in jeder Hinsicht befriedigend und ist diese Einrichtung zu empschlen. vr. S. . . Ura«Vr,ich. ־$ Stari*. Michel veröffentlicht im ״SRabicat* mehr noch;. als Franzose, wie als Jude, eine energische Verwahrung,'. J weil einem Israeliten von dem russischen Consul in PariH. der die Ausstellung in Moseau beschicken wollte, der Paß: ft verweigert wurde, mit dem Hinweise, e« müsse seitens der; Bittsteller ein Taufschein vorgelegt werden. Durch' diese . 1 Maßregel wolle man da« Eindringen der Juden in Rußland j hindern. Auf Intervention der französischen Regierung erfolgte י nach dem ״Memorial diplomat.- gleichfalls Ablehnung feite»«- \ des nordischen Reiches. Da es in Frankreich eine Menge geborener Christen giebt, die nicht getauft sie, so ist man 3 begierig zu wissen, ob auch diesen der Eintritt in da» russische Reich verschlossen bleibt. - -z Ewzzland. ״ <£•»*•«, 27. Februar Am 1. d. Mts. beging Rev. f Professor Marks, der Nestor der jüdischen Kanzelredn« Englands das 50 jährige Jubiläum als Prediger an der a East-London-Synagoge. Die Gemeinde, welche ihren Tempel in der Berkeley-Street hat, feierte ihren ersten Gottesdienst :• am 27. Januar 1842 in der Burton Street. Eia Jahr׳ ftüher wurde Herr Pros. Marks als deren Geistlicher ge» wählt. Diese Zeit war wohl die geschäftigste Periode in seiner AmtSthätigkeit, da er sich der schwierigen und delicate». Aufgabe unterzog, den Grund zu einem neuen Ritual und zur Herausgabe eines neuen Gebetbuches zu legen. Daß.׳ dieses gleich mft allen möglichen Vollkommenheiten an da«- , Licht trat, geht daraus hervor, daß es während des halben- " Jahrhunderts keine wesentlichen Veränderungen erfahren hat. ' Herr Marks war 30 Jahre alt, als er an di« Spitze der Reformbewegung trat. Er ist heute ein SOiähriger Greis, dennoch trägt er mit Leichttgkeit die Bürde der Jahre. Nach wie vor entledigt er sich mit ungeschwächter Kraft seiner geistlichen und Lehrtätigkeit. Nur wenige» MänueähF ist eine so lange Zeit erfolgreichen Wirken« beschieden. Die Zahl der Grmeindemitglieder ist von 16 inzwischm ans über 500 herangewachsen. flantf«. Ve»-'Y«rk, 6.März. (DaS neue Einwanderung«»' Gesetz.) Dieses in der vorigen Woche von dem Long«ß^ erlaffene Gesetz hat eine weittragende Bedentung für die'S jüdisch-russischen Einwanderer. Zweck deffelben ist, jedrM» Fremden von unserem Lande fernzuhalten, welcher di« Mittel . zur Reise hierher aus UNterstützungSfonds erhalten hat^ j falls er nicht Nachweisen kann, daß er nicht zur Klasse der , Armen yder sonst Ausgeschlossenen gehört.. Ja der btcic^ bezüglichen Bestimmung heißt es: -׳ »Folgend« Ausländer sollen von der Zulassung zu de» Bereinigte»,-)! Staaten ausgeschlossen sei»: Alle Idioten, Wahnsinnig«, Arme oh« Personen, welche leicht dem Pnblitu» zur Last fallen können und soltbe, welche mit einer elelhaften oder «»steckend«» Arnnkheit behaftet sind; ferner solche Personen, die eines lapttalverbrrchenS oder eines י ehrlosen Vergehens überführt sind, Palygamtften »nd alle, dere» Ueberfahrtkosten vom «elde «ine» L»der n bezahlt wurden »der die sonst nur durch Unterstützung Anderer die.