Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 11 (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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700,9004h» ffnfanr 0LS,000. Wj»r» Dnttfthlaad zählt 600,000 Jtzrarlften. I« audern finb mc Juden minder zahlreich. England hat «u«fähr 100,000; Frankreich 80,000: wovon '/, in Pari»; Holland hat die glnch« Anzahl wie Frankreich, wovon die Hälft« in Amsterdam: Italien 50,000, hauptsächlich in Nord- und Mittelitalien; die Schweiz 9—10,000; Belgien ■0—7000, Dänemark 6000, Schweden 3000, einig« Hundert in Norwegen. In Spanien wohnen nur 15—16000 in dem von England beherrschten Gibraltar. Im Osten Europa'» wohnen in der Türkei 120,000, in Griechenland, meistens in Torfu, 5—6000; in Bulgarien 20,000; in Serbien 6000; in Rumänien 3—400,000. Ganz Asien iat^t 300,000, di« grvßtenthril? in dem oltomauischem teiche, inkkleinasten, Syrien und Paläst',>a wahnen. Man findet einige Tausend in Persieu, Centralasten, in Indien und China. Amerika zählt bald '/> Million J»raeliten, Die meisten» in Nordamerika wohnen. Australien und die Pocefique-Jnselo zählen 20,000 Juden. R«Ota«d. 5. März. Dadurch, dag den Juden;:r in Rußland durch die bekannten Gesetz« ganze Kategorien von Beschäftigungen verschlossen worden sind, ist di« k־־*mtft dcnselb.u sehr groß gewzrdeu. Beso«rS'schÜ«» ' steht r» in de» nor<- und.-südwesÜichM Gßkiwrnement». so dag sich der Äeueralgouvert««ur von Kiew Graf AMlUsew ' -<ei« Bruder de» bekannte« Diplomaten) veranlaßt gesehen hat, bei der Regierung um Milderung der gegen die Juden «richteten Maßregeln zu bitten, da die übrige Bevölkerung י darunter schwer leidet und die Juden durch Noth und Ent \ behruugen, durch Hunger und Elend zum Acußerstrn ge» ^' trieben würden. <£» haben sich sogar im Kiew'schen und Podolischeu einige bewaffnete Räuberbanden geblldtt, H ^die durchweg« au» Juden bestehen. Eine solche Erschein״.»g M ist gewiß sehr chv'akteristisch. Mau kann sich von dem M Sleuo der Bevölkerung eine Idee machen, wenn schon der ^friedliebende Jude zum Gewehr greift und unter die «Luber geht. Seltsam, daß man in kompetente« Sphären H>1» nicht einseheu will und in diesen Erscheinungen nur ein Symptom jüdischer Verkommen heit und Lasterbaftigkrit * sieht, während dieselben doch nur unausbleibliche Folgen unmenschlicher Behandlung sind. Jüngst wurde eine solche jüdische Räuberbaud« eingefange« und selbstverständlich werten die Mitglieder derselben sehr streng gerichtet werden. Di« Zeitungen erheben ein entsetzliche» Geschrei, daß die ' Juden den Staat bedrohen und r» fthlte nicht viel, so er- - klärte «an die gesammte jüdische Bevölkerung Rußland», etwa fünf Millionen, rechtlose Menschen, für eme Räuber» * Horde, dir mit Feuer und Schwert auSaerottet werden müsse. Wer hat j»och den Juden zum Räuber gemacht? Auch ist darüber viel Staub ausgewirbelt worden, daß die - Luden der Militärvficht -sich entziehen. (Daß diese i; Beschuldigung in gewisser Beziehung unbegründet, ist vor ^kurzem erst ziffernmäßig in diesem Blatte na'chgewiesen Wochen.) Woher soll den Juden der Eifer für den Mili- -tärdienst komme», wenn ihnen von vornherein jede Aussicht -auf Beförderung getwmmen ist. Bor etwa zwanzig Jahren, al» die Reform sich vollzogen und die allgemein« MilitärchstiH soeben in» Leben getreten war, wurden mehr Juden zu Offizieren befördert; einige wurden sogar Garde- «öffizirre. Doch al» nach dem kurzen liberalen Rausch der lauge reaktionäre Katzenjammer eintrat, wurde den jüdischen zieren bedeutet, daß sie ihre Entlassung zu nehmen und gegenwärtig giebr e» in der ganzen russischen 1ee keinen einzigen jüdischen Offizier;, ja sogar zu Unterrfffiziere.» werden Inden nicht mehr befördert. (Fr. Zig.) . , Krrmijchtr «rd tutuße Wmtzruhte». Beeil». Dte Bertheilung der Zinsen au» der große» 1t Millionen- ' »eich« der jüdisch« «ewetxde am* dem Rmtziaß Je» Dr. ,»DWffe» iß, hat warnet hMuu«. Dt« jüdffche Gemeind« ft«' >G»tlM'n«chßtchtm M» «uMMWU'der «MM kr« Bestrebanaen »hu« Rücklicht aus RAigion tu uutf< Denjenigen Beretnen, beten Gesuche berLckfichttär sind, ist et« sung zur Abhebung der überwiesenen Betrüg« bereit» zugegang«. Berit». Der sei: 6ü Jahren bestehende ««rein zur Kürsorge für jüdische Proselyten beging am Sonntag sein Jabressest. Dt« Sinnahmen de« Verein» find sehr zurückamangen auf 1736 M, — 160 1K. Sbenote» der Kaiser al« Beitrag. 900 M. wurden vom Berel» znr Berbreituna de» Christen»-»«« unter den Juden gezahlt. Berausgädt wurden 1672 M. Zu Weihnachten wurden SO Proselyten-Aamilie» beschenkt. Bon einer .kleinen Verwechslungberichtet di« .Nordd Rüg. Zeit." Der Verein hatte zum Festpredtger den Domhilfsprediger Koch ausersehen, der gleich de« Verein den Juden gegenüber sehr versöhnlich denke» soll. Durch ei» Versehen kam jedoch di« Ciuladuag in di« Hände de» in der Elisabethgemeind« wirtenden Prediger» Koch, der die Einladung annahm, und zum Entsetzen der BereinSmitglieder auf da» .sich selbst sür den Messias haltende Judenvolklo»donn«rte Berti». Der Sanitätsrath Dr. Jultu» B o a » ist zum Geheimen Sanitätsrath ernannt worden. Au» Berlin schreibt man uns: Sie können sich gar nicht denke», wie sehr man hier gerade von jüdischer Seile bemüht war, den Fall .Mayda umzu einer caase celtbre in den TagesblSttern auf» zubauschen, um .Maybaums Fallherbeizusühren Bedauerlich ist'», daß sich gerade «in Mann, der im Bne Brith-Orde», wie man mir sagt, eine allzu einflußreich« Stelle einnimmt, sich ganz besonder» bterbri hervonha». Ich hatte gedacht, daß diesem Orden Frieden«- oestrebungen in erster Reih« innewohnen sollen. (Allerdings. Red) \ Berti». Da» Vorderhaus der neuen Synagoge in der Linden- Fräße ist jetzt von den Gerüsten srrigelmt und zeigt sich al» «tu ptonumentatelASchmu» sü^ jene Gegend. Das Gebäude nach de» Ent» -־ würfe» der Architekten Creme! und Wolsenstein durch^dt« hiesig« Firma Held unp Franke in rothen Verblendsteinen ausgrfübrt, ist von üoekau?* vornehmen Formen. Die linken Seiten laufen in spitze Giebel aus während in oer Milt« der gewaltig« Rundbogen-Thorwea den Durch» blick aus das t« Hose stehende Gotteshaus eröffnet. Die vordere» Räum« werden zu Beamten» und Lehrerwohnnngen, sowie für religiöse Unterrichtszwecke eingerichtet. Rsuigsdeea t. tztze. Der so. Jahresbericht de« «sraelitische» Waisenhauses für Stadt und Provinz zu KSnigsberg i Pr. liegt uns vor und wir entnehmen demselben, daß dte Anstalt 26 schulpflichtige Knaben. 6 schulpflichtige Mädchen und 2 Handwertslehrlinge' »ätz«. Hervorhebenswerth ist, daß durch et» Legat des verstorbene» Herrn Geh. Commerzienrath« Moritz Simon eine Abtheilung für Handwerk»- lehrlingc begründet werden konnte; wie denn gruudsätzltch sämmUiche der Schule entwachsenen Knaben — wenn nicht besonder« Umstände dagegen sprechen — dem Handwerksstand« zugesuhrt werden sollen. Den Schulunterricht erhalten die Zöglinge in den öffentliche» Lehr» anfialten. Der Vorstand der Anstalt besteht auden Herren Dr. Ad. Friedländer, Stadtrath Theodor, Rabbiner Dr. Bamberger, Alexander Magnus, Swbtrath Eichelbaum »Insterburg, Marx, Ztmmermeister Lewensohn und Ascher Aron; al» Ehrendam« fungirt Frau Dr. Rosa Falken ft ein Leiter der Anstalt ist Herr Adolf Perltz und Hausmutter Fräulein Hedwig Reumann. Dt« Einnahmen beziffern sich aus M. 214071,07, di« Ausgaben »ns M. 240737,62. Hardn«, Das 60jährig« Jubiläum des Lehrer» Fleisch- Hacker findet am iS. März er. statt. Arankfnrt a. 9/t. (Lr.-Corr) Auch die hiesigen Orthodoxen haben gleich den Betlinern sich beeilt, über den Rabbiner Dr. Maybanm wegen deffen veröffentlichten Rede über Berner'« Vortrag herzusallen und den Stab über ihn zu breche» Einer ihrrr Radbtuec benutzte sogar dte Kanzel, um sein »n»ti>«>n» oit auf Man» baum's Haupt herabzuschleudcn. Dte Herren sind sich schier atomar n«ph—oh al k«da»ohjL« tuMohem . . . Dar»ft»dt. Der Vorstand der israelitischen Reltgionsgemeindr Darmstadt hat durch da» Sroßherzogliche Kreisamt Anzeige bet der Großherzogltchen Staatsanwaltschaft gegen den Redakteur des .Land- Wirt- und Bienenzüchter-, Herrn Adolf Theiß, >oea«n - 166 bty St.-G.-B. (Beleidigung einer Religion re.) erhebe»!aye». M»tkt«»d»eest Rur «in« Woche nach dem Dahiascheiden seiner mir ihm durch 44 Jahre in glücklicher Eh« verbundene» Gatttu e»tschlief gestern in Schwerin der Commerzienrath S. Salomo». Herr S. war einer der größten Grundbesitzer in Mecklenburg und Inhaber der seit länger als einem Jahrhundert destehenden Firma Solomon Jsaac Söhne in Schwerin, früher in Stavenhagen. (Er war der letzte noch überlebend« Sohn des durch Friß Reuter in seinem .Strömt»»- verewiattn, ebenfalls allgemein beliebt gewesenen Mose« Salomon.) Itzt«». In dem neuen österreichischen Reichsraty sind folgende 6 Jude» al« Abgeordnete gewählt: Dr. Bloch für Kolomea, Dr. Byk für Brody, Dr. Schack svr Wien (innere Stadt), Dr. Rappoport für Krakau, Dr. Rose »stock »Brody Handelskammer) und Luzatti für Triest — Di« Antisemiten haben 3 Kitz« verloren, aber dafür 7 neu« ge- Wonnen, das g>Me antisemitisch« Contingrnt stellte dt« Hauptstadt. »Cs giedt nur a Wien!- G»nftKUti»«pet. Der Sultan Abdul Hamid hat aus seiner Prtvat-Ehatule für dit durch den strengen Winter nothleidende» Juden tu Patästina 100 kürt. Pfund (2000 Markgespendet.