Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 9 (26.2.1891)
- Date
- 1891-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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a ־feuftfaftcn aber find Diejenigen, die die Fortschritte der Zivilisation Hera »»fordern, indem sie ihre Emen, ihre Be׳ tleidnnß und ihre Unreinlichkeit kmservirrn. Redner will, daß tne Regierung alle Gesetze und Verordnungen, welche -egen die lleberhandnahme de» jüdischen Elemente» bestehen, mit aller Strenge zur Anwenduna bringe. — General Manu bedauert, daß Sturdza da» bekannte Cirkular zu -Gunsten der Juden mit eingeflochten habe, wodurch seine Interpellation einen oppositionellen Beigeschmack bekommen hätte. Di« Anklagen gegen da» Ministerium seien nicht gerechtfertigt, weil dasselbe alle gesetzlichen Maßnahmen getroffen ha«, um die Ueberfluthung des Lande» durch die 'Juden zu verhindern. Im Uebrmen steht Redner mit dem Interpellanten auf demselben Standpunkte, und wenn Sturdza von den Gefahren spricht, welche insbesondere für die Städte bestehen, wo sich die Juden in außergewdhn׳ licher Zahl niedergelassen haben, so gilt das in erster Reihe -attdj von der Hauptstadt des Landes. WaS die Juden betrifft, welche bereit» im Lande wohnen und sich den destehenden Gesetzen nicht unterordnen wollen, so werde die Regierung ihre Pflicht thuu. Der Ministerpräsident erklärt, daß er bereit» durch ein Rundschreiben dm Präfekten -Befehl ertheilt hat, gegen die au» Rußland einwandernden Luden mit aller gesetzlichen Strenge zu verfahren und ihnen die Niederlaffung nur dann zu gestattm, wenn sie ihre Szistenzmittel Nachweisen könnm. — Sturdza beantragt eine bezügliche Resolution, der Senat aber geht zur Tages- -oronung über. Ker«ijchte und «rarste N«Hrichtrn. Vkngdebnrg Lu» Petersburg, 17. Februar wirb uns ge- -geschrieben: 8• besteht die Lbsicht, diejenigen vormal» jüdischen Lu- Lältr, welche Christ«« geworden sind, in ihren Rechten de» christlichen Slenoffen erst dann gietchzustellen, wenn seit dem Vlaubentwechsel drei Jahre verflossen find (Biele jüdische Advokaten traten znm Christrnthum über al» die Maßregelungen ihre» Glauben» wegen andauerten.) Baeli», 18. Febr. Lu« bester Quell« will da« »Volkersahren haben, baß von de» 23 jungen MSdche«, welche dieser Tag« di« Be- «chtigung erhielten, Lfter» in da« hiesig« königliche Lehrerinnen- Seminar einzutrelen, 12 Jüdinnen find. In den Berliner Gemein beschulen sollen schon über 80 jüdische Lehrerinnen angestellt sei». — Welch «in Unglück! Sodom» End«! Larb»rg a. Elbe. Lm 1. März er. sind e» SO Jahre, daß -Herr Lehrer Fietschhacker sein Lehramt ununterbrochen bekleidet, wovon 43[/» Jahr hier al» Lantor, Lehrer und Prediger: in den ersten 26 Jahren auch al» Schachet. t Schlesien). Unser allgemein beliebter Lehrer und Eantor Herr M. Lintner begeht am 20. März cr. sein LSjährtge« Lmtäjnblläum verbunden mit der silbernen Hochzeit. Die Wemeinde beabsichtigt, ihrem Eutlu»beamten diesen Lag zu einem recht angenehmen zu gepalten. M»« Hesse« läßt sich da» .Balifolgend« Siilblüthe senden: »Der J»>» Heinemann in R.-Aeisel, hatte da« Bedürft!iß, sein 2Sjährige» Jubiläum al» Judenlehrer zu seier«, und lud dazu di« kret-schulkmnmission et«. Natürlich erschien weder kreiSralh noch Schulrath. Dieser Borgang wurde im »Kasseler SonntagSblatt" veröffentlicht und dabei bemerkt, der Zweck sei jedenfalls ein .geschäftlicher" geivesen. 4k« wird aber von glaubwürdigen Leute« versichert, während de« Festalte» seien keine Ge,chästcheu abgeschloffen worden, wenigstrn» nicht in brntschen, verständlichen Worten— Da» Schöffengericht Butzbach sah nun u> jener Unterstellung eine Kränkung de« Judenlehrer» und verurtheilte be« Lrtikelschreiber,zu 20 M. Bet dieser Äelegeahet» wollte der klägerische Anwalt einen Schössen ablehnen, weil derselb« Antisemit fet. Da» Gericht gab dem Antrag keine Folg« mtt der höchst dezeichnenden Mottvirung: »Sonst würden un« mit der Zeit keine Schöffen «ehr übrig bleiben, wenn man au» jene« Grund« ablehne» wollt«.- Unch et» UrtheU!" (Liegt in de» letzten Worten nicht eine unerlaubte Kritik, eine Verächtlichmachung de» betr. Gericht»?) 18. Febr. In der gestrigen Sitzung der Strafkannner de» Landgericht« wurde der Makler L. Sarren«leben au» Gernsheim wegen Störuug de« Gottesdienste» in der t«raelttischen GPMgoge aus Grund de« tz 187 de« St.-G.-B. zu einer Besängntßfmft von 14 Tagen verurtheilt. Er batte seinen Sohn in der Vorhak« der Synagoge geschlage» und ihm «ine» .schlechten Schuft" aenannt; der Lärm drang in di« Synagoge, wodurch der Gottesdienst Gtselbst ««stört wurde. Bvchslt. Der Htls«vrrrt» ,E»ra» kefufim", vor Jahre»frist aegaünbet, versolat de» außerordentlich löblichen Zweck, mittellose oder Jk ihm» BertnqgrnSv«! hältniffe» zurückgegangene Glaubea»gen offen '-Gewähr«,, zftGfmiar Darlehen, \mrtt durch soustig« Hilfe- ■ן Wieder erwerbsfähig zu machen. Der Berel» hat seinen Sitz in ' -» - IJtiwf-.. ■״«l■ .t -.־״. . .ft , I ־ *V Bßcholt miß besteht, wie wir au» de» an» »erlieg-.-« den Berta, pro 18K0 ersehe». ««» 18 Gemeinden mit 260 Mitgliedern, die einen Jahresbeitrag von 6 Mark entrichten. Die Einnahmen betrugen Mk. 1327, die Ausgaben MI. 1838,16. Wir können nur de« sagen«» reiche» Institut wünschen, baß recht zahlreiche Mitglieder demselben beitrrtrn mögen, damit brr HilfSverei» seine edle Aufgabe ersüle» kan«. (Da« ist die segensreichste Unterstützung, die de« in äugenblicklicher verlegenheil Befindliche« die Mittel gewährt, sich selbst »nszuhelsen, di« dem Empfänger die Schomröth« erspart Almosen anznnehmen, sondern die Menschenrttird« tu ihm achtel, ihm die Hand zur Selbsthilfe bietet, .auf daß er al» Dein Bruder (nicht al» Bettler) neben Dir lebe" — wie e» in der heil. Schrift heißt) Lemberg, 24. Februar. Die hiesige Predigersrage ist endlich wieder in Fluß gekommen. Am jüngsten Sonnabend Hai Hr. Rabbiner Dr. Sara au» Pilsen hier eine Nastprebtgt gehalten, -I« sich großen Beifall» erfteut«. Lang. Die Königtn-Regenttn hat da» Patronat über de» .Verein zur Förderung de» Handarbeitöunlerricht» unter den Juden" übernommen und ist Ihre Majestät hierin dem Beispiele ihre» Ge» mahl» und deffen Bater» William U. gefolgt. Haag. Der Arzt im jüdischen Hospital Rothschild in Jerusalem, Dr. Aregory d'Arbela, wurde zum niederländischen ffonful ln Bayrmh ernannt. Derselbe wurde früher schon von dem Sultan in Zanzibar zu diplomatischen Missionen bet dem Könige von Italien verwendet. Der rühmlich bekannte Pros. Rosenstein in Lr yd n, der Sohn de» früheren Berliner RabbinatSasseffor», der aus Empfehlung Birchmv» zu Zeit hterber berufen wurde, feien« unter allgemeiner Anerkennung und Betheiligung sein 26jSHNge< Prosefforjubiiäum. Varia. Hr Isidor Eahen ist von der Redaciton und Gesammtleltung der Archive», di« er circa 40 Jahre geleitet, zurückgetreten und hat diese dem ftitheNgen Miwrbeiter Herrn I. Prague übergeben. Dieser entwickelt in ausführlicher Weise sein Programm unk verspricht: zu vertheidigen nach Außen, zu belehren und zu unterhalten nach Innen. Vart« Entgegen unsrer Ansicht, daß auch in Frankreich Juden al» Militärbevollmächtigle nicht gern im Divlomatendienste verwendet werden, erwähnen dir Archive», daß der Lieutenant Eamtll« Leo» während zweier Jahre al» Militärbevollmächligler bei der französischen Gesandtschaft in Wien gewesen sei. Eine Ausnahme hebt noch keine Regel aus und halten wir di« un» von einem hohen französischen Militär mitgethetlle Dhatsache, daß ein jüdischer Offizier seine« jüdischen Namen willen von dieser Laufbahn zurückgesetzt wurde, vollinhaltlich aufrecht. London, 24. Februar. Lord Aberdeen präsibirte gestern der Bersammlung eine« Verein» zur Unterstützung der russische» Juden und erklärte, der Zweck de- Verein» sei, die Juden zu unterstütze» und zu beschäitigen, besonder» aber die Gründung einer Juden-Lolont« in Palästina zu ermöglichen. Eine hieraus bezügliche Resolutton wurde von der Bersammlung angenommen. V»terS»«rg 19. Februar. Da» kriegsministrrium hat a» de» ReichSrath eine Borlage gerichtet, wonach da» Gesetz vom22 ׳. Mat 1830, betr da» verbot der Juden im Don'schen kojacken-Gebiet sich niederzulaffen und daselbst Immobilien zu erwerbe», auch da» Kuban- und Terrck-Gebiet ausgedehnt werden soll. Vetevodnr». Herr 0r med. M L. Finkelstein, welcher im Jahr« >877 für seine in der Nacht de» 14. Jvni beim Uebergang« der Russen über die Donau in der Näh« von Simnitza bewiesene Tapferkeit mit dem Krrnz« de» St. Wladimir- Orden» decorirt wurde wurde am 27. Decemder s. I. in den erblichen Adelstaad erhoben mit der Berechtigung zur Eintragung seine» Namen» in den 3. Band de« Adeltlexicon«. Veeervbnrg. Im Zusammenhaug mit der Lutzki-Affaire erfolgten zahlreiche Berhaftungen, der:» neuest«, die eine» gewtff«« Rappaport Hierselbst, die wichtigste sein soll Im Ganzen wurden 160 Personen, welch« angeblich der Unsturzpartei angehören, verhaftet, darunter auch mehrere Frauen. Brody, 23. Februar. In einem an sämmtlichc Konsulate gerichteten Erlasse au» Petersburg unters agte der Minister de» Aeußer» die fernere Ertheilung von Pahvisa's an jüdische Reisende aller Länder mit der Klausel, «gtltig für jene Gouvernement», in welche» Inden der Auftnihall gestattet ist" Ausgenommen bleiben Großhändler, Großtndustrieüc, sowie Ausländer, weiche in Rußland zur GUdesteuer zugelaffen worden. Dieselben dürfen Rußland ohne BeschrSnkung bereisen. Da nach dem neuen Militärgesetze auch Geistliche vom Dienste im Heere nicht befreit sind, wurde unser junger Rabbiner Herr Samuel Se r or zur Ableistung seiner einjährigen Dienstzeit zu seinem Regiment« in Oran «inberusen. Nigrer. Ein eigenthümlicher Gebrauch herrscht seit vielen Jahr- Hunderten in den Synagogen Algier«. Am Sadbath »ach Berlesung de- Wochenabschnitte» wird der AdschiedSsege«, welchen Jakob seine» Enkeln ertheilt« (wohl *?KUH המלאך) in arabischer und chaldäischer Sprach« von der Kanzel herab nnd zwar von eine« 8 bl» 10jährigen Tedttrt tktneinnati. Die drei polnische» Gemeinden hier Beth- Hamtdrasch-Haggadol, Oheb Schal»« nnd Beth Jakob haben sich zu einer Corporetton vereinigt und den Herrn C. H. Htlkowitz zu ihrem Rabbiner nnd I. Drygnl zu« Präfibenten gewählt, wa» »ebenfall» et» veraünsttgec Schritt vorwärt» ist, besonder« m de» Herr Rabbiner Hilkowitz »1» fähiger und würdiger Mann bekannt ist.